Die Evangelische Allianz in Deutschland (EAD; früher: Deutsche Evangelische Allianz) ist ein Netzwerk evangelikaler Christen aus verschiedenen Kirchen und Gemeinschaften, die sich auf einer gemeinsamen Glaubensbasis verbunden fühlen. Es handelt sich um den deutschen Zweig einer internationalen Einheitsbewegung, die 1846 in London ihren Ursprung hatte. Ziel war damals wie heute die Einheit der Christen, gemeinsames Beten, gemeinsamer Glaube, gemeinsames Bezeugen des Evangeliums und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung.

Rechtlich ist die Evangelische Allianz Deutschland als eingetragener Verein mit Sitz in Bad Blankenburg in Thüringen organisiert; der Verein bildet die Klammer eines Netzwerks aus rund 900 „Ortsallianzen“ sowie 370 ideell mit der Allianz verbundenen Vereinen und Werken, die indes juristisch-organisatorisch nicht von der EAD abhängig sind.Die Evangelische Allianz vor Ort, auf ead.de

Die EAD gehört zum Netzwerk der Europäischen Evangelischen Allianz und der Weltweiten Evangelischen Allianz. Regelmäßiges Publikationsorgan ist das Quartalsmagazin EiNS.

Theologische Basis Die theologische Basis der Evangelischen Allianz Deutschland betont: die Allmacht, Gnade, Schöpfung, Offenbarung, Erlösung, Endgericht und Vollendung durch den biblisch bezeugten Gott die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift und ihre völlige Zuverlässigkeit und höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung die Erlösungsbedürftigkeit, das heißt völlige Sündhaftigkeit und Schuld der Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen Erlösung des Menschen allein durch Gottes Gnade aufgrund des Opfertodes Jesu Bekehrung und Wiedergeburt des Menschen durch den Heiligen Geist das Priestertum aller Gläubigen, das zur Verkündigung des Evangeliums verpflichtet die sichtbare Wiederkunft Jesu Christi, leibliche Auferstehung der Toten zu Gericht und ewigem Leben der Erlösten

Damit wird die Evangelische Allianz Deutschland ebenso wie ihre Dachverbände dem Evangelikalismus zugeordnet und versteht sich auch selbst als Netzwerk evangelikaler Christen aus unterschiedlichen Kirchen, Gemeinden und Gruppen. BEFG, abgerufen am 30. Juli 2023. Jürgen Werth, ehemaliger Vorsitzender der Allianz, definierte evangelikal gemeinsam mit Fritz Laubach folgendermaßen: „Sie sammeln sich um Bibel und Gebet und betonen die Notwendigkeit einer bewussten Glaubensentscheidung. Leben im Glauben bedeutet für sie gemeinsames missionarisches Zeugnis und soziales Engagement. Kritischen Anfragen an den christlichen Glauben und das kirchliche Bekenntnis stehen sie offen gegenüber und suchen nach konstruktiven Antworten. Sie halten an der Vertrauenswürdigkeit der Bibel und am Bekenntnis fest.“ Er definiert evangelikal weiter als „evangelisch“ im Ursprungssinne der reformatorischen Grundsätze: Sola fide, Sola scriptura, Sola gratia, Solus Christus.Christlicher Medienverbund KEP: In: die-Evangelikalen.de vom 14. Juni 2011. 2018 wurde die gemeinsame Basis des Glaubens sprachlich überarbeitet.

