Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschen Gastroenterologen. Sitz der DGVS ist Hamburg, Präsident der Gesellschaft ist Heiner Wedemeyer.

Geschichte Die DGVS wurde im Jahr 1913 von Ismar Isidor Boas als „Gesellschaft für Gastroenterologie“ zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. In den USA gab es bereits 1897 die American Gastroenterological Association und in Japan die 1902 gegründete Japanische Gesellschaft für Gastroenterologie.Harro Jenss, Guido Gerken, Markus M. Lerch (Hrsg.): 100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten DGVS, München 2013, S. 7.

Der erste Vorstand bestand aus Carl Anton Ewald (1. Vorsitzender), Adolf Schmidt (2. Vorsitzender), Ismar Isidor Boas, Hugo Starck und Curt Pariser. Daneben waren ein beratender Ausschuss und ein Schriftführer vorgesehen.Jenss, Gerken, Lerch (Hrsg.): 100 Jahre DGVS, 2013, S. 22. Die neue Vereinigung verstand sich als übernational und interdisziplinär. Tagungsorte waren zum Beispiel Amsterdam und Budapest, auch wurden Pharmakologen, Pathologen und Chirurgen in die Arbeit mit einbezogen. Den Namenszusatz „Deutsch“ erhielt die Gesellschaft dagegen erst nach ihrer 14. Tagung 1938. Die erste Tagung über Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten fand im April 1914 in Bad Homburg vor der Höhe statt. 1932/33 galten 25 % der 480 Mitglieder unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit als nicht-arisch.

Seit September 2021 präsentiert die DGVS mit der Initiative „Gegen das Vergessen“Virtueller Erinnerungsort der DGVS „Gegen das Vergessen“, auf lebensblicke.de, abgerufen am die medizinischen Leistungen ihrer Mitglieder, die nach Beginn der NS-Diktatur aus rassistischen Gründen aus der Fachgesellschaft ausgeschlossen, entrechtet, verfolgt, zur Flucht gezwungen oder in Konzentrationslager deportiert wurden., auf krejsa-macmanus.eu

Heute vereint die Fachgesellschaft mehr als 7000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach.

Ziele und Aufgaben Die DGVS fördert wissenschaftliche Forschungsarbeit und die Entwicklung von Standards in der Diagnostik und Therapie von gastroenterologischen Erkrankungen. Zudem widmet sie sich der Unterstützung des Nachwuchses und der Pflege von internationalen Beziehungen auf dem Fachgebiet. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Weiter- und Fortbildung von Ärzten in Klinik und Praxis.

Leitlinien zur Behandlung Die Gesellschaft entwickelt zu Themen ihres Fachgebiets medizinische Leitlinien, die im Rahmen des AWMF-Leitlinienprogramms veröffentlicht werden. Offizielle Leitlinien der AWMF auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e. V. (DGVS) auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V.

Institutionelle Zusammenarbeit Die DGVS ist kooptiertes Mitglied im Beirat der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren und seit 1978 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF). Zudem besteht eine Zusammenarbeit mit: Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) United European Gastroenterology

Preise und Ehrungen Thannhauser-Medaille Seit 1969 verleiht die DGVS die Thannhauser-Medaille für wissenschaftliche Leistungen, benannt nach dem zur Emigration gezwungenen Internisten Siegfried Josef Thannhauser, von 1930 bis 1934 Direktor der Medizinischen Klinik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.Thannhauser-Medaille auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten.

Preisträger 1969: Artturi Ilmari Virtanen, Helsinki 1972: Norbert Henning, Erlangen 1974: Martin Gülzow, Rostock 1976: Heinrich Bartelheimer, Hamburg 1978: Franz J. Ingelfinger, Boston 1980: Sheila Sherlock, London 1982: Gustav Adolf Martini, Marburg 1984: Hans Adolf Kühn, Freiburg 1986: Ludwig Demling, Erlangen 1988: Heribert Thaler, Wien 1990: Henri Sarles, Marseille 1992: Wolfgang Gerok, Freiburg 1994: Werner Creutzfeldt, Göttingen 1996: Alan Frederick Hofmann, San Diego 1998: Georg Strohmeyer, Düsseldorf 2000: Gustav Paumgartner, München 2002: Ernst-Otto Riecken, Berlin 2004: Christian Herfarth, Heidelberg 2006: Meinhard Classen, München 2008: Karl-Hermann Meyer zum Büschenfelde, Berlin 2010: Hermann Brenner, Heidelberg 2012: Eugene Pasquale DiMagno, Rochester 2013: Gregory J. Gores, Rochester 2014: Massimo G. Colombo, Mailand 2016: Werner Wilhelm Franke, Heidelberg 2018: Wolff Schmiegel, Hamburg 2021: Barbara Rehermann, Bethesda, USA 2022: Dieter Häussinger, München 2024: Laurent Peyrin-Biroulet

Einzelnachweise

Literatur Frank Lammert, Petra Lynen Jansen, Markus M. Lerch (Hrsg.): Weißbuch Gastroenterologie 2020/21, De Gruyter Verlag, Berlin/Boston, ISBN 978-3-11-064251-3 (online). Harro Jenss, Guido Gerken, Markus M. Lerch (Hrsg.): 100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten DGVS, August Dreesbach Verlag, München 2013, ISBN 978-3-944334-17-2 (online). Harro Jenss, Markus M. Lerch (Hrsg.): Tagungen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten; Die Präsidenten von 1914 bis 2014, Sardellus Vertragsgesellschaft, Greifswald 2014, ISBN 978-3-9813402-5-9. (online)

Weblinks Offizielle Website der DGVS

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