Die Quelle GmbH (Name ab 2006) ist seit dem 2. Mai 2013 ein in Burgkunstadt ansässiger eigenständiger Versandhandel und ein Tochterunternehmen der Otto Group.
Zuvor war Quelle ein deutsches Familienunternehmen. 1999 fusionierte Quelle als Quelle Schickedanz AG & Co. mit dem Warenhauskonzern Karstadt. Im Zusammenhang mit der Insolvenz der Arcandor (bis 2007 KarstadtQuelle AG) wurde das Versandunternehmen Quelle aufgelöst und in Teilen verkauft. Von 2011 bis 2013 existierte eine Quelle GmbH mit Sitz in Hamburg. Die Marke „Quelle“ agiert seither wieder als Universalversandhaus und gehört heute dem Baur Versand (der der Otto Group zuzurechnen ist).
Geschichte 1927–1932: Gründung und erste Jahre mini|Ehemalige Quelle-Hauptverwaltung in Fürth Das Unternehmen wurde am 26. Oktober 1927 von Gustav Schickedanz (1895–1977) in Fürth gegründet. Seine Frau Anna Schickedanz arbeitete ebenfalls in der Unternehmensleitung. Am 13. Juli 1929 kam sie zusammen mit ihrem Sohn Leo (5) und Gustav Schickedanz’ Vater Leo Schickedanz (72) bei einem Autounfall ums Leben. Gustav Schickedanz wurde schwer verletzt, die Tochter Louise (4) blieb unverletzt.Georg Etscheit: Fräulein Gretel von der Quelle. In: Die Zeit. 24/2003, abgerufen am 24. Oktober 2009.
mini|Verpackungsaufkleber des Versandhauses Quelle aus den 1930er oder 1940er Jahren mit dem Hinweis „Christliches Unternehmen – arische Inhaber“ mini|Historisches Quelle-Logo mini|Quelle-Einkaufszentrum und Großversandhaus in Nürnberg bei Nacht 2007 mini|Quelle-Großversandhaus, Quelle-Kaufhaus und Quelleturm an der Fürther Straße in Nürnberg, 2009. Architekt: Ernst Neufert. mini|Quelle-Großversandhaus in Nürnberg, Südfassade und Quelleturm, 2011
1933–1945: Nationalsozialismus und Arisierungsgewinne Im November 1932 trat Schickedanz der NSDAP bei.Süddeutsche Zeitung. 24. Juli 2009, S. 12. 1935 wurde er Ratsherr seiner Heimatstadt Fürth. 1935 übernahm Schickedanz die Rechte an der Marke Tempo, die Vereinigten Papierwerke in Nürnberg, die Brauerei Geismann und weitere Firmen unter Wert von ihren ehemaligen jüdischen Eigentümern, was ihm im Zuge der sogenannten Arisierung aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft möglich war.Klaus-Dietmar Henke, Johannes Bähr, Dieter Ziegler, Harald Wixforth: Die Dresdner Bank im Dritten Reich. Band 2: Die Dresdner Bank und die deutschen Juden. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2006, ISBN 3-486-57781-6. 1938 konnte das Versandhaus Quelle zwei Millionen Stammkunden zählen und 1939 erreichte es einen Umsatz von 40 Millionen Reichsmark. Im Juni 1942 heiratete Gustav Schickedanz Grete Lachner (1911–1994), die bereits 1927 im Alter von 15 Jahren von Schickedanz’ erster Ehefrau Anna als Lehrmädchen bei Quelle angestellt worden war und mit der er seit 1931 eine intime Beziehung unterhielt. Grete Schickedanz brachte an ihrem 32. Geburtstag, dem 20. Oktober 1943, im Luftschutzbunker der Nürnberger Frauenklinik die Tochter Madeleine zur Welt.Familie Schickedanz: Mit dem Quelle-Katalog wurde sie steinreich. auf: www.bild.de, abgerufen am 24. Oktober 2009.
Im Jahr 1943 wurde das Lager des Fürther Unternehmens durch alliierte Bombenangriffe zerstört und der Versandhandel eingestellt.
