miniatur|Anteil von NEETs unter 15- bis 24-Jährigen (IAO-Daten von 2023) NEET (engl., []) ist ein Akronym des Begriffs , und bezeichnet die Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener, die keine Schule besuchen, keiner Arbeit nachgehen und sich nicht in beruflicher Ausbildung befinden.Eurostat: Glossar:Nichterwerbstätige Jugendliche, die weder an Bildung noch an Weiterbildung teilnehmen (NEET). 16. Januar 2019, abgerufen am 12. Juli 2020 Der Begriff NEET erweitert die Gruppe der jugendlichen (im Sinne der Definition der ILOÖsterreichisches Bundeskanzleramt: Vereinte Nationen. Abgerufen am 13. Juli 2020) ArbeitslosenStefan Sell: Wie wird Arbeitslosigkeit gemessen?. Bundeszentrale für politische Bildung. 21. Februar 2020, abgerufen am 12. August 2020 um die Gruppe der „ökonomisch inaktiven Jugendlichen“.Österreichisches Bundesministerium Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Zusammenfassung. Abschnitt „Typologie der NEET-Jugendlichen“. Abgerufen am 12. August 2020

In Deutschland beschrieb der Bundesrat 2016 die Gesamtgruppe der NEETs folgendermaßen: „Die NEETs stellen […] eine heterogene Gruppe dar und können in zwei große Kategorien unterteilt werden: arbeitslose [d.h. als arbeitslos registrierte] NEETs bemühen sich aktiv um einen Arbeitsplatz, während inaktive NEETs nicht nach Arbeit suchen. Ihre Inaktivität kann durch zahlreiche Faktoren bedingt sein, darunter familiäre Verpflichtungen und gesundheitliche Probleme, aber auch Entmutigung und fehlende Motivation, sich arbeitslos zu melden.“Bundesrat: Unterrichtung durch die Europäische Kommission (Drucksache 610/1613.10.16). S. 9. 13. Oktober 2016, abgerufen am 13. August 2020

Begriffsgeschichte Das Konzept der NEETs wurde in Großbritannien entwickelt. Der Begriff wurde zunächst seit den 1990er Jahren anstelle von „Status ZerO“ verwendet, der das Fehlen eines jeglichen Status bezeichnete. Das Konzept Status ZerO wurde auf 16- und 17-Jährige angewendet, die keinen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung hatten, weil sie noch minderjährig waren, denen aber keine Jugendbeschäftigungsprogramme offenstanden.

Als New Labour 1997 an die Macht kamen, legten sie den Fokus ihrer Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik auf ihren Plan „Von der Sozialhilfe zur Arbeit“. Dies schloss die Gruppe der 16- bis 18-Jährigen ein, die in dieser Zeit von sozialer Ausgrenzung bedroht war. Die NEETs in dieser Gruppe wurden aufgefordert, proaktiv zu sein und die Verantwortung dafür zu übernehmen, aus dieser misslichen Lage zu kommen. Ihnen wurde eine Art Trotzhaltung unterstellt. Diese sollte durch die „Aufforderung an die Armen und Ausgegrenzten, ihren ‚Platz‘ am unteren Ende des Arbeitsmarktes einzunehmen“ (d. h. im Niedriglohnsektor), nachhaltig gebrochen werden.Valentina Cuzzocrea: Zukunftsvision für die Kategorie der NEET. Europarat (coe.int). 2013. S. 5, abgerufen am 13. Juli 2020 New Labour verfolgte (wie auch die Agenda 2010 in Deutschland) das Konzept Fördern und Fordern. Obwohl das Cambridge Advanced Learner’s Dictionary den Begriff NEET mit den Worten: „a name for people aged 16 to 24 who have finished their education and are unemployed“ erklärt,Cambridge Dictionary: Article „NEET“. Abgerufen am 12. August 2020 konzentrieren sich britische Statistiken über jugendliche NEETs nach wie vor auf die 16- bis 18-Jährigen.Statistics: NEET and participation. gov.uk (britische Regierung). 2020. Abgerufen am 12. August 2020 In der Europäischen Union wurde es im 21. Jahrhundert üblich, zunächst auch 19- bis 24-Jährige, später sogar 25- bis 29-Jährige in die Menge jugendlicher NEETs einzubeziehen.Europas Jugend ist arbeitslos: Wer sind die NEETs?. jugendpolitikineuropa.de. 20. Juli 2016, abgerufen am 12. August 2020

Valentina Cuzzocrea unterstellt Vertretern von Behörden, sie neigten dazu, eher die Probleme mit Jugendlichen als die Probleme von Jugendlichen zu sehen.Valentina Cuzzocrea: Zukunftsvision für die Kategorie der NEET. Europarat (coe.int). 2013. S. 6, abgerufen am 13. Juli 2020 NEET sei ein „unausgewogenes Konzept [, das] in ungebührlicher und häufig irreführender Weise den Voluntarismus“, d. h. den Ansatz betone, dass es jungen Leuten mit Problemen vor allem am Willen fehle, diese eigenverantwortlich zu lösen.

