Die Autobahn A2, auch Gotthardroute oder Gotthard-Autobahn genannt, ist eine schweizerische Autobahn, die von der deutschen Grenze bei Basel über Luzern, durch den Gotthard-Strassentunnel und über Lugano an die italienische Grenze bei Chiasso führt.

Sie ist eine der meistbefahrenen Autobahnen der Schweiz und gilt als die wichtigste Korridor-Strassenverbindung durch die Schweizer Alpen und ist neben der österreichischen Brenner Autobahn und der französischen Mont-Blanc-Autobahn eine der wichtigsten Nord-Süd-Verkehrsachsen Europas. Zugleich ist sie auf ihrer gesamten Länge Bestandteil der Europastrasse 35 (Amsterdam–Rom) sowie zwischen Basel und Rothrist der Europastrasse 25, die von Hoek van Holland nach Palermo führt.

Ein 4 km langer Abschnitt der A2 zwischen Luzern und Ennethorw gilt als älteste Autobahn der Schweiz. Er wurde bereits 1955 als Ausfallstrasse Luzern-Süd eröffnet, wies anfangs allerdings noch keinen durchgehenden Autobahnstandard auf. Fertiggestellt wurde die Autobahn in mehreren Teilabschnitten bis 1986.

Streckenverlauf Basel (Grenze D/CH) – Verzweigung Härkingen Die A2 nimmt ihren Anfang am Grenzübergang Basel/Weil am Rhein an der Grenze zu Deutschland, wo sie die Fortsetzung der deutschen Bundesautobahn 5 bildet. Die Grenzübergangsstelle selbst befindet sich komplett auf deutschem Staatsgebiet und umfasst eine Gemeinschaftszollanlage. Die eigentliche Staatsgrenze wird einige hundert Meter weiter südlich auf einer Hochstrasse gequert, mit der die Autobahn durchs Basler Quartier Kleinhüningen mit seinen Hafen- und Industrieanlagen führt. An der Verzweigung Basel-Wiese mündet die von der französischen Grenze her kommende A3 (Nordtangente) an einer Gabelung in Richtung Süden ein und verläuft bis Augst auf demselben Trassee wie die A2 als Stadtautobahn durch Basel. Nach der Unterquerung des Vorplatzes des Badischen Bahnhofs im rund 600 m langen Schwarzwaldtunnel überquert sie auf der Schwarzwaldbrücke den Rhein. Südlich der Brücke verlaufen die Gleise der vom Badischen Bahnhof nach Süden wegführenden Bahnstrecke auf dem verbreiterten Mittelstreifen, ehe die Autobahn am Anschluss Basel-Süd/City (aufgrund des Ausbauzustands als Autobahndreieck auch Verzweigung Gellert genannt) nach Osten schwenkt und sechs Fahrstreifen aufweist. In Fahrtrichtung Deutschland gibt es hier eine Linksausfahrt.

Unmittelbar am Stadion St. Jakob-Park vorbei, wird die Birs überquert und an der Verzweigung Hagnau die dem Birstal folgende A18 gekreuzt. Innerhalb dieses komplexen Knotenpunkts befindet sich gleichzeitig eine Anschlussstelle. Am Rangierbahnhof Basel-Muttenz und dem Industriepark Schweizerhalle geht es teilweise in einem Tunnel entlang, bis hinter Pratteln an der Verzweigung Augst die A2 von östliche in südliche Richtung abzweigt. Die Hauptfahrbahn führt weiter als A3 in Richtung Zürich.

Die nun wieder vierstreifige A2 führt vom Rhein den Jura hinauf und unterquert im Arisdorftunnel den ersten Höhenzug des Gebirges. Danach wird bei Sissach das dicht besiedelte Ergolztal überquert und über eine nicht höhenfreie Anschlussstelle eine Verbindung zur dem Tal entlang verlaufenden A22 hergestellt. Dem Ebenraintunnel folgt ein Aufstieg entlang des Diegtertals, wo die Berge des Faltenjuras erreicht sind. Nach dem sehr kurzen Tunnel Oberburg unterquert die Autobahn zwischen Eptingen und Hägendorf im 3,2 km langen Belchentunnel den Gebirgshauptkamm. Auf der südlichen Seite folgt ein aussichtsreicher Abstieg am Jurasüdfuss in Form einer weit geschwungenen Rechtskurve ins Mittelland, bis die A2 an der Verzweigung Härkingen in die in West-Ost-Richtung verlaufende A1 einmündet.

