mini|hochkant=1.8|St-Trinit, Gesamtansicht von Süden mini|hochkant|St-Trinit, Chorjoch mit Apsis von O
St-Trinit ist eine ehemalige Prioratskirche am Rande der kleinen französischen Gemeinde Saint-Trinit, auf dem Plateau-d’Albion, zwischen Sault und Revest-du-Bion im Département Vaucluse in der Région Provence-Alpes-Côte d’Azur. Die schlichte, stilreine romanische Kirche, steht auf einer weiten Lichtung, die im Mittelalter auf Veranlassung der Herrschaften der Familie d'Agoult und der Benediktiner der Abtei Saint-André de Villeneuve-lès-Avignon urbar gemacht wurde.Guy Barruol: S. 303
Die Kirche und das Dorf wurden in den ersten bekannten Dokumenten von 1082 und 1118 beide Sainte-Trinité genannt. Wann und weshalb der Name zu Saint-Trinit abgeändert wurde, darüber geben die Quellen keine Auskunft.
Geschichte St-Trinit erscheint 1082 zum ersten Mal in schriftlichen Quellen. In diesem Jahr schenkte der frühere simonistische Bischof von Gap, Ripert de Mévouillon, aus einer der mächtigsten Familien des Dauphiné stammend, der Abtei Cluny alle von seiner Mutter Percipia ererbten Ländereien in den “Bergen von Albion, in der Diözese Sisteron, nämlich die Ländereien von Labourette und von Vorze, die durch jene von Barret, von Ferrassières, von Sainte-Trintè, von Villesèche, von Pierousse, von Pétit und von Redortiers begrenzt waren” Labouret und Vorze bilden heute die Gemeinde Revest-du-Bion. Im Jahr 1118 bestätigte eine Bulle von Papst Gelasius II. den Besitz der “ecclesia Trinitatis cum ipsa villa”, “der Kirche und des Dorfes Sainte-Trinité”, der Abtei Saint-André de Villeneuve-lès-Avignon, die dieses Priorat bis zum Ende des 18. Jahrhunderts behielt. Somit dürfte wohl sicher sein, dass der Bau der heutigen Kirche von den Benediktinern des Mont Andaon veranlasst wurde, und zwar vor 1118. Anscheinend betreute sie nie mehr als nur ein Mönch, nämlich der Prior selbst. Über Lage und Ausdehnung der Konventsgebäude geben die Quellen keine Auskunft. Sie befanden sich aber vermutlich auf der Südseite der Kirche.
Die Fertigstellung des ältesten Teils der Kirche St-Trinit, das Chorjoch mit der Chorapsis, wird anhand von Vergleichen mit anderen romanischen Bauwerken in der Region auf das zweite Viertel, spätestens auf die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert, das Kirchenschiff in seinem frühesten zweijochigen Zustand erst einige Jahrzehnte später, in der zweiten Hälfte des gleichen Jahrhunderts.Guy Barruol: S. 327 Zwischen beiden Bauabschnitten ist innen und außen eine deutliche Trennfuge zurückgeblieben, die auf eine längere Unterbrechung der Bauarbeiten hindeutet.
Das Schiff trug einst ein sorgfältig gemauertes Tonnengewölbe, von dem an der Nordseite noch die ersten Schichten erhalten sind. Das Gewölbe stand auf Entlastungsbögen der Blendarkaden der Längswände und wurde von jochteilenden Gurtbögen unterstützt, die in Wandpfeiler übergingen. Seine Ansätze wurden durch Bandfriese markiert.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts, während der Hugenottenkriege, wurde die Kirche als Festung benutzt. Der unbefestigte Ort (villa) Saint-Trinit war damals marodierenden Horden unterworfen, die das Plateau von Albion durchstreiften. Man entschied sich 1580 wegen der „ständigen Überfälle der Häretiker von Montbrun und von La Gabelle“ die Kirche zu befestigen, damit sie den Einwohnern als Zuflucht dienen konnte. Bekannt ist davon die damalige Übertragung der Arbeiten an einen Maurer aus Sablet. Dieser hatte „in zehn Tagen am Dach des Kirchenschiffs eine hohe kräftige Brüstungsmauer anzubringen und zwei Schilderhäuschen…“. Diese Einrichtungen belasteten die betroffenen Gebäudeteile so übermäßig und sollten sich für sie einige Jahrzehnte später als unheilvoll erweisen.Guy Barruol: S. 305, 307
Noch vor der Mitte des 17. Jahrhunderts sind offensichtlich das Gewölbe und Teile der Nordwand eingestürzt.
