mini|ICCROM-Mitgliedsstaaten
Das ICCROM (, ) ist eine zwischenstaatliche Organisation mit Sitz in Rom, die sich der Denkmalpflege von Weltkulturerbe-Stätten mittels Training, Information, Forschung, Zusammenarbeit und Förderprogrammen widmet. Das Ziel ist die Förderung der denkmalpflegerischen Restaurierung und die Stärkung des Bewusstseins für die Wichtigkeit und Fragilität des Kulturerbes.
Die Gründung der Studienzentrale erfolgte auf der Basis eines Antrags während der UNESCO-Generalversammlung, die 1956 in Neu-Delhi stattfand. Drei Jahre später wurde sie in Rom angesiedelt. Derzeit hat das ICCROM 137 Mitgliedsstaaten.
Aufgabe Das Aufgabengebiet von ICCROM definiert sich aus einer Reihe von Statuten, welche kurz vor der Gründung der Organisation festgelegt wurden (Überarbeitung: 25. November 2009). (auf Englisch). Aufgerufen 2016-10-18.
Art. 1 (Zielsetzung und Aufgaben)
Die Internationale Studienzentrale für die Erhaltung und Restaurierung von Kulturgut, nachfolgend genannt „ICCROM“, soll weltweit zur Weiterentwicklung der Konservierung und Restaurierung von Kulturgut beitragen durch Anregung, Weiterentwicklung, Förderung und Verbesserung der Rahmenbedingungen für Konservierung und Restaurierung. ICCROM soll insbesondere die folgenden Funktionen ausführen: Beitragen zur Sammlung, Studium und Verbreitung von Information, rund um wissenschaftliche, technische und ethische Themen der Konservierung und Restaurierung von Kulturgütern Beitragen zur Koordinierung, Anregung und Einführung von Forschungsprojekten auf diesem Gebiet, insbesondere durch Beauftragung von Institutionen oder Experten, Veranstaltung von internationalen Tagungen, Veröffentlichung (von Lernmaterial) und Förderung des Austauschs unter Fachleute. Beratende Funktion haben und Empfehlungen aussprechen in generellen oder spezifischen Fragen im Bereich der Restaurierung und Konservierung von Kulturgut Die Fachausbildung im Bereich Denkmalpflege und Restaurierung von Kulturgut fördern, weiterentwickeln und anbieten um die Standards in Denkmalpflege und Restaurierung anzuheben Beitragen zur Förderung von Initiativen, die zu einem besseren Verständnis der Denkmalpflege und Restaurierung von Kulturgütern führen.
Aktivitäten ICCROM erfüllt seine Aufgaben durch Aktivitäten in folgenden Tätigkeitsbereichen: Ausbildung, Verbreitung von Information, Forschung, Kooperation und Advocacy.
Ausbildung Die Organisation leistet einen Beitrag zum Aufbau von Kapazitäten durch die Entwicklung von Ausbildungsmaterial, durch ein weltweites Angebot an Schulungen, sowie durch die Vergabe von Praktika und Stipendien. Seit 1965 bietet die Organisation Fortbildungskurse für Fachkräfte zu einer Vielzahl von Themen an, wie z. B. Konservierung archäologischer Grabungsstätten, Dokumentation und Bestandsaufnahme in der Archäologie, Konservierung und Erhaltung von Bausubstanz, Beiträge zur Entscheidungsfindung in der Denkmalpflege, Management von Kulturgütern, präventive Konservierung in Museen und Risikomanagement für gefährdete Sammlungen. Weitere Ausbildungskurse fokussieren auf spezifischen Materialien wie beispielsweise Stein, Holz oder audiovisuelle Materialien und wieder andere konzentrieren sich auf regionalspezifische Aspekte, wie beispielsweise auf Denkmalpflege im arabischen Raum oder in Südostasien.Information zu ICCROM (Broschüre, 2008).
Information Die Bibliothek der Organisation ist eine der weltweit führenden Informationsquellen für Denkmalpflege und Restaurierung von Kulturgütern. Sie umfasst mehr als 120,000 registrierte Quellenangaben und 1.800 Fachzeitschriften in mehr als 60 Sprachen. Darüber hinaus bewahrt das organisationseigene Archiv institutionelle Dokumente, welche bis in die Zeit vor der Gründung der Organisation zurückreichen sowie weit über 200.000 Abbildungen von Kulturgütern weltweit, die im Laufe der Ausbildungstätigkeit sowie der wissenschaftlichen Tätigkeit der Organisation, zusammengetragen worden sind. Die Website vermittelt ein flächendeckendes Angebot an Informationen zu Kursen, Aktivitäten, internationalen Events, Stellenangeboten und Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich der Denkmalpflege und Restaurierung.
