Die Geschichte der Architektur in Düsseldorf reicht vom Mittelalter bis in das 21. Jahrhundert. Zahlreiche typische Bauwerke verschiedener Epochen sind noch erhalten oder wurden wieder aufgebaut. Seinen architekturgeschichtlichen Anfang nimmt Düsseldorf mit einer Vielzahl von Bauwerken im Stil der Vorromanik aus dem 11. Jahrhundert. Ein Beispiel für die gotische Architektur in Düsseldorf ist die Lambertuskirche. In der Neuzeit wurde das Düsseldorfer Schloss im Stil der Renaissance ausgebaut. Das Ratinger Tor gehört zu den wenigen rein klassizistischen Bauten des alten Düsseldorf. Die Stadt erlebte den Höhepunkt städtebaulicher und künstlerischer Entwicklung ab 1890 bis 1914 mit Historismus, Reformarchitektur und Jugendstil. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Düsseldorf für seinen Backsteinexpressionismus und Neuklassizismus bekannt. Während der Luftangriffe auf Düsseldorf wurden weite Teile der an historischen Gebäuden reichen Innenstadt zerstört. Es folgte in der Nachkriegszeit der Neuklassizismus und die Moderne. Um die 1960er Jahre erlebte Düsseldorf seinen Höhepunkt als Industrie-, Finanz-, Verwaltungs-, Messe- und Modemetropole. Während die 1970er Jahre vom Brutalismus geprägt waren, folgte in den 1980er Jahren eine Rückkehr zur klassischen Moderne.
Der Journalist und Reiseschriftsteller Georg Forster besuchte im Jahre 1790 Düsseldorf und beschrieb die Stadt in seinen Ansichten vom Niederrhein (1793):
mini|hochkant=1.6|Stadtbild von Düsseldorf im Jahr 1647 (Kupferstich nach Merian d. Ä.) mini|hochkant=1.6|Stadtbild von Düsseldorf im Jahre 1729 (Kupferstich nach F.B. Werner) mini|hochkant=1.6|Stadtbild von Düsseldorf im Jahre 1749, Brand des Residenzschlosses mini|hochkant=1.6|Düsseldorf von der Rheinseite mit altem Residenzschloss um 1850 mini|hochkant=1.6|Stadtbild von Düsseldorf, heute
Architekturgeschichte Vorromanik und Romanik mini|Düsseldorf-Kaiserswerth, Stiftskirche, Vorhalle mini|Düsseldorf-Gerresheim, romanische Altarmensa
1135 wird Düsseldorf als „Dusseldorp“ erstmals erwähnt und im Jahr 1189 an den Grafen von Berg verpfändet. Die frühesten erhaltenen Bauwerke der Stadt stellen die beiden großen romanischen Sakralbauten in Gerresheim und Kaiserswerth dar, wo ein Kloster gegründet wurde. Von 1174 bis 1184 wurde die Kaiserpfalz Kaiserswerth als mächtige Zollfestung zur Abgabe des Rheinzolls ausgebaut. Auf dem heutigen Stadtgebiet befinden sich acht romanische Kirchen.Vorromanik und Romanik 6, 119, 217, 218, 220, 223, 226, 230, 232, 246, 249, 264 und 267. Das Haus Suitbertus-Stiftsplatz 14 in Kaiserswerth ist romanischen Ursprungs.
Martinskirche: Der karolingische Bau war eine rechteckige Kapelle aus Ratinger Schiefer, Grauwacke-Bruchsteinen und Braunkohlequarziten, die mit rotem Lehm und ohne Beimischung von Mörtel aufgeschichtet waren, der durch eine dreischiffige, flachgedeckte Pfeilerbasilika mit Turm im Westen ersetzt wurde. An Stelle der flachen Holzdecke entstand Anfang des 13. Jahrhunderts ein Kreuzrippengewölbe. Suitbertuskirche: Von der im Jahre 1050 aus Tuffstein errichteten Stiftskirche St. Suitbert ist nur das Langhaus noch spätromanisch. Der 1237 geweihte Chor ist bereits gotisch. Die Kirche wurde anstelle eines karolingischen Vorgängerbaus aus dem Anfang des 8. Jahrhunderts, der Klosterkirche St. Petrus, errichtet. Düsseldorf-Altstadt, Lambertuskirche bestand bereits vor dem Jahr 1159 als eine romanische Hofkapelle in Form einer zweijochigen, romanischen Basilika. St. Remigius: Der ursprüngliche Bau war eine Saalkirche aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte eine Erweiterung zur dreischiffigen Pfeilerbasilika mit eingebautem Westturm aus der Stauferzeit. Das Chorquadrat mit eingezogener Apsis im Osten stammt aus dem 13. Jahrhundert. St. Margareta: Ursprünglich war es ein ottonischer Bau mit flachgedeckter Saalkirche und eingezogenem Chor. Dieser wurde im Jahr 1236 durch einen Bau im Stil der rheinischen Spätromanik in Form einer dreischiffigen Basilika mit Querhaus und achteckigem Vierungsturm ersetzt. St. Nikolaus entstand Mitte des 12. Jahrhunderts als vierjochige Pfeilerbasilika mit kreuzgratgewölbten Seitenschiffen und flachgedecktem Mittelschiff. Ende des 12. Jahrhunderts folgte ein quadratisches Chorhaus mit eingezogener Apsis. Anfang des 13. Jahrhunderts entstand der Westturm und im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts erfolgte die Erhöhung und Einwölbung des Mittelschiffs. St. Hubertus hat ihren Ursprung in einer Kapelle, die vom Kaiserwerther Stift gegründet wurde. Es war ursprünglich ein kleiner, ottonischer Saalbau, dem um die Mitte des 12. Jahrhunderts auf der Westseite ein quadratischer Turm vorgesetzt wurde. Im 13. Jahrhundert entstand anstelle des Saalbaus eine dreischiffige, romanische Pfeilerbasilika. Düsseldorf-Kalkum, Lambertuskirche wurde als dreischiffige romanische Basilika erbaut.
