Die Grafschaft Katzenelnbogen war eine reichsunmittelbare Grafschaft des Heiligen Römischen Reichs, die von 1095 bis 1479 bestand und zwei territoriale Schwerpunkte hatte: am Mittelrhein und in Südhessen. Ab 1479 waren die Landgrafen von Hessen Besitzer der Grafschaft und Träger des Grafentitels. Der Titel „Graf zu Katzenelnbogen“ ist bis heute Bestandteil des Familiennamens im Haus Hessen. Weitere Träger des Titels sind die Vertreter zweier noch regierender Häuser, nämlich der Großherzog von Luxemburg sowie der König der Niederlande. Stammsitz der Grafen war die Burg Katzenelnbogen in der heutigen Stadt Katzenelnbogen.
Selbst auf ihrem Höhepunkt war das Gebiet der Grafschaft in zwei Hauptgebiete geteilt, die später – als Folge der 1567 erfolgten Teilung der Landgrafschaft Hessen – jeweils zum Kern unterschiedlicher Territorien wurden: die Niedergrafschaft um Katzenelnbogen und die Burg Rheinfels, später Kern der bald wieder erloschenen Landgrafschaft Hessen-Rheinfels, die Obergrafschaft um Darmstadt, später Kern der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.
Geschichte mini|Katzenelnbogen – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|Burg Katzenelnbogen in der Stadt Katzenelnbogen im heutigen Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz Die Katzenelnbogener werden erstmals in den Siegburger Urkunden des 11. Jahrhunderts mit Diether I. als Vogt der Abtei Prüm (ca. 1065–1095), erwähnt:
1066–1075Das Datum bestimmt sich einerseits durch die Bestätigung der Stiftung Siegburgs durch Papst Alexander II vom 15. Mai 1066 (Lacomblet I, 206), andererseits durch den Tod Erzbischofs Annos am 4. Dezember 1075. Erzbischof Anno II. von Köln bekundet, dass er die Nutzung der Güter zu Sülz (Sulsa) des von ihm zu Ehren der Heiligen Maria und Michael gegründeten Klosters Siegburg unter Zustimmung und Mitwirkung des Abtes Erpho (Kloster Siegburg), dem Edlen Dietrich und dessen Frau MeinlindisSo wird sie in einer undatierten Urkunde Erzbischof Friedrichs I von Köln über den Siegburger Besitz mit Bezug auf diese Prekarie genannt.(Knipping, Kölner Regesten. I, 125) auf Lebenszeit übergeben hat. Hierfür haben Dietrich und seine Frau dem genannten Kloster ihren Besitz zu Kirchscheid (Sceida) mit 30 namentlich genannten Hörigen übereignet. – Anschließend werden 49 Zeugen (mit Vornamen) genannt. – Et ut hoc stabile et inconvulsum permaneat, istius cirografi et sigilli nostri approbatione confirmare curavimus.Über die ausgedehnte Literatur zu dieser Urkunde, ihre Echtheit, ihre heraldisch-sphragistische Bedeutung und ihre genealogische Einreihung in das katzenelnbogeische Haus vgl. Karl E. Demandt: Anfänge und Aufstieg (Nassauische Annalen 63, 1952) Kap. 1.
und scheinen ihren ältesten Sitz im Einrich auf der Egenroth gehabt zu haben:Karl E. Demandt, Geschichte des Landes Hessen, S. 207
1095–1096Die Urkunde ist datiert: Acta sunt hec confirmata Sigeberg anno archiepiscopatus nostri VII. Da Hermann seit Juni 1089 Erzbischof war, fällt die obige Rechtshandlung in das Jahr von Juni 1095–1096. Siegburg – Erzbischof Hermann von Köln bekundet, dass Heinrich und Diether, Söhne Diethers des Älteren, dem Abt Reinhard und Kloster Siegburg von ihren Erbgütern bei Lay, heute ein Stadtteil von Koblenz, den größeren Teil ihres Salhofes mit Zubehör für 100 Mark verkauft haben. Die Vergabung (donatio) der Kirche, welche auf diesem Allod erbaut ist, soll allein dem Abt zustehen und diese nicht nur für die zum Hofe gehörenden Leute, sondern auch für alle Bewohner eines vom Laubach (Loip-), Königsbach (Cunge-) und Wacke begrenzten Bezirkes kirchlich zuständig sein.Nach Günther, Cod. Dipl II S.V sind Laubach und Königsbach zwei Waldbäche in den oberhalb Lays liegenden Waldungen. – Die Übergabe geschah auf den Altar des Heiligen Michael durch die Hände des Erzbischofs und des Grafen Adalbert von Nörvenich, Vogt dieses Ortes, und wurde durch den Eide zweier Diener derselben, Ordunc und Hartbert, bekräftigt, wobei die beiden Ministerialen Wippizo und Dumelo als Machtboten (missi) des Pfalzgrafen Heinrich II. zugegen waren.Vgl. dazu Karl E. Demandt: Anfänge und Aufstieg (Nassauer Annalen 63) Kapitel 1, wo diese Urkunde nach der genealogischen und ortsgeschichtlichen Seite eingehend behandelt ist mit dem Ergebnis, dass der Rechtsvorgang selbst nicht zu bezweifeln ist und Diether der Ältere und seine beiden Söhne ins katzenelnbogische Haus gehören.