Verzweigung Härkingen – Verzweigung Lopper Zwischen der Verzweigung Härkingen und der östlich davon gelegenen Verzweigung Wiggertal verläuft die A2 zusammen mit der A1 (Genf–Bern–Zürich–St. Gallen) auf einem gemeinsamen, sechsspurig ausgebauten Trassee, das bei Rothrist die Aare überquert. Von dort bis Luzern führt die Autobahn dann quer durch das Mittelland, zunächst durch das Wiggertal und anschliessend auf der Ostseite dem Sempachersee von Sursee nach Sempach entlang und erreicht bei Emmen den Grossraum Luzern.

mini|hochkant|links|Südportal des Sonnenbergtunnels in Luzern Bei der Verzweigung Rotsee wird die Reuss überquert, und die von Zug bzw. der Verzweigung Rütihof her kommende A14 mündet in die A2. Auf Viadukten, in Lärmschutzgalerien und mehreren Tunneln durchquert die Autobahn die Moränen- und Molassehügel in der nordwestlichen Umgebung des Vierwaldstättersees und die Stadt Luzern mit ihren Vororten. Der Sonnenbergtunnel zwischen Luzern und Kriens wurde ursprünglich zugleich als Zivilschutzanlage für 20'000 Bewohner der Stadt Luzern ausgestattet und war bis zu seiner Reduktion im Jahr 2006 auf eine dazugehörende siebenstöckige Kaverne die grösste Anlage dieser Art in Europa.

Südlich von Hergiswil zweigt an der teilweise in mehreren Tunnelbauwerken errichteten Verzweigung Lopper, einem Ausläufer des Pilatus, die A8 über den Brünigpass nach Interlaken ab.

Hergiswil – Airolo Im Voralpengebiet um Stans und Beckenried erreicht der Strassenverlauf an mehreren Stellen immer wieder den Vierwaldstättersee. Bei Beckenried liegt die Autobahn am steilen, unstabilen Abhang des Beckenrieder Bergs auf dem zweitlängsten Viadukt der Schweiz, dem Lehnenviadukt Beckenried. In einem weiten Bogen führt sie durch den etwa 9 km langen Seelisbergtunnel nach Seedorf in den Kanton Uri und dort entlang des Urnersees zur Abzweigung der Autostrasse A4 von Flüelen nach Schwyz.

Durch die Urner Reussebene verläuft die Autobahn zunächst neben dem Reusskanal, ehe bei Amsteg die ansteigende Strecke, die sehr viele Kunstbauten aufweist, beginnt. Bei Erstfeld unterquert sie den Schuttfächer des Alpbachs. Steigt die Fahrbahn von Altdorf bis Amsteg nur rund 70 Meter an, beginnt vor dem Plattitunnel die deutlich steilere Zufahrtsrampe zum Gotthard-Strassentunnel mit zahlreichen weiteren Tunneln und einigen Viadukten.

Bei Göschenen liegt das Nordportal des Gotthard-Strassentunnels. Dieser hat nur eine Röhre mit einer Fahrspur pro Richtung; dort gibt es also Gegenverkehr. Daher gilt der Abschnitt im Tunnel als einziger der gesamten Strecke nicht als Autobahn, sondern als Autostrasse. Er ist der viertlängste Strassentunnel der Welt (nach dem Lærdalstunnel in Norwegen, dem Yamate-Tunnel in Japan und dem Zhongnanshan-Tunnel in der Volksrepublik China). Im Tunnel liegt die Grenze zwischen dem Kanton Uri und dem Kanton Tessin. Auf den Bergen des Gotthardmassivs liegt die kontinentale Wasserscheide.

Airolo – Chiasso (Grenze CH/I) Von Airolo aus liegt die Autobahn am westlichen Hang über dem Fluss Tessin in der Leventina. Sie führt durch zahlreiche Tunnel und über mehrere Viadukte. Das höchste Bauwerk ist der Biaschina-Viadukt bei Giornico, wo die A2 das Tal überquert. Nach Biasca verläuft die A2 im ebenen Talboden, und man erreicht den Hauptort des Kantons Tessin Bellinzona, wo die A13 vom San Bernardino her einmündet.

Das Tal öffnet sich, und vor Locarno geht es mit Blick auf die gesamte Magadinoebene und den Lago Maggiore den nördlichen Hang des Monte Ceneri hinauf. Nach dem Monte-Ceneri-Tunnel und einigen weiteren Autobahntunneln erreicht man Lugano und fährt über den Seedamm, der den Luganersee entzweiteilt, dem mediterranen Ufer entlang in Richtung Chiasso, wo die Autobahn die Schweiz verlässt. Jenseits der Grenze zu Italien setzt sich die Autostrada A9 in Richtung Mailand fort.

