Bonstetten (zürichdeutsch älter Baustette []) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Zürich. Sie gehört zum Bezirk Affoltern.

Geographie mini|Bonstetten, historisches Luftbild von 1923, aufgenommen von Walter Mittelholzer Die Gemeinde besteht aus den zwei Teilen Bonstetten-Dorf und Bonstetten-Schachen. Im Quartier Schachen befindet sich auch der Bahnhof Bonstetten-Wettswil auf ; Bonstetten-Dorf liegt beim Gemeindehaus/Kirche auf Bonstetten grenzt im Norden an Wettswil am Albis, im Osten an Stallikon, im Süden an Hedingen und im Westen an Islisberg und Birmensdorf.

Geschichte Drei Grabhügel aus der Bronze- und der Hallstattzeit bilden die ersten Spuren menschlicher Ansiedlung in Bonstetten. Eine vom Landeigentümer 1994 entdeckte Fundstelle im Weiler Buen («Lätten») wurde 1995 archäologisch untersucht. Eine holzkohlehaltige Fundschicht enthielt Scherben, einen Mühlstein und wenige Knochen. Das Formenspektrum der Keramik weist in die frühe Spätbronzezeit ca. 1000 v. Chr., wie es aus den Gräbern von Neftenbach-Steinmöri und Siedlungsfunden in Andelfingen, Dietikon, Fällanden und Oberengstringen dokumentiert ist.

Im Gibel fand man die Reste eines römischen Wohnhauses.

Erstmals schriftlich als «Boumstettin» erwähnt wird es im Jahr 1122 in einem Dokument des Bistums Konstanz. Eine kleine Burganlage wurde 1989 genauer untersucht. Dabei könnte es sich um den Stammsitz der Herren von Bonstetten handeln, die 1122 mit Henricus de Bonstadin erstmals erwähnt werden.

In der Nachfolger der Habsburger gelangt die hohe Gerichtsbarkeit 1415 an die Stadt Zürich.

Nach dem Dorfbrand von 1783, dem 23 Wohnhäuser – ein Drittel des Dorfes – zum Opfer fielen, erliess die Zürcher Regierung strenge Bauvorschriften für den Wiederaufbau. Mit dem Bau der Waldeggstrasse nach Zürich 1827 und der Eisenbahn 1864 erlebte die Gemeinde einen gewissen Aufschwung.

Von 1943 bis 1945 wurde in Bonstetten ein Arbeitslager für jüdische Flüchtlinge betrieben. Weit über tausend Männer lebten im Verlaufe dieser Zeitspanne im Lager und wurden für Meliorations- und Rodungsarbeiten eingesetzt.Zuflucht Schweiz im 2. Weltkrieg. Das Arbeitslager für Flüchtlinge Bonstetten 1943–1945. Website der Gemeinde Bonstetten, abgerufen am 31. Januar 2022.

Wappen Blasonierung: In Schwarz mit goldenem Bord drei aneinanderstossende, geschliffene silberne Rauten

Bevölkerung + Bevölkerungs­entwicklungQuellen: 1635/712: HLS, 1850–1960: Eidgenössische Volkszählungen (XLS; 927 kB), danach: Gemeindeporträts. Bonstetten. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 1962–2022. Jahr Einwohner 1635 495 1712 612 1850 887 1900 691 1950 888 2000 3850 2005 4468 2010 5164 2015 5322 2020 5610 2022 5619

Politik Gemeindepräsidentin ist Arianne Moser (FDP, Stand 2023).Gemeinderat. Website der Gemeinde Bonstetten.

Bei der Nationalratswahl 2019 erreichten die Parteien folgende Wähleranteile: SVP 26,12 %, SP 16,74 %, glp 16,24 %, FDP 15,35 %, Grüne 12,37 %, EVP 4,19 %, CVP 3,87 %, BDP 1,28 %, EDU 1,20 % und andere (8) 2,63 %.

