Hellraiser – Das Tor zur Hölle ist ein Horrorfilm des englischen Autors Clive Barker, der auf seiner Novelle Das Tor zur Hölle (The Hellbound Heart) beruht. Durch seine kunstvollen Bilder und Spezialeffekte hebt sich der Body-Horror-Film von vielen anderen Horrorfilmen ab und hat unter Fans Kultstatus erreicht.

In Deutschland erschien der Film am 3. März 1988, um 4 Minuten gekürzt. Die ungeschnittene Originalfassung ist in Deutschland erst 2011 erschienen und war bis dahin nur als Import, etwa aus Österreich, erhältlich.

Hellraiser gilt als Meilenstein des Horror-Kinos. Neben Nightmare on Elm Street war er einer der ungewöhnlichsten und auch erfolgreichsten Horrorfilme der 1980er Jahre. Clive Barker zeigte in der Verfilmung seiner Novelle eine düstere, beklemmende Version von menschlichen Eigenschaften wie Moral und Liebe, aber auch von Übersinnlichem und Übernatürlichem.

Handlung Frank kauft in einem Café im Orient einen mit Ornamenten verzierten Würfel von einem hageren Mann. Zurück in seinem Haus in der westlichen Zivilisation untersucht er den Würfel und entdeckt einen Mechanismus: Er öffnet ihn, verdreht ihn und setzt ihn wieder zusammen. Der Würfel öffnet das Tor zu einer anderen Dimension, in der Zenobiten (im Englischen „Cenobites“) genannte Wesen mit unvorstellbaren sinnlichen Erfahrungen experimentieren. Frank wird von den Zenobiten in ihrer Dimension gefangen.

Einen ungewissen Zeitraum später zieht der Bruder von Frank, Larry, mit seiner Frau Julia in das Haus ein. Beim Einzug geschieht ein Missgeschick: Larry verletzt sich, als er mithilfe von zwei Lieferanten eine sperrige weiße Bettmatratze in den ersten Stock zu tragen versucht, am rechten Handrücken an einem aus einem Holzpfosten hervorstehenden Nagel und Blut tropft aus seiner aufgerissenen Hand auf die Holzdielen des Dachbodens. Dadurch beginnt Frank, einen neuen Körper zu materialisieren und Kontakt zu seiner Schwägerin Julia aufzunehmen. Mit dieser hatte er hinter dem Rücken seines Bruders eine Affäre. Der untote Frank zieht Julia in seinen Bann. Sein Körper besteht anfangs nur aus den Knochen und den wichtigsten Organen. Um sich wieder vollständig zu materialisieren und dadurch endgültig den Zenobiten entkommen zu können, braucht er mehr Blut.

Indem sie unterwegs fremde Herren betört und diese mit nach Hause nimmt, lockt die manipulierte Julia immer mehr männliche Gäste, die auf ein amouröses Abenteuer hoffen, auf den Dachboden, wo Julia die ahnungslosen Besucher hinterrücks mit einem Hammer erschlägt und von Frank aussaugen lässt. Durch die blutigen Opfer materialisiert sich Frank zunehmend zu einem vollständigen Menschen. Doch durch ein Missgeschick gerät der golden verzierte Zauberwürfel in die Hände von Kirsty, Larrys Tochter aus erster Ehe, die das abgründige Tor erneut öffnet. Von den abscheulichen Kreaturen bedrängt, die plötzlich im Zimmer auftauchen, bietet Kirsty in ihrer Verzweiflung den Zenobiten ihre Hilfe an, den flüchtenden Frank zu verraten, damit die Zenobiten ihn wieder in ihre Welt holen können.

Als Kristy zu Franks Haus zurückkehrte, hat dieser Larrys Gestalt angenommen. Julia und Frank haben Larry getötet. Kristy lockt Frank auf ihrer Flucht in das Zimmer, in dem er das Portal geöffnet hatte, wo ihn die Zenobiten erwarten. Zuletzt schickt Kristy die Zenobiten, die auch sie in ihre Welt entführen wollen, mithilfe des Würfels zurück in ihre Welt.

Am Ende des Films wollen Kristy und ihr Freund den Würfel verbrennen, doch ein augenscheinlicher Obdachloser klaut den Würfel aus dem Feuer und fliegt als Drache davon. Der Würfel wird an einen neuen Mann weitergegeben.

Entstehung Zu Beginn der finanziellen Planung von Hellraiser willigte das Unternehmen Virgin Films 1986 ein, einen Teil des Budgets für die Verfilmung der Kurzgeschichte The Hellbound Heart zu stellen, da Mitte der 1980er Jahre das Genre Horrorfilm sehr populär war, etwa durch die Filmreihe A Nightmare on Elm Street. Bei Virgin Films handelte es sich um eine Firma des britischen Unternehmers Richard Branson. Später sprang Virgin Films jedoch als möglicher Sponsor wieder ab.Videointerview mit Produzent Christopher Figg und Schauspieler Doug Bradley im Dokumentarfilm Leviathan – Die Geschichte von Hellraiser (The Story of Hellraiser). Regie: K. John McDonagh, Erzähler: Oliver Smith, 90 Minuten, 2015, produziert von Cult Screenings UK Ltd. und Dead Mouse Productions, enthalten im Bonusmaterial der fünf Discs umfassenden Blu-ray-Box Clive Barker’s Hellraiser Trilogy, (Disc 4), 2018, Turbine Medien GmbH, Münster + Lakeshore International, Beverly Hills (USA)

Gedreht wurde Hellraiser im Filmstudio The Production Village in Cricklewood in London. Die Dreharbeiten begannen im September 1986.Videointerview mit Schauspieler Doug Bradley im Dokumentarfilm Under the Skin, Regie: Jake West, 13 Minuten, 2004, produziert von Nucleus Films und Arrow Video, enthalten im Bonusmaterial der fünf Discs umfassenden Blu-ray-Box Clive Barker’s Hellraiser Trilogy, (Disc 1), 2018, Turbine Medien GmbH, Münster + Lakeshore International, Beverly Hills (USA). In dieser bluRay-Box befinden sich auf Disc 1 und 2 zwei unterschiedliche Interviews mit Doug Bradley, die dennoch denselben Titel Under the Skin tragen.

In der Rolle des biederen Ehemanns Larry Cotton ist Schauspieler Andrew Robinson zu sehen, der 1971 in dem Thriller Dirty Harry den skrupellosen Serienmörder Scorpio verkörperte.

Für die Rolle des verschlagenen und hinterhältigen Frank Cotton war ursprünglich der amerikanische Schauspieler Lance Henriksen vorgesehen, der zu diesem Zeitpunkt durch sein Mitwirken in Filmen wie Unheimliche Begegnung der dritten Art, Terminator und Aliens – Die Rückkehr bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hatte. Dieser lehnte jedoch ab, da er befürchtete, dass er sich im Falle einer Besetzung gleichzeitig für eine Reihe von Fortsetzungen verpflichten würde, was ihm nicht förderlich erschien. Tatsächlich spielte Henriksen 2005 in der Fortsetzung Hellraiser: Hellworld eine andere tragende Rolle.Wissenswertes zu 'Hellraiser – Das Tor zur Hölle', abgerufen am 19. August 2023.

Ursprünglich sollte die Figur des Zenobiten Chatterer, der ständig mit den Zähnen klappert, von Schauspieler Nicholas Vince in gebückter Haltung gespielt werden, ähnlich der nach vorne gebeugten Körperhaltung eines Affen, denn manche Affengattungen wie der Schimpanse klappern ebenfalls mit den Zähnen. Diese Idee wurde verworfen.Videointerview mit Schauspieler Nicholas Vince im Dokumentarfilm Leviathan – Die Geschichte von Hellraiser (The Story of Hellraiser). Regie: K. John McDonagh, Erzähler: Oliver Smith, 90 Minuten, 2015, produziert von Cult Screenings UK Ltd. und Dead Mouse Productions, enthalten im Bonusmaterial der fünf Discs umfassenden Blu-ray-Box Clive Barker’s Hellraiser Trilogy, (Disc 4), 2018, Turbine Medien GmbH, Münster + Lakeshore International, Beverly Hills (USA)

Ein erster von Maskenbildner John Cormican, einem Experten für prothetisches Make-up, gezeichneter Entwurf sah vor, die Figur des Zenobiten-Anführers Pinhead ein Ethno- und Tribal-haftes Aussehen zu geben, mit Einflüssen der afrikanischen Volkskultur und Piercings in Nase und Ohren. Piercings waren damals exotischer Gesichtsschmuck und noch nicht in der breiten westlichen Gesellschaft etabliert. Beim Entstehungsprozess setzte sich dann das Pinhead-Design mit den rasterförmigen Narben in der kahlen Kopfhaut und den symmetrisch im Schädel steckenden Nägeln durch. In diesem Zusammenhang sollte der Lead Cenobite feine Nadeln in seinem Kopf haben, weshalb er auch den Namen Pinhead bekam, auf Deutsch übersetzt Nadelkopf. Als diese Nadeln bei einigen Testfotografien nicht zur Geltung kamen, tauschte das Team die dünnen Nadeln gegen stärkere Nägel aus, selbst gebaut aus Messing. Dennoch behielt die Figur ihren Namen Pinhead und wurde nicht etwa in Nailhead umgetauft. Der weibliche Zenobit dagegen sollte einen langen dünnen Metallstab mit Eisenfedern quer durch beide Wangen stecken haben. Stattdessen erhielt diese Kreatur eine blutige offene Wunde im Kehlkopfbereich des Halses, in der Form einer Vulva mit quer sitzendem Stachel darin.Videointerview mit den Maskenbildnern John Cormican und Geoffrey „Geoff“ Portass im Dokumentarfilm Leviathan – Die Geschichte von Hellraiser (The Story of Hellraiser). In dem Dokufilm sind Zeichnungen und Skizzen der Zenobiten-Figuren zu sehen. Regie: K. John McDonagh, Erzähler: Oliver Smith, 90 Minuten, 2015, produziert von Cult Screenings UK Ltd. und Dead Mouse Productions, enthalten im Bonusmaterial der fünf Discs umfassenden Blu-ray-Box Clive Barker’s Hellraiser Trilogy, (Disc 4), 2018, Turbine Medien GmbH, Münster + Lakeshore International, Beverly Hills (USA)