Forschung Die Organisation unterstützt ein umfangreiches Netzwerk von Fachleuten und Einrichtungen im Bereich der Denkmalpflege, mit dessen Hilfe der Austausch im Rahmen von Tagungen und die Entwicklung gemeinsamer Ansätze und Methodologie organisiert und koordiniert werden können. Ferner fördert die Organisation die Festlegung von ethischen Grundlagen sowie die Aufstellung von Kriterien und technischen Normen im Bereich der Konservierungspraxis. Das hauseigene Labor ist ebenfalls ein Orientierungspunkt und stellt eine Ressource für Fachleute, Kursteilnehmer, Praktikanten und Stipendiaten der Organisation dar.
Zusammenarbeit Die Organisation führt alle Aktivitäten in Zusammenarbeit mit einer großen Anzahl von institutionellen und professionellen Partnern durch. Ferner profitieren ICCROM Mitgliedstaaten von gemeinsamen Projekten, Training und technischer Beratung.
Advocacy Die Organisation verbreitet Unterrichtsmaterial und organisiert Workshops und Konferenzen, die zur Sensibilisierung und Unterstützung der Denkmalpflege seitens der Öffentlichkeit beitragen sollen.
Geschichte Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte die Notwendigkeit mit sich, Denkmäler und andere Kulturgüter die entweder beschädigt oder zerstört worden waren, wieder aufzubauen. Im selben Zeitraum ließen viele Länder ihre koloniale Vergangenheit hinter sich und strebten danach sich zu industrialisieren, ihre kulturelle Identität zurückzugewinnen und neu zu definieren und begannen Fachleute für die Erhaltung des Kulturguts auszubilden.
Auf internationaler Ebene mangelte es an einem zusammenhängenden Ausbildungsangebot sowie an anerkannten Institutionen, die den einzelnen Nationen bei Wiederaufbau und Schutz ihres Kulturerbes behilflich sein konnten. Aus diesem Grund legte die Vertretung der Schweizer Regierung 1951, während der sechsten Sitzung der UNESCO Generalversammlung, einen Antrag vor, in dem die Einrichtung eines Internationalen Zentrums vorgeschlagen wurde, mit dem Ziel das Studium der Konservierung anzuregen und das Bewusstsein für Konservierungs- und Restaurierungsmethoden auf globaler Ebene zu festigen. Nach Verabschiedung der Resolution (Beschlussfassung) wurde ein Ausschuss von Experten einberufen, der die Rolle und Funktion dieser Institution bestimmen sollte. In der Broschüre die zum 10. Jahrestag der Gründung des Zentrums erschien („The First Decade 1959-1969“, Seiten 12–13), erklärte Hiroshi Daifuku von der Abteilung für Entwicklung des Kulturerbes der UNESCO (Section for the Development of the Cultural Heritage, UNESCO):Daifuku, Hiroshi (1969), (auf Englisch) (PDF), Das erste Jahrzehnt 1959–1969, Rom.
Georges Henri Rivière (damals Direktor von ICOM wurde zum Vorsitzenden eines Unterausschusses des Internationalen Ausschusses für Denkmäler der UNESCO ernannt, der sich mit der Gründung des Zentrums beschäftigte. Im Laufe der Erörterung der Vorschläge zur Funktion des Zentrums 25. September 1953) wurde in Betracht gezogen, dass ein solches Organ zum Beispiel: wesentliche Probleme der Denkmalpflege, wie beispielsweise das Problem der Beleuchtung von Kunstwerken lösen könnte; an eine große Zahl von Spezialisten aus verschiedenen Ländern appelliere; denjenigen Ländern, die nicht über Konservierungslabore verfügen mit Informationen zur Seite stehen könne; sich mit Problemen der Denkmalpflege beschäftigen könne, die fachspezifische Forschung koordinieren könne und aus der Tatsache heraus, über eine höhere moralische Autorität zu verfügen, ungenügend ausgebildete Fachkräfte davon abhalten könne, unsachgemäße Restaurierungen wichtiger Kunstwerke durchzuführen.
Diese Aufgaben bildeten die Grundlage für die Satzung des Zentrums. 1956, anlässlich der Neunten Sitzung der UNESCO-Generalkonferenz in Neu-Delhi wurde die Resolution gefasst. 1957 wurde ein Abkommen zwischen der Regierung der Italienischen Republik und der UNESCO unterzeichnet besagtes Zentrum in Rom zu gründen.