Die rechtsrheinisch etwa zwanzig Kilometer östlich der Loreley im Taunus gelegene Burg Katzenelnbogen wurde ab 1094 von Diether I. und seinem Sohn Heinrich I. erbaut. Vermutlich agierten sie dabei als Vögte des Klosters Bleidenstadt, auf dessen Vogteigut die Burg entstand. Kurz darauf gaben sie vermutlich Burg Egenroth auf, gründeten aber um 1130 am Fuß deren Burgbergs Kloster Gronau, das für knapp zwei Jahrhunderte das Hauskloster des Geschlechts war.
Heinrich II. von Katzenelnbogen war der erste politisch bedeutende Vertreter des Grafenhauses, was wohl damit zusammenhängt, dass sein Halbbruder Hermann von Stahleck der Schwager von König Konrad III. war. Konrad übertrug Heinrich II. 1138 die Grafschaft im Kraichgau (südlich Heidelberg) und verlieh dem Haus dadurch die Grafenwürde. Zudem berief Konrad 1141 Heinrichs Bruder Philipp von Katzenelnbogen zum Bischof von Osnabrück.
Kaiser Friedrich I. berief 1174 Hermann von Katzenelnbogen zum Bischof von Münster und setzte ihn mehrfach in diplomatischer Funktion ein, unter anderem in Rom und Byzanz. Hermann II. machte Kloster Eberbach zum Hauskloster der Katzenelnbogener, in dem sich von 1311 an im Südteil des Querschiffes der Klosterkirche die Familiengrablege befand. Hermann blieb auch unter Heinrich VI. und Otto IV. ein wichtiger Amtsträger. Sein Bruder Diether war Kanzler von Heinrich VI. und starb 1191 bei dessen Italienfeldzug.
1190 erhielten die Grafen das Vogteirecht und erbauten zwischen 1190 und 1230 die Burg Hohenstein an der Aar, den späteren Verwaltungssitz der Grafschaft.Hohenstein (Taunus) In Wikipedia, Stand 31. Dezember 2006
1219 erhielten die Katzenelnbogener erstmals das Zollprivileg von Sankt Goar. mini|Gedenktafel mit dem Katzenelnbogener Wappen im Pallas von Schloss Auerbach Diether IV. von Katzenelnbogen baute Burg Lichtenberg zu einem territorialpolitischen Mittelpunkt aus und nannte sich „comes de Lichtenberg“ (Graf von Lichtenberg).Museum Schloss Lichtenberg, Ausstellungstafel Des Weiteren baute er Schloss Auerbach zum Schutz der Besitzungen Auerbach und Zwingenberg an der Bergstraße.
Um die Mitte des 13. Jahrhunderts errichteten die Grafen von Katzenelnbogen in Darmstadt eine Wasserburg, die den nördlichen Ausgangspunkt der als Verkehrsweg vielgenutzten Bergstraße und damit den Handel zwischen Heidelberg und Frankfurt kontrollierte.
Im Jahr 1245 baute Diether V. von Katzenelnbogen die linksrheinische Burg Rheinfels bei Sankt Goar und konnte damit sowohl von den rheinaufwärts als auch von den rheinabwärts fahrenden Schiffen Zoll erheben (Sankt Goarer Doppelzoll). Diether V. vergrößerte 1249 seinen Besitz in der Rhein-Main-Spitze wesentlich, da ihm der staufische Gegenkönig Wilhelm von Holland die Pfalz Tribur und den zugehörigen Reichsbesitz, für dessen Hilfe gegen die römische Kirche und gegen Kaiser Friedrich II. und dessen Sohn Konrad IV., übertrug. Trotz des Eintritts in den Rheinischen Städtebund, der unter anderem die Zollerhebung regeln sollte, erhöhte Diether V. 1255 den Zoll und wurde deshalb von einem Heer des Städtebundes angegriffen. Die Burg Rheinfels hielt ein Jahr und 14 Wochen der Belagerung von 8000 Fußknechten, 1000 Reitern und 50 Schiffen stand, ehe die Angreifer unverrichteter Dinge wieder abzogen. 1259 kam das Erbe der Herren von Dornberg mit der Burg Dornberg, nach deren Aussterben, an die Katzenelnbogener.
