mini|hochkant|Maria Slavona: Lübecker Gang Die Gänge und Höfe in Lübeck (besonders dicht erhalten im Norden an den Straßen Engelswisch, Engelsgrube und Glockengießerstraße sowie im Süden rund um den Lübecker Dom, aber auch sonst im Gebiet der Innenstadt, mit Ausnahme der kriegszerstörten Bereiche) sind ein Überrest aus dem mittelalterlichen Städtebau. Die Höfe beruhen häufig auf Stiftungen wohlhabender Lübecker Bürger. Hinter den giebelseitigen Straßenhäusern wurden damals die so genannten „Buden“ errichtet, meist zweistöckige Gebäude mit einem Grundriss mit wenig mehr als einem Zimmer. Die Buden in den Gängen waren oft Wohnräume der Beschäftigten des Gewerbes, das im Straßenhaus ausgeübt wurde.

Die Gänge und Höfe sind fast immer durch einen Durchgang im Straßenhaus zu erreichen. Einer von Lübeckschen Fremdenführern gerne erzählten Legende nach musste lediglich die Grundvoraussetzung erfüllt sein, dass ein Sarg hindurchgetragen werden konnte.Jörg Niendorf: Ortsmarke (8): Lübecker Gänge Im Schatten der Fassaden. In: FAZ.NET. 30. August 2010. (Abgerufen am 4. März 2015) Gänge sind lediglich schmale Durchgänge, die heutzutage nur noch gelegentlich die andere Straßenseite des Quartiers erreichen, Höfe weiten sich dagegen meist um einen zentralen Platz, der heutzutage einen Baum, ein Spielgerät oder gelegentlich eine Laube enthält.

Die meisten der Gänge und Höfe in Lübeck sind frei zugänglich, manche sind in den Nachtstunden mit einem Tor oder einer Tür verschlossen.

Gang oder Hof Adresse Vorderhaus (Zugang) Zugänglichkeit Lage Anmerkung Abbildung Adlergang Große Gröpelgrube 45 nachts geschlossen Das Haus Große Gröpelgrube 43 war bis 1868 ein Wirtshaus mit dem Namen „Der Adler“. Dies Bezeichnung hat sich auf den Gang übertragen. Der Gang hat eine Verbindung zum Nagels Gang und über eine verschlossene Gartenpforte zum Gemeinschafts-Gang. Außerdem gibt es eine Verbindung zum Vereinigungs-Gang. Seit 1441 lässt sich der Gang nachweisen, 1582 als Marieken Gang und ab 1611 nach dem Eigentümer Hans Möller als Möllers Gang. 60px Albrechts Gang Dr.-Julius-Leber-Straße geschlossen Alter Posthof St.-Annen-Straße 14 Der geräumige Hof diente von 1737 bis 1783 als Abstellplatz für die Wagen der im Vorderhaus etablierten Hannoverschen Post, die dem Hof seinen heute gültigen Namen gab. Zwischen 1500 und 1563 trug der Hof den Namen Cismarscher Hof, da das Fronthaus zusammen mit den Grundstücken der Nr. 10 bis Nr. 16 als Stadthof des Klosters Cismar diente. 60px 60px

60px

60px Bäcker-Gang Engelsgrube 43 offen Mündet an seinem hinteren Ende in den Lüngreens Gang. Vom Anfang des 14. Jh.s Rovereshagen nach den Brüdern Rovere, 1409 fälschlich als Oberer Rolofshagen bezeichnet. 1630, da im Vorderhaus Bäcker ihr Handwerk betrieben, Bäcker Gang. 1707 nach dem Bäcker Detlev Gloy Gloys-Gang und 1732 nach dem Gangeigentümer Martin Nikolaus Thomsen Thomsen Gang. Seit 1812 wieder Bäcker Gang. 60px 60px Bäcker-Gang Glockengießerstraße 38 nachts geschlossen Der Gang gehörte ursprünglich zu dem Freibackhaus Glockengießerstraße 42 60px Balhorns Gang Hundestraße 19 seit 2010 geschlossen 1554 erwarb Johann Balhorn das Grundstück und legte den Gang an. Dieser ist 1616 erstmals als Balhorns Gang im Oberstadtbuch erwähnt worden. Sein Sohn, Johann Balhorn der Jüngere (auch Ballhorn), war ebenfalls Buchdrucker und übernahm die Druckerei. Noch heute spricht man auf ihn zurückgehend vom „verballhornen“ oder „balhornisieren“, wenn man eine entstellende Textänderung meint. Seit 1787 war es der Spinnrademacher Gang, da ein solcher sich hier etabliert hatte. Da es einen solchen Gang schon in der Engelsgrube gab wurde der hiesige 1811 wieder rückbenannt. 60px 60px