Mit Beitritt von fünf Mitgliedsstaaten im Jahr 1958 trat die Satzung in Kraft, damit wurde das Zentrum zum selbstständigen Rechtsträger. Es begann eine Zusammenarbeit mit (anderen) europäischen Konservierungs- und Restaurierungsinstituten, namentlich mit dem Istituto Centrale per il Restauro (ICR, heute ISCR, zentrales Restaurierungsinstitut) in Italien und dem Royal Institute for Restoration of Works of Art (KIK-IRPA) in Belgien. UNESCO berief einen vorläufigen Rat zur Leitung des Zentrums ein, die Eröffnung fand 1959 in Rom statt, unter der Direktion von Harold J Plenderleith, dem renommierten Kurator des British Museums. Der belgische Kunsthistoriker, Paul Philippot wurde zum stellvertretenden Direktor ernannt und die erste Generalversammlung trat 1960 zusammen, in deren Verlauf die ersten regulären Ratsmitglieder gewählt wurden.
Timeline
Auflistung der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte von ICCROM:ICCROM (Oktober 2009) (auf Englisch) (PDF), ICCROM Newsletter, 35, Rom.
1956 – UNESCO Generalversammlung entscheidet über die Gründung einer Denkmalpflegeorganisation 1957 – Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen der UNESCO und Italien zur Gründung des Zentrums in Rom. Österreich wird erster Mitgliedsstaat. 1958 – Beitritt von fünf Mitgliedstaaten, das Zentrum wird zu einer selbstständigen Rechtsträger 1959 – Eröffnung des Zentrums in Rom unter der Direktion von, H.J. Plenderleith 1960 – Die erste Generalversammlung tritt zusammen. 1961 – Die Bibliothek wird eröffnet und zur führenden Quelle für Literatur im Fachbereich Konservierung und Restaurierung von Kulturgut. 1964 – Das Zentrum ist am Entwurf der Charta von Venedig sowie an der Rettung der Denkmäler im Niltal, einschließlich der Tempel von Abu Simbel, beteiligt. 1965 – Der erste Kurs zur Erhaltung des architektonischen Kulturguts Architectural Conservation (ARC) findet statt. 1966 – ICCROM koordiniert die erste internationale Reaktion auf die Überschwemmung in Florenz und Venedig. 1968 – Der erste Kurs zur Denkmalpflege von Wandmalerei Conservation of Mural Paintings (MPC) findet statt. 1971 – Paul Philippot wird Direktor und ändert den Namen von „Rome Centre“ in „International Centre for Conservation“ („Internationales Zentrum für Denkmalpflege“). 1972 – UNESCO bestätigt das Zentrum als Beratungsorgan der Welterbe Konvention. 1973 – Der erste Kurs zur Konservierungswissenschaft Conservation Science (SPC) findet statt. 1975 – Der erste Kurs zur Präventiven Konservierung in Museen Preventive Conservation in Museums findet statt. 1976 – Der erste Kurs zur Konservierung von Stein Stone Conservation findet in Venedig statt. Im Anschluss an das Erdbeben im Friaul Italien werden Rettungsarbeiten unternommen, 1977 – Bernard M. Feilden wird zum Direktor ernannt, und ändert den Namen des Zentrums in ICCROM. 1981 – Der türkische Archäologe Cevat Erder wird Direktor. 1982 – Einführung des Technical Assistance Programme (Programms zur technischen Unterstützung): anfänglich werden kleinere Mengen an Ausrüstungsgegenständen und Zubehör, didaktische Materialien, Konservierungsliteratur, Jahresabonnements für Fachzeitschriften zur Denkmalpflege und Fotokopien an öffentliche Institutionen und gemeinnützige Organisationen vergeben. 1985 – Im Rahmen des PREMA-Programms PREvention of Museums in Africa werden Regionalprogramme als Long-Term Incentive für die Ausbildung von afrikanischen Fachleuten in präventiver Denkmalpflege eingerichtet. 1986 – ICCROM erhält den Aga Khan Preis für Architektur für die Erhaltung der Al-Aqsa Moschee in Jerusalem. 1988 – Der polnische Architekt Andrzej Tomaszewski wird zum Direktor ernannt. Der erste Kurs zur Konservierung von Holz Wood Conservation findet in Trondheim, Norwegen, statt.