Die Angriffe auf Nordamerika während des Zweiten Weltkriegs vonseiten der Achsenmächte waren relativ selten, vor allem wegen der großen Entfernung zu den zentralen Kriegsschauplätzen in Europa und Asien. Sie umfassen Angriffe auf kontinentales Territorium (bis zu 370 km von der Küste entfernt) der Vereinigten Staaten, Kanadas und Mexikos. Darunter fallen auch mehrere kleinere Staaten, jedoch nicht das dänische Territorium Grönland, die Hawaii-Inselkette und die Alëuten.
Japanische Operationen Japanische U-Boot-Operationen Vor der Westküste der Vereinigten Staaten kam es innerhalb der Sichtweite von Städten wie Los Angeles und Santa Monica mehrmals zu Angriffen auf den Schiffsverkehr. Zwischen 1941 und 1942 operierten mehr als zehn japanische U-Boote vor der Westküste. Diese griffen amerikanische, kanadische und mexikanische Schiffe an und versenkten zehn von ihnen.
Angriff auf Ellwood
Der erste Beschuss des amerikanischen Festlands durch die Achsenmächte geschah am 23. Februar 1942, als das japanische U-Boot I-17 das Ellwood-Ölfeld westlich von Goleta, nahe Santa Barbara, Kalifornien, angriff. Auch wenn nur ein Pumpenhaus und ein Steg nahe einer Ölquelle beschädigt wurden, meldete Fregattenkapitän Nishino Kōzō () nach Tokio, dass er ganz Santa Barbara in Brand gesteckt habe. Der Angriff forderte keine Opfer und der Schaden belief sich auf etwa 500 bis 1000 US-Dollar.The Shelling of Ellwood. The California State Military Museum. Was folgte, war vor allem die Angst vor einer Invasion der Westküste.Donald J. Young: Phantom Japanese Raid on Los Angeles. In: World War II Magazine, September 2003.
Angriff auf den Leuchtturm Estevan Point Am 20. Juni 1942 feuerte das japanische U-Boot I-26 unter dem Kommando von Fregattenkapitän Yokota Minoru ()SENSUIKAN! – HJMS Submarine I-26: Tabular Record of Movement. combinedfleet.com. 25 bis 30 140-mm-Geschosse auf den Leuchtturm Estevan Point (Vancouver Island, British Columbia) ab, verfehlte ihn jedoch.Stetson Conn, Engelmann, Byron Fairchild (1964, 2000). Defense Measures on the West Coast, 1941–42, in: Guarding the United States and its Outposts. United States Army Center of Military History. CMH Pub 4-2. Dies war der erste Angriff auf kanadischen Boden seit dem Britisch-Amerikanischen Krieg des Jahres 1812. Auch wenn keine Menschen zu Schaden kamen, hatte die darauffolgende Verdunklung der äußeren Stationen desaströse Auswirkungen auf die Schifffahrt.
Angriff auf Fort Stevens Am 21. und 22. Juni 1942 feuerte das japanische U-Boot I-25 unter dem Kommando von Fregattenkapitän Tagami Meiji ()SENSUIKAN! – HIJMS Submarine I-25: Tabular Record of Movement. combinedfleet.com. mehrere Geschosse auf die Militärbasis Fort Stevens ab. Der aus der Mündung des Columbia Rivers, Oregon, erfolgte Beschuss war der einzige Angriff auf eine Militäreinrichtung auf dem amerikanischen Festland. Der einzige dokumentierte Schaden war an einem Baseballfeld zu finden. Weiterhin wurden jedoch noch einige große Telefonkabel beschädigt. Den Schützen in Fort Stevens wurde es während des Vorfalls verboten, das Feuer zu erwidern, da die Japaner so ein besseres Ziel gehabt hätten. Das japanische U-Boot wurde letztendlich von einem amerikanischen Trainingsflugzeug gefunden. Trotz eines darauffolgenden Bomberangriffs gelang I-25 die Flucht.
Fort Stevens war eine Küstenbefestigung der US-Armee im US-Bundesstaat Oregon. Das Fort bildete die Hauptbefestigung der aus drei Forts umfassenden Küstenbefestigung der Mündung des Columbia River. Die beiden anderen Forts waren Fort Canby und Fort Columbia im US-Bundesstaat Washington. Fort Stevens war während des Amerikanischen Bürgerkriegs errichtet worden und diente bis 1952 militärischen Zwecken.