Das heutige spitzbogige Tonnengewölbe ist eine vollständige Erneuerung aus dem Jahr 1652. Mit dem neuen Gewölbe wurden wohl auch die äußeren Strebepfeiler der Süd- und Nordwand erforderlich. Auf der Nordwand erstreckt sich die Verstrebung über die ganze Wandlänge des alten Schiffs.
Im selben Jahrhundert führte man auch große Teile der Südwand auf, besserte das Fenster auf der Südseite des östlichen Jochs aus und öffnete die Tür im westlichen Joch.
Die deutliche Schräglage der Südwand, die jüngeren Strebepfeiler und die Risse im Gewölbe des Chorjochs sind heute noch Zeugen für die Unbilden, denen das Baudenkmal damals ausgesetzt war.Guy Barruol: S. 308 Damals gab es in der ursprünglichen westlichen Giebelwand die Öffnungen eines zentralen Hauptportals und darüber eines Fensters. Letztere fielen mit dem späteren Anbau eines weiteren Jochs und dem Abbruch der ehemaligen Westwand im 18. oder 19. Jahrhundert weg.
Die Kirche wurde am 24. März 1915 als Monument historique unter Denkmalschutz gestellt.
St-Trinit wurde am Anfang der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts umfassend restauriert.
Bauwerk mini|hochkant=1.8
Abmessungen, zirka, aus Grundriss gemessen und hochgerechnet
Außen: Länge über alles: 21,70 m Länge romanischer Abschnitt: 17,60 m Länge × Breite Chorjoch: 6,80 × 7,70 m Länge × Breite Schiff: 11,90 × 7,70 m
Innen: Länge gesamt: Länge Schiff: 19,60 m Länge romanischer Abschnitt: 15,70 m Länge Schiff: 11,30 m Breite Schiff, ohne Pfeilervorlagen: 5,40 m Lange × Breite Chorjoch: 4,70 × 4,70 m Breite Öffnung in Aposis: 3,40 m Tiefe Chorapsis: 2,40 m
mini|hochkant|St-Trinit, Schiff aus Joch 1 zum Chor Inneres
Das Kirchenschiff besteht im Osten aus zwei romanischen Jochen 2 und 3 und im Süden aus einem in der Moderne nachträglich angebauten Joch 1, das etwa die gleiche Formgebung und Dimensionierung aufweist, wie die der romanischen Joche, ist allerdings geringfügig länger. Alle Joche werden heute überdeckt von angespitzten Tonnengewölben, die im Scheitel etwas höher sind als die der ursprünglichen Tonnen.
Die Joche werden unterteilt von im Querschnitt rechtwinkligen angespitzten Gurtbögen, die auf Wandpfeilern mit nahezu gleichem Querschnitt stehen. In den romanischen Jochen werden die Gewölbe und Bogenansätze von einem Kraggesims markiert, mit dem Querschnitt aus einem quadratischen Stab, der auf einem viertelrunden Stab aufliegt. Im modernen Joch übernimmt das ein Kragprofil, dessen Sichtkante abwärts zur Wand hin abgeschrägt und mehrfach profiliert ist. Im romanischen Teil werden die Wandpfeiler oben von schlichten kapitellartigen Steinen bekrönt, deren glatte Sichtseiten nach unten etwas konisch zulaufen. Im westlichen Joch kragen die kapitellartigen Steine einfach aus. Die Kraggesimse werden um diese „Kapitelle“ herumgeführt.
In die Seitenwände aller Joche sind große, rundbogige Blendarkadennischen eingelassen, deren Scheitel etwa einen halben Meter unter den Kraggesimsen bleiben. Ihre Tiefe entspricht etwa der Ausladung der Wandpfeiler. Ihre Bogenansätze sind mit Kämpferprofilen markiert. In der Westwand ist eine rundbogige Arkadennische eingetieft, deren Bogenansätze in Höhe der Kraggesimse liegen und mit Kämpferprofilen markiert sind. Damit bleibt der Rundbogenscheitel deutlich unter dem des angespitzten Schildbogen des Gewölbes. mini|hochkant|St-Trinit, Schiff aus Chorjoch Das Schiff wird über drei Fenster natürlich belichtet. Ein kleines, schlankes, rundbogiges Fenster ist in der Südwand des Jochs 3 ausgespart und reicht knapp bis unter den Scheitel der Blendarkade. Seine Gewände sind nach innen aufgeweitet. In der Südwand des Jochs 2 ist die Öffnung des zweiflügeligen Hauptportals ausgespart, durch das die gläubigen Laien Einlass fanden. Die äußeren, schmaleren Leibungen umgeben eine rundbogige Öffnung, die inneren, deutlich breiteren umgeben eine breitere und höhere segmentbogige Öffnung. In der Achse der Westwand des Jochs 1 ist hoch oben ein großes Fenster mit einem flachen Segmentbogen und nach innen aufgeweiteten Gewänden ausgespart. Sein Scheitel reicht nicht ganz bis unter den Scheitel der Blendarkade. Ein gutes Stück darunter, fast in Sichthöhe, befindet sich ein kleineres Fenster mit scharfkantigen Laibungen und einem Segmentbogen.