60px

60px Behrends Hof Stavenstraße offen Beim Neubau der Vereinsstraße erfolgte ein Durchbruch zum Behrends Hof. 60px Bierspündergang Ellerbrook 6 1942 vollständig zerstört; an seiner Stelle befindet sich heute die Bierspünderstraße 60px Blohms Gang An der Obertrave 50 ↔ Effengrube 20 erhielt seinen Namen entweder nach dem 1602 dort lebenden Hans Blohme oder war einst ein Blomengang (Blumengang) 60px Blumenhof Treppenviertel zwischen Burgtor und Untertrave Hansemuseum Treppe mit Blumenhof um 1870 60px Brandes Hof Mühlenstraße 79 offen Hof ist zwar offen, jedoch ist der Aufenthalt für Unbefugte nicht gestattet. alternativtext=Brandes Hof|links|90x90px Branntweinbrenner Gang Engelsgrube Die Nr. 59 wurde in den 1880er Jahren von dem Branntweinbrenner Lankau bewohnt. Dieser gab dem Gang zwar nicht den Namen, da seit 1760 Branntweinbrenner dessen Haus jedoch bewohnten, wurde diese Bezeichnung amtlich festgesetzt. Auf dem Schild über dem Eingang befindet sich noch die alte Straßennummerierung mit „No. 504“. 60px 60px Brigitten Hof Wahmstraße 76 Ehemalige Niederlassung des Brigittenklosters Marienwohld bei Mölln von 1480, seit Ende 16. Jh. als Witwenstift weitergeführt. Winkelförmige Hofbebauung seit 1828. Vorderhaus 1942 zerstört und 1976/77 neu erbaut. Klaus Grabowski war ein Bewohner des neuen Vorderhauses vom Brigitten Hof. 60px Bruskow’s Hof Wahmstraße Nr. 49 geschlossen Benannt wurde er nach Johann Bruskow, der 1510 die Armenstiftung gründete, und 1371 erstmals als Gang bezeichnet. Das Grundstück wurde 1299 erstmals erwähnt und hieß von 1341-1598 De nackende Hof (nakent=ndt. armselig). Seit 1384 im Besitz der Familie Bruskow ist seit 1580 der durch Renaissancebebauung geprägte Armengang und „Bruskows Hof“ oder „Bruskows Gang“ genannt. Mitte des 17. Jh.s wurde er zeitweilig auch „Möllers Gang“, nach Bürgermeister Laurentius Moller (Vorsteher der Stiftung) genannt. Über dem Durchgang befinden sich die drei Familienwappen Lunte, Bruskow und Warmboeke unter einem Kruzifix. 60px 60px

60px Carstens Hof Aegidienstraße 25 60px Derliens Gang Mühlenstraße 43 60px Donats-Gang An der Obertrave 40 wurde 1442 erstmals erwähnt 60px Dorne's Hof Schlumacherstraße 15–23 Hermann Evinghusen und Johann Berskamp errichteten den heute ältesten Stiftshof Lübecks 1458 als mildtätige Stiftung. Dessen Bezeichnung leitet sich jedoch von der Familie Dorne ab. Sie führte lange Zeit die Verwaltung und vermehrte das Stiftungskapital. 1300 erstmals erwähnt und 1318 bebaut. Unter Beibehaltung der Stilelemente der Gotik erhielt es 1652 seine prägende Bebauung. Die ursprünglich zugehörigen Hofflügel wurden 1877 und 1956 abgebrochen. 1974/75 wurde der Durchbau zur Schaffung von Altenwohnungen errichtet. Er geht von der Nummer 19 ab. 60px 60px

60px Dreitonnengang Marlesgrube 37 abgängig 60px Dunkelgrüner Gang Engelswisch 20 hat seinen Namen wie der anschließende Hellgrüne Gang wegen der lichteren Bebauung bei der Entstehung auf dem Weideland erhalten 60px Durchgang Marlesgrube 56 ↔ Depenau 45 Jacobus de Store baute 1306 die ersten Buden des von der Marlesgrube abgehenden in die Depenau mündenden Ganges. Dieser Wohngang ist eines der wenigen Beispiele, bei dem aus einem Gang im Laufe der Zeit eine kleine Durchgangsstraße geworden ist, welche auch seit 1562 als „dorganden Hagen“ im Oberstadtbuch verzeichnet. Eigentümer von der Nummer 1 war die Familie Meyer mit der Tochter Gertrud. Herbert Frahm (Pseudonym: Willy Brandt) lebte von 1931 bis 1933 auch in jenem Haus. 60px 60px

60px

60px Durchgang Wahmstraße 46 ↔ Aegidienstraße 47 1356 erste Erwähnung einer Bude hinten im Hofe des Grundstückes Wahmstraße. Mitte des 15. Jh.s wurde er als Grawerts Hagen, 1562 De durchgande Hagen bezeichnet.Der heutige Name entstand, weil das Grundstück „durchging“ und von der Wahmstraße bis zur Aegidienstraße reichte. Im Volksmund wird/wurde er auch, da er nur einen Eingang (Aegidienstraße), aber zwei Ausgänge (Wahmstraße) hat, Die Unterhose genannt. Es gibt auch die Bezeichnung Sozialer Schnellweg. Mit dem Durchgang war eine schnelle Verbindung zu den Amtsräumen der Sozialverwaltung, die früher in der St.-Annen-Straße ihren Sitz hatte, gegeben. 60px 60px

