mini|Ein Teil des Lausitzer Seenlandes aus der Vogelperspektive Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) mit Hauptsitz in Senftenberg ist die Projektträgerin der ostdeutschen Bergbausanierung. Sie schafft langfristig die Voraussetzungen für eine umfassende Umstrukturierung und Gesundung der einstigen Braunkohlenregionen. Seit über 25 Jahren saniert die LMBV im Auftrag von Bund und Ländern die Hinterlassenschaften des DDR-Braunkohlenbergbaus in den Revieren der Lausitz und Mitteldeutschlands sowie des Kali-, Spat- und Erzbergbaus in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Die Verwahrung stillgelegter Bergwerke ist seit Mitte 2014 ebenfalls ein Sanierungsbereich der LMBV. Sie befindet sich im Besitz der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium der Finanzen (BMF).
Die Zentrale der LMBV befindet sich am Standort Senftenberg im Lausitzer Revier. Weitere Standorte befinden sich in Leipzig (Betrieb Mitteldeutschland) und in Sondershausen (Betrieb Kali-Spat-Erz).
Geschichte Die Geschichte der LMBV beginnt mit dem Privatisierungsprozess der ehemaligen Braunkohlekombinate BKK Bitterfeld und BKK Senftenberg in den ostdeutschen Kohlerevieren. Die LMBV wurde am 9. August 1994 von der Treuhandanstalt als Gesellschaft für den Auslauf- und Sanierungsbergbau in den Braunkohlenregionen der Lausitz und Mitteldeutschlands gegründet. Zuvor nahmen die Lausitzer Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LBV) bzw. die Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (MBV) die Aufgaben der Sanierung und Wiedernutzbarmachung in den Revieren wahr. Seit dem 1. Januar 1995 übernahm zudem die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) als Holding in Berlin (dort bis 2006) die gezielte Beendigung des nichtprivatisierbaren auslaufenden Braunkohlenbergbaus, die Bewältigung der Bergbaualtlasten in der Lausitz und in Mitteldeutschland sowie die Verwertung der sanierten Liegenschaften.
Die LMBV ist ein Unternehmen der öffentlichen Hand, das sich heute im Besitz des Bundes (Gesellschafter BMGB für die Treuhandanstalt und später das BMF) befindet. Am 22. Dezember 1995 fusionierten MBV und LBV mit der Holding LMBV; die ehemaligen Revierstrukturen wurden durch eine länderbezogene Organisation des Unternehmens abgelöst. Ende 1999 wurden planmäßig die letzten Produktionsstätten außer Betrieb genommen. Seit der Verschmelzung der BMGB auf die LMBV im Jahr 2000 ist die Bundesrepublik Deutschland alleiniger Gesellschafter der LMBV. Das Bundesministerium der Finanzen nimmt die Rolle des Gesellschafters wahr.
Die Tätigkeit der LMBV erstreckte sich zunächst auf die Leitung und Koordinierung des auslaufenden Braunkohlenbergbaus in der Lausitz und in Mitteldeutschland. Abschlussbetriebspläne wurden erstellt und die Auslaufbetriebe auf die bergbauliche Sanierung ausgerichtet. Die letzten Produktionsstätten wurden Ende 1999 außer Betrieb genommen. Zum Beginn dieses Jahrhunderts rückte der Sanierungsbergbau und die anschließende Verwertung in den Mittelpunkt der Tätigkeit des Unternehmens.
Zum Schutz der Erdoberfläche verfüllt und sichert der LMBV-Sanierungsbereich Kali-Spat-Erz, vormals als GVV eine Tochtergesellschaft der LMBV, die untertägigen Grubenhohlräume im Bereich der stillgelegten Kali-, Spat- und Erzbergwerke im Osten Deutschlands. Am 8. September 2014 erfolgte die Eintragung der Verschmelzung der GVV auf die LMBV in das Handelsregister. Die Aufgaben der GVV werden seitdem in der LMBV im Bereich Kali-Spat-Erz fortgeführt. 1992 war die GVV – Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben mbH – mit Sitz in Erfurt gegründet worden. Die LMBV war bis 2014 alleinige Gesellschafterin der GVV. 2014 wurde die GVV auf die LMBV verschmolzen und erfüllt fortan ihren Auftrag als eigener Bereich innerhalb der LMBV.
Finanzierung Die LMBV wird im Wesentlichen von der Bundesregierung (Bundesfinanzministerium) über Zuwendungen aus dem Bundeshaushalt finanziert. Die Bundesländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beteiligen sich an der Grundsanierung mit 25 Prozent. Die Investitionssumme betrug bisher etwa 12 Milliarden Euro.