Geschichte Vorgeschichte

Schon zur Römerzeit wurde der Alpenübergang am Gotthard, der von ihnen als Adula Mons (steiler Berg) oder Mons Tremor (zitternder Berg) bezeichnet wurde, von Händlern und Militär genutzt. Die Bedeutung des Passes blieb jedoch lange Zeit eher gering, da die Schöllenenschlucht ein nahezu unüberwindbares Hindernis darstellte.

Erst im Mittelalter, nachdem 1230 die erste Teufelsbrücke über die Schöllenenschlucht fertiggestellt worden war, stieg die Bedeutung des Alpenüberganges an. Die zweite Brücke über die Schlucht entstand 1595. Die erste befestigte Strasse für den Postkutschenverkehr über den Pass wurde 1831 eröffnet. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn und der Eröffnung des Gotthardtunnels der Bahnstrecke Immensee–Chiasso (Gotthardbahn) 1882 verloren die Postkutschen jedoch wieder an Bedeutung. Nachdem schon 1895 das erste Automobil über den Pass gefahren war, begann erst 1953 der Bau einer neuen für den Autoverkehr konzipierten Strasse über den Gotthard.

Die in den 1920er Jahren entwickelten Pläne des deutschen Vereins HaFraBa (Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte–Frankfurt–Basel) sahen den Bau einer dem Kraftverkehr vorbehaltenen Schnellstrasse von Hamburg über Frankfurt am Main bis nach Basel vor. Ein Vorbild war die im faschistischen Italien bis 1924 gebaute, von Piero Puricelli entworfene Autostrada dei Laghi. Eine mögliche Streckenführung im Raum Basel war, von Lörrach her kommend, im Bereich des Wiesentals vorgesehen, eine zweite wäre auf direkterem Weg von Weil am Rhein her gekommen. In jedem Fall hätte die Strasse den Rhein östlich des heute existierenden Trassees überquert. Ab 1927 war sogar eine Fortführung der Autostrasse von Basel aus durch die Schweiz nach Italien bis Genua vorgesehen. Die angedeutete Streckenführung entsprach grob bereits der später realisierten Gotthardautobahn: Der Alpenhauptkamm sollte zwischen Göschenen und Airolo gequert und die Strecke schliesslich an Bellinzona und Lugano vorbei bis zur italienischen Grenze nach Como geführt werden, wo ein Ast der Autostrada dei Laghi endete.

Auch als 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernahmen und trotz anfänglicher Ablehnung zügig mit der Realisierung der HaFraBa-Pläne begannen, kam es nie zu einer Realisierung dieser weitergehenden Pläne. Als aufgrund des Zweiten Weltkriegs die Arbeiten am Netz der Reichsautobahnen um 1940 zum Erliegen kamen, war die auf HaFraBa-Plänen basierende Strecke Frankfurt am Main–Basel bis kurz hinter Karlsruhe fertiggestellt. Erst nach Kriegsende wurde 1954 der Bau der Autobahn weitergeführt, bis 1963 mit dem letzten Teilstück Weil am Rhein erreicht wurde, wo die Autobahn einige hundert Meter vor der Schweizer Grenze an der B 317 endete.

Die Ausfallstrasse Luzern-Süd Der erste realisierte Abschnitt der heutigen A2 war gleichzeitig auch die erste autobahnähnliche Strasse der Schweiz. Anfang der 1950er Jahre wollte der Kanton Luzern die Städte Luzern und Horw vom Ausflugsverkehr entlasten. In Hergiswil etwa wurden 1951 an Sonntagen durchschnittlich 11'000 Fahrzeuge gezählt. Der Name „Ausfallstrasse Luzern-Süd“ tauchte erstmals 1952/53 in Verwaltungsberichten auf. Eine wichtige Rolle bei der Realisierung dieses Projektes wie auch des späteren Nationalstrassennetzes spielte der Luzerner Bauingenieur Robert Ruckli, der zu dieser Zeit ins eidgenössische Oberbauinspektorats eintrat und Richtlinien für Schnellstrassen entwarf. Die letzte Genehmigung wurde am 20. April 1953 erteilt, sodass mit dem Strassenbau zügig begonnen wurde. Im September 1954 wurde der erste Teil der 4,2 km langen Strasse im Zuge der 11. Schweizerischen Ausstellung für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau, die auf der benachbarten Luzerner Allmend stattfand, fertiggestellt. Offizielle Eröffnung des gesamten Strassenzugs vom Eichhof nach Ennethorw war der 11. Juni 1955. Angepriesen wurde die Strasse mit ihrer geschwungenen Linienführung und Sicht auf Schwyzer und Urner Alpen, teilweise verglichen mit den US-amerikanischen Parkways, in bewusster Abgrenzung zu den schnurgeraden nationalsozialistischen Reichsautobahnen.

Die Luzerner Tageszeitung Vaterland vermeldete zum Eröffnungstag: