Meiji Mura () ist ein Freilichtmuseum in Inuyama in der Präfektur Aichi. Das Museum wurde am 18. März 1965 eröffnet und enthält mehr als 60 restaurierte und wieder aufgebaute Gebäude aus der Meiji- (1867–1912), Taishō- (1912–1926) und frühen Shōwa-Zeit (1926–1989).

Die Meiji-Zeit war geprägt von rasanten Veränderungen. Nach Jahrhunderten der Isolation öffnete sich Japan und orientierte sich in diesem Zuge auch am Baustil und den Konstruktionsprinzipien der westlichen Welt. Das Meiji-Mura-Freilichtmuseum erhält diese frühen Zeugnisse der Architektur, worin japanische Baukunst und Materialien mit westlichen vermischt sind. Auf diese Weise konnte, von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges verschont, und vor den Abrissbaggern der Neuzeit gerettet, eine repräsentative Auswahl frühmoderner Bauwerke bewahrt werden.

Zehn der 68 Bauwerke sind als „wichtige Kulturgüter“ ausgezeichnet worden. Im Freilichtmuseum sind zudem Gebäude aus Hawaii, Seattle und Brasilien zu sehen. In vielen Gebäuden ist die Geschichte des Gebäudes selbst dargestellt. Sie enthalten meist auch Einrichtungsgegenstände und Mobiliar aus der Zeitgeschichte. Einzelne Gebäude wie das Sommerhaus von Lafcadio Hearn oder die Kathedrale St. Francisco de Xavier können auch für Hochzeiten angemietet werden.

Entstehung mini|Im Frühjahr blühen im Dorf ca. 1000 Kirschblüten (Shimbashi-Fabrik des Eisenbahnbüros) Meiji Mura war die Idee des Architekten Taniguchi Yoshirō (, 1904–79) und des Präsidenten der Nagoya-Eisenbahngesellschaft Motoo Tsuchikawa (, 1903–74).Mike Meyer: Bound for Glory. auf: time.com, 30. August 2004. Die beiden Initiatoren setzten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges für die Erhaltung und den Schutz geschichtsträchtiger und kulturell wertvoller Gebäude der japanischen Frühmoderne ein. Zunächst war es ihr Ziel, die Bauwerke an ihrem angestammten Bauplatz zu erhalten. In den 1960er Jahren jedoch hatte der wirtschaftliche Aufschwung höchste Priorität und es wurde zunehmend schwieriger, die Gebäude an ihrem ursprünglichen Platz vor dem Abriss zu bewahren. Daraufhin beschlossen Taniguchi und Tsuchikawa, die Gebäude zu demontieren und sie an einem geeigneten Platz versammelt wieder zu errichten und zu restaurieren. Das Meiji-Mura-Freilichtmuseum war geboren.

Am 16. Juli 1962 gründeten sie für ihr Vorhaben eine Firma. Um Besucher anzuziehen, sollte das Freilichtmuseum in Arakawa, Tōkyō entstehen, doch das Unternehmen Yamato Keori K.K. () kam ihnen beim Erwerb des Bauplatzes zuvor. Es kaufte zwei Drittel des Geländes zur Errichtung eines neuen Baseball-Stadions auf.

Am 18. März konnte mit der finanziellen Unterstützung durch die Nagoya-Eisenbahngesellschaft das Freilichtmuseum in Inuyama, am See Irukaike eröffnet werden. Das Freilichtmuseum ist aufgrund der finanziellen Unterstützung auch ein eingetragenes Warenzeichen der Nagoya-Eisenbahngesellschaft. Zur Eröffnung beheimatete es 15 Gebäude (darunter die Telefonzentrale aus Sapporo, das Wohnhaus von Mori Ōgai und Natsume Sōseki u. a.). Das gesamte Gelände erstreckt sich über einen Quadratkilometer. Da das Freilichtmuseum nicht nur Gebäude, sondern auch mobile Kulturgüter (wie Dampflokomotiven und Straßenbahnen) aus unterschiedlichen kulturellen Bereichen darbietet, kann man gemäß seiner heutigen Aufmachung auch von einem Themenpark sprechen.

Insbesondere das Landhaus „Zagyosō“ (1920) und die Fassade des Imperial Hotel (1923) entstammen der Taishō-Zeit. Zusammen mit dem Hauptsitz der Kawasaki-Bank (1927) aus der frühen Shōwa-Zeit runden sie die repräsentative Auswahl frühmoderner Bauwerke ab.

Gegenwart Seit 2003 obliegt das Management des Freilichtmuseums de facto der K.K. Meitetsu Impress, einer Tochtergesellschaft der Meitetsu Group. Eine Weile lang schien die Zukunft von Meiji Mura gefährdet und die Restaurierungsarbeiten mussten aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage der Eigentümergesellschaft eingestellt werden. Zudem wurde der Themenpark durch das Erdbeben von Kōbe 1995 in Mitleidenschaft gezogen. Allerdings konnten im Jahr 2005 die Torwache und Leibgarde am Kaiserhof sowie 2007 die Sake-Brauerei Nakai restauriert und für den Publikumsverkehr freigegeben werden.

mini|hochkant|Tokugawa Musei, 1956 Berühmte japanische Persönlichkeiten, die als Bürgermeister von Meiji Mura fungierten: Tokugawa Musei (1965–1971) Morishige Hisaya (1971–2004) Ozawa Shōichi (2004–2015) Agawa Sawako (seit März 2015)

Direktoren des Freilichtmuseums: Taniguchi Yoshirō (1965–1979) Sekino Masaru (1979–1991) Muramatsu Teijirō (1991–1997) Iida Kishirō (1997–2010) Suzuki Hiroyuki (2010–2014) Nakagawa Takeshi (seit Juli 2014)

Gebäude und Objekte der Meiji-Zeit (1867–1912) Brauerei Kikunoyo () mini|Brauerei Kikunoyo → Baujahr: 1868, ursprünglicher Standort: Ginza in Kariya, Präfektur Aichi, Standort: Planquadrat 5-64

Das Gebäude der Brauerei ist unter den vielen westlichen Bauten in Meiji Mura insofern ungewöhnlich, als dass das Dach auf japanische Weise gedeckt ist. Der Abstand der Querbalken des Dachs beträgt neun Ken (ca. 16 m) und der Abstand der Tragebalken 18 Ken (ca. 33 m). Es handelt sich um ein zweigeschossiges Lagerhaus mit dicken Wänden und einem zwei Ken (ca. 3,6 m) breiten Vordach. Der Dachstuhl des Hauptdaches ist in der Art der alten Minka konstruiert. Ursprünglich als Getreidespeicher an der nahegelegenen Mikawa-Bucht in Hekinan erbaut, wurde es von der Kiku-Hirose-Brauerei () erworben und 1895 nach Kariya umgezogen. Das Gebäude wurde 1969 demontiert und im Dezember 1983 im Museum wieder aufgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Da der große Innenraum sowohl als Lager als auch als Ausstellungsraum genutzt wird, erhielt das Gebäude bei seinem Wiederaufbau einen Keller aus Stahlbeton. Außerdem wurde die nördliche Hälfte des Gebäudes durch Stahlbeton ersetzt, während die südliche Hälfte im Originalzustand blieb. Im Erdgeschoss wird allerlei Zubehör für die Sake-Herstellung ausgestellt, darunter auch ein Sugidama ().

Sommerhaus von Lafcadio Hearn () mini|Rechts das Wohnhaus von Lafcadio Hearn, links der Barbier Kinotoko → Baujahr: 1868, ursprünglicher Standort: Jonokoshi in Yaizu, Präfektur Shizuoka, Standort: Planquadrat 4-48

Das Wohnhaus wurde ursprünglich 1868 in der Präfektur Shizuoka erbaut. Lafcadio Hearn, der in Japan vor allem für seine Gespenstergeschichten bekannt ist, war irisch-griechischer Abstammung. 1890 reiste er nach Japan, begann als Englischlehrer in einer Mittelschule in Matsue zu unterrichten und heiratete kurze Zeit später Koizumi Setsuko. Durch die Heirat und die anschließende Einbürgerung nahm Hearn den japanischen Namen Koizumi Yakumo () an. 1896 wurde Hearn als Dozent für englische Literatur an die Waseda-Universität berufen. Ein Jahr später siedelte er mit seiner Familie nach Tokio um.

Das Gebäude ist im japanischen Stil eines Bürgerhauses als eingeschossige Holzkonstruktion mit einer Breite von 5,5 m und einer Tiefe von 13,2 m ausgeführt. Die Front des Wohnhauses wirkt mit dem tiefgezogenen Vordach optisch wie ein Ladengeschäft. Die rechte Innenseite des Erdgeschosses ist als ungedielter Fußboden angelegt. Die Fenster im ersten Stock sind als kastenförmige Schiebefenster angelegt, die mit Papier bespannt waren und die von der tiefgezogenen Dachkonstruktion geschützt waren. Während die rechte Seite des Erdgeschosses ungedielt blieb, wurden auf der linken Seite Tatami-Matten ausgelegt. Etwa in der Mitte des Raumes ist eine Wand eingezogen, die auch die Belüftung des Raumes sicherstellte. Im linken hinteren Teil befindet sich die karreeförmig umbaute Treppe zum ersten Stock. Die Mansarde ist zweiteilig ausgeführt und vollständig mit Tatami-Matten ausgelegt.

