Radio Grischa, rätoromanisch für «Graubünden», ist ein Bündner Lokalradio für das Konzessionsgebiet Südostschweiz-Glarus mit Sitz in Chur. Der Sender gehört zur Schweizer Mediengruppe Somedia und ging 1988 als erstes Bündner Privatradio auf Sendung.

Redaktionssitz und Studios befinden sich im Medienhaus im Westen der Bündner Hauptstadt an der Sommeraustrasse 32.

Die Hauptsendesprache ist Bündnerdeutsch. Entsprechend der Dreisprachigkeit Graubündens werden auch Beiträge in rätoromanischer und italienischer Sprache ausgestrahlt.

Markenzeichen des Senders ist das langjährige Steinbock-Maskottchen «Rocko», eine Anlehnung an das Wappentier des Kantons Graubünden.

mini|Radio-Grischa-Werbebanner, hier am Medienhaus der Somedia angebracht

Geschichte

Gründung und Sendestart (1986–1989) Ursprünglich ging Radio Grischa 1987 für 30 Tage als temporäre Radiostation auf Sendung. Anlass war das 125. Jubiläum der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG, heute UBS), das mit dem 25-jährigen Bestehen der Bank in Graubünden zusammenfiel. Die SBG sponserte den einmonatigen Versuch. Zur Realisierung wurde im September 1986 ein gleichnamiger Verein gegründet.

Das erste Studio befand sich in den Räumlichkeiten der damaligen SBG an der Gäuggelistrasse in Chur. Programmleiter war der Berner Journalist und Radiopionier Matthias Lauterburg. Heute bekannte Namen wie Felix Benesch, Tristan Brenn, Claudia Cadruvi, Jürg Rageth und Gieri Spescha gehörten zum Gründerteam.

Das Programm des ersten Bündner Privatradios stiess auf reges Interesse. Angetrieben durch den unerwartet grossen Zuspruch der Hörer, beschlossen die Verantwortlichen im August 1988, eine Konzessionsbewerbung für einen dauerhaften Betrieb beim Bund einzureichen. Die Radio Grischa AG wurde einen Tag zuvor gegründet.

Grischa erhielt daraufhin die Konzession. Der offizielle Sendestart mit Vollprogramm war im Dezember 1988 im späteren Verbreitungsgebiet Nordbünden. Das Studio befand sich fortan in der Churer Neumühle an der Gürtelstrasse. Zur Radio-Crew gesellten sich u. a. auch Andri Franziskus, Gianluca Galgani, Yvonne Dünser und Roman «Howey» Senn.

Ende Juni 1989 erreichte das Radio laut einer Umfrage bereits etwa ein Drittel der damaligen Bündner Bevölkerung.

Studio Neumühle Für viel Aufmerksamkeit sorgte das neue Radiostudio in der Neumühle, darunter speziell die Sendeanlage mit Touchscreen. Die Bedienung der Studiotechnik erfolgte nämlich ausschliesslich über den Bildschirm; ein herkömmliches Mischpult kam nicht zum Einsatz. Tonträger und Mikrofone wurden direkt über den Touchscreen eingespielt.

Radio Grischa war das erste computergesteuerte Radio Mitteleuropas. Medienfachleute aus ganz Europa und den Vereinigten Arabischen Emiraten besuchten das Studio des Senders.

1990er Jahre 1995 zog Grischa von der Gürtelstrasse in neue Studioräumlichkeiten an der Masanserstrasse.

Interne Unruhen und finanzielle Herausforderungen (1995–1997) In den 90er Jahren war es noch üblich, dass Geschäfts- und Programmleitung bei Schweizer Privatradios in Personalunion geführt wurden. Dies traf auch auf Radio Grischa zu. 1995 forderte der damalige Leiter Gieri Spescha im Rahmen der Programmreform unter anderem eine Rollentrennung. Der Verwaltungsrat der Radio Grischa AG lehnte dies jedoch ab. Mangels Einigung wurde Spescha schliesslich entlassen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Senders solidarisierten sich mit ihrem Vorgesetzten und protestierten gegen die Entlassung. In einer Protestaktion nutzten sie, entgegen journalistischer Grundsätze, das Radio selbst als Plattform für ihre Kritik am Vorgehen des Verwaltungsrats. Mitunter wurden auch Kündigungsdrohungen geäussert.

Anschliessend kam es bis 1997 zu diversen personellen Umbrüchen. Die Radio Grischa AG setzte einen neuen Verwaltungsratspräsidenten ein. Ausserdem wurde die Werbeabteilung des Senders neu besetzt. Patrick Vogt übernahm 1996 die Programmleitung von Grischa.