Zur Inspiration für die Szenen-Gestaltung mit dem blutenden hautlosen Monster Frank besuchten Schöpfer Clive Barker und Maskenbildner Bob Keen eine Autopsie einer medizinischen Schule in London, um dort mit Studenten einem Arzt beim Häuten einer echten Leiche zuzuschauen. Während dieser Leichenöffnung musste sich Bob Keen übergeben.Videointerview mit Maskenbildner Bob Keen im Dokumentarfilm Leviathan – Die Geschichte von Hellraiser (The Story of Hellraiser). Regie: K. John McDonagh, Erzähler: Oliver Smith, 90 Minuten, 2015, produziert von Cult Screenings UK Ltd. und Dead Mouse Productions, enthalten im Bonusmaterial der fünf Discs umfassenden Blu-ray-Box Clive Barker’s Hellraiser Trilogy, (Disc 4), 2018, Turbine Medien GmbH, Münster + Lakeshore International, Beverly Hills (USA)

Der Soundtrack zum ersten Teil der Serie wurde von der britischen Industrial-Band Coil eingespielt, von der Produktionsfirma des Films jedoch abgelehnt.

Vor der Veröffentlichung des ersten Hellraiser-Films gab es lange Diskussionen über den Titel. Clive Barker schlug den Titel Sadomasochists from beyond the Grave (dt. Sadomasochisten von jenseits des Grabes) vor, eine Mitarbeiterin schlug sogar vor, den Film What a Woman Will Do for a Good Fuck (dt. Was eine Frau für einen guten Fick tun wird) zu nennen.

Synchronisation Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Hermes Synchron, Berlin. Ronald Nitschke schrieb das Dialogbuch und führte Regie. Für die Kinoauswertung wurden einige Szenen gekürzt oder komplett geschnitten. Diese Teile wurden 2017 im CSC-Studio in Hamburg nachsynchronisiert. Hierfür übernahm Dr. Gerd Naumann Buch und Regie. +RolleDarstellerSynchronsprecherLarry CottonAndrew RobinsonKnut ReschkeNachsynchro: Konstantin GraudusJulia CottonClare HigginsSonja DeutschNachsynchro: Dagmar DrekeKirsty CottonAshley LaurenceMaud AckermannNachsynchro: Melanie IsakowitzFrank CottonSean ChapmanOliver Smith (als Monster)Ronald NitschkeNachsynchro: Thomas SchmuckertLead Cenobite / PinheadDoug BradleyHelmut Krauss

Motive Zenobiten Die Zenobiten (der Name ist vom Koinobitentum abgeleitet) sind Mitglieder des „Ordens der klaffenden Wunde“ („Order of the Gash“), sie bezeichnen sich als Theologen dieses Ordens. Nach ihrer Selbstdarstellung sind sie „Forscher in den weiteren Regionen der Erfahrung“ („Explorers in the further regions of Experience“), dementsprechend erscheinen sie einigen Menschen wie Engel, anderen Menschen jedoch wie Dämonen („Demons to some – Angels to Others“). Die als „Engineer“ bezeichnete Entität, welche sowohl in der literarischen Vorlage als auch im ersten (als „Lumpenmann“) und fünften Teil der Filmserie auftaucht, scheint im „Order of the Gash“ über Pinhead zu stehen. Die in „The Hellbound Heart“ ursprünglich vor religiös neutralem Hintergrund geschilderten Zenobiten erhielten durch die verschiedenen Verfilmungen rasch einen aus christlicher Sicht teuflischen Charakterzug.

Die Figur des Pinhead taucht in allen Hellraiserfilmen auf. Sie trat jedoch unter dem Namen „Pinhead“ erst im zweiten Teil der Serie in Erscheinung, in der literarischen Vorlage ist er nur einer der „Cenobites“. In der Verfilmung wird er im Abspann als „Lead Cenobite“ aufgeführt.