„Kagyū-an“, Wohnhaus von Kōda Rohan () → Baujahr: 1868, ursprünglicher Standort: Higashimukojima in Sumida, Präfektur Tokio, Standort: Planquadrat 3-26

Das Jahrzehnt von 1877 bis 1886 brachte im Zuge der Landesöffnung auch für die Welt der Literatur Umbrüche mit sich. Im Spannungsfeld demokratischer Bürgerrechte und Staatsgewalt florierte die geistesgeschichtliche Strömung des „Pan-Asianismus“ (). Die Unterhaltungsliteratur der Edo-Zeit, die Gesaku Literatur, verlor an Popularität. Stattdessen brach die Zeit des politischen (, seiji shōsetsu) und des gesellschaftlichen Romans (, shakai shōsetsu) an, die sich einer psychologischen Sicht und damit der Innenwelt der Protagonisten zuwandten. 1885 erschien Shōyō Tsubouchi einflussreicher Aufsatz Das Wesen des Romans (, shōsetsu shinzui), der zunächst Futabatei Shimei zu einer Umsetzung in seinem Werk Ukigumi (etwa: Ziehende Wolken) inspirierte. Im Besonderen wirkte er aber auf den Schriftsteller Kōda Rohan.

Kōda Rohan war eigentlich ausgebildeter Ingenieur und arbeitete als Telegrafist. Im Selbststudium erwarb er sich Kenntnisse der klassischen Literatur und der buddhistischen Schriften. Als er im Alter von 21 Jahren Tsubouchi Abhandlung las, entschloss er sich seinen Beruf aufzugeben. Ein Jahr später 1888 legte er mit Zentenma () sein Debüt vor und erweckte die Aufmerksamkeit von Kōyō Ozaki. Mit den folgenden Werken und gemeinsam mit Ozaki prägte er ca. 30 Jahre lang die japanische Literatur. Dieser Zeitabschnitt bis zum Tode Ozakis 1903 wird daher in Anlehnung an die Namen der beiden Schriftsteller häufig als Kōro jidai ()Die Bezeichnung Kōro setzt sich aus der jeweils ersten Silbe der Zunamen zusammen. bezeichnet. Rohan selbst nannte seine Wohnstätte Schneckenhaus (, Onyomi Lesung Kagyū-an). In dem ursprünglich östlich des Flusses Sumida gelegenen Haus wohnt er etwa ein Jahrzehnt von 1897 an. Das Haus vermittelt einen Eindruck vom Stadtviertel, dessen Erscheinungsbild von Nebenresidenzen vermögender Kaufleute geprägt war. Es war mit Tatami Matten ausgelegt. An einem der Stützen des Vordachs befindet sich noch immer ein Metallbeschlag in Form eines Wasservogels. Am ursprünglichen Standort in Sumida befindet sich heute ein Park mit Spielplatz, in dem ein Gedenkstein an Kōda Rohan steht, der einen Auszug aus seinem Roman Unmei (etwa: Schicksal) trägt.

Sake-Brauerei Nakai in Kyōto () mini|Sake-Brauerei Nakai in Kyōto → Baujahr: 1870, ursprünglicher Standort: Nakagyō-ku, Kyōto, Standort: Planquadrat 2-19

Die Familie Nakai begann bereits 1787 im Stadtteil Kawara in Kyōto mit dem Sake-Handel. 1803 führte sie den Handel ein wenig westlich der Miyuki-Straße fort. Dann brannte das Anwesen im Verlauf des Hamaguri-Aufstandes zwischen dem Chōshū-han und dem Aizu- und Satsuma-han 1864 nieder und wurde in der Folgezeit 1870, an der südlich vom Kaiserpalast von Süden nach Norden verlaufenden, neu angelegten Miyuki-chō Straße, die durch das von Toyotomi Hideyoshi umgestaltete Kyōto lief, wieder aufgebaut. Das Dach ist im traditionellen Stile Kyōtos konvex angelegt und mit Mukuriyane ()Mukuriyane in der japanischen Architekturdatenbank JAANUS gedeckt. Die Hauswand unter dem Vordach ist mit Kalkmörtel verputzt und mit darin eingelassenen Gitterfenstern, sogenannten Mushikomado (), als Oberlicht für die Dachkammer versehen. Das Erdgeschoss ist durch Gatterfenster, Musōmado ()Begriffserklärung in der japanischen Architekturdatenbank JAANUS, ebenfalls nur schwach beleuchtet. Bei diesen für Sake-Brauereien typischen Fenstern handelt es sich um senkrechte, fest angeordnete Holzlatten im Wechsel mit lattenbreiten Lücken. Auf der Innenseite des Fensters befindet sich ein Gatter, das versetzt angeordnet ist und das sich zum Verschließen des Fensters über die Zwischenräume zwischen den Latten schieben lässt.

Shinagawa-Leuchttürme () mini|hochkant|Shinagawa-Leuchtturm → Baujahr: 1870, ursprünglicher Standort: Shinagawa in Minato, Präfektur Tokio, Standort: Planquadrat 3-29