Ein nur schwach angespitzter Triumphbogen trennt das Schiff vom Chorjoch. Seine Bogenansätze liegen etwa einen halben Meter unter dem Kraggesims des Schiffs, so dass vom Bogenfeld unter dem Schildbogen noch ein gutes Stück erhalten bleibt. Die Bogenansätze werden nur auf den Laibungsseiten mit klassischen Kämpferprofilen markiert.
Das im Grundriss quadratische Chorjoch, der besterhaltene Teil des Kirchengebäudes, wird von einem Klostergewölbe überdeckt, das auf vier weit auskragenden geraden Kranzgesimsen aufsteht, deren Höhenlage sich kurz über dem Scheitel des Triumphbogens befindet. Die chorseitige Kante dieses Bogens ist mehrfach abgestuft profiliert. Auf den anderen drei Seiten des Chorjochs sind auf den Wänden angespitzte, scharfkantige Blendbögen angeordnet, in gleicher Höhenlage und Form wie der Triumphbogen, die in den Raumecken spitz zulaufen und auf skulptierten Kapitellen aufstehen. Der chorseitige Blendbogen besitzt im Scheitel einen schlanken Schlussstein, der über die Ober- und Unterseiten der benachbarten Keilsteine hinausragt. mini|hochkant|St-Trinit, Chorjoch, Klostergewölbe In der Südwand des Chorjochs ist nahe der südwestlichen Raumecke ein rechteckiges Portal ausgespart, das allein als Zugang für den Prior oder geistliche Gäste diente. Die innere Laibung umschließt eine etwas größere Öffnung als die äußere. Zwei in der Südwand ausgesparte rundbogige Fensteröffnungen belichten das Chorjoch. Das obere, kleinere und schlankere besitzt nach innen aufgeweitete Gewände, öffnet sich in der Wandachse und wird von einer deutlich größeren Blendarkade umschlossen. Deren scharfkantiger, oberflächenbündiger, leicht profilierter und halbrunder Keilsteinbogen reicht mit seinem äußeren Scheitel fast bis unter die große Blendarkade. Dieser steht in breiten Wandrückversätzen frei auf Säulchen, die mit skulptierten Kapitellen, profilierten Kämpfern, Basen und kantigen Plinthen ausgerüstet sind. Diese liegen auf Wandsockeln, die die steil abgeschrägte Fensterbank flankieren. Ein Stück darunter und etwas nach Osten aus der Wandachse versetzt befindet sich die zweite Fensteröffnung, die deutlich größer ist als die erste, deren Gewände leicht nach innen aufgeweitet sind.
Das Chorjoch öffnet sich in die Chorapsis mit einer doppelten, rundbogigen, scharfkantigen Arkade, mit einem kräftigen umlaufenden Wandrückversatz. Die Keilsteine der äußeren Bogen berühren gerade die Kapitelle unter den angespitzten Blendarkadenbögen. So entsteht etwa wie beim Triumphbogen ein sichelförmiges Bogenfeld und zwar oberflächenbündig mit dem äußeren Arkadenbogen. Die Bogenansätze sind auf den Laibungen der Arkaden durch Kämpferprofile markiert. Die innere Arkade besteht aus rechteckigen Wandpfeilern und entsprechendem Bogen. Dahinter beginnt die Chorapsis mit dem Grundriss in Form eines halben Zehnecks, die von einer Kalotte in Form einer halben Kuppel überdeckt wird, mit dem Grundriss eines Halbkreises, auf der Höhe der Kämpferprofile der Eingangsarkade. Die Kalotte ruht auf einer gering auftragenden Arkatur aus fünf schmalen, halbrunden Blendbögen, die auf vier scharfkantigen Pilastern stehen die bis zum Boden reichen und zwar genau axial vor den Kanten des halben Zehnecks. Die beiden äußeren Bögen stoßen gegen die innere Eingangsarkade. Die Pilaster werden jeweils von einem leicht vortretenden pflanzlich skulptierten Kapitell bekrönt. mini|hochkant|St-Trinit, Werkstein mit Monogramm mini|hochkant|St-Trinit, Steinmetzsignatur Die Chorapsis, gleichzeitig Altarraum, wird erhellt von einem schlanken, rundbogigen Fenster, das sich in der zentralen Arkade öffnet, dessen Gewände nach innen aufgeweitet ist, mit einer steil abgeschrägten Fensterbank. Die inneren Gewändekanten der Fensteröffnung füllen fast die obere Hälfte der Arkade.