Der Beginn der Braunkohlesanierung ab 1991 zielte mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) für Zehntausende einerseits auf die zügige Beseitigung besonders eklatanter Umweltbelastungen und die Revitalisierung industriell-gewerblich vorgenutzter Flächen, andererseits auf möglichst große Beschäftigungswirkungen. Mit dem Abschluss des ersten Verwaltungsabkommens über die Regelung zur Finanzierung der Beseitigung der ökologischen Altlasten (VA I) im Jahr 1992 wurde ein wichtiger Meilenstein für die langfristig kontinuierliche Gestaltung der Prozesse vor allem in der Braunkohlesanierung gesetzt.
Nach dem Ersten ergänzenden Verwaltungsabkommen von 1998 (VA II), dem VA III von 2002, dem VA IV von 2007, dem VA V von 2012 und dem VA VI von 2017 sichert ab 2023 das Sechste ergänzende Verwaltungsabkommen (VA VII) die Kontinuität der Braunkohlesanierung für fünf weitere Jahre.
Das derzeit laufende Abkommen VA VII vom 8. Dezember 2022 für die Jahre 2023 bis 2027 hat ein Finanzvolumen von 1,44 Milliarden Euro.
Aufgaben der Bergbausanierung mini|Blick auf den Cospudener See mini|Rüttelstopfverdichtung als Tiefenverdichtung am Speicherbecken Borna im August 2021 mini|Der Großräschener See in seiner Entstehungsphase 2009 Die vielschichtigen Aufgaben der Braunkohlesanierung wurden und werden in einem dreistufigen System bewältigt. Über die erste Ebene, den Steuerungs- und Budgetausschuss für die Braunkohlesanierung (StuBA), der sich paritätisch aus je vier Mitgliedern des Bundes und der Braunkohleländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammensetzt, wird der Gesamtprozess koordiniert.
Auf der zweiten Ebene agiert die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV), deren Arbeit von vier „Regionalen Sanierungsbeiräten“ begleitet wird, die zur Sicherung der Interessen der jeweiligen Bundesländer Einfluss auf die Prioritätensetzung bei der Sanierung nehmen.
Die LMBV ist ein Unternehmen des Bundes, das die Flächen des stillgelegten Braunkohlenbergbaus in den neuen Bundesländern saniert, wiedernutzbar macht und anschließend verkauft. Schließlich erfolgt auf der dritten Ebene die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen durch Unternehmen der privaten Wirtschaft.
In Revieren der Lausitz und in Mitteldeutschland ist in Verantwortung der LMBV eine Vielzahl von neuen künstlichen Seen entstanden, darunter etwa 50 größere Bergbaufolgeseen. Noch nicht alle Seen sind vollständig geflutet; bei einigen wird es noch Jahrzehnte dauern. Durch die Flutung der Bergbaufolgeseen sind das Lausitzer Seenland und Leipziger Neuseenland geschaffen worden.
Von 39 großen Braunkohle-Tagebauen, die Anfang der 1990er Jahre im Osten Deutschlands noch in Betrieb waren, wurden 7 privatisiert. Weitere 32 wurden durch die LMBV abgewickelt, gesichert und saniert. Zu diesen Tagebauen gehören: Berzdorf Bluno Breitenfeld Burghammer Cospuden Goitzsche (Goitsche) Espenhain Heide VI Golpa Nord („Ferropolis“) Gräbendorf Greifenhain Gröbern Großkayna Holzweißig-W Klettwitz-Nord Koschen Laubusch Lauchhammer Lohsa II Meuro Nachterstedt Olbersdorf Rösa Skado Schlabendorf-Nord Zwenkau mini|Gewässerkonditionierung des Scheibe-Sees Die Aufgaben der LMBV umfassen im Wesentlichen die folgenden Schwerpunkte:
Wiedernutzbarmachung der vom Braunkohlenbergbau in Anspruch genommenen Flächen Betreiben des Sanierungsbergbaus als bergrechtlich verantwortliche Projektträgerin inklusive Planung, Ausschreibung, Vergabe, Kontrolle und Abnahme der Sanierungsarbeiten mit dem Ziel der Beendigung der Bergaufsicht Verwahren von untertägigen Bergwerken des stillgelegten Kali-, Spat- und Erzbergbaus Verwertung und Vermarktung der für Folgenutzungen aufbereiteten Liegenschaften mit dem Ziel der Wiedereingliederung in den Natur- und Wirtschaftskreislauf, um unter anderem Arbeitsplätze anzusiedeln Planen und Durchführen von Gefahrenabwehrmaßnahmen gegen die Folgen des nachbergbaulichen, natürlichen Grundwasserwiederanstiegs Projektträgerschaft im Auftrag der Länder für nachnutzungsorientierte Projekte
Die LMBV ist Projektträgerin der Sanierung und in vielen Fällen auch der sich anschließenden Aufwertungsmaßnahmen zur Gestaltung der Bergbaufolgelandschaften. Dazu plant sie die notwendigen Sanierungsschritte, erarbeitet die entsprechenden Genehmigungsanträge, führt die Ausschreibung durch, entscheidet über die Vergabe der Leistungen, hat das Projektmanagement bei der Baudurchführung inne und kontrolliert die Ergebnisse sowie die Verwendung der finanziellen Mittel. Hatte das Unternehmen 1995 noch über 11.000 Beschäftigte, werden die Aufgaben heute von rund 700 Mitarbeitern an drei Standorten erledigt.