Ab 1999 wurde der Begriff NEET Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Dadurch nahmen die negativen Konnotationen, die dem Begriff ursprünglich anhafteten, deutlich ab. Dies lag vor allem daran, dass sich die Einsicht durchsetzte, dass die Gesamtgruppe der NEET aus völlig verschiedenen Personen mit völlig verschiedenen Lebenslagen und Mentalitäten besteht, die nur durch das Merkmal verbunden sind, relativ jung zu sein. So haben z. B. die situativen Zwänge, denen eine alleinerziehende junge Mutter unterworfen ist, oder die mangelnde Beschäftigungsfähigkeit kognitiv beeinträchtigter junger Erwachsener wenig mit der Situation von resignierten drogenabhängig und straffällig gewordenen jungen Langzeitarbeitslosen zu tun.

Der Begriff NEET wird zunehmend weltweit in Bildungsstatistiken verwendet. Zusammen mit dem Begriff Jugendarbeitslosigkeit soll er die soziale Situation vor allem derjenigen jungen Menschen erfassen, die von dauerhafter sozialer Exklusion bedroht sind. Der Europäische Rat ersuchte am 17. Juni 2011 die Mitgliedstaaten der EU, zur Förderung der Jugendbeschäftigung rasch gegen die Unterbeschäftigung Jugendlicher zu intervenieren und „NEETs, einschließlich Schulabbrechern, Weiterbildungs-, Umschulungs- oder Aktivierungsangebote zu unterbreiten.“Europäischer Rat: . 26. April 2013, abgerufen am 12. August 2020. Auf dem Höhepunkt der Jugendarbeitslosigkeit im Jahr 2013 wurde die Reduzierung der Zahl der NEETs zum zentralen Ziel der Europäischen Union erklärt, das durch das Instrument der Jugendgarantie erreicht werden sollte. Die zentrale Bedeutung der Erreichung dieses Ziels wurde im Rahmen der EU-Wachstumsstrategie „Europa 2020“ bekräftigt.Eurofound: NEETs – Young people not in employment, education or training: characteristics, costs and policy responses in Europe. Publications Office of the European Union. Luxemburg. 2012, S. 21, abgerufen am 13. Juli 2020

Im spanischen Sprachraum findet sich auch der Ausdruck Nini oder Ni-ni (‚weder … noch‘, in Bezug auf ).

Untergruppen von NEETs Das österreichische Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz unterschied 2012 in Anlehnung an eine Analyse von EurofoundEurofound: NEETs – Young people not in employment, education or training: characteristics, costs and policy responses in Europe. Publications Office of the European Union. Luxemburg. 2012, S. 12, abgerufen am 13. Juli 2020 fünf Untergruppen von NEETs:

„Klassische Arbeitslose“: NEET-Jugendliche, die im klassischen Sinn arbeitslos sind „Nicht-Verfügbare“: NEET-Jugendliche, die aufgrund von Betreuungspflichten oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht verfügbar sind „Abgekoppelte“: NEET-Jugendliche, die derzeit keine Arbeit oder Ausbildung suchen und auch nicht dazu verpflichtet sind. Dazu gehören bereits demotivierte Jugendliche und auch Personen mit problematischen Lebensstilen. „Möglichkeiten-Sucher“: junge Menschen, die aktiv Arbeit suchen, aber noch auf die optimale Möglichkeit warten „Freiwillige NEETs“, die z. B. gerade reisen oder in Kunst, Musik oder anderen nichtformalen Aktivitäten engagiert sind.Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz: Unterstützung der arbeitsmarktpolitischen Zielgruppe „NEET“. Sozialpolitische Studienreihe, Band 17. 2012. S. 50

Wenn über NEETs herablassend gesprochen wird, dann sind in der Regel die Angehörigen der dritten Untergruppe gemeint, gelegentlich aber auch die der vierten und fünften Untergruppe (je nach dem Grad des Verständnisses für anspruchsvolle und vom Mainstream abweichende Lebenskonzepte junger Menschen).

