mini|Eine Karikatur aus dem Deutsch-Dänischen Krieg: „Ein marschmässig ausgerüsteter österreichischer Offiziersbursche“ Offiziersburschen (in Deutschland amtlich Offizierburschen) waren unter anderem im Heer des deutschen Kaiserreichs Soldaten im aktiven Dienst, die den Offizieren aller Grade, Ärzten und Zahlmeistern zur persönlichen Bedienung überwiesen waren. Sie durften nicht Gefreite sein. Jeder Offizier erhielt nur einen Offizierburschen.

In Österreich-Ungarn wurden solche Bedienstete Offiziersdiener (intern unter den österreichischen Offizieren auch „Putzfleck“ oder „Pfeifendeckel“) genannt. Sie zählten nicht zu den Kombattanten, sondern waren zum Dienst ohne Waffe ausgehoben. Eine bekannte literarische Figur, die so einen österreichischen Offiziersburschen verkörpert, ist der „brave Soldat Schwejk“.

Die Errichtung der Reichswehr in der Weimarer Republik hatte das Ende der Offiziersburschen in Deutschland zur Folge. Teile ihrer Aufgaben übernahmen die zum Aufwartungsdienst eingeteilten Soldaten.Offizierbursche. In: Großer Brockhaus. Band 13, Leipzig 1932.

Geschichte Bereits die Ritter des Mittelalters kannten den Schildknappen als jemanden, der sich vom untersten Ende der militärischen Leiter hochzudienen hatte. Dieser entstammte jedoch dem Adel und war quasi ein Ritter in Ausbildung. Ihm oblag bspw. die Pflege der Waffen seines Herrn und Lehrmeisters, teilweise aber auch die Aufwartung bei Tisch, sofern letzteres nicht ein (Edel-)Page übernahm. Für die Ausführung von schmutzigen und körperlich anstrengenden Arbeiten waren dagegen einfache nichtadlige Knechte bestimmt.

Mit der Herausbildung des frühmodernen Heerwesens erhielten die Angehörigen des neuen Offiziersstandes besondere Bedienstete. Teilweise waren dies von ihnen selbst zu entlohnende, private Leib- und Kammerdiener, teilweise aber auch Soldaten, die aus der Kompaniekasse besoldet wurden. Dazu zählten die Trabanten, die vor allem als Leibwächter fungierten, und mehr noch die sog. Leibschützen, die aus den hochherrschaftlichen Büchsenspannern hervorgegangen waren. Ab Ende des 18. Jahrhunderts entwickelten sich zudem die ehemaligen Gehilfen der Fouriere, die Fourierschützen, immer mehr zu bloßen Offiziersdienern, blieben aber, wie die Leibschützen und Trabanten, stets Soldaten.Wilhelm Bichmann: Chronik des k. k. Infanterie-Regiments Nr. 62., dermalen Ludwig Prinz von Bayern von seiner Errichtung 1798 bis 1880. Wien 1880, S. 358. Diese Angehörigen des Soldatenstandes waren die eigentlichen Offiziersburschen.

Aufgaben Im Deutschen Reich begann die Wehrpflicht mit 17 Jahren, der aktive Dienst mit dem vollendeten 20. Lebensjahr, und dauerte zwei Jahre bei der Infanterie und drei Jahre bei der Kavallerie.

Gegenüber dem Offizier, der sich seinen Burschen auswählte, bestand in der Regel ein Treueverhältnis bis hin zur Intimität. Erwartet wurde unbedingte Loyalität bis hin zur aufopferungsvollen Hingabe für den Dienstherrn. Die Regimentsgeschichten des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts sind voll mit Berichten, in denen der Bursche seinen Herrn trotz Lebensgefahr nicht verlassen hat, bzw. beim Bergen des Dienstherrn selbst gefallen ist.

Zu seinen täglichen Aufgaben gehörten das Reinigen und Pflegen von Uniform und Waffen, Besorgungs- und Botengänge, das tägliche Reiten des Dienstpferdes, sofern der Offizier nicht dazu kam, das Reinigen des Pferdestalles und die Pflege und Fütterung des Tieres, das Bereitstellen des entsprechenden Anzuges für Paraden, Kirchgang oder Vorgesetzte, die Organisation des Tagesablaufes. Offiziersburschen bekleideten zwar die geringste Dienststellung innerhalb der Streitkräfte, hatten aber in ihrem Offizier einen potenten Fürsprecher und genossen daher auch eine gewisse Freiheit.

Literatur 1880: Der Bursche und der Offizier, Kurzgeschichte von Wsewolod Garschin 1915: Der gute Kamerad von Major von Klaß (Hrsg.). