Candelaio (dt.: „Kerzenzieher“) ist eine Komödie von Giordano Bruno in fünf Akten. Sie wurde 1582 in Paris als Buch veröffentlicht. Der Titel bezieht sich auf die pädophilen Neigungen der in der Komödie vorkommenden Person Bonifacio.
Inhalt Il libro (Das Buch) Es handelt sich hierbei um eine ironische, an Dichter gerichtete Zueignung, die in einer verschnörkelten, metaphernreichen Sprache gehalten ist, wohl u. a., um die Pedanten und deren eitle, umständliche Art aufs Korn zu nehmen. Die Dichter werden als die vom Fonte Caballino (Pferdequell) Getränkten bezeichnet. Es handelt sich dabei um den Ippocrene-(Hippokrene-)Quell, der der Sage nach am Fuße des Elicona (Helikon), dem Berg, an dem die Musen wohnten, durch einen Hufschlag des geflügelten Pferds Pegasus aus der Erde entsprungen ist und der den Dichtern seitdem unerschöpfliche Inspiration bietet. Die Dichter werden in einer scherzhaften Umschreibung darum gebeten, dem Autor ein Epigramm, ein Sonett, eine Lobrede, eine Hymne oder eine Ode zu geben, dass dieser dann an den Anfang oder an das Ende seines Werks setzen kann. Der Autor sei gleichsam nackt und bitte um Kleidung. Damit ist gemeint, dass durch das Versatzstück, das der Autor an den Anfang oder an das Ende seines Werks setzen möchte (allerdings noch nicht vorhanden ist – deshalb: "nackt"), diesem Werk Autorität verliehen werden soll. Ansonsten müsse er eine große Schar von Reitern fürchten, d. h. fürchten, von den Schulmeistern den Hintern versohlt zu bekommen bzw. dass Pedanten sein Werk verreißen werden. Die große Schar von Reitern ist in Wirklichkeit eine Anspielung auf eine schon seit dem Altertum in Schulen übliche körperliche Strafe: Die zu züchtigenden Schüler mussten dabei rittlings mit heruntergelassener Hose auf einem anderen Schüler sitzen und sich vom Lehrer den Hintern auspeitschen lassen.
Zueignung Die Zueignung ist an eine gewisse Frau Morgana B. gerichtet, deren Identität urkundlich nicht gesichert ist. Möglicherweise handelt es sich bei ihr um eine Frau, die Bruno in seinen Jugendjahren kennen gelernt hat. Auch die Zueignung ist in einer ironischen und metaphernreichen Sprache gehalten. Bruno fragt sich scherzhaft, wem er seine Zueignung seiner Komödie, die er für ein hervorragendes Kunstwerk hält, widmen soll. Weder der Papst noch der Kaiser noch ein Fürst werde ihm die Kerze aus der Hand nehmen, wobei die Kerze eine scherzhafte Anspielung auf den Titel des Theaterstücks sein soll. Die Übergabe der Kerze bedeutet folglich die Annahme der Zueignung. Die Kerze hat zugleich wegen ihrer Phallusform eine schlüpfrige Bedeutung. Es folgt eine Art Lobgesang auf Morgana, die Bruno zu seiner Muse erklärt. Der Lobgesang ist allerdings auch eine Liebeserklärung an die besagte Frau. Die Ankündigung, dass die Komödie Eseln und andere Bestien bzw. Tieren (die für Ignoranten, Dummköpfe und andere Unholde stehen) wie die Dämonen aus Dantes Inferno in Angst und Schrecken versetzen werde, bedeutet, dass gesellschaftliche Missstände bzw. bestimmte Personen und gesellschaftliche Gruppen, die für diese Missstände verantwortlich sind, im Theaterstück herbe Kritik ernten werden. Bruno, der offenbar fern seiner Heimat in Paris im Exil lebt, kündigt an, dass er wieder heimkehren werde. Bis dahin würden diejenigen, die Schlechtes über ihn verbreitet hätten und weiterhin verbreiteten, für ihre Untaten bezahlen. Da Bruno an die Reinkarnation glaubt, vertraut er darauf, wenn nicht in diesem, in einem anderen Leben glücklich zu werden. Die Zeit nehme und gebe alles, alles verändere sich, erlösche aber nicht. Einzig Gott könne seine Gestalt nicht mehr verändern. Er sei derjenige, der alles gebe und nehme.