Geschichte mini|August Tholuck mini|Gottfried Wilhelm Lehmann mini|Anna von Weling mini|Georg von Viebahn Vom 1. bis 3. Oktober 1845 fanden sich in Liverpool insgesamt 216 Vertreter von zwanzig verschiedenen britischen Denominationen zusammen, um eine Gründungskonferenz für eine internationale Evangelische Allianz vorzubereiten. In diesem Zusammenhang wurden auch Einladungen an deutsche Kirchenvertreter ausgesprochen. Die Adressaten der Einladungsschreiben sind jedoch nicht mehr alle bekannt. Aus der Liste der Konferenzteilnehmer 1846 lassen sich nur die Namen derer ermitteln, die diese Einladung annahmen. Zu ihnen gehörte unter anderen der evangelische Pfarrer Christian Gottlob Barth, der Calvin-Forscher Jules Bonnet, der protestantische Theologieprofessor August Tholuck und Johann Gerhard Oncken, der Begründer der deutschen Baptistenbewegung.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 13. Auch die streng lutherisch ausgerichtete Berliner Theologische Fakultät hatte eine Einladung nach London erhalten. In ihren Akten befindet sich der nicht veröffentlichte Entwurf eines Antwortschreibens, das von dem Alttestamentler Ernst Wilhelm Hengstenberg verfasst worden war: Es [ergänze: Eine Teilnahme an der Gründungskonferenz] heiße die Kirche verraten, wenn mann sich mit den Cananitern, Hethitern, Amoritern, Pheresitern und Jebusitern der Neuzeit verbrüdern und verschwägern wolle. Nicht 'Friede, Friede!' rufen, sondern 'Hie Schwert des Herrn und Gideon!' .Zitiert nach: Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 14. Der Kirchengeschichtler August Neander, ebenfalls Lehrstuhlinhaber der Berliner Universität und ein Vertreter der deutschen Erweckungsbewegung, widersprach Hengstenberg, nahm an der Gründungskonferenz teil und machte seinen Schüler Johann Hinrich Wichern, Begründer der Inneren Mission auf die Allianzbewegung aufmerksam. Wichern nahm den Gedanken einer evangelischen Allianz zunächst begeistert auf,Martin Gerhardt: Ein Jahrhundert Innere Mission. Band I (Die Wichernzeit). 1948, S. 191. wandte sich aber später enttäuscht davon ab, da die Allianzbemühungen seiner Einschätzung nach eher eine geistliche als eine praktisch-diakonische Zusammenarbeit zum Ziel hatten.Vgl. Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 14f. Sein geistiger Ziehvater Tholuck blieb gegenüber der Gründung eines deutschen Zweiges der Allianz eher indifferent, war aber bis ins hohe Alter Gast und gern gehörter Referent bei den Konferenzen der Weltweiten Evangelischen Allianz.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 17.

1851 fand in London die zweite Konferenz der Weltweiten Evangelischen Allianz statt. Der Kreis der deutschen Teilnehmer hatte sich erweitert. Neben Georg Treviranus, Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde, hatten sich auch der reformierte Elberfelder Theologe Friedrich Wilhelm Krummacher, der Berliner Baptistenprediger Gottfried Wilhelm Lehmann und der evangelische Karlsruher Pfarrer Jakob Theodor PlittZu Plitt siehe (PDF; 377 kB); eingesehen am 28. September 2010. nach England begeben. Nach Deutschland zurückgekehrt gründeten die norddeutschen Teilnehmer das Komitee des Norddeutschen Zweiges der Evangelischen Allianz.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 18.

Norddeutscher Zweig Das erste norddeutsche Allianz-Komitee entwickelte offensichtlich keine bedeutenden Aktivitäten, denn einige Zeit später erfolgte im Jahr 1851 in Berlin unter dem Namen Norddeutscher Zweig der Evangelischen Allianz eine Neugründung.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz. 1969, S. 23. Initiatoren waren der evangelische Pfarrer Eduard Wilhelm Theodor Kuntze und der bereits erwähnte Baptistenprediger Gottfried Wilhelm Lehmann. Der norddeutsche Zweig der Evangelischen Allianz nannte sich in der Öffentlichkeit zunächst Evangelischer Bund.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 19. Man traf sich zunächst einmal pro Monat im Pfarrhaus an der Berliner Elisabeth-Kirche und erlebte ein rasches Wachstum. Neben weiteren Gliedern der Landeskirche kamen Methodisten und Angehörige der Brüdergemeinde hinzu, so dass die monatlichen Treffen ins Missionshaus an der Sebaststraße verlegt wurden. Ein dort beschlossenes Statut, in dem das 1846 beschlossene Glaubensbekenntnis der Evangelischen Allianz aufgenommen und durch weitere Beschlüsse bezüglich Mitgliedschaft und Zielsetzungen erweitert worden war, wurde von folgenden Personen unterschrieben: Eduard Wilhelm Theodor Kuntze (Pastor an der St.-Elisabeth-Kirche), Salomon Lachs (Professor am Königlichen Taubstummen-Institut), Kollberg (Hilfsprediger an der St.-Elisabeth-Kirche), Lobeck (Generalagent der Berliner Lebens-Versicherungs-Gesellschaft), Gottfried Wilhelm Lehmann (Ältester der Baptistengemeinde), Wünsche (Prediger der Brüdergemeinde), Nickel (Rentier) und Ferdinand Bues (Prediger der Baptistengemeinde).Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 20ff.