1945–1974: Berufsverbot, Entnazifizierungsverfahren und Neuanfang 1945 wurde gegen Gustav Schickedanz von den Alliierten ein Berufsverbot verhängt, sein Eigentum beschlagnahmt und er wurde zu Haft mit Zwangsarbeit verurteilt, aus der er 1948 entlassen wurde. Die treuhänderische Verwaltung des Unternehmens Quelle übernahm Schickedanz’ Schwester Liesl Kießling. Seine Ehefrau Grete Schickedanz eröffnete bereits 1946 in Hersbruck das erste Quelle-Verkaufsgeschäft der Nachkriegszeit für Textilien. Der Umsatz lag bei etwa 315.000 Mark. Ab 1948 wurde das Versandgeschäft von Quelle wieder aufgebaut. Gustav Schickedanz wurde im Entnazifizierungsverfahren durch die Hauptspruchkammer Nürnberg im März 1949 nur als „Mitläufer“ eingestuft. In der Anklage war davon die Rede, dass von seinem damaligen Vermögen von 9,3 Millionen DM über 7 Millionen aus jüdischem Besitz stammten. Zwar hatte Schickedanz insbesondere Grundstücke in den Jahren 1943 bis 1945 in großem Umfang an seine Frau und seine Tochter überschrieben, darunter auch die ehemals jüdischen Camelia-Werke (Besitzer ehemals die Brüder Emil und Oskar Rosenfelder) in Heroldsberg und die Textilfabrik Ignaz Mayer in Fürth, doch nachweisbar blieben die „hervorragenden Beziehungen“ von Schickedanz zur örtlichen nationalsozialistischen Gauleitung. Bereits 1949 wurde Schickedanz jedoch freigesprochen, insbesondere aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen.
Gustav Schickedanz wurde 1949 formal rehabilitiert und bekam die Vollmacht über seine Unternehmen zurück. Grete Schickedanz wurde Generalbevollmächtigte und Mitglied des Konzernbeirats. 1952 von der Stadt Fürth geehrt, wurde Gustav Schickedanz 1959 Fürther Ehrenbürger. 1961 wurde er mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. 1953 bis 1969 wurde das große Versandzentrum an der Fürther Straße in Nürnberg errichtet. 1954 betrug der Umsatz von Quelle 260 Millionen Mark, nach zahlreichen Eingliederungen weiterer Unternehmen in den Konzern betrug der Umsatz 1972 fünf Milliarden Mark. Zwei Jahre später betrug der Umsatz bereits 6,4 Milliarden Mark bei 36.000 Mitarbeitern.
1975–2009: Von der Gründung der Holding bis zur Insolvenz Anfang 1975 trat Grete Schickedanz als persönlich haftende Gesellschafterin in die neugebildete Gustav und Grete Schickedanz Holding KG ein. Sie engagierte sich für soziale Verbesserungen in ihrem Unternehmen. Auf ihre Initiative gehen unter anderem der Bau eines Altenheims und eines Kindergartens in Fürth zurück. Außerdem setzte sie für die Quelle-Mitarbeiter eine fortschrittliche Altersruhegeldregelung durch, wie sie erst Jahre später gesetzlich verankert wurde. Für ihre Leistungen wurde Grete Schickedanz unter anderem mit dem Großen Bundesverdienstkreuz (1976) mit Stern (1981) und Schulterband (1991), dem Bayerischen Verdienstorden (1979), der Ehrensenatorwürde der Universität Tübingen (1978), der Professorenwürde der Republik Österreich (1981), der Goldenen Bürgermedaille von Fürth (1978) sowie der Ehrenbürgerwürde von Fürth (1981) und Hersbruck (1981) geehrt.
Nach dem Tod von Gustav Schickedanz am 27. März 1977 übernahm seine Witwe die Leitung des Versandhauses Quelle. Im Frühjahr 1983 legte Grete Schickedanz ihre Führungs- und Aufsichtsämter nieder. Die unternehmerischen Interessen ihrer Tochter Madeleine Schickedanz wurden in der Folge von deren erstem Ehemann Hans-Georg Mangold, den sie 1965 geheiratet hatte, übernommen, später vom zweiten Ehemann Wolfgang Bühler, der bis zur Scheidung im Jahre 1997 in der Unternehmensleitung tätig war. Ebenfalls in der Unternehmensleitung war von 1977 bis 1989 der Ehemann der Tochter Louise, Hans Dedi.Hans Dedi: Ein Quelle-Chef aus Murg. auf: suedkurier.de, 23. Oktober 2009, abgerufen am 18. Dezember 2012. 1999 wurde Quelle in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Quelle Schickedanz AG & Co.) und fusionierte mit dem Warenhauskonzern Karstadt AG zur KarstadtQuelle AG, ab 2007 Arcandor AG.