Argomento ed ordine della comedia (Handlung und Struktur der Komödie) Ähnlich wie Aretinos La Cortigiana (1524/35) besteht Brunos Il Candelaio aus mehreren Handlungssträngen. Waren es in Aretinos Komödie zwei, so sind es in Brunos drei Handlungsstränge, die miteinander verwoben sind. Den ersten Handlungsstrang, so Bruno, bilde die Liebesgeschichte des faden Bonifacio; den zweiten Handlungsstrang die Alchimie des geizigen Bartolomeo und den dritten Handlungsstrang schließlich die Schulmeisterlichkeit des tollpatschigen Manfurio, wobei sich die drei genannten Personen in den drei genannten Eigenschaften: der Fadheit, dem Geiz und der Tollpatschigkeit in nichts nachständen.
Bonifacio Die Geschichte Bonifacios spielt in den Szenen 1–4, 6–10 des ersten Akts; in den Szenen 3–5 des zweiten Akts; in den Szenen 2–5, 9–10 des dritten Akts; in den Szenen 1–8, 12–14 des vierten Akts und in den Szenen 1, 9–11, 14–24 des fünften Akts. Die Moral von der Geschichte Bonifacios sei, so merkt Bruno am Ende seiner Zusammenfassung an, dass derjenige, der seine Frau zu hintergehen versuche, am Ende wiederum von dieser hintergangen werde. Bruno vergleicht die Geschichte Bonifacios mit dem Mythos des Jägers Atteones (Aktaions), der seine Frau zu hintergehen suchte, indem er versuchte Diana zu verführen, die ihn, darüber erzürnt, dass er sie nackt gesehen hatte, in einen Hirsch verwandelte, so dass er von seinen eigenen Hunden zerfleischt wurde. Bruno setzt Scaramurè, Sanguino und dessen Gesellen mit diesen Hunden gleich.
Bartolomeo Die Geschichte Bartolomeos spielt in den Szenen 3, 11–14 des ersten Akts; in der Szene 6 des zweiten Akts; in der Szene 1 des dritten Akts; in den Szenen 3–5, 8–10 des vierten Akts und in den Szenen 2–8, 12–13 des fünften Akts.
Manfurio Die Geschichte Manfurios spielt in der Szene 5 des ersten Akts; in den Szenen 1–2, 7 des zweiten Akts; in den Szenen 4, 7, 11–13 des dritten Akts; in den Szenen 11, 15–16 des vierten Akts und in den Szenen 25–26 des fünften Akts.
Antiprologo (Vor dem Prolog) Die Hure, die Vittoria und Carubina spielen sollte, so der Vortragende, sei durch ein Gebärmutterleiden verhindert. Derjenige, der Bonifacio spielen sollte, sei so sehr betrunken, dass er seit dem letzten Mittag nicht mehr wisse, wo oben und unten sei. Der Prolog sei derart kompliziert und schwierig, dass der Vortragende selbst vier Tage gebraucht habe, um ihn auswendig zu lernen. Er vergleicht das Auswendiglernen des Prologs mit dem Wrack eines heruntergekommenen Bootes, das mit Mühe an Land gezogen wird und wieder seetüchtig gemacht werden muss, damit es wieder aufs Meer hinausfahren kann, wobei das seetüchtige Boot wiederum für die Komödie selbst steht, die ihrer Aufführung harrt. Der Autor der Komödie wie auch des Prologs soll ein komischer Kauz sein, der immer ein wehleidiges Gesicht ziehe und nie Freude zeige. Alle Philosophen, Dichter und Schulmeister hassten Reichtum und Wohlstand. Der Reichtum und der Wohlstand wiederum ergriffen vor den Philosophen, Dichtern und Schulmeistern die Flucht, da sie fürchten müssten, von ihnen gemartert, d. h. verschwendet zu werden. Vielmehr zögen der Reichtum und Wohlstand es vor, bei denen zu sein, die sie wahren wollten. Der Vortragende behauptet über sich, er sei völlig besitzlos. Er besitze nichts weiter als seine Seele und sei mit seiner oder der allgemeinen Situation dermaßen unzufrieden, dass er es vorziehe, in ein Kloster zu gehen. Den Prolog werde ein anderer sprechen müssen.
Proprologo (Vorprolog) Der Redner des Vorprologs zieht wüst über seinen ausgefallenen Vorredner her, da es für diesen keinen Ersatz gebe. Ein Prolog sei allerdings nicht notwendig, da die Komödie der Reihe nach aufgeführt würde. Deshalb sei es nicht notwendig vorab die Handlung zusammenzufassen. Ort der Handlung sei ein bestimmtes Viertel in Neapel. Auf der Bühne stehe ein Haus, das im Verlauf der Handlung einigen Spitzbuben als Unterschlupf dienen würde, die dort ihre Übeltaten ersinnen würden. An anderer Stelle befinde sich der Eingang bzw. Weg zum bzw. in das Haus des Bonifacio und der Carubina; an anderer wiederum der Eingang bzw. Weg zum bzw. in das Haus Bartolomeos; an anderer wiederum der Eingang bzw. Weg zum bzw. in das Haus Vittorias, des Malers Gioan Bernardos und des Magiers Scaramuré. In dieser Gegend treibe sich zudem ein Schulmeister namens Manfurio herum. Auch die geschäftige Kupplerin Lucia, sowie Pollula und dessen Meister; Ascanio, der Page Bonifacios; Mochione, der Bursche Bartolomeos; die Spitzbuben Sanguino, Barra, Marca und Corcovizzo; der Alchimist und Betrüger Cencio; der Apotheker Consalvo; Marta, Bartolomoeos Frau und schließlich der ehrenwerte Herr Ottavino würden auf der Bühne erscheinen. Der Redner fordert die Zuschauer auf, das Schauspiel genau zu verfolgen und je nach ihrer Gemütslage pessimistisch oder optimistisch zu interpretieren. Die Zuschauer erwarte ein Feuerwerk der Gefühle und Situationen: weinende unglückliche Liebhaber, unnahbare Liebesobjekte. (All dies wird umständlich in einer weitschweifigen Paraphrase zum Ausdruck gebracht, die den Zweck hat, durch eine Ansammlung von Petrarca-Zitaten, Petrarcas Dichtung aufs Korn zu nehmen). In der Komödie würden auch Frauen vorkommen, die sich gerne der Liebe widmeten. Unter diesen würde eine von einem Liebhaber innig geliebt. Es trete zudem eine Äbtissin auf, die irregeleitete Frauen zur Buße bei sich aufnehme und die im Alter bereue, sich in ihrer Jugend nicht den Freuden der Liebe gewidmet zu haben und deshalb nebenbei als eiskalt kalkulierende Kupplerin wirke (von daher kann die Bußabsicht der "irregeleiteten Frauen" durchaus auch ironisch gemeint sein). Des Weiteren wird ein Schulmeister vorgestellt, dessen Weisheit einem die Haare zu Berge stehen ließe, die Tränen in die Augen treibe und über den sich der Redner in ebenso ironischen wie langatmigen Aufzählungen von hervorragenden Taten und Eigenschaften lustig macht. Unter den Eigenschaften wird die Vorliebe für das Einfügen von Latinismen in italienischen Sätzen und das Einfügen von Gräzismen in lateinischen Sätzen erwähnt; das Zitieren von lateinischen und altgriechischen Autoren und der aufrechte, stolze Gang des Schulmeisters. Es wird eine Reihe weiterer schlechter Charaktere aufgezählt, die in der Komödie auftreten und durch ihre Schäbigkeit für komische Situationen sorgen würden, die allerdings auf der Bühne, nicht aber in der Realität komisch wirkten, sondern eher den Zorn der Betroffenen erregen dürften. Nichts werde im Theaterstück gewiss sein, alles berechnend. Viele Schäbigkeiten werde es geben, wenig Schönes und nichts Gutes. Am Ende seines Vortrags verabschiedet sich der Redner des Vorprologs, da er Personen der Komödie kommen zu hören glaubt.
Bidello (Schuldiener) An die Stelle des Redners des Vorprologs tritt nun ein Schuldiener. Dieser macht sich über das Publikum lustig, dem er vorwirft, nicht akzeptieren zu wollen, dass eine Komödie mit dem Auftritt eines Schuldieners beginne und das er der Engstirnigkeit bezichtigt. Die Zuschauer sollen jedenfalls dem Getöse der Hörner (gemeint ist das Geschwätz der auftretenden Personen) Platz machen, um durch diese keinen Schaden zu erleiden, zumal die Menschen vor ihnen für gewöhnlich das Weite suchten.
Erster Akt Szene 1–4 (Bonifacio) Der alte Bonifacio ist unsterblich in die junge Vittoria verliebt. Er sieht jedoch ein, dass nicht die geringste Möglichkeit besteht, dass diese seine Liebe erwidert, da sie eine Vorliebe für junge und reiche Männer hat. Da er jedoch weder besonders jung noch freigiebig ist, versucht er durch Magie doch noch zu seinem Ziel zu gelangen. Deshalb schickt er seinen Diener Ascanio zum Magier Scaramurè, um diesen um Hilfe zu bitten. Während Bonifacio über Magie sinniert, begegnet er (Szene 3 – Bartolomeo, siehe "Argomento ed ordine della comedia") Bartolomeo, der ihn überredet, sein Liebesgeheimnis preiszugeben und sich anschließend über ihn lustig macht. Der Student Sanguino hat das Gespräch zwischen Bonifacio und Bartolomeo mitgehört. Er beabsichtigt Bonifacio einen Streich zu spielen.
Szene 5 (Manfurio)