Die Wähleranteile bei der Nationalratswahl 2023: SVP 28,14 % (+2,02 %), SP 17,75 % (+1,01 %), glp 15,75 % (−0,49 %), FDP 13,99 % (−1,36 %), Grüne 7,91 % (−4,46 %), Die Mitte 7,15 % (+2,00 %), EVP 3,73 % (−0,46 %), EDU 1,21 % (+0,01 %), Aufrecht Zürich 1,07 %, andere (11) 3,29 %.Nationalratswahl 2023. Kanton Zürich. 25. Oktober 2023. +GemeindepräsidiumZeitraumPersonFrank Rutishauser2018–2022Erwin Leuenberger2022–2026Arianne Moser

Wirtschaft Bonstetten ist eine ländliche Agglomerationsgemeinde mit 70 % Wegpendlern.

Die Gemeinde verfügt über je eine Filiale von Coop, Migros und Spar. Die Einkaufsgelegenheiten werden von den beiden Zentren Burgwies und Heumoos geprägt.

Öffentlicher Verkehr Im Ortsteil Schachen befindet sich der Bahnhof Bonstetten-Wettswil. Dieser wird bedient von der und der der S-Bahn Zürich. Zudem verkehrt während der Nächte am Wochenende die . Der Bahnhof Bonstetten-Wettswil ist ab dem Hauptbahnhof Zürich in 20 Minuten erreicht. Der Bahnhof ist mit der deutlich höchstgelegene Bahnhof der Bahnstrecke Zürich–Zug. Der Bahnhof besitzt einen Doppelnamen, befindet sich aber vollständig auf dem Gemeindegebiet von Bonstetten. Der Bahnhof wurde 1864 mit der Strecke Zürich–Zug als Station Bonstetten eröffnet. Der Neubau nach Architekt Thomas Schinkhof wurde 2008 fertiggestellt. Der Bahnhof hat zwei Perrongleise (Gleis 2 und 3), welche durch einen Mittelbahnsteig erreichbar sind. Der Mittelbahnsteig ist durch eine Unterführung mit dem Bahnhofsvorplatz verbunden. Die Unterführung hat je zwei Aufgänge, wovon jeweils eine als barrierefreie Rampe ausgeführt ist. Das dritte Gleis (Gleis 1) ist nicht mit einem Bahnsteig ausgerüstet. Es wird für Rangierarbeiten sowie für das Abstellen von Gleisbauzügen genutzt. In Richtung Zürich gibt es zusätzlich zwei kurze Abstellgleise. Eines von ihnen ist ein Pufferlager für Zisternenwagen mit dem Inhalt Ethylenoxid. Dieses Gleis ist eingezäunt und geschützt, die Standards der Sicherheitstechnik sind erfüllt. Im Bahnhofsgebäude befindet sich ein Convenience Shop von avec, welcher an 365 Tagen im Jahr geöffnet hat. Ebenfalls findet sich in diesem Gebäude ein bedienter Bahnschalter der SBB. Nebst den Schaltern an den Bahnhöfen Zürich Altstetten, Zug und Affoltern a. A. ist Bonstetten-Wettswil der einzige Bahnhof mit einem Bahnschalter, der direkt durch die SBB, und nicht durch einen Drittanbieter, bedient wird. Auf dem Bahnhofsgelände sind 107 Parkplätze verfügbar. Ausserdem gibt es überdachte Veloplätze. Nördlich des Bahnhofgebäudes befindet sich ein Stellwerk. Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde mit dem Neubau auch ein Busbahnhof eröffnet. Der Bahnhof Bonstetten-Wettswil ist ein zentraler Umsteigepunkt der Dörfer Bonstetten, Wettswil, Islisberg und Teile Stallikons. Dementsprechend viele Busse bedienen den Bahnhof. Während die Linien 205, 221 und 227 durch die Postauto-Regie in Hausen am Albis betrieben werden, werden die übrigen Buslinien vom Postautohalter Rolf Stutz AG aus Jonen betrieben.

Ab Bonstetten-Wettswil, Bahnhof verkehren mehrere Postautolinien:

Affoltern a. A., Bahnhof – Hedingen – Bonstetten-Wettswil, Bahnhof— Zürich, Bahnhof Enge/Bederstr.

Bonstetten-Wettswil, Bahnhof – Islisberg, Dorf – Arni AG, Stockacker

Bonstetten, Dorfplatz – Bonstetten-Wettswil, Bahnhof – Zürich, Bahnhof Enge/Bederstr. (nur zu Hauptverkehrszeiten)

Bonstetten-Wettswil, Bahnhof – Wettswil a. A., Dorf – Waldegg – Zürich, Bahnhof Wiedikon (nur zu Hauptverkehrszeiten)

Bonstetten-Wettswil, Bahnhof – Wettswil a. A., Dorf – Bonstetten-Wettswil, Bahnhof (Rundkurs Wettswil)

Bonstetten-Wettswil, Bahnhof – Stallikon, Dorf – Birmensdorf ZH, Bahnhof

Bonstetten-Wettswil, Bahnhof – Bonstetten, Dorfplatz – Bonstetten-Wettswil, Bahnhof (Rundkurs Bonstetten)

Bonstetten-Wettswil, Bahnhof – Wettswil a. A., Dorf – Wettswil a. A., Heidenchilen

Sehenswürdigkeiten

mini|Reformierte Kirche von 1510 Das Turbinenmuseum Bonstetten besitzt eine komplett erhaltene Wasserkraftanlage für landwirtschaftliche Nutzung und eines der zwei letzten Wasserrechte, die vom Kanton Zürich dafür erteilt wurden.Turbinenmuseum. Website der Gemeinde Bonstetten.

In Bonstetten gibt es vier Kirchen: Die reformierte Kirche ist die älteste der Kirchen in Bonstetten. Sie liegt im Dorfzentrum. Die römisch-katholische Kirche St. Mauritius steht vis-à-vis dem Bahnhof und wurde 2016 eingeweiht. Die neuapostolische Kirche befindet sich an der Schachermatten 16. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage findet sich an der Heumattstrasse 2.

Bildung In Bonstetten gibt es Kindergärten, Primarschule und Oberstufe. Die Primarschule umfasst vier Schulhäuser und einen Pavillon sowie Hort und Mittagstisch. Die Bonstetter Sekundarschule wird nebst Bonstetten selbst auch aus den Gemeinden Wettswil, Stallikon und Islisberg (AG) besucht. Umgekehrt besuchen die Bonstetter das Gymnasium in Zürich oder Urdorf.

Persönlichkeiten Johann Jakob Bänninger (1821–1880), Lehrer und Mundartdichter, in Bonstetten verstorben Luke Gasser (* 1966), gestaltete 2004 die neuen Glocken der Kirche St. Mauritius und 2016 den Altarraum des Kirchenneubaus in Bonstetten Judith Giovannelli-Blocher (1932–2024), Sozialarbeiterin und Buchautorin, in Bonstetten geboren Richard Hessberg (1879–1960), deutscher Augenarzt jüdischer Herkunft, flüchtete 1939 nach Bonstetten Max Huwyler (1931–2023), Lehrer in Bonstetten Qaasim Illi (* 1982), zum Islam konvertierter Informatiker und Vorstandsmitglied des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS), heimatberechtigt in Bonstetten Matthias Pöhm (* 1960), deutscher Rhetoriktrainer, lebt in Bonstetten Wilfried Spinner (1854–1918), Theologe und Missionar, in Bonstetten geboren Johann Conrad Wirz (1688–1769), Antistes, war Pfarrer in Bonstetten Theo Zingg (1925–1993), Zeitungsverleger und Verlagsmanager, Präsident der Schweizerischen Depeschenagentur, lebte in Bonstetten und verstarb in der Nähe bei einem Autounfall

Sonstiges Ein Teil des Filmklassikers Es geschah am hellichten Tag wurde 1958 in Bonstetten im Restaurant Löwen gedreht. Auch der Spielfilm «Polizist Wäckerli in Gefahr» aus dem Jahre 1967 spielte sich teilweise in Bonstetten vor der alten Bäckerei ab.

Literatur Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band I: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen. Bonstetten (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 7). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1938, , S. 24–26 (Digitalisat). Werner Glättli: 100 Jahre Gemeindeverein Bonstetten. 1964.

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Bonstetten Statistische Daten der Gemeinde Bonstetten

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kanton Zürich Kategorie:Schweizer Gemeinde

Kategorie:Ersterwähnung 1122