Nożyno (, kasch.Im Jahr 1867 gab es unter den Einwohnern des Kreises Stolp noch 188 Kaschuben in einigen Dörfern in der Nähe der Küstenseen und im Südosten (Groß Rakitt); vergleiche Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 127–128, Ziffer 4 (Google Books). Nożëno) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Pommern und gehört zur Gemeinde Czarna Dąbrówka im Powiat Bytowski.

Geographische Lage Die Ortschaft liegt in Hinterpommern, etwa 35 Kilometer südöstlich der Stadt Słupsk und 30 Kilometer südsüdwestlich der Stadt Lębork im Bereich einer Endmoräne an einer Seerinne, die der Trezebitsch-See mit dem Kleinen Schottofske-See und dem Großen Schottofske-See bildet. Die nordöstliche Grenze des Landschaftsschutzparks Stolpetal (Parl Krajobrazowy Dolina Słupi) verläuft im Norden des Dorfes.

Geschichte mini|300px|Groß Nossin (Gr. Nossin), Kirchdorf, südöstlich von Słupsk (früher Stolpe geschrieben) und links der Łupawa, auf einer Landkarte von 1794 mini|Landwirtschaftlicher Betrieb mit Storchennest (2014) Frühere Ortsbezeichnungen sind Nuszyna, Nasin, Nessow, Noscyn, Noszino und Nossin. Der historischen Dorfform nach war das ehemalige Gutsdorf Groß Nossin ein großes Angerdorf. Bereits im Jahre 1315 wurde es in einer Urkunde genannt, in der Markgraf Waldemar von Brandenburg dem Kasimir Swenz und seinen Erben den Besitz des Ortes bestätigte. 1390 gehörte es bereits den Puttkamers, und 1523 wurde Swentze putkummer to Nossin namentlich genannt.

Groß Nossin A und B gehörten dem Oberstleutnant Christian Gneomar von Puttkamer (* 1706; † 1760) und wurden von dessen Sohn August Christian Ludwig von Puttkamer 1780 an den Hauptmann Michael Stanislaus von Zeromski aus der Familie Zeromski verkauft.Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der königl. Landes collegien in Cößlin gehörenden Hinterpommerschen Kreise. Effenbart, Stettin 1784, S. 966, S. 975, S. 989 und S. 1000.

Groß Nossin C ging um 1700 an den Ast Wollin der Puttkamers über.

Um 1784 hatte Groß Nossin zwei Vorwerke, einen Prediger, einen Küster, ein Predigerwitwenhaus, einen Predigercolonus, acht Bauern, zwei Kossäten, einen Schmied, auf der Feldmark das Vorwerk Slupp, drei Kossäten und einige Büdner, Schidlitz genannt, zwei Holzkaten in der Nackel, einen Holzkaten in der Mallinz, eine Wassermühle und einen Holzkaten – bei insgesamt 38 Haushaltungen.Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil 2, Band 2, Stettin 1784, S. 989, Nr. 97.

Im Jahre 1802 gelang es Familie Puttkamer, Nossin A und B zurückzukaufen, so dass das gesamte Gut wieder in einer Hand war. Albert von Puttkamer verkaufte 1840 Nossin, das 1847 endgültig aus dem Besitz ausschied. 1850 kaufte es ein Herr Elert, danach waren 1893 und 1910 Paul Elert, 1928 Kurt Elert und 1939 Lotte Hoene die Besitzer. 1938 umfasste das 625 Hektar große Rittergut 300 Hektar Ackerfläche und 275 Hektar Holzungen.

Im Jahre 1910 waren in Groß Nossin 430 Einwohner registriert. Ihre Zahl stieg bis 1933 durch Eingemeindungen auf 724 und betrug 1939 schon 794. Die Gemeindefläche betrug insgesamt 4.787 Hektar, und Groß Nossin hatte bis 1945 insgesamt zehn Ortsteile: Bresinke Eichenau Großnakel (Glashütte Slupp) Jassener See-Bahnhof Kartkow Malenz Schidlitz Schottofske (1938–1945 Schottow) Wussowske (1938–1945 Waldliebe) Zietensee