Im Jahr 1853 formte sich ein Allianzkreis in Hamburg, möglicherweise unter Mithilfe von Johann Gerhard Oncken, dem Wegbereiter des deutschen Baptismus. Oncken hatte an der Gründungsversammlung der Evangelischen Allianz im Jahr 1846 in London teilgenommen.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 23.

Allianzkonferenz 1857 in Berlin Die dritte Konferenz der internationalen Evangelischen Allianz, die vom 9. bis zum 17. September 1857 in der Berliner Garnisonkirche stattfand und vom Evangelischen Bund mitorganisiert worden war, brachte für die deutsche Allianzbewegung den entscheidenden Durchbruch. Fast tausend Theologen und ca. 300 Laien nahmen an der Versammlung teil. Schirmherr wurde der preußische König Friedrich Wilhelm IV., entgegen der Warnung von Friedrich von Maltzan (Rostock), nicht „die kirchliche Union zwischen lutherischen und reformierten Gemeinden in Preußen weiterhin zu fördern“.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 25. Der Monarch unterstützte die Organisation der Veranstaltung mit 200 Friedrich d’or, der Magistrat der Stadt Berlin beteiligte sich mit 1.500 Talern.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 30. Am 11. September 1857 lud der König die Konferenzteilnehmer, rund 800 Personen, zu einem Empfang ins Schloss Sanssouci ein.

Auf der Berliner Konferenz hatten sich die Abgeordneten aller Kirchen zu ihrer eigenen Kirche bekannt, jedoch auch ihren Willen eines gemeinsamen Bruderbundes bekundet. Landeskirchliche wie auch freikirchliche Vertreter hatten ihren Willen zur Mission geäußert und der Ruf nach einer staatsfreien Volkskirche war verstärkt worden.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 43 ff.

Entwicklung ab 1858 Als Folge der Berliner Konferenz bildete sich 1858 ein Württembergischer Zweig der Evangelischen Allianz, der als „Verein zur Förderung der Liebe und Eintracht unter den Christen“ gegründet worden war. Die erste Württembergische Allianzversammlung fand am 2. Februar 1859 in Ludwigsburg statt.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 45.

Die erste Allianzgebetswoche wurde für das Jahr 1860 ausgerufen. Dabei bediente man sich der Texte, die von der britischen Allianz zur Verfügung gestellt wurden. Die Gebetsanliegen wurden durch zwei Referenten vorgetragen. Zwei andere Referenten beteten dann im Namen aller Versammelten.Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland. Wuppertal 1969, S. 47 f.

Um 1860 entstand ein rheinischer Zweig, an dessen Spitze Pfarrer Gräber, Präses der Barmer Missionsgesellschaft, stand. Zudem bildete sich eine Gruppe von Allianzfreunden in Berlin, die 1875 von dem Vorsitzenden Graf Egloffstein und dem Sekretär Hermann Meßner geleitet wurde. Im Rahmen eines Besuches von James Davis, einem Vertreter der englischen Allianz, im Jahr 1876 kam es zu einem Treffen mit dem deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck. Der sah den Wert der Allianz in einer gemeinsamen Plattform für wechselseitigen Austausch und vereinigtes Handeln zur Verteidigung der Prinzipien bürgerlicher und religiöser Freiheit.