Michael Epkenhans (* 27. Juni 1955 in Wiedenbrück) ist ein deutscher Neuzeithistoriker mit Schwerpunkt Militär- und Marinegeschichte. Von 1996 bis 2009 war er Direktor der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh. Bis 2021 war er außerplanmäßiger Professor an der Universität Hamburg und Leitender Wissenschaftler am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Epkenhans gilt durch seine Forschungen als einer der führenden Marinehistoriker in Deutschland. Sein Spezialgebiet ist der Erste Weltkrieg.
Leben Michael Epkenhans studierte von 1975 bis 1982 Geschichte und Anglistik an der Universität Münster. 1982 und 1985 legte er die Staatsexamina für das Lehramt für die Sekundarstufe I und II ab. Im Jahr 1989 wurde er mit einer von Manfred Botzenhart und Marie-Luise Recker angeregten und betreuten Arbeit über die wilhelminische Flottenrüstung von 1908 bis 1914 zum Dr. phil. promoviert. Von 1989 bis 1991 war er Wissenschaftlicher Volontär am Provinzialinstitut für Westfälische Landes- und Volksforschung in Münster.
Von 1992 bis 1996 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg. Von 1994 bis 1996 war er Lehrbeauftragter für Neuere Geschichte an der Universität Heidelberg. Von 1996 bis 2009 war er Direktor der Otto-von-Bismarck-Stiftung mit Sitz in Friedrichsruh bei Hamburg. Im Jahr 2004 erfolgte die durch Wilhelm Deist angeregte Habilitation zu Albert Hopman an der Universität Hamburg im Fach Neuere Geschichte. Epkenhans ist außerplanmäßiger Professor am Historischen Seminar (Arbeitsbereich Deutsche Geschichte) der Universität Hamburg. Im Februar 2009 wurde Epkenhans der Forschungsdirektor des Militärgeschichtlichen Forschungsamts in Potsdam, das bis Ende 2012 bestand.Sven Felix Kellerhoff: Michael Epkenhans leitet Forschung des MGFA. In: Die Welt, 8. Januar 2009, Nr. 6, S. 23. Seit 2013 leitete er die Abteilung Forschung am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Seit 2014 war er der Leitende Wissenschaftler des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Seit 2016 war er Geschäftsführender Beamter und Stellvertreter des Kommandeurs im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Am 31. März 2021 trat er in den Ruhestand.
Epkenhans gehört dem Editorial Board des Journal of Strategic Studies an. Er ist Mitglied im Arbeitskreis Militärgeschichte, in der Navy Records Society, in der Deutschen Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte und im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands sowie Kuratoriumsvorsitzender des Deutschen Marinemuseums, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Otto-von-Bismarck-Stiftung und Freundeskreisvorsitzender der Marineschule Mürwik.
Werk Epkenhans ist bekannt geworden durch seine Arbeiten über die Kaiserliche Marine. In seiner 1991 veröffentlichten Dissertation zur deutschen Flottenpolitik befasste er sich mit den in der Forschung bis dahin wenig beachteten Zeitraum von 1908 bis 1914.Vgl. dazu die Besprechungen von Franz-Josef Kos in: Historische Zeitschrift 258 (1994), S. 235–237; Ralf Forsbach in: Archiv für Sozialgeschichte 34 (1994), S. 641–642 (online); François-Emmanuel Brézet in: Francia 19/3 (1992), S. 249–251 (online); Holger H. Herwig in: The Journal of Modern History 66 (1994), S. 212–213; Lothar Burchardt in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 40 (1995), S. 202–203; Werner Rahn in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 60 (1997), S. 1293–1296 (online); Katharine A. Lerman in: European History Quarterly 23 (1993), S. 277–279; Michael Salewski in: Das Historisch-Politische Buch 40 (1992), S. 387. Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil befasst sich mit dem Reichsmarineamt im Geflecht der deutschen Innen- und Außenpolitik bis 1912. Der zweite Teil untersucht während des gleichen Zeitraums die Verbindungen zwischen Wirtschaft und Flottenbau. Der letzte Teil behandelt den endgültigen Verfall des „Tirpitzplanes“ im Zeitraum von 1912 bis 1914. Im letzten Abschnitt untersuchte er die vieldiskutierte „Julikrise“ 1914 und dabei den deutschen Entscheidungsprozess aus dem Blickwinkel der Marineführung. Er vertrat die These, dass das Reich im Juli 1914 schließlich „die Flucht nach vorne“ gewählt habe.Vgl. dazu die Besprechung von Lothar Burchardt in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte 40 (1995), S. 202–203, hier: S. 203. Er leistete mit dieser Studie einen wichtigen Beitrag zur Geschichte des wilhelminischen Deutschland.Vgl. die Besprechung von Franz-Josef Kos in: Historische Zeitschrift 258 (1994), S. 235–237, hier: S. 237. Ausgehend von seiner Dissertation wird er als einer der besten Kenner der wilhelminischen Flottenrüstung eingeschätzt. Zu seinen weiteren Publikationen zählen Darstellungen zur deutschen Geschichte der Neuzeit, insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts. Er ist Autor zahlreicher Schulbuchbeiträge und war Herausgeber von 37 Heften der Schriftenreihe Friedrichsruher Beiträge zur historisch-politischen Bildung der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Gemeinsam mit Karl Teppe veröffentlichte Epkenhans 1991 den Sammelband Westfalen und Preußen. Integration und Regionalismus, der die Ergebnisse einer Tagung des Provinzialinstituts für westfälische Landes- und Volksforschung aus dem Jahr 1990 anlässlich der 175. Wiederkehr der Eingliederung Westfalens in das Königreich Preußen bündelt. Zentrales Thema der 14 Beiträge ist das Wechselverhältnis zwischen preußischer Herrschaft und westfälischem Regionalismus. Dabei beabsichtigen die Herausgeber, die „Realgeschichte von Integration und Regionalismus“ zu untersuchen.Michael Epkenhans, Karl Teppe: Einleitung. In: Dies. (Hrsg.): Westfalen und Preußen. Integration und Regionalismus. Paderborn 1991, S. 1–20, hier: S. 11. Vgl. dazu die Besprechungen von Rüdiger Schütz in: Rheinische Vierteljahrsblätter 58 (1994), S. 421–425 (online); Susanne Kill in: Historische Zeitschrift 258 (1994), S. 816–817.
Im Jahr 2003 entdeckte Michael Epkenhans in einem Bremer Antiquariat Abschriften von insgesamt 51 Briefen von Admiral Reinhard Scheer an seine Ehefrau aus den letzten Kriegsmonaten 1918. Seine Quellenedition im Jahr 2006 ergänzte Epkenhans durch eine ausführliche, als biographische Skizze angelegte Einleitung. Angesichts des Fehlens einer wissenschaftlichen Biographie über Scheer kommt der Briefedition eine hohe dokumentarische Bedeutung zu. Die von Epkenhans herausgegebenen Briefe geben Einblicke in Scheer als Politiker, Militär und Privatmann.Vgl. dazu die Besprechung von Jürgen W. Schmidt in: Das Historisch-Politische Buch 55 (2017), S. 179–180. Ebenfalls 2003 gab Epkenhans mit Gerhard P. Groß einen Sammelband heraus, der auf die 44. Internationale Tagung für Militärgeschichte in Reinbek zum Thema Das Militär und der Aufbruch in die Moderne 1860 bis 1890 zurückgeht. Die Beiträge untersuchen das Verhältnis von Militär und jeweiligen politischen System, das Verhältnis des Militär zu den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen und das Verhältnis von technologischem Wandel und Militär. Ein viertes Kapitel widmet sich dem Militärmuseum als Ort der Unterweisung.Vgl. dazu die Besprechungen von Jürgen Angelow in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 92 (2005), S. 327–328; Ralf Pröve in: Historische Zeitschrift 280 (2005), S. 218; Eberhard Kolb: Auf dem Pulverfaß. Der Aufbruch des Militärs in die Moderne 1860 bis 1890. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juni 2004, Nr. 130, S. 10.