Gotik
Im Jahre 1288 erfolgte die Erhebung Düsseldorfs zur Stadt. Aus dieser Zeit stammte das Lewen- oder Lieferhaus im Stil der Gotik. Große städtebauliche Veränderungen des Straßendorfs mit Stadtrecht erfolgten im späten 14. Jahrhundert, als im Jahre 1348 die Grafschaft Berg an den Grafen von Jülich gefallen war und 1380 der Graf zum Herzog des neuen Herzogtums Berg ernannt wurde. Die Stadtfläche vergrößerte sich infolge des Zuzugs der Bewohner aus Golzheim, Derendorf, Bilk und Hamm, die 1384 und 1384 eingemeindet wurden. Ein neuer Düsselgraben mit Mauerring wurde um die nun entstehende Altstadt gezogen. Düsseldorf erlebte eine Stadterweiterung und den Ausbau zur Residenzstadt. Die herzogliche Burg wurde in Form einer Dreiflügelanlage errichtet. Die Lambertuskirche wurde 1394 als Grabeskirche der Herzöge von Berg in Form einer dreischiffigen Hallenkirche in Formen der niederrheinischen Backsteingotik mit Backstein ausgebaut. Das Sakramentshäuschen ist ein Kunstwerk der Spätgotik, so wie auch der Quadenhof.Gotik 6, 8, 217, 222, 232 und 264.
Renaissance Wiederauf- und Umbau des Düsseldorfer Schlosses nach Plänen Pasqualinis 1549
1521 wurde Düsseldorf Hauptstadt der Vereinigten Herzogtümer von Jülich-Kleve-Berg und bedurfte nun dringend eines repräsentativen Schlosses. Den Wiederauf- und Umbau leitete Bertram von Zündorf. Aber erst als Wilhelm der Reiche im Jahre 1549 den Renaissance-Baumeister Alessandro Pasqualini aus Bologna nach Düsseldorf berief, kam die Bautätigkeit in Schwung.
Pasqualini vollendete im Jahre 1551 den einzig noch erhaltenen Turm des Schlosses. Er setzte diesem toskanische Säulen vor. Weiter setzte Pasqualini dem Turm eine Renaissance-Kuppel, gekrönt von einer Laterne mit welscher Haube, auf. Im nordöstlichen Winkel des Schlosshofes brachte Pasqualini auch eine dreigeschossige Loggia an, die in ihren „modernen Renaissance-Formen von der altertümlichen Fachwerkgalerie links des rechteckigen Treppenturms sehr absticht“.Karl Bernd Heppe: Das Düsseldorfer Stadtbild I. 1585–1806 (Bildhefte des Stadtmuseums Düsseldorf, Nr. 4). Düsseldorf 1983, S. 5. Dokumentiert ist ein Ädikula-Portal mit durch Bossenquader rhythmisierten Wandpilastern. Auch die Schlosskapelle mit ihrer Altarwand und Täfelung, mit Blendarkaden, korinthischen Wandpilastern und verkröpftem Gesims muss als Werk Pasqualinis gelten.
Format und Kunst Pasqualinis lassen sich an den erhaltenen Bauten Schloss Rheydt und Zitadelle Jülich ablesen.
Eine Abbildung des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel aus dem Jahre 1629 zeigt den Platz vor dem Schloss; die Schaufassaden zeigen dabei welsche Formen.Moritz (Hessen, Landgraf) Düsseldorf, Residenzschloss. Ansicht von der Stadtseite mit Bemaßungen, Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, 1629. Feder/Papier. 11 × 21, 7 cm. Bez.: „der platz vor dem schlosse Düsseldorp / M.H.L. 1629. den 14. Aug:“, recto div. Erläuterungen und Maßangaben in der Darstellung, mittig: „der platz vor dem schlosse Düsseldorp / M.H.L. 1629. den 14. Aug:“, oben links: „stadtmauer / weg“, daneben im Hof, mittig: „der lustgart[en].“ links daneben: „Rathauß“, „Cantzley“, am oberen Rand: „Balhauß.“, „galerie“, mittig im Schlosshof: „schloß hoff“, oben rechts „der Rhein“, darunter: „holtzplatz“, vor dem Schloß von links nach rechts: „Bürg[er]hause.“, „gasse“, „Bürger häuser“, „Bürger hauser“; verso „22.“, 1629.
Wohnhäuser und Altes Rathaus Altes Rathaus Am Anfang der Düsseldorfer Renaissance stand noch die „konservative Richtung“ mit ihren „geschweiften Fialengiebeln“S. 213. Ein Beispiel dafür war das doppelgiebelige alte Rathaus, bei dem die Bogenlinie der Giebelschweifung entsprach. Die „welschen“ Giebel (auch „geschweifte Zwerchgiebel“Renaissance … 13 … [Rathaus]) im Stil der Renaissance des Alten Rathauses sind bemerkenswert.
Wohnhäuser mit geschweiftem Fialengiebel Auch das Wohnhaus am Burgplatz 12 zeigt einen geschweiften Fialengiebel, ebenso das frühere Eckhaus Kurzestraße und Burgplatz. Beide Giebel sind stilistisch mit dem geschweiften Fialengiebel des Alten Rathauses verwandt, ebenso das Haus Zum Goldenen Hirsch am Marktplatz von 1558.
Das Haus Kurze Straße 6 zeigt einen Treppengiebel, von Stufe zu Stufe mit einem Viertelkreis ausgefüllt, S. 32–33.
Wohnhäuser mit Treppengiebel Neben den „damals modernen welschen Giebel“ der Renaissance der Bürgerhäuser gab es noch gotische Treppengiebel. Die gotische Tradition der Staffelgiebel bleibt selbst in der Zeit der Hochrenaissance (ab der Mitte des 16. Jahrhunderts) in Nord- und Mitteldeutschland bestehen (Nachgotik).Wilfried Koch: Baustilkunde – Europäische Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. Orbis-Verlag, München 1988, ISBN 3-572-05927-5, S. 365 [Renaissance[…]DEUTSCHLAND[…]Hochrenaissance, ab Mitte des 16. Jh.] Das Haus zum Kurfürsten ist dafür ein Beispiel.S. 3, Objektnr. 1Renaissance … 1 … [Historische Häuser in der Altstadt]
Paul Clemen nennt in Die Kunstdenkmäler des Stadt- und Landkreises Düsseldorf verschiedene Beispiele für Häuser mit abgetreppten Staffelgiebeln:
Andere Renaissancebauten Der Renaissance zugeschrieben werden auch das Berger Tor, die Jan-Wellem-Kapelle,Renaissance … 126 … [Jan-Wellem-Kapelle/Kreuzkapelle] das Grabmal Herzog Wilhelms von Jülich-Kleve-Berg im Stil der italienischen HochrenaissanceS. 81–83, Abbildung. 64. und die Loretokapelle im Stil der toskanischen Renaissance.S. 101.
Dekoration Stuckdekoration Die Innenarchitektur der Renaissance Düsseldorfs ist beispielhaft auf einer Darstellung Frans Hogenbergs im Prachtband von Dietrich Graminäus über die Hochzeit Johann Wilhelms von Jülich-Kleve-Berg dargestellt. Sie zeigt im Saal des Alten Schloss eine „offene Balkendecke, die Balken seitlich auf Kosolen ruhend“ (Abb. 50a).S. 47. Die Renaissance-Stuckbalkendecken in den Häusern Kurze Straße 10 und Altestadt 3 sind mit der Decke im Alten Schloss stilistisch verwandt.
Holz- und Fachwerkgalerien Holz- und Fachwerkgalerien wurden in der Düsseldorfer Renaissance verwendet, um Vorderhaus und Seitenflügel zu verbinden. Solche offenen oder geschlossenen Galerien befanden sich noch in der Mühlenstraße 17, Ritterstraße 36 (Abb. 51) und Citadellstraße 5.
Barock In der Reformationszeit bauten die Düsseldorfer Herzöge insbesondere Profanbauten als Ausdruck eines moderaten, reformkatholischen Kurses.
Einfluss süddeutsch-italienischer Architektur (St. Andreas, Jesuitenkolleg und Schloss Benrath)