mini|Isomat Rapid mit Umkehrfilm CT 18 Rapid mini|Agfa-Rapid-Kameras

Agfa Rapid ist der Name eines Kleinbild-Systems, das 1964 als Reaktion auf Kodak Instamatic eingeführt und bereits 1972 eingestellt wurde. Anfänglich boten mehreren Hersteller Kameras dafür an, ab Herbst 1966 nur noch Agfa.

Rapid-Film mini|Rapid-Patrone: Die Länge der Lasche am silberfarbenen Blech rechts vom Pfeil teilt der Kamera die Filmempfindlichkeit mit 220px|mini|Optima Rapid 250 mit eingelegten Film.

Karat-Patrone Als 1937 die erste Agfa-Kleinbildkamera Karat erschien, verwendete sie eine eigens konstruierte Filmpatrone, wobei man den Film fertig konfektioniert kaufen konnte. Diese Karat-Patrone entsprach bis auf ein Detail der der Rapid-Patrone. Da es die Instamatic-Kassette ermöglichte, die Filmempfindlichkeit abzutasten, hatte Agfa diese Möglichkeit auch für den Rapid-Film vorgesehen. Hierzu diente ein bei stehender Patrone in halber Höhe nahe der Filmöffnung an die Patrone angenietetes T-förmiges Blech. Der Fuß von diesem T variierte dabei in seiner Länge:

Kennbuchstabe ISO mm A 25/15° 0 B 32/16° 0,5 C 40/17° 1 D 50/18° 1,5 E 65/19° 2 F 80/20° 2,5 G 100/21° 3 H 125/22° 3,5 I 160/23° 4 K 200/24° 4,5 L 250/25° 5 M 320/26° 5,5 N 400/27° 6

Der Kennbuchstabe war in das T-förmige Blech eingestanzt; ein für den Fotografen bedeutungsloser Hinweis, der nur dazu diente, eine leere Filmpatrone identifizieren zu können.

Rapid-Patronen waren abwärtskompatibel, konnten also in einer Karat-Kamera verwendet werden. Umgekehrt galt dies uneingeschränkt nur für Kameras ohne Belichtungsmesser. Da keine Filmempfindlichkeit abgetastet werden konnte, stellte die Kamera sonst die niedrigste Empfindlichkeit ein. Deswegen begann die Abtastung bei den Rapid-Kameras von Agfa erst mit ISO 50/18°: So wurde auch ein höherempfindlicher Karat-Film einigermaßen korrekt belichtet. Bei einem Agfa Isopan I F 17 Rapid blieb die Kamera allerdings auf ISO 50/18° eingestellt, obwohl der Film mit C kodiert war. Filme in Karatpatronen lieferte Agfa bis zur Einführung des Rapid-Systems,Photographiere farbig mit Agfacolor, Broschüre 1964 außerdem bot Orwo sie noch an.

Technik mini|Rapid-Patronen, wie sie in der Kamera angeordnet sind mini|Die Rapid-Patrone auseinandergebaut

Die Rapid-Patrone verzichtete auf einen Wickeldorn. Die wie beim Kleinbildfilm herausragende Filmlasche war gerade geschnitten und speziell geprägt, um einen Drall zu erzielen, mit dem sie sich zuverlässig in die Aufnahmepatrone einfädeln sollte. Dabei handelte es sich um die Vorratspatrone des letzten Films bzw. eine mit der Kamera mitgelieferte Leerpatrone. Nach dem Einlegen des Films und Schließen der hinteren Klappe spulte sich der Film beim Filmtransport selbst Bild für Bild in die Leerkassette. Die volle Patrone wurde dann zum Entwickeln abgegeben und die nun leere Patrone für den nächsten Film zum Aufwickeln benutzt. Es gab also kein Rückspulen. Weil es passieren konnte, dass Filmtyp und Etikett auf der Patrone nicht übereinstimmten, war das Filmende mit kleinen eingestanzten Löchern beschriftet, die Buchstaben bildeten. Auch existierte ein Hinweis auf bereits erfolgte Belichtung. Die Beschriftung lautete beispielsweise:

Dabei stand EXP für Exposed (eng. für Belichtet) und CN 17 für den Filmtyp.

So erfuhr das Fotolabor, wie der Film zu entwickeln war. Die Gebrauchsanweisungen zu den Rapid-Kameras wiesen ausdrücklich darauf hin, dass man den Film nicht von Hand komplett in die Patrone schieben sollte.

Heute wird Rapid-Film nur noch für Enthusiasten konfektioniert. Die Patronen lassen sich aber mit Meterware oder dem Film einer gewöhnlichen Patrone selber befüllen, wobei der Streifen maximal 60 cm lang sein darf.35 mm. Blog für historische Fototechnik. Abgerufen am 25. August 2011 Dabei ist der Film gegebenenfalls von Hand in die Aufwickelpatrone einzufädeln.

