Goethe! ist ein deutscher Spielfilm des Regisseurs Philipp Stölzl aus dem Jahr 2010. Die Produktion basiert auf einem gemeinsamen Drehbuch Stölzls und der Autoren Alexander Dydyna und Christoph Müller und berichtet vom Sommer 1772, in dem sich der damals noch junge Johann Wolfgang Goethe in Charlotte Buff verliebte – eine Episode seines Lebens, die er anschließend zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers verarbeitete. Die Titelrolle übernahm Alexander Fehling. Lotte Buff wurde mit Miriam Stein und Kestner mit Moritz Bleibtreu besetzt.
Das Liebesdrama wurde von Senator Film und Deutschfilm produziert und zwischen August und Oktober 2009 vorwiegend in Ostdeutschland und Tschechien gedreht. Bis Ende 2011 erreichte Goethe! in Deutschland über 740.000 Kinobesucher.
Handlung In Straßburg fällt der Jura-Student Johann Goethe durch das Staatsexamen. In den Schnee des Campus schreibt er die Worte: Lecket mich! Goethe wird von seinem Vater in Straßburg besucht; dort teilt dieser ihm mit, dass er seine Ausbildung zum Juristen am Reichskammergericht in Wetzlar fortsetzen solle, auch um seinen Sohn von seinen dichterischen „Flausen“ abzuhalten.
In Wetzlar angekommen, widmet sich Goethe der Arbeit an alten Akten, die er für seinen Vorgesetzten, den Gerichtsrat Kestner (der im Film den Namen „Albert“ trägt), aufarbeitet. Dabei bildet er mit dem Juristen Jerusalem, mit dem er sich auch privat anfreundet, ein Team. Auf einer Tanzveranstaltung lernt Goethe Charlotte Buff (kurz Lotte genannt) kennen und verliebt sich in sie. Es stellt sich heraus, dass sie das älteste von acht Kindern eines in Wahlheim lebenden Witwers ist und sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern muss.
Trotz einiger Verwicklungen scheint sich Goethes Liebe zunächst zu erfüllen. Nachdem er Lotte eines seiner Gedichte vorgetragen hat, wird das Paar von einem starken Regenschauer überrascht und die beiden suchen Schutz in einer Burgruine, wo sie miteinander intim werden. Währenddessen wirbt Kestner bei Lottes Vater um die Hand seiner Tochter. Der Vater ist froh, Charlotte in einer Ehe mit einem aufstrebenden Juristen gut versorgt zu sehen, da dieser so auch Lottes Familie später finanziell unterstützen würde. Lotte zögert zunächst, übernimmt aber immer mehr die Sichtweise ihres Vaters, da sie auch das Wohl ihrer Familie will. Trotz allem fällt es ihr schwer, sich von Goethe zu trennen. Dieser hilft schließlich sogar seinem Rivalen, indem er ihm ein erfolgreiches Prozedere und die passenden Worte für dessen Heiratsantrag vorschlägt, ohne freilich zu ahnen, wer die Umworbene ist. Erst bei der Verlobungsfeier von Albert und Lotte stellt sich die Wahrheit heraus. Alle Betroffenen sind fassungslos.
Goethe ist so verzweifelt, dass er, nachdem sich sein Freund Jerusalem, enttäuscht von der Ausweglosigkeit seiner Liebe zu einer verheirateten Frau, erschossen hat, ebenfalls an einen Freitod denkt. Er führt seinen Plan allerdings nicht aus. Durch Beleidigung seines Vorgesetzten kommt es zu einem Duell mit Albert, in dem Goethe das Recht des ersten Schusses gebührt; er verfehlt jedoch. Kestner vergibt seinen Schuss absichtlich und lässt Goethe aufgrund unerlaubten Duellierens festnehmen. Während seiner Inhaftierung schreibt Goethe seinen Briefroman Die Leiden des jungen Werthers und schickt das Manuskript an Lotte, um ihr auf diese Weise zu demonstrieren, dass er ohne sie nicht leben könne. Lotte appelliert an sein dichterisches Selbstbewusstsein und schickt das Manuskript ohne Goethes Wissen an einen Verlag. Nach der Entlassung aus der Haft reist Goethe mit seinem Vater, der eigens nach Wetzlar gekommen ist, zurück nach Frankfurt. Dort ist der Roman inzwischen zum Bestseller geworden. Der Autor wird von den Buchkäufern auf der Straße erkannt und lässt sich als „Star“ feiern – und auch Goethes Vater akzeptiert stolz die schriftstellerischen Ambitionen seines Sohnes.