Ursachen des NEET-Status junger Menschen Der Begriff NEET umfasst in Europa alle Jugendlichen (bis 17 Jahre alt) und jungen Erwachsenen (in den meisten Anwendungen bis 24 Jahre alt), die keine Schule besuchen, keiner Arbeit nachgehen und sich nicht in beruflicher Ausbildung befinden. In dieser Definition sind, anders als in Japan, auch diejenigen einbezogen, die sich arbeitslos melden konnten und tatsächlich arbeitslos gemeldet haben, und nicht nur diejenigen, auf die die obige Definition zwar zutrifft, die aber aktuell nicht als arbeitslos amtlich registriert sind.

Einige NEETs können nicht als arbeitslos registriert werden, da sie nicht auf eine reguläre Arbeitsstelle (als unqualifizierte Arbeitskraft) vermittelt werden können. Das trifft nicht nur auf junge Erwerbsunfähige zu, sondern auch z. B. auf sehr junge Mütter, die keine zuverlässige und bedarfsgerechte Ersatzbetreuung ihres Kindes oder ihrer Kinder während der vorgesehenen Arbeitszeit finden.

Zu klären ist im Folgenden, warum junge Menschen sich nicht als Arbeitslose registrieren lassen. Der Frage, warum es relativ viele arbeitslose junge Menschen gibt, geht der Artikel Jugendarbeitslosigkeit nach.

Komplex „Mangelnde Beschäftigungsfähigkeit“ Zum Kern der „nicht beschäftigungsfähigen“ jungen Menschen gehören Personen, deren kognitive Fähigkeiten unterhalb des Niveaus liegen, das das erfolgreiche Bestehen eines Ausbildungsgangs, insbesondere einer theoretischen Prüfung, erwarten lässt. Personen, denen eine „volle Erwerbsunfähigkeit“ bescheinigt wurde, gelten im Allgemeinen als „nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehend“. Für kognitiv bzw. psychisch Beeinträchtigte unter diesen Menschen wurden in Deutschland Werkstätten für behinderte Menschen eingerichtet.

Komplex „Weigerung, jede angebotene Arbeit anzunehmen“ Eine Gruppe von NEETs besteht aus jungen Leuten, die sich deshalb nicht arbeitslos melden, weil sie damit rechnen, bald von der Arbeitsbehörde mit dem Angebot von Arbeitsstellen konfrontiert zu werden, die sie für „nicht zumutbar“ halten. Eine Weigerung, jede legale, amtlich als „zumutbar“ definierte Arbeit anzunehmen, würde einen etwaigen Anspruch auf Lohnersatzleistungen zunächst befristet, im Wiederholungsfall endgültig erlöschen lassen. In einer ähnlichen Situation befinden sich NEETs, die sich zwar arbeitslos melden, sich aber vorbehalten, bestimmte Arbeitsangebote trotz der drohenden Sanktionen abzulehnen.

Solche NEETs gehen in der Regel davon aus, dass sie ein Recht darauf hätten, keine Arbeit annehmen zu müssen, die sie für „unzumutbar“ halten.

Risikofaktoren Für junge Angehörige der folgenden Gruppen stellte Eurofound ein erhöhtes Risiko fest, einen NEET-Status zu erwerben:

Gesundheitliche Einschränkungen erhöhen das NEET-Risiko um 40 % im Vergleich zu Jugendlichen ohne gesundheitliche Einschränkungen. Ein Migrationshintergrund erhöht das NEET-Risiko um 70 %. Ein geringer Bildungsgrad erhöht das NEET-Risiko für Jugendliche um das Zweifache im Vergleich zu Jugendlichen, die eine Berufs- oder Schulausbildung abgeschlossen haben. Jugendliche, die in fernab gelegenen Gebieten wohnen, haben ein 1,5-fach höheres NEET-Risiko als Jugendliche, die in mittleren Städten wohnen. Jugendliche, die in Haushalten mit geringem Einkommen leben, haben ein erhöhtes Risiko. Jugendliche, deren Eltern arbeitslos waren, haben ein um 17 Prozent erhöhtes Risiko im Vergleich zu Jugendlichen mit Eltern ohne Arbeitslosigkeitserfahrungen. Jugendliche, deren Eltern eine geringe Bildung aufweisen, haben ein 1,5-fach erhöhtes Risiko gegenüber Jugendlichen, deren Eltern eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Im Vergleich zu Jugendlichen mit Eltern mit einer akademischen Ausbildung ist das Risiko um das Zweifache erhöht. Jugendliche mit geschiedenen Eltern haben ein um 30 % erhöhtes NEET-Risiko.Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz: Unterstützung der arbeitsmarktpolitischen Zielgruppe „NEET“. Sozialpolitische Studienreihe, Band 17. 2012. S. 48

Andere Erscheinungsformen der Ablehnung fester Arbeitsverhältnisse