Vergleich mit Instamatic Handhabung Zwar ließ sich ein Rapid-Films sehr einfach einlegen, das Wechseln der Patronen konnte dem technisch Unkundigen dennoch Probleme bereiten. Auch war es grundsätzlich möglich einen Film zweimal zu belichten. Demgegenüber hatte Kodak die Instamatic-Kassette nahezu perfekt vor einer Fehlbedienung geschützt. Der Rapid-Film hingegen befand sich in diesem Punkt zwischen der gewöhnlichen Kleinbildpatrone und dem Instamatic-Film.

Technischer Aufwand Die Rapid-Kamera benötigte ein Zählwerk und einen etwas aufwendigeren Stoppmechanismus für den Filmtransport. Bei der Instamatic-Kassette vereinfachte exakt ein Perforationsloch pro Bild den Mechanismus, die Bildzählung erfolgte bei Kodak altmodisch über die bedruckte Papierrückwand des Films selbst. So befanden sich die Rapid-Kameras im technischen Aufwand zwischen Instamatic- und gewöhnlichen Kleinbildkameras – letztere brauchten zusätzlich einen Filmrücktransport.

Planlage In Rapid-Kameras sorgte eine Filmandruckplatte für die perfekte Planlage des Films. Diese konnte eine Instamatic-Kassette nicht garantieren, so dass die Entfernungseinstellung, falls vorhanden, mitunter nicht das gewünschte Resultat ergab. Dieser Aspekt spielte allerdings bei den geringen Lichtstärken einfacher Objektive und der damit verbundene großen Abbildungstiefe keine Rolle. Deshalb hatten Instamatic-Kameras kein Objektiv mit einer größeren Öffnung als f/2,8. Bei Rapid-Kameras wäre dies problemlos möglich gewesen, weil aber auch sie nur im unteren Preissegment vorkamen, gab es das nicht.

Seitenverhältnis Der Rapid-Film legte im Gegensatz zur Instamatic-Kassette kein Seitenverhältnis fest. Die meisten Kameras von Agfa belichteten zwar mit 24 mm × 24 mm ebenfalls ein quadratisches Format, von japanischen Herstellern kamen aber auch Rapid-Halbformatkameras. Die Agfa Silette Rapid belichtete sogar die gewöhnlichen 24 mm × 36 mm. Das quadratische Format entstand aus dem gleichen Grund wie bei Kodak:

Die Höhe gab der 35-mm-Film vor und bei einem Quadrat lagen die Ecken weniger weit vom Mittelpunkt entfernt als bei einem Querformat. Die Abbildungsqualität von Objektiven ließ grundsätzlich zum Rand hin nach. Bei einem einlinsigen Objektiv einer Einsteigerkamera fiel dieser Effekt besonders groß aus, so dass das quadratische Format dann sichtbar weniger Randunschärfe bot.

Gemeinsamkeiten Sowohl die Rapid-Patrone als auch die Instamatic-Kassette enthielten 35-mm breiten Film, der sich dadurch in den üblichen Entwicklungsmaschinen und Entwicklungsdosen verarbeiten ließ. Beide bewahrten den belichteten Teil des Films lichtgeschützt auf. Ein Öffnen der Kamerarückwand hatte dadurch nur einen Verlust des aktuellen, vorherigen und nachfolgenden Bildes zur Folge.

Die Filmempfindlichkeit konnte in beiden Fällen abgetastet werden.

In der Bildanzahl unterschieden sich die Systeme unbedeutend: Karat- und Rapid-Patrone enthielten einen gleichlangen Film, also 12 Aufnahmen im Format 24 mm × 36 mm. Dies ergab 24 Aufnahmen im Format 18 mm × 24 mm oder 16 Aufnahmen im Format 24 mm × 24 mm. Weil sich der Film von alleine nicht so straff wie mit einer angetriebenen Spule aufwickelte, blieb seine Länge weit von jener des gewöhnlichen Kleinbildfilms des Typs 135 mit seiner maximal möglichen dreifachen Bildzahl entfernt. Die Instamatic-Kassette gab es mit 12 oder 20 Aufnahmen, später 24 Aufnahmen. Sie hatte ebenfalls keinen Platz für 36 Aufnahmen.

Konfektionierung Filmtypen Als Rapid-Film bot Agfa vier Emulsionen an (Preise von 1965Foto Quelle, Katalog 652):

Typ Sorte Filmempfindlichkeit VerkaufspreisIsopan I F 17 RapidSchwarzweiß-NegativfilmISO 17/40°2,20 DMIsopan ISS 21 RapidSchwarzweiß-NegativfilmISO 21/100°2,20 DMCN 17 RapidFarb-NegativfilmISO 17/40°3,00 DMCT 18 RapidFarb-UmkehrfilmISO 18/50°7,50 DMeinschließlich Entwicklung Rapid-Filme existieren grundsätzlich nur in einer einzigen Länge.

Preisvergleich Im Falle von Rapid-Kameras mit dem Format 24 mm × 36 mm hatte das Fotografieren mit Umkehrfilm erhöhte Kosten zur Folge. Der CT 18 Rapid kostete 7,50 DM für 12 Bilder, während es den CT 18 als Typ 135 mit 36 Aufnahmen für 13,50 DM gab – dreimal so viele Bilder kosteten also nicht einmal das Doppelte. Bei dem Rapid-Standardformat 24 mm × 24 mm kosteten 16 Bilder 7,50 DM, was nur etwas teurer war.

Demgegenüber war der Unterschied bei einem Farbnegativfilm bedeutungslos, da hier die Abzüge das Teuerste waren. Bei Preisen von wenigstens 0,90 DM für einen Farbabzug im Format 9 cm × 13 cm kauften sich ohnehin viele Besitzer der gewöhnlichen Kleinbildkameras auch nur Farbnegativfilme mit 12 Aufnahmen. Ein Film mit 36 Aufnahmen kostete nämlich mit Entwicklung und Abzüge im Format 9 cm × 13 cm rund 40 DM – was teurer als die Kamera sein konnte – und selbst bei Abzügen im Format 6 cm × 9 cm immer noch über 30 DM.

Instamatic-Filme waren ungefähr gleich teuer.

Verlauf Ausgangslage Agfa und auch Kodak wollten vor allem möglichst viele Filme verkaufen und deswegen Leuten das Fotografieren nahebringen, denen es zu kompliziert erschien. Dies verlangte nach Lösungen für die folgenden drei Schwierigkeiten: Belichtungseinstellung Entfernungseinstellung Filmwechsel Den ersten Punkt hatte das Agfa Camerawerk München mit der Agfa Optima 1959 gelöst. Das zweite Problem ließ sich perfekt nur mit einem Autofokus begegnen, was der Stand der Technik jedoch erst in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre erlaubte. Der Behelf mit den drei Symbolen Porträt, Gruppe und Landschaft funktionierte aber akzeptabel. Eine Lösung für den dritten Punkt stand jedoch noch aus. Zwar konnte der Fotohändler den Film beim Kauf einlegen, wenn aber beispielsweise am Sonntagnachmittag das Fotografieren mit dem letzten Bild des Films eingestellt werden musste, stand dies einem maximalen Filmabsatz entgegen.

Kodak 1962 sprachen Vertreter von Agfa Leverkusen und dem Camerawerk München mit Kodak Stuttgart darüber, gemeinsam ein Schnellladesystem auf Basis der Karat-Patrone von Agfa zu entwickeln. Die Kodak-Hauptverwaltung in Rochester lehnte dies jedoch ab und stellte zur Photokina im März 1963 Instamatic vor. Der Vorstand von Agfa in Leverkusen beschloss wenige Tage nach der ersten Ankündigung von Instamatic wegen zu ungünstiger Konditionen keine Lizenz von Kodak zu nehmen. Vor allem lehnte man aber ab, um technologisch unabhängig zu bleiben. Da mehrere Patente die Instamatic-Kassette schützten, konnte Agfa nichts vergleichbares auf den Markt bringen.

Rapid-Club mini|Yashica Half Rapid 17 AGFA wollte das Rapid-System auf den Markt bringen und versuchte deswegen weltweit andere Kamerahersteller im sogenannten Rapid-ClubAGFA. Geschichte eines deutschen Weltunternehmens auf sein System einzuschwören, wobei die Mitglieder kostenlose Lizenzen erhielten. Es fanden sich insgesamt 27 europäische und japanische Hersteller, so dass im Herbst 1964 zahlreiche Rapid-Kameras erschienen. Die Pläne sahen vor, das Rapid zuerst vor allem in Westdeutschland und zudem in Europa einzuführen, hier befand man, dass die Entwicklungsanstalten der Mehrarbeit gewachsen waren. Den amerikanischen Markt wollte man erst erobern, wenn sich das System in Europa durchgesetzt hatte.Entwickelt und fixiert, Kapitel Niedergang des Kamerageschäfts

Rapid-Modell Um das einfache Filmeinlegen dem Kunden deutlich vor Augen zu führen, belieferte Agfa die Fotohändler mit der Demonstrationskamera Agfa Modell. Es war eine Iso-Rapid I mit Plexiglas-Rückwand, unter der das selbsttätige Einfädeln eines Demonstrationsfilms beobachtet werden konnte. Zudem verzichtete sie auf jedweden Blitzanschluss. Agfa lieferte die Kamera als Set in einer Kunststoff-Klappbox an die Händler. In der Box befanden sich neben dem Demonstrationsfilm noch Rapid-Beispielaufnahmen in Form von zwei Dias und einem Leporello mit Abzügen im Format 9 cm × 9 cm.

Erfolg Das Rapid-System blieb aus drei Gründen hinter Instamatic zurück: Der Werbeetat für Rapid betrug lediglich 10 Mio. DM gegenüber allein in Europa 50 Mio. DM für Instamatic.