mini|Guillermo Fariñas (2014 in Havanna) Guillermo Fariñas Hernández (* 3. Januar 1962 in Santa Clara) ist ein kubanischer unabhängiger Journalist sowie politischer Dissident. Bekannt wurde er durch zahlreiche Hungerstreiks gegen das kubanische Regime zunächst unter Fidel Castro, später unter dessen Bruder und Nachfolger Raúl, unter deren Amtszeit Fariñas insgesamt elf Jahre als politischer Häftling im Gefängnis saß.
Internationale Aufmerksamkeit erregte vor allem der bisher vorletzte, insgesamt 135 Tage dauernde Hungerstreik vom 24. Februar bis 8. Juli 2010, mit dem er einerseits gegen den Tod des ebenfalls durch Hungerstreik gestorbenen Orlando Zapata protestieren und andererseits die Freilassung von 26 erkrankten politischen Gefangenen erreichen wollte.
Im selben Jahr erhielt Guillermo Fariñas den Sacharow-Preis für geistige Freiheit für seine Verdienste um die Menschenrechte in Kuba.
Biographie Herkunft und Ausbildung Guillermo Fariñas wurde 1962 im kubanischen Santa Clara geboren. Seine Eltern waren Anhänger der Kubanischen Revolution. Sein Vater kämpfte 1965 zusammen mit zwei Brüdern an der Seite von Che Guevara im Kongo, seine Mutter arbeitete als Krankenschwester. Fariñas wichtigste männliche Bezugsperson war sein Großvater väterlicherseits, der im Gegensatz zu seinen Söhnen antikommunistisch eingestellt war.
Fariñas, der als Teenager zunächst eine Karriere als Leistungssportler im Basketball anstrebte, wurde von seinem Vater auf eine Kadettenschule geschickt. Dort begann er eine Militärausbildung, in deren Verlauf er am kubanischen Militäreinsatz in Angola teilnahm, wo er in verschiedenen Spezialeinheiten tätig war, mehrfach verwundet wurde und zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Als Teil der Offiziersausbildung trat er einen Spezialisierungskurs in Tambow in der damaligen Sowjetunion an, wo er jedoch infolge eines Unfalls eine bleibende Gesundheitsschädigung erlitt und deswegen 1983 seine Militärlaufbahn abbrechen musste. Anschließend begann er ein Psychologiestudium, welches er 1988 abschloss. Danach arbeitete er in einer Poliklinik und war gleichzeitig örtlicher Generalsekretär des kommunistischen Jugendverbandes UJC. Aus beiden Positionen wurde er 1989 entlassen, nachdem er an seinem Arbeitsplatz die Erschießung des Generals und Angola-Helden Arnaldo Ochoa wegen Hochverrats kritisierte.
Haftstrafen und politische Aktivität Fariñas selbst gibt in seiner Autobiografie an, er sei ab dieser Zeit zum Gegner der Regierung um Fidel Castro geworden. Ab 1993 arbeitete er im Kinderkrankenhaus „Pedro Borrás“ in Havanna und trat dort erstmals öffentlich in Erscheinung, als er 1993 in Anwesenheit internationaler Pressevertreter Fidel Castro persönlich gegenübertrat und ihn aufforderte, sein Versprechen zu halten, das Krankenhaus sechs Monate nach renovierungsbedingter Schließung wieder zu eröffnen.Guillermo Fariñas: cuando la voluntad se transforma en alimento In: El Imparcial vom 5. Juli 2010, abgerufen am 4. Juni 2011 (spanisch) Fariñas Kollegen wählten ihn in der Folge zum Generalsekretär der (illegalen) Gewerkschaft der Angehörigen der Gesundheitsberufe. 1995 zeigte er die Klinikleitung bei der Polizei wegen Korruption und Veruntreuung von aus der Europäischen Union stammenden Spenden an. Daraufhin wurde er festgenommen und später unter anderem wegen angeblichen Waffenbesitzes zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. In den darauf folgenden Jahren folgten weitere Verurteilungen zu Haftstrafen.
In der kubanischen Parteizeitung Granma hingegen hieß es, dass Fariñas 1995 zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde, nachdem er in dem Krankenhaus, wo er arbeitete, eine Kollegin attackiert habe. Daraufhin habe er sich zu einem Opfer politischer Verfolgung hochstilisiert. 2002 wurde er als Wiederholungstäter zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, nachdem er mit einem Knüppel auf einen alten Mann eingeprügelt und diesen schwer verletzt haben soll. Fariñas sei jedoch bereits 2003 aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes aus der Haft entlassen worden.