60px

60px

60px

60px Füchtingshof Glockengießerstraße 25 Benannt nach Johann Füchting, das Innere des Füchtingshofs diente Friedrich Wilhelm Murnau für seinen Film Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens bei seinen Lübecker Außenaufnahmen in zwei Szenen als Kulisse. 60px60px Fünfbudengang Kleine Gröpelgrube 18 Garbereiter Gang Engelsgrube 77 Benannt nach dem alten Handwerk „Garbereiter“, einem Nebengewerbe des Fleischerhandwerks. Die Brüher, Sulzer, Garbereiter oder Garbrater waren Vorläufer des Gastronomen und des Feinkosthandels. Sie brieten und kochten ausgesucht gute Fleischstücke und verkauften andere Delikatessen. 60px 60px

60px Gemeinschaftsgang Große Gröpelgrube 37 nachts geschlossen 60px Glandorps Gang Glockengießerstraße 41–43 geschlossen 1612 von Johann Glandorp zusammen mit dem benachbarten Hof als Armengang gestiftet. Das Vorderhaus wurde 1887 erneuert und das um 1640 entstandene Stifterwappen in den Neubau übernommen. Der langgestreckte Gang einseitig mit eingeschoßigen Buden, die sich an die Gebäude des Hofes lehnen, bebaut. 1975/77 im Inneren modernisiert. 60px Glandorps Hof Glockengießerstraße 45–53 offen 1612 gestiftet von Johann Glandorp. Ältester der größeren Stiftungshöfe der Stadt. Vorderhaus aus der Gründungszeit als langes Traufenhaus mit getreppten Zwerchgiebeln ausgebildet. Stiftungsinschrift und -wappen über dem Durchgang. Traufenhausflügel im Hof mit Wappen von 1609, 1872–84 teilweise erneuert. 1975/77 zu Wohnzwecken durchgebaut. 60px Glockengiesser Hof Engelsgrube 65 geschlossen 60px Graths Gang Glockengießerstraße 70 geschlossen 60px Grüner Gang Fischergrube 44 geschlossen Der Name Grüner Gang bezieht sich wohl auf die alte Bezeichnung Grüner Hagen, die sich eingebürgert hatte, nachdem die Ehefrau Heike des Goldschmieds Claus Vogeler zu Beginn des 16. Jh.s die ehemals wüste Stätte in eine grüne Oase verwandelt hatte. Die Bezeichnung „Holdaförstraße“, Umbenennung erfolgte 1779, wurde dem Gang vom Volksmund gegeben, da man mit dem Wagen nicht hineinfahren konnte (Hol daför=Halt davor). 60px 60px

60px Grützmacher-Hof Effengrube 14 offen Verbindung zu Krusses Hof und Rademacher Gang (beide Hartengrube) sowie Stüwes Gang (An der Obertrave) alternativtext=Grützmacher-Hof|links|60x60px Haasenhof Dr.-Julius-Leber-Straße 37/39 60px Haudels Gang Schlumacherstraße 35 Johann Friedrich Haudel erwarb den Gang 1801 und verkaufte ihn 1810 an den Brauer Johann Diedrich Freydank weiter.Der Gang wurde 1593 erstmals mit drei Buden erwähnt und ab 1811 als Haudels-Gang benannt. 60px 60px Hellgrüner Gang Engelswisch 28 nachts geschlossen hat seinen Namen wie der anschließende Dunkelgrüne Gang wegen der engeren Bebauung bei der Entstehung auf dem Weideland erhalten 60px Hertzigs Gang Marlesgrube 17 60px Heynaths Gang Hartengrube 44 offen Verb. zu Kalands Gang (Hartengrube) 60px Höppners Gang Petersilienstraße 10offen Seinen Namen verdankt der Gang dem Bäcker und späteren Brauer Johann Hinrich Albrecht Höppner aus der Großen Burgstraße, der im Adressbuch von 1798 eingetragen und Eigentümer der Gangbuden war. 60px 60px Ilhornstift Glockengießerstraße 39 Im Reinfeld An der Obertrave 20 Hier hatte das Zisterzienserkloster Reinfeld seinen Stadthof. Später wurde an der Stelle seines Hofes ein Gang mit elf Buden, von denen sechs erhalten sind, errichtet. 60px Kalands Gang Hartengrube 52 1431 war das Grundstück mit dem „Wide Hagen“ verbunden und gehörte Hinrich Bumer. 1464 wurde es erstmals grundbuchlich erwähnt. 1575 wurde der Gang einschließlich der zwölf vorhandenen Buden vom Rat der Stadt dem St. Clemens Kaland überschrieben. Der Gang wurde in „Kalands Gang“ umbenannt. Kalande waren Vereinigungen von Geistlichen die in Form von Selbsthilfeorganisationen für das angemessene Leichenbegräbnis ihrer Brüder sorgten. In Lübeck gab es sechs dieser Kalande, deren Bezeichnung auf Kalendae (lat.) zurückgeht. Ursprünglich fand jeden ersten Tag jedes Monats eine Versammlung mit gemeinsamem Gottesdienst statt. Der St. Clemens Kaland war in dieser Gegend begütert. 60px 60px