Lookout-Luftangriffe Der erste Luftangriff einer feindlichen Streitkraft auf amerikanisches Festland erfolgte am 9. September 1942 auf den Mount Emily (Brookings (Oregon)), in Form der so genannten Lookout-Luftangriffe. Es war der Versuch eines japanischen Wasserflugzeugs, Modell Yokosuka E14Y, mit Brandwaffen einen Waldbrand zu verursachen. Das Flugzeug, das von Fujita Nobuo () gesteuert wurde, war vom japanischen U-Boot I-25 gestartet worden. Es wurden keine größeren Schäden verursacht, auch nicht bei einem weiteren Angriff am 29. September. Der Abwurfort vom 9. September 1942 wurde 2006 als Denkmal in das National Register of Historic Places aufgenommen und trägt die Bezeichnung Wheeler Ridge Japanese Bombing Site.
Ballonbombenangriffe
mini|hochkant|Das Mitchell-Monument Zwischen November 1944 und April 1945 startete die japanische Marine über 9.000 Ballonbomben in Richtung Vereinigte Staaten. Vom damals erst entdeckten Jetstream getrieben segelten sie über den Pazifischen Ozean nach Nordamerika, wo sie Waldbrände auslösen und andere Schäden anrichten sollten. Laut Berichten kamen etwa 300 der Ballonbomben in Nordamerika an, ohne wirklich schwere Schäden anzurichten. Insgesamt kamen bei den Angriffen auf das nordamerikanische Festland während des Zweiten Weltkriegs sechs Menschen (fünf Kinder und eine Frau) ums Leben, als eines der Kinder auf eine Bombe in der Nähe von Bly, Oregon trat und diese explodierte.Francine Uenuma: In 1945, a Japanese Balloon Bomb Killed Six Americans, Five of Them Children, in Oregon, in: Smithsonian Magazine, 22. Mai 2019. Die Stelle wird heute von einem Steinmonument markiert, das im Mitchell-Erholungsgebiet im Fremont-Winema-Nationalwald steht. Berichte der Royal Canadian Mounted Police und des kanadischen Militärs geben an, dass die Ballonbomben bis nach Saskatchewan vordrangen. Weiterhin geht man davon aus, dass eine solche Bombe der Grund für das dritte Feuer der Tillamook-Brände war. Ein Mitglied des 555th Parachute Infantry Battalion starb am 6. August 1945 bei der Bekämpfung eines Feuers im Nordwesten der USA. Weitere Verwundungen des 555. umfassten zwei Knochenbrüche und 20 andere Verletzungen.
Deutsche Operationen Deutsche Landungen in den Vereinigten Staaten Duquesne-Spionagering
mini|Das FBI-Fahndungsfoto von Fritz Joubert Duquesne Bereits vor dem Krieg wurde in den Vereinigten Staaten ein großer im Lande operierender Spionagering entdeckt. Der Duquesne-Spionagering ist noch bis heute der größte, in Verurteilungen geendete Spionagefall in der Geschichte der Vereinigten Staaten. In den USA in Schlüsseljobs angestellt, sollten die 33 deutschen Agenten des Ringes Informationen beschaffen, die im Kriegsfall nützlich sein könnten, und auch Sabotageakte verüben. Zum Beispiel eröffnete eine Person ein Restaurant, um Informationen über seine Kunden zu beschaffen; ein anderer arbeitete bei einer Airline, um alliierte Schiffe zu melden, die den Atlantischen Ozean überquerten; andere im Ring arbeiteten als Boten, so dass sie neben normalen Nachrichten auch geheime überbringen konnten.
Angeführt wurde der Spionagering von Fritz Joubert Duquesne, einem südafrikanischen Buren, der in beiden Weltkriegen als Spion für Deutschland arbeitete. Besser bekannt unter dem Namen „Der Mann, der Kitchener tötete“, bekam er für seine Schlüsselrolle bei der Sabotage und Versenkung der HMS Hampshire ein Eisernes Kreuz verliehen.Clement Wood: The man who killed Kitchener, the life of Fritz Jouber Duquesne. William Faro, inc., New York 1932.
Bei der Aufklärung des Falls durch das FBI spielte William G. Sebold, ein Doppelagent der Vereinigten Staaten, eine große Rolle. Etwa zwei Jahre lang betrieb Sebold in New York einen Radiosender für den Ring und lieferte dem FBI damit wertvolle Informationen darüber, was Deutschland an seine Spione in den Vereinigten Staaten schickte. Außerdem kontrollierte er auch noch die Informationen, die die deutschen Spione an ihr Heimatland sendeten. Am 29. Juni 1941 schlug das FBI zu. Alle 33 Spione wurden verhaftet, für schuldig befunden und zu Gefängnisstrafen von insgesamt über 300 Jahren verurteilt.
Unternehmen Pastorius
Als die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg eingriffen, befahl man den verbleibenden deutschen Saboteuren in den USA, dort ein Chaos anzurichten. Die Befehle dafür wurden vom Nachrichtendienst Abwehr gegeben. Im Juni 1942 wurden acht Agenten rekrutiert, die man in zwei Teams einteilte: das von George John Dasch (alias George Henry Aldasch) angeführte erste Team bestand weiterhin aus Ernst Peter Burger, Heinrich Harm Heinck und Richard Quirin. Das zweite Team bildeten, zusätzlich zu ihrem Kommandanten Edward John Kerling, Hermann Otto Neubauer, Werner Thiel und Herbert Hans Haupt.
Am 12. Juni 1942 setzte das deutsche U-Boot U-202 das mit Sprengstoff und Plänen für East Hampton (Long Island, New York) bewaffnete Team von Dasch ab.Jonathan Wallace: Military Tribunals., in: spectacle.org. Ihr Plan umfasste die Sprengung von Kraftwerken bei den Niagarafällen sowie dreier Alcoa-Kraftwerke in Illinois, Tennessee und New York. Dasch stellte sich jedoch dem FBI und gab ihm sämtliche Informationen über die geplante Mission, was zur Verhaftung des gesamten Teams führte.
Die Gruppe um Kerling landete am 17. Juni 1942 mit U-584 am Ponte Vedra Beach (40 km südöstlich von Jacksonville, Florida). Ihre Aufgabe war die Verminung von vier Gebieten: die Pennsylvania Railroad in Newark, New Jersey, Kanalschleusen in St. Louis und Cincinnati, sowie weiterer Plätze in New York. Das Geständnis von Dasch führte am 10. Juli auch für Kerlings Gruppe zur Verhaftung.
Allen acht deutschen Agenten wurde von einem Militärgericht der Prozess gemacht, in dem sechs von ihnen zum Tode verurteilt wurden. Präsident Roosevelt befürwortete die Entscheidungen. Die Konstitutionalität des Tribunals wurde vom Supreme Court in Ex parte Quirin getragen und die sechs Männer wurden am 8. August 1942 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Dasch und Burger wurden beide zu einer 30-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. 1948 wurden sie freigelassen und nach Deutschland deportiert.. uboatwar.net. Dasch, der vor dem Krieg lange in Amerika gelebt hatte, war wegen seiner Zusammenarbeit mit den Behörden der Vereinigten Staaten Anfeindungen in Deutschland ausgesetzt. Eine Auflage seiner Deportation war, dass er nie in die USA zurückkehren durfte, was sich auch nicht durch die vielen seiner Briefe an prominente Amerikaner (zum Beispiel an J. Edgar Hoover und Präsident Eisenhower) änderte. Später zog er in die Schweiz, wo er das Buch Eight Spies Against America schrieb.W. A. Swanberg: The spies who came in from the sea, American Heritage Magazine, Vol. 21, Nr. 3, April 1970. Er starb 89-jährig in Ludwigshafen.
Operation Elster
Unter dem Kodenamen Operation Elster gab es 1944 einen weiteren Infiltrationsversuch deutscherseits gegen die USA. Teil dieser Operation waren Erich Gimpel und der deutsch-amerikanische Überläufer William Colepaugh. Ihre Aufgabe war, Informationen über das Manhattan-Projekt zu beschaffen und es, wenn möglich, zu sabotieren. Die beiden starteten in Kiel mit U-1230, das sie am 30. November 1944 an den Hancock Point in Maine brachte. Sie gelangten bis nach New York und kamen unentdeckt voran, doch Colepaugh beging später Fahnenflucht. Nachdem Gimpel ihm darauf das Gepäck und den Koffer mit Spionageinhalt wegnehmen konnte, kam Colepaugh in seiner aussichtslosen Lage bei alten Bekannten unter, die am 26. Dezember das FBI informierten. Colepaugh verriet den gesamten Plan, woraufhin Gimpel vier Tage später verhaftet wurde. Gimpel gelang es, noch vor seiner Verhaftung eine Nachricht über die atomare Bewaffnung der USA an den Abwehrdienst in Deutschland zu funken. Beide erhielten die Todesstrafe, die aber später in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Gimpel verbrachte daraufhin die nächsten zehn Jahre im Gefängnis. Colepaugh wurde 1960 entlassen und gründete ein Geschäft in King of Prussia, Pennsylvania, bevor er sich in Florida zur Ruhe setzte.
Deutsche Landungen in Kanada St. Martins, New Brunswick