mini|hochkant|Flagge zum Equal Pay Day am 21. März 2014 in Alsbach (Hessen, Deutschland) Der Equal Pay Day (kurz EPD; ), der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern, macht auf den bestehenden Gender-Pay-Gap aufmerksam und wird in zahlreichen Ländern an unterschiedlichen Tagen begangen. Der Aktionstag markiert symbolisch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. So entspricht eine durchschnittliche unbereinigte Entgeltdifferenz von 21 Prozent einem Zeitraum von 77 Kalendertagen im Jahr.
Üblicherweise kennzeichnet er in den verschiedenen Ländern rechnerisch den Tag, bis zu dem oder ab dem Frauen unentgeltlich arbeiten würden, wenn sie ab oder bis zu dem Tag (gesamtgesellschaftlich) die gleiche Lohnsumme wie die Männer bekämen. Der aktuelle Equal Pay Day war in Österreich am 11. Februar 2026. In der Schweiz wurde er am 15. Februar 2025 und in Deutschland am 7. März 2025 begangen. Der „bereinigte Gender-Pay-Gap“, der auf der Basis vergleichbarer Tätigkeiten und Qualifikationen ermittelt wird, lag in Deutschland bei zwei bis sieben Prozent.W. Joachimiak: Frauenverdienste – Männerverdienste: Wie groß ist der Abstand wirklich? (PDF; 543 kB) Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013, in: Policy Brief 07/2016, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung, S. 6. Abgerufen am 9. Juli 2019.
Entstehung Der „Tag für gleiche Bezahlung“ hat seinen Ursprung in den USA. Der Equal Pay Day wurde dort 1966 vom „National Committee on Pay Equity“ (NCPE) ins Leben gerufen. Das NCPE ist ein Zusammenschluss von amerikanischen Frauen- und Bürgerrechtsorganisationen, von Gewerkschaften sowie religiösen und beruflichen Vereinigungen, der das Ziel hat, auf die ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen, insbesondere auch afroamerikanischen Frauen, hinzuweisen und die Lohnkluft zu beseitigen. 1963, als in den Vereinigten Staaten der Equal Pay Act (Gesetz zur gleichen Bezahlung) unterzeichnet wurde, bekamen Frauen im Schnitt nur 59 Cent, während Männer einen Dollar erhielten. Alljährlich machen seit 1966 zehntausende Frauen und Männer in den Vereinigten Staaten am EPD mit verschiedensten Aktionen auf den Lohnunterschied aufmerksam.National Committee on Pay Equity abgerufen am 13. September 2010.
Equal Pay Day in einzelnen Ländern Der Equal Pay Day findet mittlerweile in 23 europäischen Ländern statt: Unter anderem beteiligen sich Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Schweiz, Spanien, Schweden, Tschechien. Auch in den Vereinigten Staaten, Australien und Neuseeland wird der Aktionstag begangen. 2011 hat die Europäische Kommission den Europäischen Equal Pay Day ins Leben gerufen, der seither jährlich begangen wird. 2015 fand der Aktionstag am 2. November statt.ec.europa.eu Pressemeldung der Europäischen Kommission. Abgerufen am 16. August 2016.ec.europa.eu Link zur EU-Kampagne It’s time to close the gap. Abgerufen am 16. August 2016.
Belgien In Belgien legten am 16. Februar 1966 in Herstal rund 3.800 Frauen ohne Vorwarnung die Arbeit nieder und riefen zu einem eintägigen Streik auf, der sich dann auf 12 Wochen ausweitete. Ihr Protest richtete sich gegen die unwürdigen Bedingungen am Arbeitsplatz und gegen die ungleiche Bezahlung. Zur damaligen Zeit bekamen die Frauen rund 25 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. 2005 rief die Frauenbewegung zij-kant gemeinsam mit ABVV Women den ersten belgischen Equal Pay Day nach amerikanischem Vorbild ins Leben. 2016 war der Equal Pay Day am 13. März.
Deutschland mini|Ein Bündnis aus Niedersachsen am Equal Pay Day 2014 in Hannover
Entwicklung Die Business and Professional Women USA, eine Mitgliedsorganisation des NCPE, initiierten 1988 die „Red Purse Campaign“, um mit einer roten Tasche auf die bestehenden Entgeltunterschiede hinzuweisen. abgerufen am 13. September 2010. Diesen Gedanken griff 2007 das Frauen-Berufsnetzwerk Business and Professional Women (BPW) Germany e. V. auf und startete die „Initiative Rote Tasche“. Weitere Verbände folgten wie z. B. die webgrrls.de mit dem Weblog Rote Taschen.rotetaschen.webgrrls.de Rote Taschen Weblog. Die roten Taschen stehen für „rote Zahlen“ und dafür, dass Frauen „weniger in der Tasche“ haben als Männer.Homepage der Initiative Rote Tasche und abgerufen am 8. September 2010.
Aus dieser Kampagne entwickelte sich die Idee zur Einführung des Equal Pay Day in Deutschland, der 2008 auf Initiative des BPW in Deutschland erstmals durchgeführt wurde. (abgerufen am 21. März 2018). Von Anfang an unterstützte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Equal Pay Day mit Fördermitteln und beauftragte den BPW mit dessen Durchführung.
Datum
Jahr Equal Pay Day 2009 Equal Pay Day 2009 auf der Homepage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; abgerufen am 13. September 2010. 2010 Bundesfamilienministerium unterstützt Equal Pay Day 2010. BMFSFJ; abgerufen am 13. September 2010. 2011 2012 2013 2014 2015 2016 (PDF). 2017 2018 (PDF).2019 2020 202110. März20227. März20237. MärzEqual payday In: equalpayday.de20246. Märzhttps://www.equalpayday.de/informieren/20257. Märzhttps://www.equalpayday.de/presse/pressemitteilung/start-der-equal-pay-day-kampagne-2025-weil-es-sich-lohnt-entgelttransparenz-jetzt/202627. Februarhttps://www.equalpayday.de/presse/pressemitteilung/equal-pay-day-am-27-februar-equal-pay-every-day/ Der erste Equal Pay Day in Deutschland fand am 15. April 2008 auf Initiative von Bettina Schleicher des BPW statt. Das Berufs-Frauennetzwerk übernahm damit zunächst das in Amerika festgelegte Datum für den Aktionstag. 2009 entschied man sich dafür, den Tag anhand der aktuellen Zahlen zum Entgeltunterschied von Frauen und Männern zu errechnen. In Deutschland errechnet sich das Datum des Equal Pay Day seit 2009 nach folgender Formel: 365 Tage mal statistisch aktuell ermitteltem Entgeltunterschied in Prozent. Abgerufen am 16. August 2016. Damit steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon ab dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden.
In verschiedenen Medienberichten wurde wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass diese Art der Berechnung falsch ist, sofern der Aktionstag den Tag im Folgejahr markieren soll, bis zu dem Frauen weiterarbeiten müssten, um zusammen mit dem vergangenen Jahr den Verdienst zu erarbeiten, den Männer nur im vergangenen Jahr verdient haben. Bei dieser Rechnung müsste der Aktionstag im April liegen: Sofern Frauen tatsächlich 22 Prozent weniger als Männer verdienen, müssten sie 28,2 Prozent mehr verdienen beziehungsweise arbeiten, um auf denselben Verdienst zu kommen. Korrekt – wie von der Initiative angegeben – gibt der Tag den Zeitpunkt im Jahr an, „bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden“. Abgerufen am 17. Juli 2015.
2022 fand der Equal Pay Day am 7. März unter dem Motto „Equal 4.0 – gerechte Bezahlung in der digitalen Arbeitswelt“ statt.
Ziele in Deutschland Ziel des Equal Pay Day in Deutschland ist es, über den Gender-Pay-Gap und seine Ursachen aufzuklären, die vielfältigen Ursachen von Entgeltunterschieden anzugehen, Aktionspartner zu mobilisieren, um damit langfristig die geschlechtsspezifische Entgeltungleichheit abzubauen. Weil es darum geht, sämtliche Ursachen und Folgen des Verdienstunterschiedes aufzuzeigen, bezieht sich der Aktionstag auf den unbereinigten Gender-Pay-Gap des Statistischen Bundesamts.Homepage des Nationalen Equal-Pay-Day-Bündnisses und Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, BMFSFJ, Ressortbericht 2010, S. 22 Der Aktionstag war 2010 Teil der Strategie der Bundesregierung, Lohnunterschiede bis 2020 auf 10 Prozent zu senken.Ressortbericht 2010: „Verringerung des Verdienstabstandes zwischen Männern und Frauen“. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Berlin 2010, S. 3. Auf Bundesregierung.de (PDF; 340,2 kB), abgerufen am 11. Februar 2022.
