Turku ( [] , [] ) ist eine Großstadt an der Südwestküste Finnlands und die älteste Stadt des Landes. Von der Gründung im 13. bis ins 19. Jahrhundert war Turku die bedeutendste Stadt Finnlands. Heute ist Turku mit Einwohnern (Stand ) die sechstgrößte Stadt und Zentrum des drittgrößten Ballungsraumes des Landes. Es ist Sitz des Erzbistums Turku der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands, der Åbo Akademi und der Universität Turku. 5,2 % der Einwohner Turkus sind schwedischsprachig, offiziell ist die Stadt zweisprachig.

Geografie Geografische Lage mini|Blick auf den Dom und das Zentrum von Turku, 2007 Turku liegt in der südwestfinnischen Landschaft Varsinais-Suomi an der Mündung des Flusses Aurajoki in die Ostsee. Der Stadt vorgelagert ist das Schärenmeer mit einem ausgedehnten Archipel aus über 20.000 Schären. Der Aurajoki fließt auf einer Strecke von neun Kilometern in Ost-West-Richtung durch die Stadt. Innerhalb Turkus beträgt seine Breite durchschnittlich 50 Meter. Am Unterlauf im Bereich des Stadtzentrums ist der Fluss 2,5 bis 5 Meter tief, auf Höhe des Domes wird die Fahrrinne aber wesentlich schmaler und flacher. Weitere Flüsse im Gebiet von Turku sind der Vähäjoki, der im Norden der Stadt beginnt und im Stadtteil Koroinen in den Aurajoki fließt, und der Raisiojoki, der gegenüber der Insel Ruissalo in die Ostsee mündet.

Turku hat eine Landgrenze zu den Gemeinden Raisio, Rusko, Aura, Lieto und Kaarina. Zur See hin grenzt Turku an Naantali und Pargas. Der Großraum Turku, zu dem neben Turku die Städte Naantali, Raisio, Kaarina und Lieto und einige weitere Nachbargemeinden gehören, hat insgesamt rund 290.000 Einwohner. Damit ist er nach der Region Helsinki und dem Großraum Tampere das drittgrößte Ballungszentrum Finnlands.

Ausdehnung des Stadtgebiets mini|Neubauten im Stadtteil Pihlajaniemi Turku hat eine Gesamtfläche von 306,41 km². Unter Ausschluss der Meeresgebiete sind es 249,09 km², davon weitere 3,46 km² Binnengewässer. Das Stadtgebiet hat eine längliche Form und ragt keilförmig ins Binnenland hinein. Die Entfernung zwischen dem nördlichsten und südlichsten Punkt der Stadt beträgt 45 km, die maximale Ost-West-Ausdehnung nur 15 km.

Das Zentrum von Turku liegt am Unterlauf des Aurajoki kurz vor dessen Mündung. Es hat ein schachbrettförmiges Straßennetz und ist dicht bebaut. Auf einigen Hügeln und am Flussufer befinden sich Grünflächen. In den Stadtteilen um das Zentrum herum besteht die Bebauung hauptsächlich aus Einfamilienhäusern. Diese Stadtteile wurden größtenteils erst im Laufe des 20. Jahrhunderts nach Turku eingemeindet. Viele von ihnen, wie Port Arthur, Nummi oder Raunistula, waren ursprünglich Wohngebiete der ärmeren Arbeiterschaft. Heute sind sie wegen ihrer zentrumsnahen Lage gefragte und teure Wohnlagen. Seit den 1970er Jahren entstanden große Vorortsiedlungen am Stadtrand. Die größten Siedlungen sind Varissuo, Runosmäki, Pansio und Jäkärlä. Die nördlichen Stadtteile Maaria und Paattinen wurden erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingemeindet und sind eher ländlich geprägt.

Im Süden gehört ein Teil des Schärengebiets mit den Inseln Ruissalo, Hirvensalo, Satava und Kakskerta zur Stadt. Die Inseln sind eher dünn besiedelt und mit Laubwäldern bedeckt. Mit Ausnahme von Teilen von Hirvensalo, die sich seit den 1990er Jahren zu Vorstädten der oberen Mittelschicht entwickelt haben, befinden sich auf den Inseln hauptsächlich Ferienhäuser. Auf Ruissalo liegt ein ausgedehnter Campingplatz.

Stadtgliederung mini|Stadtbezirke und Stadtteile von Turku bis 2005 Turku besteht aus 78 Stadtteilen (finnisch ). Parallel dazu existiert eine Unterteilung in neun Stadtbezirke (finnisch suuralue). Die Grenzen der Stadtbezirke folgen nicht immer den Stadtteilgrenzen, so dass einige Stadtteile zwischen zwei Stadtbezirken geteilt sind. Weder Stadtbezirken noch Stadtteilen kommt eine verwaltungstechnische Aufgabe zu.

Der Fluss Aurajoki teilt Turku in zwei Hälften. Das historische Zentrum der Stadt befindet sich südöstlich des Aurajoki und wird im lokalen Dialekt täl pual jokke („diesseits des Flusses“) genannt. Die nordwestliche Seite mit der modernen Innenstadt heißt entsprechend tois pual jokke („jenseits des Flusses“). Diese Bezeichnungen sind absolut und unabhängig vom tatsächlichen Standpunkt des Sprechers. Manchmal wird auch der schwedische Name Åbo für den südöstlichen und der finnische Name Turku für den nordwestlichen Teil der Stadt verwendet.

Die Stadtteile Turkus nach Stadtbezirken (Einteilung seit 2006): Zentrum: I. Stadtteil, II. Stadtteil, III. Stadtteil, IV. Stadtteil, V. Stadtteil, VI. Stadtteil, VII. Stadtteil, VIII. Stadtteil, IX. Stadtteil, Hafen von Turku, Iso-Heikkilä, Korppolaismäki, Kupittaa, Kurjenmäki, Mäntymäki, Pihlajaniemi, Ruissalo, Vähäheikkilä Hirvensalo-Kakskerta: Friskala, Haarla, Illoinen, Jänessaari, Kaistarniemi, Kakskerta, Kukola, Lauttaranta, Maanpää, Moikoinen, Oriniemi, Papinsaari, Pikisaari, Satava, Särkilahti, Toijainen Skanssi-Uittamo: Harittu, Ilpoinen, Ispoinen, Katariina, Koivula, Luolavuori, Peltola, Pihlajaniemi, Puistomäki, Skanssi, Uittamo, Vasaramäki Varissuo-Lauste: Huhkola, Lauste, Pääskyvuori, Vaala, Varissuo Nummi-Halinen: Halinen, Itäharju, Kohmo, Koroinen, Kurala, Nummi, Oriketo, Räntämäki Runosmäki-Raunistula: Kaerla, Kärsämäki, Kastu, Raunistula, Runosmäki Länsikeskus: Kähäri, Mälikkälä, Pitkämäki, Pohjola, Raunistula, Runosmäki, Teräsrautela, Vätti Pansio-Jyrkkälä: Artukainen, Pahaniemi, Pansio, Perno Maaria-Paattinen: Flughafen Turku, Jäkärlä, Metsämäki, Moisio, Paattinen, Saramäki, Urusvuori, Yli-Maaria

Klima mini|Der vereiste Aurajoki auf Höhe der Dombrücke

Das Klima in Turku ist kaltgemäßigt. Dank des Einflusses der Ostsee und der durch die vorgelagerten Schären geschützten Lage im Süden des Landes ist es für finnische Verhältnisse recht mild. So gedeihen in Turku unter anderem Eichen, die nur im äußersten Süden Finnlands vorkommen.

Die Jahresdurchschnittstemperatur in Turku beträgt 4,8 °C, das Jahresmittel des Niederschlages liegt bei 576 mm. Der meiste Niederschlag fällt im August (77 mm im Monatsmittel), der wenigste im März (23 mm). Der kälteste Monat ist der Februar mit einer Durchschnittstemperatur von −6,5 °C, der wärmste Monat der Juli mit 17,1 °C. Die Sommer in Turku sind mit Temperaturen bis zu 30 °C warm. Die Winter sind dagegen relativ kalt. Eine bleibende Schneedecke fällt meist um die Jahreswende. Der Aurajoki weist zuweilen eine tragende Eisdecke auf, das Eis schmilzt meist im März oder April.

Geschichte Etymologie Der Name Turku stammt nach einer allgemein anerkannten Theorie von dem altrussischen Wort (tǔrgǔ []) mit der Bedeutung „Marktplatz“ ab. Der Begriff wurde durch Kaufleute aus der Republik Nowgorod in das fennoskandinavische Gebiet gebracht und er wird in einigen finnischen Dialekten und bestimmten Ausdrücken noch immer in diesem Sinne verwendet, vergleiche auch das verwandte estnische turg mit selber Bedeutung und Herkunft, ebenso wie das schwedische torg sowie das heutige allgemeine finnische Wort für einen Platz, tori.

Der schwedische Name Åbo bedeutet hingegen so viel wie „Wohnsitz (schwed. bo) am Fluss (schwed. å)“.

Vorgeschichte und Gründung Das Gebiet der heutigen Stadt Turku war bereits in der Steinzeit besiedelt, wie archäologische Funde aus den Stadtteilen Kärsämäki und Jäkärlä beweisen. Während der Eisenzeit wurde im Flusstal des Aurajoki Landwirtschaft und Handel betrieben. Darauf weisen unter anderem Grabstätten aus der Vendelzeit hin, die bei der Alten Burg von Lieto und im Stadtteil Kurala gefunden wurden. Die Landschaft Varsinais-Suomi, in der Turku liegt, geriet indes ab 1154 durch den Kreuzzug von König Erik IX. unter schwedische Herrschaft. Der erste Bischofssitz in Finnland war Nousiainen.

