Die Arbeiten des Herkules (Originaltitel The Labours of Hercules) ist eine Kurzgeschichtensammlung von Agatha Christie. Sie erschien zuerst 1947 in den USA bei Dodd, Mead and CompanyJohn Cooper and B.A. Pyke. Detective Fiction - the collector's guide: Second Edition (Pages 82 and 88) Scholar Press. 1994, ISBN 0-85967-991-8American Tribute to Agatha Christie und im Vereinigten Königreich im September desselben Jahres im Collins Crime Club.Chris Peers, Ralph Spurrier and Jamie Sturgeon. Collins Crime Club – A checklist of First Editions. Dragonby Press (Second Edition) March 1999 (Page 15) Die deutsche Erstausgabe wurde 1958 vom Scherz Verlag (Bern / Stuttgart / Wien)Deutsche Erstausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek veröffentlicht. Sie ist somit die erste Sammlung Christie’scher Kurzgeschichten, die ins Deutsche übertragen wurde. Im Atlantik Verlag erschienen 2015 Das Große Hercule Poirot Buch. Die besten Kriminalgeschichten. mit dem Vorwort sowie vier der Kurzgeschichten in einer Neuübersetzung von Michael Mundhenk.Das große Hercule Poirot Buch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Es ermittelt Hercule Poirot in zwölf Fällen, mit denen er seine ruhmreiche Karriere beenden will. Er orientiert sich dabei, in Anlehnung an seinen Vornamen, an den sagenhaften zwölf Arbeiten des Herakles. Die einzelnen Arbeiten geben den Kurzgeschichten ihre Titel.
Einführung Hercule Poirot hat Besuch – Dr. Burton, ein Fellow des All Souls Colleges in Oxford. Die Konversation dreht sich um den ungewöhnlichen Vornamen von Poirot und darum, dass manchmal der von den Eltern gegebene Vorname nicht zu den Kindern passt. Dr. Burton zitiert aus Homers Ilias (XXIII, 316 f.) und erzählt dann Poirot die Sage von Herakles. Poirot gibt zu, diese nicht zu kennen, weil er keine Zeit hatte, die alten Sprachen zu studieren. Später verkündet Poirot, dass er sich nach ein paar noch zu lösenden Fällen in den Ruhestand begeben wolle. Burton regt lachend an, die Fälle nach den zwölf Arbeiten des Herakles zu benennen. Nachdem er eine Nacht darüber nachgedacht hat, entscheidet sich Poirot, die Idee umzusetzen.
Die Geschichten
Der Nemeische Löwe (Originaltitel: The Nemean Lion)
Die erste Aufgabe „findet“ Miss Lemon in einem Brief eines Geschäftsmannes aus Nordengland, Sir Joseph Hoggin. Der Pekinese seiner Frau wurde entführt. Poirot trifft sich mit Hoggin, der ihm erzählt, dass der Hund vor einer Woche entführt wurde und eine Lösegeldforderung in Höhe von 200 Pfund eingegangen ist. Eigentlich wollte Hoggin die Sache auf sich beruhen lassen, doch in seinem Club erfährt er von einem Bekannten, dass diesem gleiches widerfahren ist. Poirot trifft die aufgebrachte Lady Hoggin und ihre Gesellschafterin, Miss Amy Carnaby, die sehr eingeschüchtert wirkt. Er lässt sich den Tathergang schildern. Miss Carnaby war mit dem Hund, Shan-Tung (von Poirot als veritabler Löwe beschrieben) zu einem Spaziergang im Park, als sie anhielt, um ein Baby in einem Kinderwagen zu bewundern. Während sie in den Wagen schaute, schnitt jemand die Leine des Hundes durch und nahm ihn mit. Das Lösegeld sollte in einem Umschlag an einen Captain Curtis mit einer Adresse in Bloomsbury geschickt werden.
Poirot beginnt mit seinen Ermittlungen. Nachdem er den Namen der vorherigen Arbeitgeberin von Miss Carnaby, Lady Hartingfield, die ein Jahr zuvor verstarb, herausgefunden hat, besucht er deren Nichte. In diesem Gespräch teilt sie die Ansichten von Lady Hoggin über die intellektuellen Leistungen von Miss Carnaby, betont aber auch die guten Seiten. So kümmert sie sich hingebungsvoll um ihre behinderte Schwester und kann so gut mit Hunden umgehen, dass Lady Hartingfield ihr ihren Pekinesen hinterlassen hat. Nach einem Gespräch mit dem Parkwächter macht sich Poirot auf den Weg zu der Adresse, an die das Lösegeld geschickt werden sollte. Es ist ein billiges Hotel, in dem auch Nichtbewohner ihre Post hinterlegen lassen. Dann macht er sich auf den Weg zur Frau des Bekannten aus Hoggins Club. Sie erzählt ihm die gleiche Geschichte wie Lady Hoggin. Als er dann bei Sir Joseph Bericht erstattet, merkt er, dass dessen Verhältnis zu seiner blonden Sekretärin nicht nur beruflich ist.
Mit Hilfe von Georges, seinem Diener, findet er die Wohnung von Miss Carnabys Schwester. Als er die Wohnung aufsucht, trifft er auf Miss Carnaby, ihre behinderte Schwester Emily und ihren Pekinesen Augustus. Alle drei sind Teil eines Plans von schlecht bezahlten Angestellten undankbarer reicher Damen, die langsam alt werden und etwas fürs Alter zurücklegen wollen. Bei dem besagten Spaziergang hatte Miss Carnaby nicht Shang-Tung dabei, sondern ihren eigenen Hund, der den Weg aus dem Park nach Hause gut kannte und allein nach Hause ging. Sie fand aber im Park genug Zeugen für die „Entführung“, so dass es glaubhaft war. Nachdem sie überführt ist, entschuldigt Miss Carnaby ihre Tat mit dem oft demütigenden Verhalten ihrer Dame. So hatte diese sie erst vor kurzem beschuldigt, irgendetwas in ihre Medizin gemischt zu haben, weil sie so bitter schmeckte. Poirot fordert sie auf, mit den Erpressungen aufzuhören und das Geld an Lady Hoggin zurückzugeben, verspricht aber gleichzeitig, dafür zu sorgen, dass deren Mann nichts erfährt.
Er trifft sich mit Sir Joseph und bietet ihm zwei mögliche Lösungen an: Entweder den Kriminellen, dessen Namen Poirot nicht nennt, zu entlarven und das Geld zu verlieren oder das Geld zu nehmen und den Fall zu beenden. Der gierige Sir Joseph entscheidet sich für die letztere Möglichkeit und nimmt Poirots Scheck. Während des nun folgenden Gesprächs unterhalten sich beide über Mordfälle und Poirot erklärt dem erstaunten Sir Joseph, dass er ihn an einen belgischen Mörder erinnert, der seine Frau vergiftete, um seine Sekretärin zu heiraten. Schnell gibt Sir Joseph Poirot den Scheck zurück, mit der Bitte, das Geld zu behalten. Poirot sendet es an Miss Carnaby zurück, als letzten Beitrag zu ihrem Pensionsfonds. Inzwischen stellt Lady Hoggin fest: «Komisch, diese Medizin schmeckt jetzt ganz anders. Sie hat nicht mehr diesen bitteren Nachgeschmack …»
Die Lernäische Schlange (Originaltitel: The Lernaean Hydra)
Poirot wird von Doktor Charles Oldfield, der in Market Loughborough, einem kleinen Dorf in Berkshire, eine Arztpraxis hat, um Hilfe gebeten. Seine Frau starb vor ungefähr einem Jahr an einer Magenerkrankung, aber im Dorf halten sich hartnäckige Gerüchte, dass er sie vergiftet hätte. Die Menschen meiden seine Praxis und er hat auch schon einige anonyme Briefe erhalten. Er kann nichts gegen den Klatsch und Tratsch tun, denn, so wie bei den Köpfen der Lernäischen Schlange, kommt er an neuer Stelle wieder auf, wenn er ihn an einer besiegt hat.
Seine Frau war eine schwierige Patientin, die an einem Magengeschwür gestorben war. Die Symptome dieser Krankheit ähneln denen einer Arsenvergiftung sehr. Sie hinterließ ihrem Mann ein nicht unerhebliches Vermögen. Mit ein wenig Druck gesteht Oldfield, dass sich das meiste Gerede um Jean Moncrieffe dreht, seine junge Laborantin, die er eigentlich heiraten will. Doch solange die Gerüchte immer wieder hochkochen, traut er sich nicht. Poirot reist nach Market Loughborough und trifft sich mit Jean. Sie redet offen über ihre Beziehung zu Oldfield und ihre Abneigung zu seiner Frau. Die von Poirot vorgeschlagene Exhumierung und anschließende Obduktion lehnt sie aber ab, da nicht mehr alle Gifte nachgewiesen werden können.
