Der Gelbe Graustiel- oder Moor-Täubling (Russula claroflava) ist ein Pilz aus der Familie der Täublingsverwandten. Das Art-Epitheton leitet sich vom lateinischen clarus und flava ab. Ersteres bedeutet so viel wie „hell“ oder „klar“ und „flava“ heißt übersetzt „gelb“.

Merkmale Makroskopische Merkmale Dieser mittelgroße Vertreter der Gattung Täublinge hat einen zitronengelben bis leuchtend chromgelben und 4–10 cm breiten Hut. Die Oberfläche ist bei feuchtem Wetter schmierig-klebrig, sodass oft Blätter oder andere Pflanzenreste darauf festgeklebt sind. Bei Trockenheit ist die Huthaut matt und glanzlos. Die Hutmitte von ausgereiften Fruchtkörpern ist gewöhnlich leicht niedergedrückt, der Rand ist im Alter bisweilen gerieft bis gefurcht. Die Huthaut lässt sich bis zur Hälfte abziehen. Der 4–10 cm hohe Stiel ist weiß, gerade und 1–2 cm dick. Bei jungen Pilzen ist der Stiel voll und fest, im Alter wird er schwammig und grau. Die Lamellen sind blass ocker und ausgebuchtet am Stiel angewachsen oder fast frei. Alle Teile des Pilzes werden im Alter oder auf Druck hin grau bis schwärzlich. Das Fleisch ist weiß und im Schnitt schwärzend. Der Geruch ist kaum wahrnehmbar bis fruchtig. Das Sporenpulver ist blass ocker.

Mikroskopische Merkmale Die Sporen sind elliptisch 9–12 µm lang und 7,5–10 µm breit, gewöhnlich 1,5–2 µm länger als breit. Die groben bis zu 1 µm hohen, dichtstehenden, stacheligen Warzen sind durch zahlreiche feine Linien miteinander verbunden und bilden ein ziemlich gut entwickeltes Netzwerk aus. Die Basidien sind 50–53 µm lang und 11 μm breit. Die bauchigen oder keuligen Zystiden sind oben stumpf oder spitz, 55–72 μm lang und 7–9 μm breit, mit oder ohne ein 1 µm langes Appendikul. In Sulfovanillin färben sich die Zystiden bis auf ein rosa Stielchen blau.

Die Huthaut enthält zahlreiche, lange, 3–4 µm breite Primordialhyphen. Primordialhyphen sind mehr oder weniger stark mit kristallinen oder tröpfchenartigen Ausscheidungen überkrustete Hyphen, die sich mit Karbolfuchsin gut anfärben lassen.Artbeschreibung von Russula claroflava (Syn: Russula ochroleuca var. claroflava) in Singer „Monographie der Gattung Russula“; erschienen in „Beihefte zum Botanischen Centralblatt“, Herausgeber A. Pascher (1932) S. 312. und S. 313.

Artabgrenzung Der ebenfalls essbare Zitronentäubling kann dem Gelben Graustiel-Täubling sehr ähnlich sehen, so ähnlich, dass der Gelbe Graustiel-Täubling lange Zeit nur als Varietät des Zitronentäublings galt. Er ist aber blasser, die Lamellen sind weißlich und schmecken meist schärflich.

Ökologie Der Gelbe Graustiel-Täubling erscheint von Juni bis Oktober, in Hoch- und Zwischenmooren, Moorheiden, Schwarzerlen-Bruchwäldern und Torfbrüchen. Der Pilz bevorzugt feuchte oder wechselfeuchte, saure und nährstoffarme Standorte. Er kommt daher gern in der Nähe von Teichen und Seen vor. Oft findet man ihn in Torfmoospolstern. Gelegentlich kommt er auch an trockeneren Orten vor. Die typischen Mykorrhizapartner sind verschiedene Birkenarten. Der Pilz geht aber gelegentlich auch Symbiosen mit Erlen, Eschen, Zitterpappeln und Fichten ein.German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder, Wulfard Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0.

Verbreitung mini|300px|Europäische Länder mit Fundnachweisen des Gelben Graustiel-Täublinga. Legende: Der Gelbe Graustiel-Täubling ist eine holarktische, temperate bis boreale Art. Er kommt in Nordasien (Kaukasus und Sibirien), Nordamerika (Kanada, USA, Mexico) und Europa vor. In Südeuropa fehlt er meist, in Osteuropa (Belarus) ist er selten, in Großbritannien, Nordwest- und Mitteleuropa kommt er zerstreut vor, in Nordeuropa (Skandinavien, Estland, Nordrussland) ist er weit verbreitet und reicht in Schweden bis weit nach Lappland.

In Deutschland kommt der Gelbe Graustiel-Täubling unregelmäßig zerstreut von der Küste bis zu den Alpen vor. In Norddeutschland gilt er als Charakterart des Birkenbruchs. In Deutschland ist die Art durch Entwässerung von Mooren und Schadstoffbelastungen stark gefährdet.

Systematik Äußere Systematik Der Gelbe Graustiel-Täubling wird in die Sektion Decolorantes gestellt.

Bedeutung Der Gelbe Graustiel-Täubling ist essbar und gilt als guter, mild-schmeckender Speisepilz.

Literatur Größere Teile des Artikels wurden aus dem englischen Artikel Russula claroflava (Diese Version übernommen.)

Courtecuisse and Duhem: Mushrooms and Toadstools of Britain and Europe.

Einzelnachweise

Weblinks

Beschreibung mit zahlreichen Fotos vom Gelber Graustiel-Täubling von www.natur-lexikon.com (archivierte Version)

Synonyme des Gelben Graustiel-Täublings unter www.speciesfungorum.org

Kategorie:Täublinge Kategorie:Speisepilzart