Oswald Petersen (* 2. Februar 1903 in Düsseldorf; † 5. Juni 1992 ebenda) war ein deutscher Maler.Sterbedatum nach Archiv Corps Transrhenania
Leben In seiner Heimatstadt Düsseldorf besuchte Petersen, Sohn des dem Milieu der Düsseldorfer Malerschule zugerechneten Porträtmalers Walter Petersen, von 1909 bis 1921 das Realgymnasium und studierte danach zunächst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Wilhelm Döringer, Willy Spatz und Franz Kiederich.Stefanie Schäfers: Vom Werkbund zum Vierjahresplan. Die Ausstellung Schaffendes Volk, Düsseldorf 1937. Quellen und Forschungen zur Geschichte des Niederrheins. Hrsg. v. Düsseldorfer Geschichtsverein, Band 4 Droste, Düsseldorf 2001, ISBN 3-7700-3045-1 In seiner Zeit an der Kunstakademie München (1923–1926), wo er nach eigenen Angaben „bummelte“, wurde er 1924 Mitglied des Corps Transrhenania.Kösener Corpslisten 1996, 177/320. Oswald Petersen hatte zwei Töchter, Sabine, verheiratet mit dem Bildhauer Lutz Brockhaus, und Katharina (Katrine).
Die Jahre in Paris (1927–1933) Von 1927 bis 1933 lebte er in Paris und studierte dort an der 1925 von André Lhote gegründeten Académie Lhote in der Rue d’Odessa am Montparnasse. Zu den Schülern des kubistischen Malers, Bildhauers und Kunsttheoretikers zählten unter anderem Tamara de Lempicka, Henri Cartier-Bresson, Alf Bayrle, Hans Hartung, Anna Eva Bergman, Aurélie Nemours, Fred Klein und William Klein.http://www.kettererkunst.de/kunst/kd/details.php?obnr=118001356&anummer=476&detail=1 1927 ermutigte André Lhote seine Studenten den Sommer in Mirmande im Drôme-Tal zu verbringen und unter freiem Himmel in der Natur zu malen. Hier entstanden im selben Jahr Petersens Ansichten von Mirmande, sein kubistisches Hauptwerk.https://andre-lhote.org/?langue=en
Studienreisen führten ihn in dieser Zeit zunächst in die Bretagne und in die Normandie. Es folgten regelmäßige Aufenthalte in Südfrankreich und Spanien. 1929 wurde er Mitglied des Salon des Surindépendants am Place Versailles. Gegründet von René Jacob Mendès-France (1888–1985), einem französischen Maler und Dichter, handelte es sich hierbei um eine Gruppe von fünfzig bis sechzig jungen Künstlern, davon einige aus Spanien, die nicht unbedingt ein einheitliches ästhetisches Programm verfolgten, sich aber einig in der Ablehnung des etablierten Kunstmarktes und der etablierten Galerien waren.Elizabeth Frank und Ellen Russotto: Esteban Vicente, Seite 15 Im Jahr 1930 trat er der Gruppe 1940 bei. Von 1931 bis 1933 war er Mitglied der Rheingruppe. Seine erste Einzelausstellung mit 70 Landschaften und 23 Kompositionen fand 1932 in der Galerie Jeanne Castel in der Avenue Matignon in Paris statt. Es kam zu einer Begegnung mit Henri Matisse, der Petersen damals im Atelier aufsuchte und eineinhalb Stunden dessen Bilder durchsah.Kunstmuseum Düsseldorf im Ehrenhof: Oswald Petersen. Der Maler. Katalogbuch zur Ausstellung vom 7. März bis 26. April 1992 Matisse riet dem jungen Künstler, wie dieser später erzählte, damals: „Komponieren Sie mit Farbklängen.“ und empfahl ihm das Malen in der Natur im südfranzösischen Küstenort Collioure.Ein Ja zu den Schönheiten und Herausforderungen, Nachruf von Yvonne Friedrichs, Düsseldorf, Rheinische Post, 9. Juni 1992 In den Sommermonaten 1931 und 1932 reiste Petersen mit seinen Freunden, den Schweizer Malern Walter Bodmer, Kurt Wiemken, Otto Abt und Serge Brignoni, die zu dieser Zeit ebenfalls in Paris lebten, nach Collioure. Dort lernten sie den Bildhauer Jean Matisse kennen.https://www.rak-bonn.de/Publikationen/annoRAK6.pdf
Im Jahr 1932 bezeichnete der französische Dichter und Surrealist Robert Valençay in der „Revue d’Allemagne et des pays de langue allemande“ Oswald Petersen als „höchst sensibel im Spiel mit den Farben“. Diese Sensibilität sei „mehr eine Sache des Temperaments als der Schule“. Zudem habe er seine Emotionen „zu einem bewußten konstruktiven Können entwickelt“ und so diszipliniert.Städtische Kunsthalle Düsseldorf: Oswald Petersen. Gemälde 1923–1977. Katalogbuch zur Ausstellung vom 2. Dezember 1977 bis 22. Januar 1978Societe d'Etudes Allemandes: Revue d'Allemagne et des pays de langue allemande, Editions Emile-Paul Freres, Paris 1933 Er nannte ihn einen Hauptvertreter der aktuellen jungen Malerei in Deutschland.Rafael Benet in ACTUALITAT ARTÍSTICA. 1. November 1934, Seite 6, veröffentlicht in CRÒNIQUES D’ART A LA VEU DE CATALUNYA, Seite 135 Der französische Dichter und Kunstkritiker André Salmon, ein Fürsprecher und Wegbereiter des Kubismus, attestierte ihm „eine seltene Intelligenz der Bildgestaltung“.Valençay, Robert: „Revue d’Allemagne et des pays de langue allemagne“', 1932
Tossa de Mar (Sommer 1934) Den Sommer 1934 verbrachte Oswald Petersen mit Marc Chagall, Dora Maar, Jean Gérard Matisse, Peter Janssen, Serge Brignoni, Georges Kars, Ari Walter Kampf, Kurt Seligmann, Oscar Zügel, André Masson, Georges Bataille, Jean Metzinger und Tadashi Kaminagai in Tossa de Mar an der Costa Brava, einem bedeutenden Zufluchtsort für Künstler des Kubismus und Surrealismus, Architekten und Intellektuelle der Zwischenkriegszeit aus ganz Europa.Chris Lloyd, The Rough Guide to Costa Brava, S. 135Montserrat Duch Plana, La II República espanyola: Perspectives interdisciplinàries en el seu 75è aniversari, Tarragona, 2007, S. 97Alejandro Plana, GALERÍAS LAYETANA: Exposiciones de Ángel Cánovas, E . Curiel, R . Mas y Mas, Walter Kampf y Oswald Petersen, Artikel in „La Vanguardia“, Barcelona, 2. November 1934https://www.elpuntavui.cat/societat/article/1209646-paradis-blau.htmlhttps://www.elpuntavui.cat/societat/article/1209646-paradis-blau.html Mit Zunahme des nationalsozialistischen Terrors in Deutschland suchten am Vorabend des spanischen Bürgerkriegs auch immer mehr Kulturschaffende und politische Antifaschisten in Tossa Zuflucht. Treffpunkt war die „Bar d’en Marcus“ des Berliner Bauhaus-Architekten Fritz Markus, das „Café d’en Biel“ und das von Markus erbaute Hotel „Casa Johnstone“.https://mozaika.es/magazine/tossa-vila-destiu/https://tochoocho.blogspot.com/2014/08/fritz-marcus-1888-1975-casa-johnstone.html Die Hotelbesitzerin Nancy Johnstone erinnert sich 1937 in ihrem Buch „Hotel in Spain“: „In der Bar von Marcus gab es tolle Momente. Wenn man sich zum Beispiel mit Zügel, Masson, Petersen oder Matisse zusammensetzte.“Nancy Johnstone, Hotel in Spain, Faber & Faber Limited, 1938https://www.elpuntavui.cat/societat/article/1209646-paradis-blau.htmlhttps://www.yumpu.com/es/document/read/13592045/paisos-catalans-ajuntament-de-tossa-de-marhttps://quefluyalainformacion.blogspot.com/2013/10/casa-johnstone-un-hotel-en-la-costa.html?m=1https://mozaika.es/magazine/tossa-vila-destiu/ Petersens in dieser Zeit entstandene Ölbilder, Aquarelle und Pastellzeichnungen wurden vom 27. Oktober bis 9. November 1934 in der Galerie Layetanas in Barcelona ausgestellt.Montserrat Navarro, Marta Tort: Repertori d’exposicions individuals d’art a Catalunya (fins a l’any 1938), Barcelona 1999 Der katalanische Maler und Kunstkritiker Rafael Benet i Vancells schreibt anlässlich der Ausstellung in seinem Artikel „Das Babel der Kunst“ (gemeint ist der Künstlerort Tossa) in der Zeitschrift „Art“ über den „deutschen Fauvisten“Montserrat Duch Plana, La II República espanyola: Perspectives interdisciplinàries en el seu 75è aniversari, Tarragona, 2007, S. 97https://www.google.de/books/edition/La_II_Rep%C3%BAblica_espanyola/yRHDAgAAQBAJ?hl=de&gbpv=1&dq=oswald+petersen&pg=PA97&printsec=frontcover Petersen: „Die heitere Iris von Petersen tritt in Kontakt mit der Retina des Sonnenlichts. Eine intensive und feine Palette auf der Basis von Grau, Grün, Rosa und Blau.“Rafael Benet in ACTUALITAT ARTÍSTICA. 1. November 1934, Seite 6, veröffentlicht in CRÒNIQUES D’ART A LA VEU DE CATALUNYA, Seite 135
Rückkehr nach Deutschland (1934) mini|Oswald Petersen, Landschaft aus Almuñécar, 1935, Öl auf Leinwand Wegen Devisenschwierigkeiten über Saarbrücken nach Düsseldorf zurückgekehrt, stellte er seine Bilder im Museum Saarbrücken und in der Kunstsammlung Schulthess in Basel sowie 1935 in The Storran Gallery in London aus.Städtische Kunsthalle Düsseldorf: Oswald Petersen. Gemälde 1923–1977. Katalogbuch zur Ausstellung vom 2. Dezember 1977 bis 22. Januar 1978. Seit Mitte der 1930er Jahre führten ihn Studienreisen nach Spanien, Frankreich, Italien, England, Schweden und Jugoslawien.Kunstmuseum Düsseldorf im Ehrenhof: Oswald Petersen. Der Maler. Katalogbuch zur Ausstellung vom 7. März bis 26. April 1992. 1937 stellte er in der Düsseldorfer Reichsausstellung Schaffendes Volk, einer auch nach außen hin bedeutenden Propagandaschau Deutschlands während des Nationalsozialismus, seine Landschaften aus. Diese wurden anlässlich des Besuchs von Adolf Hitler gegen gefälligere Porträts ausgetauscht. Petersen war 1938, 1942, 1943 und 1944 auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München vertreten, unter anderem mit Porträts der Künstler Willy Birgel und Lilia D’AlboreBildnis Willy Birgel. In: Große Deutsche Kunstausstellung 1937–1944. Auf GDK-Research.de, abgerufen am 11. Mai 2022;Bildnis Lilia d'Albore. In: Große Deutsche Kunstausstellung 1937–1944. Auf GDK-Research.de, abgerufen am 11. Mai 2022. und des Wehrmachts-Generals Karl Allmendinger. Vom Ende der 1930er Jahre bis 1988 stellte die Galerie Alex Vömel in Düsseldorf seine Bilder regelmäßig aus. 1937 machte er eine erste Sommerreise nach Schweden, 1938 nach Hiddensee und 1943 folgten mehrere Arbeitsaufenthalte im Allgäu. Das Kriegsende erlebte Petersen in Essen.Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen: Oswald Petersen. Katalogbuch zur Ausstellung vom 5. Juli bis 31. Juli 1960 in der Düsseldorfer Kunsthalle am Grabbeplatz.
Nachkriegszeit (ab 1945)