miniatur|Besetzung des ehemaligen Finanzamts Altona am 23. April 2011

Hausbesetzungen in Hamburg finden seit Anfang der 1970er-Jahre in unterschiedlicher Form und aus verschiedenen Beweggründen statt. Wie in anderen Städten auch ist die Hauptmotivation der Erhalt von Gebäuden und bezahlbarem Wohnraum und die Errichtung von Gemeinschaftseinrichtungen, Kultur- und Stadtteilzentren. Besetzungen richten sich oft gegen die Stadtplanungs- und Sanierungspolitik der Stadt Hamburg, die in diesem Zusammenhang gerne, nach Alfred Lichtwark, als Freie und Abrissstadt bezeichnet wird Abrisse und Klone in Hamburg in DBZ 06/2018, abgerufen am 26. Januar 2025, teilweise aber auch direkt gegen Hauseigentümer, wenn gekündigte und von Räumung bedrohte Mieter die Häuser nicht verlassen.Straßen in St. Pauli, abgerufen am 24. April 2011

Entwicklung Eine der ersten Besetzungen, die große öffentliche Aufmerksamkeit erregte, fand im April und Mai 1973 in Hohenfelde in der Ekhofstraße statt. Dort wollten etwa zweihundert zumeist junge Menschen in einem von Abbruch bedrohten Sanierungsgebiet ein leerstehendes Haus als Studenten-, Lehrlings- und Gastarbeiterwohnhaus sowohl zum Wohnen wie als Begegnungszentrum einrichten. Das Haus wurde nach fünf Wochen der Besetzung von einem Mobilen Einsatzkommando (MEK) der Hansestadt geräumt.Der Spiegel, 30. April 1973, abgerufen am 24. April 2011 Gegen die Hausbesetzer wurde anschließend ein umfangreiches juristisches Verfahren eingeleitet, das in drei Fällen zu Freiheitsstrafen von 12, 14 und 16 Monaten führte.Freie-Radios.net: Einige der Hausbesetzer (Susanne Albrecht, Wolfgang Beer, Karl-Heinz Dellwo, Bernd Rössner und drei weitere) schlossen sich später terroristischen Gruppen wie der Bewegung 2. Juni und der RAF an und waren an Terroranschlägen beteiligt, bei denen auch Menschen ermordet wurden.

Andere Besetzungen der 1970er-Jahre sind durch Mieterkämpfe entstanden. Die Bewohner des Hauses Haynstraße 1–3 in Eppendorf werden oft als die ältesten Hausbesetzer in Hamburg bezeichnet, sie schlossen sich bereits 1970 zusammen, um eine drohende Räumung zu verhindern. Dies gelang den fünfzig Mietern nur deshalb, weil sie sich trotz unterschiedlichster politischer Vorstellungen, die das gesamte linke Spektrum abdeckten, in einer Art rätedemokratischem Modell organisierten.Vgl. Natias Neutert: Der Mieteraufstand von Hamburg. In: Der Stern, Nr. 25. v. 10. Juni 1976. Auf diese Weise gelang es der „Mieterinitiative Haynstraße“ schließlich 1975/1976, sich mit einem Gemeinschaftsmietvertrag derart abzusichern, dass jedem Kündigungsbegehren seitens der Eigentümer Paroli geboten werden konnte und weiterhin kann.Hausbesetzer mit grauen Haaren. Artikel FAZ vom 13. Dezember 2007, abgerufen am 24. April 2011. Darüber hinaus wurde ein Ratgeber für Betroffene erarbeitet und 1976 im Selbstverlag publiziert, bevor das Werk in einem regulären Verlag herauskam und zu einem Bestseller wurde.Mietrecht für Mieter. Juristische Ratschläge zur Selbsthilfe. Hg., Mieterinitiative Eppendorf; Eimsbüttel; Initiativkomitee Arbeiterhilfe e. V. (IKAH), Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Inzwischen hat sich allerdings ein Großteil der einstigen Mietkämpfer der Hausgemeinschaft Haynstraße längst in Eigentümer der dortigen Wohnungen verwandelt.

Zu einer Hochphase von Hausbesetzungen kam es in den 1980er-Jahren, die allerdings oft nur ein kurzes politisches Aufflackern darstellten. In den meisten Fällen stellten die Eigentümer, staatliche wie private, Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs und die besetzten Häuser wurden umgehend geräumt. In dieser Zeit prägte der Hamburger Innensenator Alfons Pawelczyk eine sogenannte „24-Stunden-Doktrin“ (Pawelczyk-Doktrin): Um „Berliner Verhältnisse“ zu verhindern, sollte jedes besetzte Haus in Hamburg innerhalb von 24 Stunden geräumt werden. Über Hamburg hinaus bekannt wurden die Besetzungen der Hafenstraße ab 1981, die seit 1995 als Wohnprojekt legalisiert ist, und die Besetzung der Roten Flora als autonomes Stadtteilzentrum seit 1989. Ab Ende der 1980er-Jahre gingen die Akteure der Hausbesetzerbewegung mehr und mehr dazu über, sich in oftmals öffentlich geförderten Wohnprojekten zu organisieren. Mit Hilfe der Unterstützung alternativer Sanierungsträger wie der Stattbau Stadtentwicklungsgesellschaft mbH oder der Lawaetz-Stiftung wurden über leerstehende Häuser von Wohngruppen Verhandlungen mit der Stadt geführt und nach zustandegekommenem Vertrag in teilweiser Eigenleistung saniert.Stattbau Hamburg: Wir über uns, abgerufen am 24. April 2011 Hausbesetzungen gingen in Hamburg daraufhin zurück.

Seit 2009 kommt es im Zuge der Debatte um die Gentrifizierung, vor dem Hintergrund einer Wohnungsnot durch das Fehlen preiswerten Wohnraums, bei gleichzeitig verstärkt auftretendem Wohnungsleerstand, erneut zu öffentlich beachteten Hausbesetzungen. Hervorgehobenes Beispiel hierfür ist die erfolgreiche Besetzung des Gängeviertels.Spiegel online vom 8. September 2011, Besetzte Häuser bleiben selbstverwaltet: Sektlaune in Hamburgs Gängeviertel, abgerufen am 13. Juli 2013

Liste der Hausbesetzungen Die folgende Liste der Hausbesetzungen in Hamburg zählt öffentlich bekannt gewordene Hausbesetzungen seit den 1970er-Jahren in der Stadt Hamburg wie in seinem direkten Umland in chronologischer Reihenfolge auf. Dabei handelt es sich um politische Aktionen mit verschiedenen Ausgangsbasen, unterschiedlichen Zielsetzungen, Zeiträumen, Bedeutungen und Wirkungen. Einbezogen sind sowohl sogenannte Instandbesetzungen leerstehender Häuser zum Erhalt von Wohnraum, zur Schaffung öffentlicher Räume oder zur Verhinderung stadtpolitischer Umstrukturierungsmaßnahmen, wie auch Mieterkämpfe, in deren Verlauf die Mieter gegen den Willen der Eigentümer ein Haus nicht räumten.