Nach Angaben des Arcandor-Konzerns wurde zum 1. Januar 2006 aus der Quelle AG die Quelle GmbH. Konrad Hilbers führte das Unternehmen als Vorsitzender der Geschäftsführung, ihm zur Seite stand der zweite Geschäftsführer Wolfgang Binder. Quelle war das größte Unternehmen der Arcandor-Versandhandelsgruppe Primondo, die seit März 2007 alle Versandhandelsaktivitäten des Konzerns bündelte.
Am 9. Juni 2009 reichte die Quelle GmbH Deutschland den Insolvenzantrag ein; am 16. November 2009 meldete die größte Auslandstochter, die Quelle AG Österreich, den Konkurs an. Die Namensrechte an Quelle wurden im November 2009 von einem Konkurrenten, der Otto Group, gekauft.Quelle-Verkauf: Otto kauft die Marke Quelle, zeit.de, 5. November 2009
Mit Anfang Juni 2023 wird Quelle Österreich mit dem Online-Versandhändler Universal verschmolzen.
2011–2013: Neuer Versuch im Online-Handel Im August 2011 wurde unter der Webadresse www.quelle.de ein Online-Marktplatz eingerichtet, auf dem Händler ihre Waren anbieten konnten. auf: www.unternehmer.de Wegen mangelnden Erfolgs wurde der Online-Marktplatz zum 1. Mai 2013 eingestellt. Seit 2. Mai 2013 ist www.quelle.de ein Universalversandhaus.
Standorte und Vertriebskanäle mini|Das ehemalige Quelle-Versandzentrum in Leipzig-Mockau, 2008 mini|Der 90 m hohe Quelleturm in Nürnberg, 2011
Das Unternehmen Quelle war zu weiten Teilen in Fürth und Nürnberg sowie in Leipzig angesiedelt und beschäftigte europaweit etwa 8000 Mitarbeiter. auf: www.quelle.com, abgerufen am 27. März 2009. Dazu zählten die Mitarbeiter der Inlandstöchter (z. B. Profectis, Foto Quelle, SB-Gross Handels-GmbH) sowie die Töchter im Ausland (Estland, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Österreich, Rumänien, Russland, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei, Ukraine und Ungarn).
Ein Großteil des Versandgeschäfts wurde über sogenannte Sammelbesteller abgewickelt. Quelle gab Rabatte, wenn sich mehrere Kunden oder Familien für die Versandbestellung zusammenschlossen. Daraus entwickelte sich ein stark vom Unternehmen geförderter besonderer Vertriebsweg, der schließlich zu privat geführten kleinen Ladengeschäften führte. Hohe Bedeutung hatte auch der Verkauf auf Kredit. Kleinkredite wurden von der angeschlossenen Bank (zunächst Noris Kaufhilfe, später Norisbank bzw. Noris Verbraucherbank GmbH) ohne größere Formalitäten und Sicherheiten gewährt.
Quelle unterhielt 18 Landesgesellschaften (inklusive Deutschland). Drei Töchter (Profectis, Foto Quelle und die SB–Gross Handels–GmbH) unterstützten das Kerngeschäft.
Quelle war einer der größten Kunden der Deutschen Post, denn im Gegensatz zu Hermes des Versandhauses Otto verfügte Quelle über kein eigenes Lieferunternehmen für Pakete. Große Artikel, die nicht per Post verschickt werden konnten, wurden über Speditionen zum Kunden gebracht. Quelle sah sich als Multi-Channel-Unternehmen mit den Vertriebskanälen E-Commerce, Katalog, Ladengeschäfte, Mobiltelefon und dem Teleshopping-Kanal HSE24.