mini|hochkant=1.3|Fußgängerübergang mit „Zebrastreifen“

Der Fußgängerübergang (in Deutschland Fußgängerüberweg, in Österreich Schutzweg, in der Schweiz Fussgängerstreifen) ist eine Querungsanlage auf Straßen für Fußgänger und Rollstuhlfahrer. Ein Fußgängerüberweg ist neben dem Hinweis mit entsprechender Beschilderung oder Ampeln durch breite Linien auf der Fahrbahn gekennzeichnet, die ebenfalls als Verkehrszeichen dienen.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die Fahrbahnmarkierung für Fußgängerüberwege umgangssprachlich als „Zebrastreifen“ bezeichnet. Diese Bezeichnung entstand im April 1954, als das Hamburger Abendblatt aufgrund zahlreicher Unfälle an Fußgängerüberwegen die sogenannte „Aktion ZEBRA“ ins Leben rief. Der Begriff ZEBRA steht dabei als Akronym (Kurzwort) für Zeichen eines besonders rücksichtsvollen Autofahrers. Zu jener Zeit standen Polizisten an Fußgängerüberwegen und hielten die Kennzeichen von vorbildlichen Autofahrern fest, die an diesen Markierungen anhielten. Die Namen dieser Personen wurden anschließend im Hamburger Abendblatt veröffentlicht, und sie erhielten eine Plakette mit einem Zebra-Motiv für ihre Windschutzscheibe.

Durch die intensive mediale Bewerbung dieser Kampagne – unter anderem mit dem Einsatz des Begriffs ZEBRA – etablierte sich der Ausdruck „Zebrastreifen“ schnell im gesamten deutschsprachigen Raum.

Der Fußgängerüberweg ist immer ebenerdig, im Gegensatz zur Fußgängerüberführung oder -unterführung.

Da zwischen Gehsteig und Fahrbahn meist ein Niveauunterschied besteht, wird die Bordsteinkante an Überwegen in der Regel abgesenkt, um ein leichteres Überqueren mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Handkarren zu ermöglichen.

Geschichte mini|Straße im römischen Pompeji 79 n. Chr. mit erhöhten Trittsteinen mini|Erster deutscher „Fußgängerschutzweg“ (Berlin 1952)

Als Vorgänger der Zebrastreifen gelten die Fußgängerfurten in Form von auf den Fuhrwerk-Fahrbahnen verteilten Trittsteinen im Straßennetz des Römischen Reiches.Rolf Geifes: Vor 60 Jahren wurden die ersten Fußgängerüberwege auf Deutschlands Straßen gemalt: badische-zeitung.de, Nachrichten, Panorama, 7. Juli 2012 (13. Juli 2012) Sie ermöglichten den Fußgängern eine sicherere Querung der Straße, da Wagenführer zur erhöhten Aufmerksamkeit gezwungen wurden.

Im 19. Jahrhundert nahm in den großen Städten der Verkehr stark zu. Die Fußgänger konkurrierten hier mit den von Pferden gezogenen Wagen, Droschken, Kutschen und Bussen. In England kamen auf eine Million Einwohner 50–60 Verkehrstote pro Jahr. Das aus dem Mittelalter stammende Gesetz der Deodands legte in vielen Ländern den rechtlichen Umgang bei tödlichen Unfällen fest: Das Eigentum des Verursachers, z. B. Tiere oder Wagen, die einen Unfall verursacht hatten, wurde „nach göttlichem Gesetz“ vom Staat eingezogen. Das britische Parlament ersetzte es durch den Fatal Accidents Act 1846, der die Entschädigung bei Eisenbahnunfällen nun explizit regelte. 1911 schrieb ein entrüsteter Leser an die Londoner Times:

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm in den westlichen Städten der Automobilverkehr stark zu. Fußgängern gelang es oft nur mit Risiken, eine belebte Straße zu überqueren. Die Britische Regierung nahm sich dieses Problems an, ließ 1948 an Verkehrskreuzungen in London Straßenmarkierungen in Form von zwei parallelen punktierten Linien anbringen und veröffentlichte Schulungsfilme zum sicheren Überqueren stark befahrener Straßen.In dem Film Pedestrian Crossing (Regie: Michael Law [1919–2001]) versucht ein Mann mehrmals vergeblich eine Straße zu überqueren, bis er den punktierten Vorgänger des Zebrastreifens benutzt und mit Blicken mit den Autofahrern kommuniziert.

Der Zebrastreifen taucht in internationalen Vereinbarungen erstmals in dem am 19. September 1949 in Genf unterzeichneten Protokoll über Straßenverkehrszeichen auf. Die Konferenz der Vereinten Nationen über Straßen- und Automobilverkehr fand in der Zeit vom 23. August bis zum 19. September 1949 statt und endete mit der Unterzeichnung eines Abkommens über den Straßenverkehr und eines Protokolls über Straßenverkehrszeichen. Gleichzeitig wurde das Abkommen über die Vereinheitlichung der Wegezeichen vom 30. März 1931 aufgehoben. Diese internationalen Abkommen mussten allerdings noch von den nationalen Parlamenten ratifiziert werden.