Poirot nimmt nun Kontakt zu den beiden ehemaligen Angestellten der Oldfields auf: zur Krankenschwester Harrison und zum Hausmädchen Beatrice King. Die Krankenschwester erzählt ihm, dass sie ein Gespräch zwischen Jean und Dr. Oldfield belauscht habe, indem die beiden den Tod von Mrs. Oldfield ungeduldig erwarten. Sie ist sich sicher, dass Beatrice das Gespräch ebenfalls gehört haben muss. Als er ihr von der bevorstehenden Exhumierung erzählt, zeigt sie sich begeistert und meint, dass dies das einzig Richtige sei. Als er anschließend mit Beatrice spricht, bestreitet sie, das Gespräch zwischen Jean und Oldfield belauscht zu haben, kann ihm aber andere verdächtige Dinge mitteilen. So hat sie beobachtet, dass Jean Tee oder Medikamente für Mrs. Oldfield vorbereitete, aber auch dass die Schwester Harrison sie wegkippte oder austauschte, bevor sie sie der Kranken gab.
Inzwischen erhält Poirot die Genehmigung für die Exhumierung und schnell steht fest: Mrs. Oldfield wurde mit Arsen vergiftet. Schwester Harrison ist geschockt und erzählt Poirot eine weitere Geschichte. So soll Jean in eine Puderdose ein Pulver aus der Apotheke der Praxis eingefüllt haben.
Poirot alarmiert die Polizei, die genau eine solche Dose in Jeans Schlafzimmer findet. Als man sie Schwester Harrison zeigt, erkennt sie die Dose sofort. Nun schnappt die Falle zu: Poirot hatte seinen Diener Georges beauftragt, Schwester Harrison zu beobachten und der hatte gesehen, wie sie die Dose bei Woolworth kaufte und dann in Jeans Schlafzimmer versteckte. Auf diese Weise ertappt, gesteht Harrison den Mord.
Im Gespräch mit Jean erklärt Poirot seine Schlüsse. Es erschien ihm unwahrscheinlich, dass zwei Verschwörer ihr Projekt an einem Ort besprechen, wo sie leicht belauscht werden können. Auch die sehr positive Reaktion von Harrison auf die geplante Exhumierung machte ihn stutzig. Als Motiv stellt sich heraus, dass Harrison Oldfield seit Jahren liebte und ihre Konkurrentin Jean aus dem Weg schaffen wollte.
Die Arkadische Hirschkuh (Originaltitel: The Arcadian Deer)
Poirot ist in einem ländlichen Gasthof notgelandet, nachdem sein Auto eine Panne hatte. Und obwohl er nur ein schlechtes Abendessen erhalten hat, genießt er doch den Blick auf das Kaminfeuer in seinem Zimmer nach einem Marsch durch den Schnee. Er wird durch den Mechaniker Ted Williamson gestört, einem jungen Mann, der aussieht wie ein griechischer Gott.
Williamson, der von der außerordentlichen Reputation Poirots gehört hat, bittet Poirot um Hilfe bei der Suche nach einem verschwundenen Mädchen. Im vergangenen Juni wurde Williamson nach Grasslawn, einem Haus etwas außerhalb des Ortes, gerufen, um ein Radio zu reparieren. Die Eigentümer und ihre Gäste waren mit dem Boot unterwegs und auch das Personal war nicht im Haus, so dass er von einem jungen Mädchen, der Zofe einer russischen Balletttänzerin, eingelassen wurde.
Das blonde Mädchen heißt Nita und er verliebte sich auf der Stelle in sie. Die beiden treffen sich zu einem Spaziergang, bei dem sie ihm erzählt, dass sie mit ihrer Herrin in zwei Wochen wieder hier sein wird und die beiden verabreden sich. Als sie zu der Verabredung nicht erscheint, nimmt er seinen ganzen Mut zusammen und geht nach Grasslawn. Dort sagt man ihm, dass die russische Tänzerin mit ihrer Zofe da ist. Aber die Zofe ist nicht Nita. Die neue Zofe Marie Hellin gab ihm eine Adresse in Nordlondon, an die er schreiben solle. Doch sein Brief kam zurück.
Poirot sucht diese Adresse auf und erfährt, dass das Mädchen, eine Italienerin, in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Sie wird von ihrer Wirtin als dunkelhaarig beschrieben, kann also nicht Nita sein. Dann versucht er mit Nitas Herrin, Katrina Samoushenka, zu sprechen, die aber nach Paris abgereist ist. Dann besucht er den Eigentümer von Grasslawn, Sir George Sanderfield, der sich zwar an Marie, aber nicht an die Zofe beim ersten Besuch von Madame Samoushenka erinnert und meint, dass Poirot sich irre. Marie wird als nächste von Poirot besucht. Sie wurde in der letzten Juniwoche angestellt, weil die vorherige Zofe gegangen war, wahrscheinlich weil sie krank war. Sie deutet an, dass sie etwas über Sir George weiß, das für Poirot von Bedeutung sein könnte. Er lehnt, sehr zu ihrem Ärger, das Angebot ab.