Grundsanierung im Braunkohlebergbau Die bergbauliche Grundsanierung erfolgt im Rahmen der Rechtsverpflichtung der LMBV. Bei den dabei zu erbringenden Leistungen handelt es sich insbesondere um die landseitige Verdichtung bzw. die Bewegung großer Erdmassen innerhalb der ehemaligen Tagebaue. Hauptleistungen der Bergbausanierung sind:
die Verfüllung von Restlöchern und die Anstützung von Böschungen die Verdichtung von Massen in gekippten Bereichen durch einschlägige Verdichtungstechnologien den Abbruch von Industrieanlagen die Demontage und Verschrottung von Tagebaugroßgeräten und anderer Technik die Sanierung von Altlastenverdachtsflächen die Aufforstung auf schwer rekultivierbaren Kippenböden die Herstellung landwirtschaftlicher Nutzflächen auf geeigneten Arealen die Flutung von Tagebaurestlöchern und die Entwicklung und nachhaltige Gewährleistung einer bedarfsgerechten Qualität des Wassers in den entstandenen Bergbaufolgeseen.
Dazu zählen aber auch die Verfüllung untertägiger Grubenbaue, der Bau von Wirtschaftswegen und die Errichtung von Wasserbauwerken zur Flutung der Restlöcher, Ableitung des Überschusswassers und Schaffung hydrologischer Verbindungen zwischen Tagebauseen. In der bergbaulichen Grundsanierung ist bereits ein sehr fortgeschrittener Stand erreicht. Bei der Massenbewegung zur Gestaltung der Tagebaubereiche wurden bisher mehr als eine Milliarde Kubikmeter umgesetzt, für die Sicherung von Kippen und Böschungen wurden ebenfalls mehr als eine Milliarde Kubikmeter Massen verdichtet. Die Demontage und Abbruchleistungen sind fast abgeschlossen, Rekultivierungsleistungen werden bis zum Abschuss realisiert. Basis zur Finanzierung all dieser Arbeiten ist der §2 des Verwaltungsabkommens zur Braunkohlesanierung. Für die Sanierung und Rekultivierung der stillgelegten Tagebaue wurden mehr als 1,7 Milliarden Kubikmeter Massen bewegt.
Herstellung der Geotechnischen Sicherheit Zahlreiche Flächen des ehemaligen Tagebaubetriebes sind aus Kippenmaterial verschiedener Herkunft und Verkippungstechnologien aufgebaut. Dementsprechend unterschiedlich ist die Standsicherheit der Böschungen und Innenkippen. Es ist Aufgabe der Geotechnik, anhand der verfügbaren Unterlagen aus der Zeit des aktiven Bergbaus, von Grundwassermessungen und Bodenuntersuchungen (geotechnische Sondierungen) die Beschaffenheit des Untergrundes zu beurteilen. Nur wenn der Untergrund tragfähig und standsicher ist, kann das Ziel des Sanierungsbergbaus – die Wiedernutzbarmachung der für den Braunkohleabbau in Anspruch genommenen Flächen – erreicht werden.
Die Abteilungen Geotechnik der LMBV bearbeiten dazu die geotechnischen Problemstellungen, die im Zusammenhang mit der Planung, Begleitung und Dokumentation von bergbaulichen und wasserwirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen anfallen. Auf Basis geotechnischer Gutachten zur Böschungssicherung und -gestaltung, der Grundwassermodellierung sowie der Planung wasserwirtschaftlicher Anlagen werden die notwendigen Grundlagen erbracht.
Die Abteilungen Geotechnik der LMBV bearbeiten folgendes Leistungsspektrum: