Iwanowo () ist eine russische Stadt in der Oblast Iwanowo. Sie liegt rund 250 km (Luftlinie) nordöstlich von Moskau und hat 357.000 Einwohner (Stand: 2025). Sie ist Teil des Goldenen Rings Russlands.

Stadtgliederung Stadtrajon(Gorodskoi Rajon) Russischer Name Einwohner1. Januar 2006 BemerkungFrunsenskiФрунзенский110.487Name nach Michail FrunseLeninskiЛенинский150.593Name nach LeninOktjabrskiОктябрьский87.790Name von Oktjabr (Oktober, bezogen auf die Oktoberrevolution)SowetskiСоветский64.198Name bedeutet Sowjetischer Rajon

Quelle: Staatliches Statistikamt der Russischen Föderation

Geschichte Die Stadt Iwanowo wurde 1561 das erste Mal urkundlich erwähnt, im 17. Jahrhundert hatte sie sich zu einer Handelsstadt entwickelt. Zar Peter der Große ordnete 1710 die Einrichtung von Textilbetrieben an und warb holländische Handwerker und Unternehmer zur Gründung von Manufakturen nach Iwanowo. 1825 existierten bereits 125 Manufakturen in und um Iwanowo. Mit der Eröffnung der ersten Textildruckfabrik 1787 und der Baumwollspinnerei 1838 entwickelte sich Iwanowo zu einem Zentrum der Textilindustrie und der Arbeiterbewegung und wurde russisches Manchester genannt. Nach der Vereinigung mit dem Dorf Wosnessenski Possad (Вознесенский Посад) hieß die Stadt 1871 bis 1932 Iwanowo-Wosnessensk (Иваново-Вознесенск). Die offizielle Vergabe der Stadtrechte erfolgte am 30. August 1873. Zu diesem Zeitpunkt lag die Einwohnerzahl bei etwa 11.000. Iwanowo gehörte zu den Zentren der Revolution von 1905, hier entstand der erste Arbeiterrat (Sowjet). Heute ist die Stadt Hauptstadt einer Oblast mit zahlreichen Verwaltungs- und Kulturinstitutionen. Wichtige Industriezweige sind immer noch die Textilindustrie, daneben die chemische Industrie und der Maschinenbau. Im Volksmund wird die Stadt auch „Город невест“ – „Stadt der Bräute“ – genannt, weil die Textilindustrie in ihrer Blütezeit viele junge Frauen als Arbeiterinnen angelockt hat. Die Stilllegung zahlreicher Betriebe der Textilindustrie in den 1990er Jahren führten die Stadt in eine langjährige wirtschaftliche Krise.

Bis heute befindet sich in Iwanowo das 1933 von der Internationalen Roten Hilfe gegründete „Internationale Kinderheim“ (Interdom). Zu seinem 70. Geburtstag entstand 2003 in Portugal der Dokumentarfilm Os Filhos de Ivanovo, der die Geschichte des solidarischen Heims und seiner internationalen Schüler zeigt, anhand des Portugiesen José Serra, der hier von 1968 bis zur Nelkenrevolution 1974 lebte. Auch der deutsche Film Interdom des irakischen Regisseurs Nasir Al-Jezairi aus dem Jahr 2006 beschäftigt sich mit der völkerverbindenden Einrichtung.Seite des Films Interdom auf der Website des Internationalen Filmfestivals Frankfurt, abgerufen am 14. Oktober 2013

Lager für deutsche Kriegsgefangene In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 324 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. Schwer Erkrankte wurden im 30 km entfernten Kriegsgefangenenhospital 3840 in Schuja versorgt.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1897 54.208 1939 285.182 1959 335.161 1970 419.639 1979 464.526 1989 481.042 2002 431.721 2010 408.330 Anmerkung: Volkszählungsdaten

Sehenswürdigkeiten Zu den Sehenswürdigkeiten von Iwanowo zählen das Baumwollmuseum sowie das Kunstmuseum, in dem unter anderem zahlreiche Ikonenmalereien zu sehen sind. In der Stadt sind alle Kunstrichtungen von Barock bis zur Moderne zu finden. Besonders interessant ist die große Ansammlung von Gebäuden des Konstruktivismus, zu den sehr schönen Bauten dieser Zeit gehört das Operntheater der Stadt. Auch der Jugendstil ist in Iwanowo in sehr schönen Formen zu finden. Die Stadt war Sitz vieler adliger Familien und deswegen gibt es unzählige prächtige Paläste und Villen hier.

Weiterführende Bildungseinrichtungen Polytechnische Universität Iwanowo Staatliche chemisch-technologische Universität Iwanowo Staatliche Energetische Universität Iwanowo Staatliche Landwirtschaftliche Akademie Iwanowo Staatliche Medizinakademie Iwanowo Staatliche Universität Iwanowo Territorialfakultät der Nordöstlichen Akademie für Staatsdienst Iwanowo Filiale der Staatlichen Handelsuniversität Moskau Filiale des Institut für Unternehmertum und Recht Moskau

Verkehr Die Fernstraße R600 führt von Kostroma nach Iwanowo. Der Stadt stellt ebenfalls die Endstation der Abzweigung der M7 Wolga aus Wladimir dar. Der Flughafen Iwanowo-Juschny bietet Flugverbindungen in verschiedene russische Städte.

Militär In Iwanowo ist die 98. Garde-Luftlande-Division der russischen Luftlandetruppen stationiert.

Nördlich der Stadt liegt der Militärflugplatz Iwanowo.

Städtepartnerschaften Iwanowo listet folgende Partnerstädte auf: Hannover, Deutschland (Freundschaftsvertrag) Staffordshire, Großbritannien Łódź, Polen Plano, Vereinigte Staaten Chmelnyzkyj, Ukraine Braga, Portugal

Sport Im Fußball ist die Stadt durch den Verein FK Tekstilschtschik Iwanowo vertreten. Die Stadt war einer der Austragungsorte der Bandy-Weltmeisterschaften 1965. In Iwanowo fanden die Damen-Ringer-Europameisterschaften 1993 statt.

Söhne und Töchter der Stadt

Sergej Netschajew (1847–1882), Revolutionär Olga Warenzowa (1862–1950), Revolutionärin und Publizistin Wladimir Zybin (1877–1949), Flötist, Dirigent, Komponist und Hochschullehrer Anton Dumanski (1880–1967), Chemiker Andrei Bubnow (1883–1938), Revolutionär und Politiker Pawel Postyschew (1887–1939), Politiker („rehabilitierte“ den Weihnachtsbaum in der UdSSR) Sergei Smirnow (1895–1947), Geologe Nina Aksarina (1899–1979), Pädagogin Nathalie Sarraute (1900–1999), Schriftstellerin Anna Barkowa (1901–1976), Dichterin Alexander Zoubkoff (1901–1936), Hochstapler Lidija Komarowa (1902–2002), Architektin Georgi Schilow (1917–1975), Mathematiker Anatoli Rschanow (1920–2000), Physiker und Hochschullehrer Alexander Schilow (1930–2014), Chemiker Margarita Nikolajewa (1935–1993), Kunstturnerin German Umnow (1937–2016), Schachkomponist Slawa Saizew (1938–2023), Modemacher Arkadij Sewernyj (1939–1980), Chansonsänger Irina Jegorowa (* 1940), Eisschnellläuferin Walentin Bakulin (1945–2022), Politiker Sergei Budalow (* 1949), Hochspringer Alla Butowa (1950–2016), Eisschnellläuferin Ljudmila Popowskaja (* 1950), Fünfkämpferin Tatjana Dmitrijewa (1951–2010), Medizinerin und Politikerin Wladimir Lissin (* 1956), Unternehmer und Milliardär Olena Kruhlowa (* 1962), Schwimmerin Anna Ziwiljowa (* 1972), Politikerin Ljubow Bruletowa (* 1973), Judoka Wladimir Malachow (* 1980), Schachspieler, Großmeister Jekaterina Ulanowa (* 1986), Volleyballspielerin Jelena Morosowa (* 1987), Fußballspielerin Sergei Pessjakow (* 1988), Fußballtorwart Dmitri Chwostow (* 1989), Basketballspieler

Weblinks

www.ivanovonews.ru (russisch) www.ivanovo.ru (russisch) www.museum.ru (russisch) Iwanowo und die Städte des Goldenen Rings

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in der Oblast Iwanowo Kategorie:Hauptstadt eines Föderationssubjekts Russlands Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland

Kategorie:Ersterwähnung 1561