mini|Barettabzeichen der Panzergrenadiere bei der Bundeswehr mini|Abgesessene Gruppe Panzergrenadiere
Die Panzergrenadiertruppe ist eine Truppengattung im Heer der Bundeswehr. Die deutsche Panzergrenadiertruppe zählt zu den Kampftruppen des Heeres und bildet mit der Panzertruppe den Truppengattungsverbund Panzertruppen. Hauptwaffensystem der Panzergrenadiertruppe ist der Schützenpanzer Puma. Aufgesessen ist die Hauptaufgabe der Kampf gegen feindliche Infanterie und Panzerverbände in offenem Gelände, abgesessen aufgrund ihrer Ausrüstung vorrangig gegen feindliche Infanterie in teilbedecktem Gelände.
Auftrag mini|Absitzende Panzergrenadiere mini|Abgesessene Panzergrenadiere im Alarmposten (PzGren Btl 411)
Die Panzergrenadiertruppe der Bundeswehr ist als mechanisierte und panzerbegleitende Infanterie konzipiert. Besonderes Merkmal ist der schnelle Wechsel der Kampfweise. Die Truppe kämpft aufgesessen vom Schützenpanzer aus, kann für den infanteristischen Kampf aber auch absitzen. Merkmal der Panzergrenadiertruppe ist ihre hohe Beweglichkeit, die sich durch Mobilität und Schutz ihrer Schützenpanzer auch in schwierigem Umfeld ergibt. Ihr Einsatz erfolgt daher meist im Verbund mit Kampfpanzern, seltener auch mit der Infanterie für Missionen im urbanen Gefechtsraum. Zum Gefecht der verbundenen Waffen (Operationen verbundener Kräfte) ist die Panzergrenadiertruppe uneingeschränkt in der Lage. Flachfeuer der Rohrwaffen wird durch Steilfeuer, früher aus Mörsern, heute durch Rohrartillerie ergänzt. Mörser sind heute nicht mehr Teil der Panzergrenadierbataillone. Panzerabwehrwaffen und Panzerabwehrhandwaffen ermöglichen der Truppe sowohl auf- als auch abgesessen den Kampf gegen feindliche Kampf- und Schützenpanzer. Abgesessen bekämpfen Panzergrenadiere feindliche Infanterie, auch in urbanem Gefechtsraum oder dort, wo das Gelände leicht durchschnitten oder mit Waldstücken teilbedeckt ist, da dort Panzer allein nur schwer einsetzbar oder durch feindliche Infanterie in hohem Maß bedroht sind. Die Panzergrenadiertruppe nutzt dazu das Gelände zum eigenen Vorteil. In urbanem Gefechtsraum sind Panzergrenadiere abgesessen zum Orts- und Häuserkampf bedingt befähigt. Bei geeignetem Gelände werden abgesessene Panzergrenadiere durch Kampfpanzer verstärkt oder mit diesen gemischt. Diese geben Feuerschutz, bekämpfen Kampfpanzer oder Feinde in Feldbefestigungen.
Die Heeresdienstvorschrift (HDv) 100/100 (Ausführung aus dem Jahr 2000) charakterisiert die Panzergrenadiertruppe und ihr Zusammenwirken mit der Panzertruppe so:
Das Gefecht des Panzergrenadierbataillons wird in der HDv 231/100 so charakterisiert:
Geschichte mini|Bundeswehrsoldaten mit MG1 und G3 während eines Manövers, im Hintergrund ein Schützenpanzer Kurz „Hotchkiss“, 1960 mini|Panzergrenadiere während der KFOR-Mission
Heeresstrukturen I und II Noch vor der offiziellen Gründung der Bundeswehr hatte das Amt Blank in seinen internen Planungen in den frühen 1950ern festgelegt, dass nicht mehr infanteristische Großverbände das Rückgrat des neuen Heeres bilden sollten, sondern vielmehr gemischte Infanterie- und Panzerverbände gemäß dem Konzept des Gefechts der verbundenen Waffen. Der Vorstoß der Planungsabteilung des Amts Blank im April 1953, infanteristische und gepanzerte Kräfte auch organisatorisch vollends unter der Bezeichnung Panzertruppen zusammenzufassen, scheiterte jedoch an einer starken Lobby ehemaliger Infanterieoffiziere der Wehrmacht innerhalb des Amts Blank, die sich auch dem Verlust des Infanteriebegriffs stark widersetzten. Letztlich war die Lösung, die infanteristischen Heeresteile in eine autarke »leichte Infanterie« und eine in Verbindung mit Panzern einzusetzende »schwere Infanterie« zu teilen, wobei die Panzergrenadiertruppe letzterer Komponente entsprechen sollte.
Bei Aufstellung der Bundeswehr ab 1955 wurden zunächst nur Grenadierverbände aufgestellt, da es an Schützenpanzern fehlte. Diese gehörten zur Infanterie. Geplant war die Aufstellung von acht Grenadierdivisionen. In der Heeresstruktur I waren Panzergrenadiere nur als Lehrbataillon in Munster und in den beiden aufzustellenden Panzerdivisionen (3. und 4. Division) eingeplant. Nur das Lehrbataillon verfügte über den US-amerikanischen Schützenpanzer M39 – die Bataillone der Divisionen waren nur mit Lkw Borgward B 2000 A/O ausgerüstet. Flächendeckend wurde der M39 auch später nicht für die Panzergrenadiertruppe beschafft.
Die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und die geforderte Fähigkeit zur beweglichen Gefechtsführung, auch unter atomarer Bedrohung, führten zur Entscheidung, die Mehrzahl der Panzergrenadierbataillone vollmechanisiert mit Kettenfahrzeugen auszurüsten.
In der Heeresstruktur II wurden die Grenadierdivisionen ab 1959 in Panzergrenadierdivisionen umgegliedert. Dem Heer lief dazu der neu entwickelte, aber skandalumwitterte Schützenpanzer (SPz) HS 30 zu. Verbände, die keinen Schützenpanzer erhielten, wurden als Panzergrenadierbataillon (mot) bezeichnet. Ab 1962 wurden die mot-Einheiten durch Zulauf des US-amerikanischen Mannschaftstransportwagens M113 zu Panzergrenadierbataillonen (MTW) umgerüstet. Jede Panzerdivision gliederte sich in zwei Panzerbrigaden und eine Panzergrenadierbrigade und jede Panzergrenadierdivision in zwei Panzergrenadierbrigaden und eine Panzerbrigade. Jede Panzergrenadierbrigade bestand aus zwei Bataillonen (SPz), einem Bataillon (mot oder MTW), einem Artilleriebataillon und Brigadeeinheiten.
Heeresstrukturen III und IV mini|Gliederung eines Panzergrenadierbataillons einer Panzergrenadierbrigade in der Heeresstruktur IV In der Heeresstruktur III wurden, begründet mit der Infanterieschwäche, zwei Divisionen zu Jägerdivisionen (2. und 4. Division) umgegliedert. Aufgestellt waren bis dahin 10 Panzer- und Panzergrenadierdivisionen des Heeres sowie zwei weitere Brigaden in der 1. Gebirgsdivision. Die Grenadierbataillone waren mit MTW M-113 ausgerüstet. In den Panzer- und Panzergrenadierdivisionen waren die Panzergrenadiere nunmehr bis auf die Divisionsjägerbataillone die einzige Infanterie.
Etwa zehn Jahre nach Einführung des HS 30 ersetzte der Schützenpanzer Marder dieses Fahrzeug. Um die Panzerabwehrfähigkeit der Truppe zu stärken, wurde unter Verteidigungsminister Georg Leber die deutsch-französische Panzerabwehrlenkwaffe MILAN eingeführt. Die Panzergrenadierbataillone (MTW) wurden durch Umgliederung mit Schützenpanzern ausgerüstet. Um eine infanteriestarke Komponente in den Verbänden für den Waldkampf und den Ort- und Häuserkampf zu haben, wurden überwiegend die 4./ Grenadierkompanien der Bataillone mit MTW ausgestattet.
In der Heeresstruktur IV (1980–1992) wurden die Jägerdivisionen zu Panzergrenadierdivisionen zurückgegliedert und die Brigaden wurden um ein viertes Kampftruppenbataillon verstärkt. Die neu aufgestellten Einser-Bataillone wurden als gemischte Panzer- oder Panzergrenadierbataillone gegliedert. In den Panzergrenadierbrigaden wurden die vierten Kampfkompanien der unterstellten Bataillone mit MTW M-113 ausgerüstet. In den Panzerbrigaden dagegen waren die Panzergrenadiere ausschließlich mit dem Marder ausgerüstet.
Insgesamt gab es 64 Panzergrenadierbataillone, davon auch erstmals zwei in der Heimatschutzbrigade 56 im Territorialheer. Diese mechanisierte Heimatschutzbrigade wurde als vierte Brigade der 1. Gebirgsdivision unterstellt. Heeresstrukturen V und später In der Heeresstruktur V (N) wurden die Brigaden einheitlich mit je zwei Panzer- und Panzergrenadierbataillonen aufgestellt. Die Panzergrenadiertruppe wechselte von der Infanterie zu den gepanzerten Kampftruppen, später umbenannt in Panzertruppen. Im Zuge der Transformation der Bundeswehr werden die Panzermörserkompanien aufgelöst und die Panzermörser M113 außer Dienst gestellt.
