Wildberg ist eine Stadt im Landkreis Calw in Baden-Württemberg. Sie gehört zum Regierungsbezirk Karlsruhe, zur Region Nordschwarzwald und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Zum 1. Oktober 2022 gab die Stadt die Bezeichnung Luftkurort für die Bezeichnung Schäferlaufstadt auf.Bekanntmachungen des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg über die Genehmigung von sonstigen Bezeichnungen vom 1. September 2022 – Az.: IM2-2200-6/1, GABl. BW (2022), S. 820.
Geographie Lage Wildberg liegt im Übergangsbereich zwischen den Schwarzwald-Randplatten im Westen und den Oberen Gäue im Osten an und beidseits der nordwärts fließenden mittleren Nagold. In Luftlinie ist es etwa zehn Kilometer von der Kreisstadt Calw im Norden entfernt.
Nachbargemeinden Die folgenden Städte und Gemeinden grenzen reihum an die Stadt Wildberg. Im Nordwesten liegt die Stadt Neubulach, im Norden die Stadt Calw, im Ostnordosten die Gemeinde Gechingen, im Nordosten die Gemeinde Aidlingen, im Ostnordosten die Gemeinde Deckenpfronn, im Ostsüdosten die Stadt Herrenberg, im Südsüdosten die Gemeinde Jettingen, im Süden die Stadt Nagold, im Südwesten die Gemeinde Ebhausen und im Westen die Stadt Altensteig. Aidlingen, Deckenpfronn, Herrenberg und Jettingen liegen im benachbarten Landkreis Böblingen, alle anderen im eigenen.
Stadtgliederung Zur Stadt Wildberg gehören die fünf Stadtteile Wildberg, Effringen, Gültlingen, Schönbronn und Sulz am Eck. Im heutigen Umfang entstand die Stadt im Zuge der Gemeindereform der siebziger Jahre. Zunächst wurde am 1. April 1971 Schönbronn nach Wildberg eingemeindet. Am 1. Januar 1975 schlossen sich dann das alte Städtchen Wildberg und die drei umliegenden Dörfer Effringen, Gültlingen und Sulz am Eck zu der neuen Stadt Wildberg zusammen.Das ist Wildberg. Ortschaften wildberg.de, abgerufen am 28. August 2024 Die Ortsteile liegen zwischen 350 und 630 Meter Höhe ü. d. M.
Wildberg Wildberg ist Namensgeber der Gesamten Kommune und liegt im Nagoldtal. Der alte Ortskern schmiegt sich in eine Ω-förmige Schleife des Flusses. Zur Stadt Wildberg in den Grenzen von 1970 gehören die Stadt Wildberg, die ehemalige Klosteranlage Reutin und die Höfe Käpfleshöfe und Kengelhöfe.
Effringen Zu Effringen gehören das Dorf Effringen, die Gehöfte Trölleshof und Brunnenhof sowie die Häuser Ziegelhütte, die mit Effringen eine bauliche Einheit bilden. mini|Rathaus Wildberg
Gültlingen Zu Gültlingen gehören das Dorf Gültlingen, das Gehöft Haselstall und die Häuser Lerchenberg, Obere Papiermühle, Untere Papiermühle und Untere Sägemühle. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Gültlingen liegen die Wüstungen Berfeldingen und Weiler sowie die abgegangene Gaisburg und im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Sulz am Eck liegt die Wüstung Weiler.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 516–520
Schönbronn Schönbronn besteht nur aus dem Dorf Schönbronn. Der Ortsteil hatte von 2019 bis 2025 eigenständig das Recht die Bezeichnung Luftkurort zu führen.Bekanntmachung des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen über die Genehmigung von sonstigen Bezeichnungen vom 17. November 2025, Az. IM2-2200-6, GABl. vom 26. November 2025, S. 878.
Sulz am Eck Sulz am Eck besteht aus Sulz und dem auf der Hochfläche gelegenen Industriegebiet „Hinter dem Wald“, dort befindet sich auch eine Mineralwasserabfüllung. Auf der Markung befindet sich eine ehemalige, jetzt zivil genutzte Munitionsbunkeranlage und das Segelfluggelände Wächtersberg. Außerdem gibt es den ausgedehnten Steinbruch mit dem Schotterwerk Georg Mast.
Schutzgebiete
Wildberg hat zwei Naturschutzgebiete. Die Gültlinger und Holzbronner Heiden um den Ortsteil Gültlingen ist von einem gleichnamigen Landschaftsschutzgebiet umgeben. Auch die Hülbe bei Sulz ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Entlang der Nagold zieht sich das Landschaftsschutzgebiet Nagoldtal durch das Stadtgebiet. Die Stadt hat zudem Anteil an zwei FFH-Gebieten, dem Calwer Heckengäu und dem Kleinenztal und Schwarzwaldrandplatten. Wildberg liegt im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord.Daten- und Kartendienst der LUBW, Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg
Geschichte Vorgeschichte In Gültlingen wurde das Grab eines alamannischen Adeligen aus der Völkerwanderungszeit (Datierung etwa um 460–480 n. Chr.) gefunden, das sogenannte Gräberfeld von Gültlingen. Unter den Grabbeigaben war ein prächtiger Spangenhelm und eine Goldgriffspatha. Die Fundstücke werden heute im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart aufbewahrt. Derartige Waffen waren der Führungsschicht vorbehalten, was auf eine bedeutende Stellung des Ortes in dieser frühen Zeit hinweist.
Mittelalter mini|Wildberg: Stich von Matthäus Merian|alternativtext=|308x308px Wildberg wurde am 23. April 1188 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Anlass war der Heiratsvertrag Konrads II., Herzogs von Schwaben und Rothenburg, des zweitjüngsten Sohnes von Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit der spanischen Prinzessin Berengaria von Kastilien. Während die Grafen von Hohenberg seit 1237 in Wildberg nachweisbar sind, treten die Pfalzgrafen von Tübingen urkundlich nie in Erscheinung. 1364 wurde Wildberg kurpfälzisch und 1440 württembergisch.
Württembergische Zeit 1618 wurde die Burg nach einem Brand, der durch einen Blitzschlags ausbrach, zerstört. Sie wurde erst 1698 als Schloss wiederaufgebaut. Bis 1807 war Wildberg Sitz eines württembergischen Amts.
Zur Zeit des Königreichs Württemberg gehörte Wildberg zum Oberamt Nagold. Das alte Amt Wildberg war 1807 im Zuge der neuen Verwaltungsgliederung Württembergs aufgelöst worden. 1838 gründete der aus Simmozheim stammende Pfarrer Karl Georg Haldenwang (1803–1862) in Wildberg mit dem „Rettungshaus für schwachsinnige Kinder“ die erste behindertenpädagogische Einrichtung in Süddeutschland.Kurzbiografie Karl Georg Haldenwangs, Stadtarchiv Heilbronn Am 20. Juni 1872 wurde Wildberg über die Schwarzwald- und Nagoldbahn an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn angeschlossen.
NS-Zeit Während der NS-Zeit in Württemberg wurde Wildberg mit den meisten Gemeinden des Kreises Nagold 1938 dem Landkreis Calw zugeordnet.
Am 22. Februar 1945 fielen bei einem US-Luftangriff im Rahmen der Operation Clarion 40 Sprengbomben in den Stadtkern von Wildberg. Die Bomben sollten eigentlich den Bahnhof und die Nagoldtalbahn treffen, verfehlten aber dieses Ziel und töteten 53 Personen im Zentrum von Wildberg.Wildberg am 22. Februar 1945: Aus heiterem Himmel fallen Bomben, Schwarzwälder-Bote, 22. Februar 2015 Zudem erlitt der Stadtkern von Wildberg erhebliche Zerstörungen. Bei diesem Luftangriff wurde auch das 1698 errichtete Schlossgebäude zerstört, in dem sich ein Müttererholungsheim befand. Die Schlossruine wurde nach dem Krieg abgerissen.
Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Wildberg in die Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. 1952 ging das provisorische Nachkriegsland im Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern auf und gehört seither zum neuen Bundeslandes Baden-Württemberg. Mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Calw Teil der neu gegründeten Region Nordschwarzwald, die dem Regierungsbezirk Karlsruhe zugeordnet wurde. Somit wird seither über die Angelegenheiten Wildbergs auch aus Pforzheim und Karlsruhe mitentschieden. Die heutige Stadt wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Stadt Wildberg und der Gemeinden Effringen, Gültlingen und Sulz am Eck neu gebildet. Bereits am 1. April 1971 wurde Schönbronn nach Wildberg eingemeindet.