Während des 13. Jahrhunderts entwickelte sich Turku zur ersten Stadt in Finnland. Als Gründungsjahr der Stadt gilt traditionell 1229. Dies beruht allerdings auf einer Fehlinterpretation mittelalterlicher Urkunden. Im Jahr 1229 stimmte Papst Gregor IX. der Verlegung des Bischofssitzes zu, offenbar von Nousiainen nach Koroinen. Das Dorf Koroinen, heute ein Stadtteil von Turku, befand sich einige Kilometer flussaufwärts. Es gibt keine Hinweise darauf, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits die eigentliche Stadt Turku gegeben hätte. Daher ist die Gründung der Stadt wahrscheinlich eher auf das Ende des 13. Jahrhunderts zu datieren. Als der Pegel des Aurajoki durch die Landhebung niedriger wurde, konnten die Händler mit ihren Schiffen nicht mehr bis Koroinen segeln und der Handelsplatz wurde nach Turku verlegt. Eine Gründungsurkunde, in der Turku die Stadtrechte zugesprochen würden, ist nicht überliefert. Dennoch kann es als gesichert gelten, dass Turku die älteste Stadt Finnlands ist, denn die nächstälteste Stadt Porvoo wurde nachweislich erst 1346 gegründet.

Schwedische Herrschaft mini|hochkant|Der Dom von Turku. Aquarell von Carl Ludwig Engel aus dem Jahr 1814. Schon im späten 13. Jahrhundert gab es in Turku ein Dominikanerkloster und einen Bischofssitz. Der Dom von Turku wurde im Jahr 1300 geweiht. Allerdings ist es ungeklärt, inwieweit die heutige aus Stein und Ziegeln erbaute Kirche auf den damaligen Bau zurückgeht; nach Ansicht mancher Forscher könnte der erste Dom aus Holz gebaut gewesen sein. Der Bau der Burg von Turku, die außerhalb der Stadt gelegen war, könnte bereits Ende des 13. Jahrhunderts begonnen worden sein. Die Burg, das Kloster und der Dom samt Bischofssitz machten Turku neben Viborg zur wichtigsten Stadt im mittelalterlichen Finnland. Während der gesamten Zeit der schwedischen Herrschaft blieb es das politische, geistige und kulturelle Zentrum Finnlands. Im Mittelalter unterhielt Turku rege Handelsbeziehungen zur Hanse, ohne jedoch deren Mitglied zu sein. Insbesondere der lebhafte Handel mit den Hansestädten Reval (estn. Tallinn), Danzig und Lübeck machte Turku zum größten Handelsplatz in Finnland.

mini|hochkant|Mikael Agricola – Büste im Dom Turku war während der schwedischen Zeit mehrfach Angriffen ausgesetzt. 1318 wurde die Stadt in die Auseinandersetzungen zwischen Schweden und Nowgorod hineingezogen. Die Russen plünderten den Dom und brannten die Stadt nieder. Während der Endphase der Kalmarer Union wurde Turku in die schwedisch-dänischen Machtkämpfe hineingezogen: 1509 überfielen die Dänen unter Otte Rud Turku, brandschatzten die Stadt und plünderten einen Großteil des Domschatzes. 1523 eroberte Gustav I. Wasa die Stadt, nachdem er ein Jahr zuvor ergebnislos die Burg belagert hatte. Kurz nachdem er zum schwedischen König gekrönt worden war, leitete er in seinem Land die Reformation ein. Martin Skytte, Bischof von Turku 1528–1550, war ein gemäßigter Befürworter der Reformation. Sein Nachfolger wurde Mikael Agricola, der wichtigste Reformator Finnlands, der in Wittenberg Schüler Martin Luthers gewesen war und mit seiner Bibelübersetzung von 1548 den Grundstein für die finnische Schriftsprache gelegt hatte.

Im Jahr 1556 ernannte Gustav Wasa seinen Sohn Johann III. zum Herzog von Finnland. Johann und seine Gemahlin Katharina Jagiellonica residierten in Turku und führten an der Burg das prunkvolle Hofleben der Renaissancezeit ein. Nach dem Tod Gustav Wasas kam es zu Machtwirren zwischen seinen Söhnen: 1563 ließ König Erik XIV. Turku erobern und seinen Bruder in die Gefangenschaft nach Schweden verschleppen.

Die Herrschaft von Gustav II. Adolf (1611–1632) und seiner Tochter Christina I. (1632–1654) war eine Zeit des Fortschritts für Turku. Die Provinzverwaltung wurde 1617, das Hofgericht 1623 gegründet. 1630 folgte ein Gymnasium. 1637 wurde Per Brahe der Jüngere zum Generalgouverneur von Finnland ernannt und bezog die Burg von Turku. Er gründete 1640 die Akademie zu Turku, die erste Universität Finnlands.