Im Jahr 2003 gründete Fariñas die kleine, unabhängige Nachrichtenagentur Cubanacán Press. 2009 gründete er in Santa Clara die Gruppe „Foro Antitotalitario Unido“ (Vereintes Antitotalitäres Forum, FANTU), zu deren Generalsekretär er gewählt wurde. Im Februar 2013 schloss sich das vor allem in der Westhälfte Kubas aktive FANTU mit der vor allem im Osten des Landes stark vertretenen oppositionellen Organisation „Unión Patriótica de Cuba“ (UNPACU) zusammen, deren Name übernommen wurde. In der neuen UNPACU übernahm Fariñas das Amt des Sprechers.Institute of American Studies: (englisch)
Mit der ersten Verhaftung 1995 begann Fariñas eine Serie von Hungerstreiks. Bis Oktober 2010 sollen es insgesamt 23 gewesen sein. Im Jahre 2006, einer der längsten, wollte er beispielsweise den freien Zugang zum Internet für die Kubaner erreichen. Der limitierte Zugang der Kubaner zum Internet bei gleichzeitiger Zensur besteht jedoch bis heute fort. Dafür wurde er 2006 von Reporter ohne Grenzen mit dem Cyber-Freedom-Prize bedacht. Im gleichen Jahr mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar ausgezeichnet.
Im November 2013 wurde Fariñas gemeinsam mit Berta Soler, Sprecherin der Damen in Weiß, von US-Präsident Barack Obama zu einem Gespräch über Kuba empfangen, als dieser sich für einen Tag in Florida aufhielt.Miami Herald: (englisch)
Hungerstreik nach dem Tod von Orlando Zapata Am 24. Februar 2010, einen Tag nach dem Hungerstreiktod von Orlando Zapata, begann Guillermo Fariñas seinen 23. Hungerstreik. Ziel sei, laut Interview mit der spanischen Zeitung El País, zum einen, dass die kubanische Regierung einen hohen politischen Preis für den Tod Zapatas zahle, zum zweiten die unverzügliche Freilassung zahlreicher politischer Gefangener mit schlechtem Gesundheitszustand, und drittens, falls er selbst sterben sollte, dass die Welt sehe, dass Kuba seine Oppositionellen sterben lasse und dass der Fall Orlando Zapata kein Einzelfall war. In der kubanischen Parteizeitung Granma erschien am 8. März 2010 ein Artikel, wonach sich der Staat durch den Konterrevolutionär Fariñas sowie eine durch die Interessenvertretung der USA in Kuba gesteuerte ausländische Pressekampagne nicht erpressen lassen würde, wobei auch die vorgeblichen Straftaten Fariñas’ aus Sicht des kubanischen Staates aufgezählt wurden. In ähnlicher Weise äußerte sich Staatspräsident Raúl Castro in einer vom Fernsehen übertragenen Rede zum Abschluss des Kongresses des Kommunistischen Jugendverbands UJC am 4. April 2010, als er auf die Verurteilungen Fariñas wegen gewöhnlicher Verbrechen hinwies und jegliche Verantwortung für dessen möglichen Tod ablehnte.Raúl Castro: Cuba no teme a la mentira ni se arrodilla ante presiones Rede vor dem IX. Kongress des Kommunistischen Jugendverbands UJC am 4. April 2010, in: Cubadebate vom 4. April 2010, abgerufen am 12. September 2011 (Spanisch)
Aufgrund seines sich stetig verschlechternden Zustands wurde Fariña in die Universitätsklinik in seiner Heimatstadt Santa Clara verlegt. Gegen Anfang Juli 2010 schwebte Fariñas wohl in akuter Lebensgefahr, woraufhin ein weiterer Artikel in der Granma veröffentlicht wurde, wonach die Ärzte alles Menschenmögliche tun würden, Fariñas’ Leben zu retten.
Nachdem die kubanische Regierung nach Vermittlung der katholischen Kirche unter Leitung von Kardinal Jaime Ortega und der spanischen Regierung, vertreten durch Außenminister Miguel Moratinos, am 7. Juli die Freilassung von 52 politischen Gefangenen innerhalb von vier Monaten versprach und die ersten fünf von ihnen ihre Gefängnisse verlassen konnten, beendete Guillermo Fariñas seinen aktuell 135 Tage dauernden Hungerstreik.
Mitte Dezember 2010 wurde Fariñas in Abwesenheit der Sacharow-Preis für geistige Freiheit für seine Verdienste um die Menschenrechte in Kuba verliehen. Die kubanische Regierung hatte sich geweigert, ihm eine Reiseerlaubnis zur Preisverleihung nach Straßburg zu erteilen. Fariñas forderte die Europäische Union auf, an ihrer kritischen Haltung gegenüber Kuba festzuhalten und die diplomatischen Beziehungen nicht zu öffnen.vgl. Sacharow-Preis für kubanischen Dissidenten bei dw-world.de, 15. Dezember 2010 (aufgerufen am 15. Dezember 2010)
Ende Februar 2011 wurde Fariñas für 27 Stunden inhaftiert, nachdem er von seinem Dach aus Parolen gerufen hatte und an Orlando Zapata erinnerte.
Hungerstreik nach dem Tod von Juan Wilfredo Soto