Als weiteres „Ego-Dokument“ eines maßgeblichen Marineangehörigen veröffentlichte Epkenhans im Jahr 2004 eine viel beachtete Edition der Tagebücher, Briefe und Aufzeichnungen Albert Hopmans, eines der ranghöchsten Admirale der Kaiserlichen Marine.Vgl. dazu die Besprechungen von Holger H. Herwig in: The Journal of Modern History 78 (2006), S. 762–764; Andreas Leipold in: Jahrbuch für europäische Überseegeschichte 9 (2009), S. 295 f.; Marian Nebelin in: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 18 (2008), S. 130 f.; Jost Dülfer: Seemann ahoi! In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 12. Februar 2007, Nr. 36, S. 7 (online); Dieter Fricke in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 53 (2005), S. 850–852; Franz-Josef Kos in: Historische Zeitschrift 280 (2005), S. 772–774. In seiner Einleitung charakterisiert Epkenhans Admiral Hopman als typischen „Wilhelminer“: Wie alle Militärs dieser Epoche beanspruchte er für das Deutsche Reich eine führende Rolle. Seine Hoffnung zum 100. Jahrestag von Sedan, „Deutschland [...] wieder groß auf der Welt [...] als Primus inter pares unter den andern Völkern Europas“ zu sehen, erfüllte sich jedoch nicht.Michael Epkenhans: Albert Hopman. Das ereignisreiche Leben eines „Wilhelminers“. Tagebücher, Briefe, Aufzeichnungen 1901 bis 1920. München 2004, S. 93. Epkenhans kommt zu der Einsicht, dass die von Hopman repräsentierten Marinekreise um Alfred von Tirpitz nicht direkt in die politisch-diplomatischen Ereignisse um den Ausbruch des Ersten Weltkriegs involviert waren, da „die politischen Entscheidungen allein im Auswärtigen Amt und in der Reichskanzlei getroffen“ wurden.Michael Epkenhans: Albert Hopman. Das ereignisreiche Leben eines „Wilhelminers“. Tagebücher, Briefe, Aufzeichnungen 1901 bis 1920. München 2004, S. 45. Hopmans Nähe zu den damaligen politischen Schaltstellen und seine präzise und nüchterne Erfassungsgabe machen seine Selbstzeugnisse dennoch zu einem Schlüsseldokument der Kriegsursachen- und Kriegszielforschung, da sie wichtige außen- und marinepolitische Entscheidungen aus den Jahren vor 1914 und während des Ersten Weltkriegs aus direkter Beobachtung nachzeichnen.
Gemeinsam mit Karen Hagemann und Stig Förster gab Epkenhans 2006 im Ergebnis einer Tagung zum Thema Militärische Erinnerungskultur einen Sammelband mit 16 Beiträgen heraus. In ihrer Einleitung erörtern die Herausgeber die Möglichkeiten und Grenzen der Auswertung von Selbstzeugnissen für die militärgeschichtliche Forschung.Michael Epkenhans, Stig Förster, Karen Hagemann: Selbstzeugnisse in der Militärgeschichte – Möglichkeiten und Grenzen. In: Dies. (Hrsg.): Militärische Erinnerungskultur. Soldaten im Spiegel von Biographien, Memoiren und Selbstzeugnissen. Paderborn 2006, S. IX–XVI. Ebenfalls im Jahr 2006 nahm Epkenhans in Reinbek an der Tagung „90 Tage Skagerrakschlacht“ teil, welche die Vorgeschichte und den Verlauf der bedeutenden Seeschlacht des Ersten Weltkriegs sowie ihre erinnerungsgeschichtliche Verarbeitung in den Blick nahm. Die Erträge wurden in einem von Epkenhans, Jörg Hillmann und Frank Nägler herausgegebenen Sammelband 2009 veröffentlicht.Vgl. dazu die Besprechung von Jürgen W. Schmidt in: Das Historisch-Politische Buch 57 (2009), S. 180–181.