Die Schwester Diethers V., Adelheid, heiratete vor 1250 Walram II. von Nassau, den Begründer der Walramschen Linie des Hauses Nassau, und war Mutter von König Adolf von Nassau sowie von Diether von Nassau, Erzbischof zu Trier (1300–1307).
Teilung Mit dem Teilungsvertrag von 1260 teilte sich das Haus in eine ältere (vertreten durch Diether V.) und eine jüngere Linie (vertreten durch Eberhard I.), wobei die ältere Linie vermehrt Besitzungen in der Niedergrafschaft und die jüngere Linie vermehrt Besitzungen in der Obergrafschaft erhielten. Beide Linien blieben jedoch durch Besitzungen und Rechte im Territorium der jeweils anderen eng miteinander verbunden, anders als bei vielen vergleichbaren Aufspaltungen von Adelshäusern. Beispielsweise stimmten sie ihr umfangreiches und architektonisch ambitioniertes Burgenbauprogramm miteinander ab.
Ältere Linie Diether V. hatte bereits um 1257 die Burg Dornberg erworben und seinen Hauptsitz dorthin verlegt. Der Sohn Diethers V., Wilhelm I. von Katzenelnbogen, heiratete 1284 Irmgard von Isenburg, was ihm Besitz um Sankt Goarshausen einbrachte. Zusammen mit der ab 1319 errichteten Burg Reichenberg und der um 1370 errichteten Burg Neukatzenelnbogen („Burg Katz“) bildete dieser Besitz die Verbindung des linksrheinischen Sankt Goar-Rheinfels mit den Herrschaftsgebieten auf dem Einrich.
Kaiser Ludwig IV., der Bayer (1314–1347) verlieh Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen am 23. Juli 1330 das Stadtrecht für seinen Ort Darmstadt. Dies bedeutete vor allem das Recht, eine Mauer zu errichten, von der heute noch Reste erhalten sind, und einen Markt abhalten zu dürfen.
Eberhard V. erbaute vor 1368 die Burg Schwalbach. Zuvor hatten Eberhard V. und sein Bruder Wilhelm II. ihren Herrschaftsbereich geteilt. Die neue Burg diente Eberhard V. als neue Residenz im nördlichen Bereich der Niedergrafschaft.
1375 waren Wilhelm II. und Eberhard V. maßgeblich an der Gründung des Löwenbundes beteiligt, der sich durch seine städtefeindliche Politik auszeichnet. 1385, nach dem Tod von Wilhelm II., wählte Gräfin Elisabeth von Katzenelnbogen das 1331 erstmals erwähnte Schloss Darmstadt als ihren Witwensitz und begründet erstmals eine fürstliche Hofhaltung in Darmstadt. 1402 starb die ältere Linie mit Eberhard V. in der männlichen Linie aus.
Jüngere Linie Im Jahre 1260 gründeten die Katzenelnbogener die Stadt Reinheim. Dort errichteten sie 1276 auch ein Wasserschloss.
Eberhard I., der Begründer der jüngeren Linie, trat 1275 in die Dienste des Königs Rudolf von Habsburg und wurde einer seiner bewährtesten Räte. Außerdem hatte er erheblichen Einfluss auf König Adolf von Nassau, dessen Onkel er war, und schließlich auch auf Adolfs Gegner und Überwinder König Albrecht I., den Sohn Rudolfs von Habsburg. Diesen Beziehungen entsprachen die territorialen Gewinne Eberhards I. (Tribur, Bopparder Reichszoll, Burg Braubach, Burg Stadeck).
1283 kaufte Eberhard I. die Burg Braubach, Stadt und Zoll von Braubach am Rhein. 1311 verstarb Eberhard I. Sein ihm nachfolgender Sohn Gerhard von Katzenelnbogen starb bereits 1312. Daraufhin teilten sich der Bruder Gerhards, Berthold III., und Gerhards Sohn, Eberhard II., vertreten durch Eberhards Mutter Margarethe, die Besitztümer 1318:
1354 starb mit Eberhard IV. der letzte männliche Nachkomme Bertholds III., und die jüngere Linie wurde unter Diether VIII., einem Sohn Johanns II., wieder vereint.
Am 18. Oktober 1356 erschütterte ein schweres Erdbeben den Oberrheingraben. Zahlreiche Städte, Dörfer und Burgen wurden davon betroffen, vieles stürzte ein. Hierbei stürzte auch auf dem Auerbacher Schloss der große Bergfried ein und fiel auf einige Gebäude. In der Folgezeit (ab 1370) wurde das Auerbacher Schloss, durch erhebliche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen (erste Bastion in Deutschland), zu einer der modernsten Burganlagen seiner Zeit ausgebaut.