Vor 1945 gehörte Groß Nossin zum Landkreis Stolp im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Die Gemeinde war Sitz eines Amts- und Standesamtsbezirks, zu dem noch Klein Nossin gehörte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erhielten die Dorfbewohner von Groß Nossin am 7. März 1945 den Befehl, den Ort zu räumen. Der Treck zog über Jerskewitz, Helenenhof, Linde nach Strepsch, wo er von sowjetischen Truppen überrollt wurde. Während einige Dorfbewohner nach Neustadt in Westpreußen und Gotenhafen entkommen konnten, kehrten die anderen in ihr Heimatdorf zurück, wo am 8. März 1945 beim Herannahen der sowjetischen Truppen die Brücke über die Schottow gesprengt worden war. Die Russen nahmen den Ort ein. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Region zusammen mit ganz Hinterpommern seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Mitte Sommer 1945 besetzten Polen die Höfe und Häuser. Groß Nossin wurde unter der polonisierten Ortsbezeichnung ‚Nożyno‘ verwaltet. Es siedelten sich Polen, Ukrainer und Kaschuben an.Heino Kebschull: Heimatreisen nach Klein und Groß Nossin. S. 64–67 Die gesamte Dorfbevölkerung wurde vertrieben.

Später wurden in der Bundesrepublik Deutschland 405 und in der DDR 139 aus Groß Nossin vertriebene Dorfbewohner ermittelt.Karl-Heinz Pagel: Der Landkreis Stolp in Pommern. Lübeck 1989, S. 538 (Ortsbeschreibung Groß Nossin; PDF)

Das Dorf hat heute etwa 350 Einwohner und ist Sitz eines Schulzenamtes und Teil der Gmina Czarna Dąbrówka im Powiat Bytowski der Woiwodschaft Pommern (1975 bis 1998 Woiwodschaft Słupsk) ist. Zwischen 1945 und 1954 war Nożyno eine eigenständige Landgemeinde.

Glashütte Slupp Im Jahre 1866 gründete Rittergutsbesitzer Elert unweit der Försterei Taubenberg im Südwesten der Gemeinde Groß Nossin die Glashütte Slupp. Sie lag unmittelbar am Ufer der Stolpe (Słupia), die hier damals Grenzfluss zwischen dem Landkreis Stolp und dem Landkreis Bütow war. Hergestellt wurde nur Fensterglas, das in Danzig und in Königsberg Absatz fand.

Der erforderliche Sand wurde in Klein Gansen (Gałąźnia Mała), Gallensow (Gałęzów) und Mühlchen (Bylina) gewonnen. Als Heizmaterial diente Scheitholz. In der Hütte waren zwischen sechs und acht aus Böhmen stammende Glasbläser beschäftigt. Aus wirtschaftlichen Gründen musste die Glashütte Slupp im Jahre 1892 schließen.

Kirche Pfarrkirche mini|Dorfkirche, bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde Groß Nossin Eine Kirche wurde in Groß Nossin anlässlich zweier Kirchenvisitationen 1539 und 1590 erwähnt. Im Frühjahr 1638 brannte das Gotteshaus mit sämtlichen Pfarrgebäuden bei einer Feuersbrunst nieder. 1644 errichtete man ein neues Gebäude aus Holz, das aber noch einige Jahre ohne Dach und Fach blieb. Als dann endlich das Dach geschlossen wurde, war es bald schadhaft und die Kirche wurde mehr und mehr baufällig.

Erst 1724 konnte ein neuer Kirchturm und 1774 dann auch die Kirche neu errichtet werden. Doch am 31. März 1832 brannte sie erneut ab, ebenso das 1700 neu erbaute Pfarrhaus.

Ein Neubau sorgte 1836 für Ersatz. Altar und Kanzel wurden jetzt in schlichtem Aufbau vereinigt, alte Ausstattungsgegenstände waren nicht mehr vorhanden. Die am Ende des 19. Jahrhunderts vorhandenen beiden Glocken waren aus Eisen, mit dem Preußischen Adler geschmückt und 1834 bzw. 1835 von der Königlichen Eisengießerei zu Berlin gegossen worden.Ludwig Böttger: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungs-Bezirks Köslin, Band 2, Heft 1: Kreis Stolp, Saunier, Stettin 1894, S. 20 (Google Books). Die im Jahre 1936 in Schwarz Damerkow erbaute Filialkirche trug zur Entlastung der Groß Nossiner Pfarrkirche bei. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1811 zurück.Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 248 (Google Books).

Nach 1945 wurde das bisher evangelische Gotteshaus von der polnischen Administration zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet und vom polnischen katholischen Klerus ‚neu geweiht‘.

Kirchspiel/Pfarrei Groß Nossin bildete schon in vorreformatorischer Zeit ein eigenes Kirchspiel. Mit der Reformation übernahm es 1538 die lutherische Lehre und war bis 1817 in die evangelische Synode Stolp eingegliedert. Danach war es Teil der Synode Alt Kolziglow und wurde 1871 zum Kirchenkreis Bütow umgegliedert, zu dem es bis 1945 – in der Kirchenprovinz Pommern der Kirche der Altpreußischen Union – gehörte. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1811 bzw. 1832 zurück.Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 248 (Google Books).

Im Jahre 1940 zählte das Kirchspiel Groß Nossin insgesamt 2760 Gemeindeglieder, die in siebzehn Ortschaften von sechs Gemeinden lebten: Bresinke Charlottenhof Eichenau Groß Nossin Jerskewitz Karlsfelde Kartkow Klein Nossin Kleschinz Leschin Malenz Niemietzke (1938–1945 Puttkamerhof) Saviat (1938–1945 Seeblick) Schoffofske (1938–1945 Schottow) Schwarz Damerkow Wussowske (1938–1945 Waldliebe) Zeromin

Katholische Kirchenglieder Groß Nossins gehörten bis 1945 zur katholischen Kirche in Stolp.

Polnisches Kirchspiel seit 1945 Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist größtenteils katholisch. Die polnische katholische Pfarrei Nożyno ist dem neugebildeten Dekanat Łupawa (Lupow) im Bistum Pelplin der Katholischen Kirche in Polen angegliedert. Die vormalige Filialkirche in Czarna Dąbrówka (Schwarz Damerkow) wurde abgetrennt und zur eigenen Pfarrkirche erhoben. Zur Pfarrei Nożyno gehören die Orte Kartkowo (Kartkow), Kleszczyniec (Kleschinz), Maleniec (Malenz), Nożyno (Groß Nossin), Nożynko (Klein Nossin), Osowskie (Wussowske bzw. Waldliebe) und Połupino (Karlsfelde). Die Ortschaft Unichowo (Wundichow) ist neu zu Nożyno verlegt worden.

Für evangelischen Kirchenglieder ist die Kreuzkirche in Słupsk (Stolp) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zuständig.

Pfarrer bis 1945 Von der Reformation bis 1945 amtierten in Groß Nossin 23 evangelische Geistliche:

Michael Quandt, 1558–1560 Jakob Krampe, ab 1566 Paul Starost, ab 1605 Peter Ehler, 1612–1642 Thomas Schwichtenberg, 1643–1651 Johann Uhlmann, 1651–1652 Johann Junge, 1653–1658 Johann Piscator (Fischer), ab 1658 Ernst Bock, bis 1699 Christoph Vizichius, 1700–1705 Christian Dreisow, 1706–1753 Samuel Friedrich Nalentz, 1753–1759 Samuel Andreas Kummer, 1759–1766 Samuel Friedrich Alexius, 1766–1790 Martin Christian Messerschmidt, 1790–1804 August Theodor Kummer, 1805–1808 Johann Friedrich Seefisch, 1809–1853 Hermann Dröse, 1853–1888 Gustav Hermann Adloff, 1889–1911 Julius Albert Fürer, 1912–1919 Johannes Hermann, 1919–1926 Fritz Adloff, 1926–1931 Winfried Behling, 1933–1945

Groß Nossin war neben 15 anderen Kirchspielen noch bis 1817 dem kaschubischen Distrikt der Stolper Synode zugeordnet, deren Pastoren in deutscher und kaschubischer Sprache predigten. Jedenfalls der bis 1766 in Groß Nossin amtierende Pfarrer Samuel Andreas Kummer dürfte noch Kaschubisch beherrscht haben. Das kann daraus geschlossen werden, dass er später in Groß Garde sowohl deutsch- als auch kaschubischsprachige Konfirmanden unterrichtete.Heino Kebschull: Zur Ortsgeschichte von Klein Nossin, S. 96

Schule In Groß Nossin war die Volksschule im Jahre 1932 dreistufig. Zwei Lehrer unterrichteten in drei Klassen 83 Schulkinder. Eine zweite Schule gab es in Kartkow. Sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 2 Kilometer von Kartkow entfernt links an dem Wege in Richtung Piaschen See für die damaligen Groß Nossiner Ortsteile Kartkow, Schottofske, Zemee, Slupp, Groß Nakel und Stromkathen errichtet.Im Messtischblatt 1770 der Preußischen Landesaufnahme von 1875 ist sie in der Ausgabe von 1877 deutlich als Schule zu Kartkow verzeichnet.