Neben der hohen Personalfluktuation machten schon länger finanzielle Probleme dem Radio zu schaffen. Ohne Gebührenanteile und die Verbreitungsleistungen der Tele Rätia AG, welche einen kostenfreien Betrieb von UKW-Sendern ermöglichte, wäre der Erhalt des Programms kaum möglich gewesen. Dazu kamen ein wenig ertragreicher Bündner Werbemarkt und die zunehmende Konkurrenz durch neue Medienangebote, was die Refinanzierung via Lokalmarkt zunehmend erschwerte.

Mehrheitsübernahme durch die Gasser AG Die Gasser AG (später Gasser Holding) war ursprünglich als Minderheitsaktionärin am Radiosender beteiligt. Ende der 90er-Jahre trennten sich mehrere Hauptaktionäre aus wirtschaftlichen Gründen von ihren Anteilen. In der Folge übernahm die Gasser Holding AG 1998 die Aktienmehrheit der Trägergesellschaft.

Verleger Hanspeter Lebrument, der damalige Geschäftsführer der Gasser-Gruppe, wurde im selben Jahr Verwaltungsratspräsident der Radio Grischa AG. Lebrument ging anschliessend eine Werbeallianz mit dem Innerschweizer Radio Central ein. Der gemeinsame Auftritt unter dem Namen Südostschweiz hatte zum Ziel, die Attraktivität der Sender für nationale Werbekampagnen zu erhöhen. Die Zusammenarbeit mit Central wurde später wieder eingestellt.

Weltrekord im Dauerwunschkonzert 1998 Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums brach Radio Grischa den Weltrekord im Dauerwunschkonzert. Zwischen November und Dezember 1998 wurden 5700 Musikwünsche in einem eigens dafür errichteten Studio über den Äther geschickt. Der Rekord wurde im Guinness-Buch der Rekorde 2000 festgehalten.

2000er Jahre

Eingliederung in die Südostschweiz Medien AG Die Gasser Holding ging 2000 vollständig in der 1997 gegründeten Südostschweiz Medien AG (heute Somedia) von Hanspeter Lebrument auf. Damit wurde die Radio Grischa AG zu einer Tochtergesellschaft der Südostschweiz Medien und firmierte künftig als Südostschweiz Radio/TV AG. Der Gesellschaftszweck umfasste, neben der Haltung einer Radiokonzession, neu auch den Betrieb des 1999 gestarteten TV-Senders Tele Südostschweiz. Im selben Jahr folgte ein weiterer Umzug des Radiosenders an die Comercialstrasse. Der Fernsehbetrieb wurde 2009 in die ehemalige Radio Grischa Werbe resp. Südostschweiz GrischaCom AG überführt (neu Südostschweiz TV AG).

Zusammenarbeit mit Radio Piz/Engiadina Der 1990 gegründete Südbünder Sender Radio Piz (ehem. Piz Corvatsch) ging aus finanziellen Gründen im Jahr 2000 eine Kooperation mit Radio Grischa ein. Mit Ausnahme der vierstündigen Morgensendung, welche Radio Piz selbst produzierte, wurde fortan das Mantelprogramm von Grischa ausgestrahlt. 2002 wurde die Trägergesellschaft von Radio Piz, die Radio Piz AG, mit der Südostschweiz Radio/TV AG fusioniert.

2004 wurde Piz einem Relaunch unterzogen. Das neue Radio Engiadina sendete nun wieder ein volles Tagesprogramm mit Fokus aufs Engadin. Die enge Zusammenarbeit mit Grischa blieb bestehen. Engiadina wurde später wieder auf ein Programmfenster reduziert.

Erneute Verschärfung der wirtschaftlichen Lage (ab 2004)

Verkauf der Tele Rätia AG Der Kabelnetzbetreiber Swisscom Broadcast übernahm 2004 84,4 % des Aktienkapitals der 1980 gegründeten Tele Rätia AG vom Kanton Graubünden. Nebst der Versorgung mit Fernsehprogrammen war die Tele Rätia auch für den Betrieb von 21 UKW-Umsetzern zuständig. In diesem Zusammenhang erbrachte die Tele Rätia Verbreitungsleistungen für die Sender Grischa und Engiadina. Dies hatte eine merkliche Steigerung der Verbreitungskosten zur Folge.

Im Jahr 2000 liess das Bundesgericht in einem Urteil bezüglich eines Rechtsstreits über die Gebührenerhebung der Tele Rätia AG unter anderem verlauten, dass der Kanton ohne Empfangsmöglichkeit (terrestrische Antenne) keine Gebühr für lokale Sendeanlagen verlangen dürfe. Ein blosser Besitz eines Empfangsgeräts genügte demgemäss nicht. Das Urteil verunmöglichte damit die vorgängige Gebührenpraxis, welche auch den Radiosendern zugutekam.

Rückgang der ausgewiesenen Hörerzahlen Der SRG-Forschungsdienst (Vorgänger der heutigen Mediapulse AG) nahm für das Jahr 2004 Änderungen am Berechnungsschlüssel für die Radiocontrol-Zahlen vor. Ursache dafür war eine Erhöhung der Anzahl Messuhren.

Folglich wurde vom Messsystem Radiocontrol für das Jahr 2004 eine Reichweite von etwa 75'000 Hörern ausgewiesen, was einer Halbierung der 2003 erfassten rund 150'000 Hörer für die Sender Grischa und Engiadina entsprach. Da die Sekundenpreise für Radiowerbung von den Hörerzahlen abhängig sind, sanken dementsprechend die Einnahmen und der Umsatz der beiden Radiosender ab 2006. Für das Jahr 2005 durften sich Radio Grischa und Engiadina im Rahmen einer Übergangslösung ausnahmsweise auf die Hörerzahlen von 2003 stützen. Die ausgewiesene Reichweite blieb ab 2004 stabil.

Sanierung der Trägergesellschaft infolge von Verlusten Die Einstellung des unentgeltlichen Vertriebs durch die Tele Rätia, der Rückgang der ausgewiesenen Hörerzahlen und die daraus resultierenden Einbussen bei den Werbeeinnahmen sowie sinkende Einkünfte aus dem Gebührensplitting führten zum Verlust des gesamten Aktienkapitals der Trägergesellschaft in Höhe von 980'000 Franken. Infolgedessen wurde die Südostschweiz Radio/TV AG 2007 durch eine Kapitalzufuhr von 320'000 Franken saniert.

Spezialsendung zum Nationalfeiertag 2009 2009 sendete das Radio anlässlich des Nationalfeiertages aus dem Swisscoy-Camp im Kosovo. Die Spezialsendung wurde in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Soldatensender Radio Casablanca realisiert.

2010er Jahre

Weltrekord im Dauertelefonieren 2011 2011 brach Radio Grischa mit den Churerinnen Sarah Capaul und Myriam Thomann den Weltrekord im Dauertelefonieren und erhielt infolgedessen einen zweiten Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. Das Telefonat dauerte 43 Stunden, 8 Minuten und 55 Sekunden.

Erschliessung des Kantons Glarus 2013 begann Grischa mit der Erschliessung des Kantons Glarus. Die bisherigen Versorgungsgebiete Graubünden Nord (Kanton Graubünden ohne Bezirke Bernina, Inn und Maloja; A13 Landquart–Sargans, A3 Sargans–Walenstadt) und Graubünden Süd (Bezirke Bernina, Inn und Maloja) waren zuvor, ergänzt durch den Kanton Glarus (ohne Gemeinde Bilten), durch den Bundesrat 2007 im Rahmen der RTVV-Totalrevision als Region Südostschweiz definiert worden.

Mit ein Grund für die Schaffung des Versorgungsgebiets Region Südostschweiz war die eingeschränkte wirtschaftliche Perspektive der bisherigen Sender Grischa und Engiadina. Der RTVV-Entwurf sah ursprünglich eine Beibehaltung der beiden Versorgungsgebiete Nord- und Südbünden vor. Schliesslich kam das BAKOM den Forderungen nach einem grösseren Sendegebiet im Südosten der Schweiz nach und änderte die Einteilung nach dem Vernehmlassungsverfahren.

Zusammenschluss mit Radio Engiadina Radio Engiadina wurde im Januar 2014 mit Grischa zusammengelegt. Der Südbündner Sender wurde infolge der Markenvereinheitlichung in Radio Grischa umbenannt. Das in Samedan produzierte Fensterprogramm (neu Grischa Süd) blieb zunächst bestehen.

Rechtsstreit mit der Radio Südost AG Im April 2014 wurde die Konzession für das neue erweiterte Sendegebiet Graubünden, Sarganserland und Glarus definitiv an Radio Grischa vergeben. Das Bundesverwaltungsgericht hatte die letzte Klage der Radio Südost AG von Roger Schawinski gegen die Konzessionserteilung an Grischa als gegenstandslos abgeschrieben.

Damit wurde der Konzessionsentscheid des BAKOM aus dem Jahre 2008, der zu einem sechsjährigen Rechtsstreit zwischen der Südostschweiz Radio/TV AG und der Radio Südost AG geführt hatte, definitiv bestätigt. Schawinski reichte daraufhin Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein. Im August 2015 erklärte das Gericht die Beschwerde für unzulässig. Das Projekt «Radio Südost» wurde infolgedessen eingestellt.

Die Initianten des unterlegenen Senders Radio Südost, Roger Schawinski, Stefan Bühler, Daniel Siegel und Matthias Eppenberger argumentierten vergeblich, dass mit dem Entscheid des UVEK die Meinungs- und Angebotsvielfalt nicht gewährleistet sei.