Hintergrund Produzent Christoph Müller weist ausdrücklich darauf hin, dass der Film Goethe! sich an den Filmen Amadeus und Shakespeare in Love orientiere. In allen drei Filmen werden weltberühmte Künstler in ihrer „Sturm-und-Drang“-Phase dargestellt.
Produktion Der Film wurde von Ende August bis Ende Oktober 2009 in Görlitz, Merseburg, Rossbach, Creuzburg, Quedlinburg, Osterwieck, Dresden, Bad Muskau und Krompach gedreht. Die Wahl der Drehorte vorwiegend in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen steht im Zusammenhang mit der Produktionsförderung in Höhe von 750.000 Euro durch die für diese Länder zuständige Mitteldeutsche Medienförderung (MDM).Richtlinien der Mitteldeutschen Medienförderung, abgerufen am 4. Mai 2011 Das Medienboard Berlin-Brandenburg steuerte 450.000 Euro zur Finanzierung bei, der Deutsche Filmförderfonds über eine Million Euro. Die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen leistete über 370.000 Euro Projektförderung.Goethe! bei Blickpunkt:Film, abgerufen am 4. Mai 2011 Die FFA unterstützte den Film mit 400.000 Euro. Auch Bully Herbig beteiligte sich als Koproduzent und finanziell. Er begründete dies damit, dass „zum ersten Mal ein Weg gefunden“ worden sei, „einen Film über Goethe zu machen, der mainstreamtauglich ist.“Andreas Kurtz: Auf dem Umweg zum Dichter. Premiere des Kinofilms „Goethe!“ mit viel Prominenz im Sony-Center. In: Berliner Zeitung, 5. Oktober 2010 Insgesamt kostete die Herstellung sieben Millionen Euro.
Szenenbild Bei Nahaufnahmen wurde nicht mit Kulissen gearbeitet. So stellen zum Beispiel die historischen Fachwerkhäuser von Quedlinburg das alte Wetzlar dar. Stadtbilder in der Supertotalen sind weitgehend am Computer entstanden.
Laut Aussage des Produzenten wurden für die Stadtbilder häufig einzelne Bilder des Künstlers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto (1722–1780), zitiert. Als Landschaftsbilder und damit vor allem für den Weg zwischen Johann und Charlotte wählte der Regisseur einzelne Bildzitate von Caspar David Friedrich (1774–1840). Ausschnittweise glaube der Zuschauer sich auch an Eindrücke von Pieter Bruegel den Älteren (ca. 1530–1569) und Carl Spitzweg (1808–1885) erinnert. Die Gefühle seien aus dem Werther-Text in eine Bildsprache übersetzt worden, die mit Canaletto und Friedrich dem späten 18. Jahrhundert entspreche.Warner Bros.: Goethe! Material für schulische und außerschulische Bildung. 2010. S. 29 Die Stadtsilhouetten sowohl Frankfurts als auch Wetzlars sind Phantasieprodukte; statt des Wetzlarer Doms erhebt sich auf dem Berg der Stadt eine Burg.
Filmmusik Bei der Reise Goethes nach Wetzlar und zurück nach Frankfurt am Main wird das Lied Gretchen am Spinnrade (1814) von Franz Schubert nach einem Text aus Goethes Faust in einer Orchesterfassung zitiert.
Faktentreue Der Film suggeriert durch echte alte Häuser, Requisiten und Kostüme Authentizität. Er greift viele Details aus Goethes realem Leben auf: Dieser wurde tatsächlich in Frankfurt/Main geboren, studierte in Straßburg Jura und arbeitete anschließend als Jurist in Wetzlar. Dort lernte er Charlotte Buff kennen und traf nach einem ersten Kennenlernen in Leipzig Jerusalem wieder, der sich tatsächlich aus unglücklicher Liebe erschoss.
Allerdings vermischt Stölzl den realen Goethe mit der Romanfigur Werther. Vieles in dem Film, etwa auch der Vorname Albert oder der einsetzende Regen, bevor Goethes Liebe zu Charlotte voll entbrennt, erinnert eher an Goethes Roman als an dessen Leben.
Mehrere Elemente des Films sind frei erfunden: Goethe fiel in Straßburg zwar durch seine Promotionsprüfung, erlangte jedoch durch das Abfassen von 56 Thesen – sogenannten „Positiones juris“ – trotz fachlicher Mängel den Grad eines „Lizentiaten der Rechte“, was ihm die Zulassung zur Anwaltspraxis ermöglichte. Er kehrte also nicht als gänzlich Gescheiterter zum Vater zurück. Er duellierte sich auch nicht mit Kestner und wurde demzufolge auch nicht eingesperrt. Goethes Liebe zu Charlotte Buff blieb rein platonisch.
Goethe! sollte ein Biopic über den jungen Goethe werden, der seine Zeit reflektiert (wie im Werther) und der in seinem kreativen Schaffen gezeigt wird (wie in einer Reflexion über die Entstehung des Werther). Dazu wird die dramatische Handlung der Liebesgeschichte des Werther als Gerüst benutzt und um Elemente der biographischen realen Erlebnisse Goethes beim Schreiben dieses Werkes ergänzt – also eine Literaturverfilmung mit deren Making-of als Ausschnitt einer Lebensgeschichte gemischt. (PDF; 1 MB) Warner Bros., Informationen für Lehrer, 2010, S. 23.
Die Freiheiten, die sich der Film nimmt, begründet der Produzent Christoph Müller folgendermaßen: „Das Filmduell zwischen Goethe und Kestner hat in Wirklichkeit nicht stattgefunden. Belegt ist aber, dass Goethe Kestner den Tod wünschte. Solch eine Tatsache könnte man natürlich in einen Dialogsatz einbauen. Doch viel filmischer ist es, dieses Motiv dramatisch umzusetzen, um auszudrücken, was Goethe tatsächlich bewegte. Die Duellsequenz veräußert sozusagen Goethes wahres Gefühl.“ Dass entgegen der im 18. Jahrhundert geltenden gesellschaftlichen Konvention und entgegen der Romanvorlage Johann mit Lotte intim wird, rechtfertigen die Filmemacher damit, dass sich in der Wolkenbruchszene ihre und „unsere“ „Liebeserwartung“ erfülle.Warner Bros.: Goethe! Material für schulische und außerschulische Bildung. 2010. S. 31 Schließlich, so Regisseur Stölzl, müsse der Film der Kategorie „romantischer Liebesfilm“ zugeordnet werden, der besonders Frauen ab 25 Jahren ansprechen solle. (PDF; 317 kB)
Der Kanon Bona nox! (KV 561), den Goethe in dem Film zur Begeisterung Lottes und vor allem ihrer jüngeren Geschwister mit ihnen singt und auf dem Clavichord begleitet, wurde von Wolfgang Amadeus Mozart erst 1788, also 16 Jahre nach der Filmhandlung geschrieben., Der SWR2 Köchel, abgerufen am 6. November 2011
Filmfestivals Der Film wurde zusammen mit den weiteren deutschen Produktionen Das Wunder von Bern, Almanya – Willkommen in Deutschland und Der ganz große Traum zur ersten Deutschen Filmwoche in Nordkorea gezeigt, die vom 4. bis 8. November 2013 im Taedongmun-Kino in Pjöngjang stattfand.
Rezeption Veröffentlichung Goethe! startete in Deutschland am 14. Oktober 2010 mit 250 Filmkopien. Mit über 600.000 Besuchern bis Ende 2010 war er in Deutschland der zehnterfolgreichste deutsche Film des Kinojahres.Filmhitliste: Jahresliste (deutsch) 2010 – Filmförderungsanstalt, abgerufen am 26. Juli 2011 Bis Ende 2011 konnte er über 740.000 Besucher in Deutschland verzeichnen.Filmhitliste: Monat November 2011 – Filmförderungsanstalt, abgerufen am 11. Januar 2012 Am 18. März 2011 erschien der Film als DVD, Blu-ray Disc und Download., abgerufen am 4. Mai 2011
Kritik Vielen Kritikern fiel auf, dass der Film Goethe als einen Popstar oder einen Popliteraten gestaltet. Man sprach von einer Figur wie ein Mantel-und-Degen-Held oder nannte ihn das „unbedingt sympathische, also kantenlose Klischee vom Stürmer und Dränger in Liebesangelegenheiten“. Die Süddeutsche Zeitung fragte, ob ein Film, in dem kein wesentliches Handlungselement mit den historischen Fakten übereinstimmt, noch ein Film über Goethe genannt werden darf. Er erlaube sich freies Fabulieren; das Drehbuch richte „sich sehr geschickt in einem überschaubaren biografischen Fleckchen“ ein.