Forum Equal Pay Day Von 2009 bis 2011 wurde der deutsche Aktionstag von einem nationalen Aktionsbündnis unter der Federführung des BPW Germany durchgeführt. Zum Aktionsbündnis gehörten neben dem BPW Germany die Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Deutsche Frauenrat (DF) und der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU). (abgerufen am 16. August 2016) Im September 2011 eröffneten die Business and Professional Women (BPW) Germany das Forum Equal Pay Day in Berlin, um die Initiative des Equal Pay Day über den Aktionstag hinaus durch ein ganzjähriges Engagement zu stärken. Das Forum Equal Pay Day stellt Leitfäden für Veranstaltungen, Werbemittel und Informationsmaterial zum jeweiligen Schwerpunktthema bereit. Das Forum Equal Pay Day ergänzt den Aktionstag durch Informationsveranstaltungen im Vorfeld des Equal Pay Day zum aktuellen Themenschwerpunkt und ist damit die offizielle Anlaufstelle in Sachen Entgeltungleichheit in Deutschland und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt.Dossier Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern in Deutschland. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), 2009, S. 52.
Frankreich In Frankreich wurde der EPD von den Business and Professional Women (BPW) France initiiert und fand 2009 erstmals statt.Homepage. Europäische Kommission; abgerufen am 8. September 2010
Großbritannien In Großbritannien wird der EPD von der Fawcett Society organisiert.Cirdan Fawcett Society:
Österreich + EPD Österreich Jahr EPDFrühjahrArchiv Equal Pay Day auf der Homepage des Equal Pay Day; abgerufen am 13. Februar 2024. EPDHerbstEqual Pay Day auf der Homepage des Frauenausschusses des österreichischen Städtebundes; abgerufen am 14. Februar 2024. 2009 16. April 2010 13. April 29. September 2011 13. April 4. Oktober 2012 5. April 6. Oktober 2013 5. April 8. Oktober 2014 19. März 10. Oktober 2015 31. März 10. Oktober 2016 10. März 11. Oktober 2017 4. März 13. Oktober 2018 27. Februar 20. Oktober 2019 26. Februar 21. Oktober 2020 25. Februar 22. Oktober 2021 21. Februar 25. Oktober 2022 15. Februar 30. Oktober 2023 16. Februar 31. Oktober 2024 14. Februar 31. Oktober In Österreich finden beide Equal Pay Days (EPD) statt, sowohl jener im Frühjahr als auch jener im Herbst. Im Frühjahr erinnert das Frauennetzwerk Business and Professional Women (BPW) an jenen Tag, bis zu dem Frauen über ein Kalenderjahr hinaus arbeiten müssen, damit sie gleich viel wie Männer verdienen. Am Equal Pay Day im Herbst mahnt der Frauenausschusses des österreichischen Städtebundes jenen Tag im Jahr ein, ab dem Frauen in Österreich 'gratis' arbeiten. Männer haben bis zum EPD im Herbst bereits so viel verdient, wie Frauen erst zum Jahresende. Verglichen werden Vollzeitarbeitsverhältnisse. BPWs und die Frauenbüros der österreichischen Städte weisen in Österreich seit 2009 auf die Einkommensungerechtigkeit hin.Homepage. Initiative Equal Pay Day in Österreich; abgerufen am 14. September 2010
2016 fand der österreichische Equal Pay Day am 10. März statt. Das bedeutet, dass Frauen rund 18 Prozent weniger verdienen als Männer.
Schweiz 2009 wurde von Business and Professional Women BPW Switzerland der erste Equal Pay Day ins Leben gerufen. In verschiedenen Städten in der ganzen Schweiz werden an diesem Tag an Informationsständen die roten Equal-Pay-Day-Taschen verteilt, Podiumsdiskussionen durchgeführt oder es wird mit Strassenaktionen die breite Bevölkerung für das Thema Lohngleichheit sensibilisiert. Frauen sollen ermutigt werden, ihren Lohn besser zu verhandeln und Männer sollen erkennen, dass auch sie ein Interesse an einem gleichen Lohn für gleiche Leistung haben. Seit 2009 wurden 250 Aktionen in 50 Städten organisiert, darunter 70 Debatten, 120 Taschenverteilungen, viele kreative Anlässe.