Der Zebrastreifen wurde 1951 in Großbritannien gesetzlich verankert, allerdings gab es erste Vorläufer auch schon 1949. Bereits 1947 hat sich der spätere Premierminister Leonard James Callaghan, der auch die sogenannten Katzenaugen förderte, für die Zebrastreifen (zebra crossing) eingesetzt.

In Deutschland wurde der vermutlich erste Zebrastreifen im (oder vor dem) März 1952 in Ost-Berlin angelegt (dort allerdings in Form zweier quer zur Fahrbahn verlaufender Streifen, siehe auch Abschnitt Alternativen), gefolgt von zwölf Zebrastreifen in München (8. Juli 1952). In die westdeutsche Straßenverkehrsordnung wurde der Fußgängerüberweg, der zunächst noch als „Dickstrichkette“ bezeichnet wurde,Rudolf Huber: Die Dickstrichkette zum Fußgängerschutz, abgerufen am 21. April 2023. zum 24. August 1953 aufgenommen. Der Vorrang für Fußgänger auf Zebrastreifen wurde erst zum 1. Juni 1964 eingeführt. Danach wurden allerdings viele Fußgängerüberwege beseitigt, um den Verkehrsfluß aufrechtzuerhalten, wie es in einem Fachartikel von 1967 hieß.

Bis 1994 musste in der Schweiz ein Fußgänger gemäß VRV mit Handzeichen auf seine Absicht, die Straße zu queren, aufmerksam machen, wenn er sein Recht auf Vortritt beanspruchen wollte. Seither gilt, wie in umliegenden Ländern, dass der Fußgänger auch ohne entsprechendes Handzeichen stets Vortritt hat. Das Nichtgewähren des Vortritts an Fussgängerstreifen wird seit 2006 mit 140 Franken gebüsst.admin.ch

mini|Fußgänger­überweg mit Leucht­markierungs­knöpfen

Am 31. August 2007 wurde im baden-württembergischen Deizisau der erste Zebrastreifen Deutschlands mit unterstützenden Markierungsleuchtknöpfen (MLK) in Betrieb genommen, einen Monat später jedoch wieder abgeschaltet. Dabei handelt es sich um oberflächenbündige LED-Leuchten, die vor der Zebrastreifenmarkierung in die Fahrbahn eingelassen werden und über ein Sensorsystem zu blinken beginnen, sobald ein Fußgänger auf den Zebrastreifen zugeht. Damit soll die Aufmerksamkeit und Anhaltebereitschaft der Autofahrer an besonders gefährlichen Fußgängerüberwegen erhöht werden.

Ein ähnliches Absicherungssystem ist in Österreich bereits länger in Gebrauch. In der Schweiz können Reflektoren eingesetzt werden.

Erwähnenswert ist noch die Form mit einer Lichtzeichenanlage, die pelican crossing (pedestrian light controlled) genannt wird. In Deutschland ist im Gegensatz zur Schweiz oder Österreich eine Kombination von Zebrastreifen und Ampel nicht zulässig, dort werden stattdessen Fußgängerfurten eingerichtet.

Kritik, Alternativen Gesetze und Verwaltungsvorschriften richten sich heute zunehmend nach der Wahrnehmung durch Fußgänger und Fahrbahnbenutzer. Dies schließt ein, dass ein Zebrastreifen nicht überall sinnvoll ist, wo er nach der Rechtslage eingerichtet werden könnte. Beispielsweise verweist die Stadt Nürnberg darauf, dass der Rechtsanspruch für Fußgänger auf Vorrang in der Praxis oft dazu führe, dass diese nicht mehr im erforderlichen Umfang auf den Straßenverkehr achten. Die Sicherheit erhöhe sich dadurch nur scheinbar.Sicher zu Fuß im Onlineangebot der Stadt Nürnberg

Optisch dreidimensionale Querstreifen Unter anderem in Großbritannien, Indien, Island sowie den USA, in Deutschland in Braunschweig und Grevenbroich werden oder wurden Zebrastreifen versuchsweise dreidimensional wirkend gestaltet, um die Barrierewirkung für heranfahrende Fahrzeuge zu erhöhen.

mini|Fußgänger­überweg in Bilbao.

Rutschgefahr für Zweiräder An regnerischen Tagen besteht auf den weißen Streifen der Fußgängerüberwege erhöhte Rutschgefahr, insbesondere für Motorradfahrer. Um deren Sicherheit zu erhöhen, werden in der baskischen Stadt Bilbao (mit häufigem Nebel) je ein mittiger Streifen pro Fahrspur weggelassen und stattdessen nur Begrenzungen am Anfang und Ende markiert.