Religion Wildberg ist seit der Reformation evangelisch geprägt. Die evangelischen Kirchengemeinden von WildbergWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Wildberg sowie der Ortsteile Effringen,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Effringen Schönbronn,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Schönbronn GültlingenWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Gültlingen und Sulz am EckWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Sulz am Eck gehören zum Kirchenbezirk Calw-Nagold der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die katholische Kirche Wildberg gehört zur Kirchengemeinde St. Petrus und Paulus Nagold und damit zur Seelsorgeeinheit Oberes Nagoldtal und zum Dekanat Calw.
Entwicklung der Einwohnerzahlen
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Wildberg (Schwarzwald) von 1871 bis 2018 nach nebenstehender Tabelle
Jahr Einwohner¹ 1871 4.713 1880 4.790 1890 4.640 1900 4.423 1910 4.551 1925 4.609 1933 4.486 1939 4.561 Jahr Einwohner¹ 1950 4.938 1961 5.056 1970 6.138 1975 6.874 1980 7.755 1985 8.347 1990 9.315 1995 10.153 Jahr Einwohner¹ 2000 10.192 2005 10.128 2010 9.889 2015 9.895 2018 10.069 2022 9.998 2024 9.977 ¹ laut Statistisches Landesamt Baden-Württemberg; bis 1970 Volkszählungsergebnisse, ab 1975 Fortschreibungen jeweils zu einem Quartalsende oder zum 31. Dezember des Jahres.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Wildberg hat 22 Mitglieder. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FW Freie Wähler 38,54 8 32,1 7 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 34,07 8 35,6 8 Grüne Bündnis 90/Die Grünen 11,16 2 11,6 2 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 8,34 2 12,7 3 FDP Freie Demokratische Partei 7,89 2 7,9 2gesamt100,022100,022Wahlbeteiligung64,87 %60,7 %
Bürgermeister Ulrich Bünger wurde im November 2003 im ersten Wahlgang zum neuen Bürgermeister gewählt und im November 2011 mit 92 % im Amt bestätigt.http://www.staatsanzeiger.de/index.php?q=b%C3%BCnger&id=9080&L=0 Im Oktober 2019 wurde Bünger mit 91,6 % für eine dritte Amtszeit wiedergewählt.
Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: „In geteiltem Schild oben in Silber eine liegende schwarze Hirschstange, unten in Rot der silberne lateinische Großbuchstabe W.“
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|hochkant|Bahnhof Wildberg Wildberg ist durch die Nagoldtalbahn (Pforzheim – Horb am Neckar – Tübingen) an das überregionale Schienennetz angebunden. Im 30/60-Minuten-Takt verkehren Züge nach Pforzheim und Tübingen.
Busse nach Gärtringen und Herrenberg fahren stündlich, somit besteht Anschluss zur S-Bahn Stuttgart und zur Ammertalbahn Richtung Tübingen und Reutlingen.
Die wichtigste Durchgangsstraße ist die gleichfalls dem Verlauf des Nagoldtals folgende Bundesstraße 463. Über die an Deckenpfronn und Gärtringen vorbeiführende Landstraße L357 sowie die L358 über Sulz am Eck und Herrenberg ist die A 81 in wenigen Minuten erreicht.
Zwischen Mai 2009 und Juli 2013 betrieb die Stadt ein Pilotprojekt Stadtbus, das vor allem die Mobilität von Senioren und gehandicapten Menschen fördern sollte. Tagsüber verband ein behindertengerechter Mini-Niederflurbus im Stundentakt alle Siedlungen und Ortsteile Wildbergs miteinander. In den Wohngebieten war ein „Halt auf Zuruf“ möglich, im Stadtzentrum wurden feste Haltestellen angefahren.. Gäubote, 5. Februar 2009 Mit finanzieller Unterstützung des Landkreises war der Stadtbus tariflich in die Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw mit Bahn und Regionalbussen eingebunden. Diese besondere Betriebsform wurde im Juli 2013 beendet, da der zwischen 7 Uhr bis 18 Uhr verkehrenden Stadtbus statt der anvisierten Senioren überwiegend durch junge Menschen am Nachmittag genutzt wurde. Danach setzte die Stadtverwaltung zum 1. September 2013 wieder auf einen normalen Linienfahrplan, mit einem Schwerpunkt auf der regionalen Anbindung an S-Bahn-Stationen im Nachbarkreis Böblingen.Busse fahren halbstündlich zur S-Bahn. Schwarzwälder Bote, 30. August 2013