Ausbildung mini|Abgesessene Panzergrenadiere mit dem AGDUS bei der Gefechtsausbildung
Die Ausbildung der Panzertruppe erfolgt im Wesentlichen an der Schule gepanzerte Kampftruppen, die ein Teilbereich der Panzertruppenschule in Munster ist. Der Kommandeur der Schule gepanzerte Kampftruppen ist gleichzeitig General der Panzertruppen und ist verantwortlich für die Ausbildung der Panzertruppen. Für die Weiterentwicklung der Truppengattung ist seit Juni 2013 das Amt für Heeresentwicklung zuständig. Einzelne wesentliche Ausbildungsabschnitte werden auch an der Infanterieschule durchgeführt, insbesondere Lehrgänge zum Orts- und Waldkampf.
Organisation mini|Geplante Aufstellung der Panzergrenadiertruppe in der Bundeswehr und Verteilung des Schützenpanzer Puma
Einordnung In der Bundeswehr gehörten die Panzergrenadiere zunächst wie die Jägertruppe zur Infanterie. Mit Umsetzung der Heeresstruktur 5 (N) im Jahr 1995 wurden die Panzergrenadiere zusammen mit der Panzertruppe und weiteren im Truppengattungsverbund Gepanzerte Kampftruppen zusammengefasst. Seit 2005 wurden die Panzergrenadiertruppe und die Panzertruppe im Truppengattungsverbund Panzertruppen zusammengefasst. Die Panzergrenadiertruppe und die Panzertruppe zählen zu den Kampftruppen der Bundeswehr.
Aktive Verbände Typischerweise verfügen Panzergrenadierbataillone über eine Stabskompanie, drei Kampfkompanien und eine weitere Kompanie als Ausbildungskompanie. Das Heer verfügt über neun aktive Panzergrenadierbataillone mit 27 Panzergrenadierkompanien für 5 mechanisierte Brigaden, die der 1. Panzerdivision oder der 10. Panzerdivision unterstellt und drei Korps assigniert sind.
Bezeichnung Ort Verband Bemerkung20px|Internes Verbandsabzeichen Panzergrenadierbataillon 33 Neustadt am Rübenberge Panzerlehrbrigade 9 20px|Internes Verbandsabzeichen Panzergrenadierlehrbataillon 92 Munster Panzerlehrbrigade 9 20px|Internes Verbandsabzeichen Panzergrenadierbataillon 112 Regen Panzerbrigade 12 20px|Internes Verbandsabzeichen Panzergrenadierbataillon 122 Oberviechtach Panzerbrigade 12 geplant für die Panzerbrigade 4522px|Internes Verbandsabzeichen PzGrenBtl 212 Panzergrenadierbataillon 212 Augustdorf Panzergrenadierbrigade 37 20px|Internes Verbandsabzeichen Panzergrenadierbataillon 391 Bad Salzungen Panzergrenadierbrigade 37 20px|Internes Verbandsabzeichen Panzergrenadierbataillon 371 Marienberg Panzergrenadierbrigade 37 20px|Internes Verbandsabzeichen Panzergrenadierbataillon 401 Hagenow Panzergrenadierbrigade 41 20px|Internes Verbandsabzeichen Panzergrenadierbataillon 411 Viereck Panzergrenadierbrigade 41
Im Oktober 2011 wurde beschlossen, das Panzerbataillon 33 in das Panzergrenadierbataillon 33 umzugliedern.
Nicht aktive Verbände 2008 wurden folgende zwei nichtaktive Panzergrenadierbataillone (ohne Großmaterial) aufgestellt: Bezeichnung Ort Verband Kräftekategorie20px|Internes VerbandsabzeichenPanzergrenadierbataillon 908ViereckPanzergrenadierbrigade 41, Wirtschaftstruppenteil: Panzergrenadierbataillon 411-20px|Internes Verbandsabzeichen Panzergrenadierbataillon 909MarienbergPanzergrenadierbrigade 37, Wirtschaftstruppenteil: Panzergrenadierbataillon 371-
Außer Dienst gestellte Verbände
Ausrüstung Hauptwaffensystem mini|Schützenpanzer Marder im ManöverDas Hauptwaffensystem der Panzergrenadierbataillone ist der Schützenpanzer Marder 1A3 und 1A5. Aufgesessen erlaubt die am Turm montierte Panzerabwehrwaffe MILAN oder MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) die Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge.
Der Schützenpanzer Puma befindet sich im Zulauf, einige Panzergrenadierbataillone in der Umrüstung. Jede der 3 Kampfkompanien eines Bataillons soll 14 Schützenpanzer Puma erhalten, zusätzlich 2 Schützenpanzer als bewegliche Befehlsstelle des Bataillonskommandeurs, so dass jedes Bataillon über 44 Schützenpanzer verfügen wird.
Die Jagdpanzer Jaguar 1A3 und Panzermörser M113 wurden 2005 und 2006 ausgesondert.
Die Panzerabwehr soll durch die Ausstattung mit dem PARS 3 LR je Zug oder Gruppe, die Feuerunterstützung durch die Panzerhaubitze 2000 der Artillerie erfolgen.
Infanteriesysteme