Streifen quer zur Fahrbahn Im Jahr 2008 wurden bei einem Kunstprojekt des Architekten Michael Iking im Hamburger Stadtteil Bramfeld Zebrastreifen quer zur Straßenfahrbahn markiert, um den motorisierten Verkehr mittels der optischen Barrierewirkung zu verlangsamen. auf: michaeliking.eu, 4. Mai 2012. Auch ein Zürcher Architekturprofessor macht sich für die entsprechende grundsätzliche Neugestaltung der Querungshilfen stark:

Damit ließe sich auch die im Mai 2006 vom Fachausschuss Radverkehr des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) aufgestellte Forderung nach parallel zu Fußgängerüberwegen gesondert anzulegenden Radwegequerungshilfen (4. Mai 2012; PDF; 877 kB) einfacher verwirklichen.

Zwischenräume in Regenbogenfarben mini|Regenbogen-Zebrastreifen im steirischen Leoben In den 2020er Jahren kam vereinzelt die Gestaltung der Zwischenräume von Zebrastreifen in Regenbogenfarben auf, unter anderem in Freistadt, Wien und Leoben, sowie auf dem Werksgelände des Stahlkonzerns voestalpine. Durch die Ähnlichkeit zur Regenbogenfahne dient eine derartige Einfärbung nicht nur der Ästhetik, sondern auch als öffentlich kommuniziertes Zeichen von Toleranz und Diversität.

Kritisiert werden diese sogenannte Regenbogen-Zebrastreifen, da sie vom gewohnten Erscheinungsbild abweichen und dadurch angeblich die Fußgängersicherheit gefährden sollen. Außerdem sind so gestaltete Fußgängerübergänge mitunter Zielscheibe von homophob bzw. intolerant motiviertem Vandalismus.

Schmid Peoplemover Die Firma Emil Schmid-Maschinenbau in Sonnenbühl entwickelte einen „mechanischen Straßenüberquerer“, den Schmid Peoplemover. Hierbei handelt es sich um eine kleine, in und zwischen zwei Aufzugstürmen verkehrende Transportkabine für bis zu acht Benutzer. Im Juli 2001 nahm die baden-württembergische Kleinstadt Pfullingen eine entsprechende Anlage als Querungsmöglichkeit über die dort verlaufende Bundesstraße 312 in Betrieb, 2009 wurde sie aus wirtschaftlichen Gründen wieder außer Betrieb genommen.tagblatt.de, 27. Mai 2009: Pause für den Peoplemover

Umgang mit dem Zebrastreifen Die Akzeptanz von Zebrastreifen durch die Verkehrsteilnehmer spiegelt sich in dem für Straßenverkehrsdelikte ausgesprochenen Strafmaß im Laufe der Zeit. Das Wort „Zebra Crossing“ taucht in der Londoner Times erstmals 1951 im Zusammenhang mit dem Tod einer Frau auf, die auf dem Zebrastreifen die Straße überquerte, kurz vor Erreichen der anderen Straßenseite stehenblieb und von einem Auto überfahren wurde. Der Fahrer bekannte sich schuldig und wurde wegen Fahrlässigkeit zu £ 20 und wegen Missachtung der Fußgängerpriorität zu £ 2 Geldstrafe verurteilt.The Times: Woman Killed on Zebra Crossing. 22. Dezember 1951, S. 2. „Pedestrian Crossing“, die direkte Übersetzung von Fußgängerüberweg, taucht in der Zeitung erstmals 1913 im Zusammenhang mit Straßenbahnen auf.The Times, 2. September 1913, S. 11.

Die mit dem Zebrastreifen angestrebte Erhöhung der Sicherheit des Fußgängers beim Überqueren der Straße verkehrt sich häufig ins Gegenteil, wenn irreguläres Verhalten Platz greift.Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (Hrsg.): Alles, wo’s hingehört. Düsseldorf 1997.

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Literatur Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (Hrsg.): Alles, wo’s hingehört. Tagungsdokumentation. Düsseldorf 1996. Maria Limbourg: Kinder im Straßenverkehr. Münster 1994. Siegbert A. Warwitz: Verführer am Zebrastreifen. In: Ders.: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen – Spielen – Denken – Handeln. 6. Auflage. Schneider Hohengehren, Baltmannsweiler 2009, ISBN 978-3-8340-0563-2, S. 257–272.

Weblinks

Wissenswertes zum Thema Fußgängerüberwege (PDF, 648 KiB) (D:) StVO-VwV zu § 26 und R-FGÜ 2001 Querungsstellen mit Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen)

Einzelnachweise

Kategorie:Verkehrsbauwerk (Fußverkehr)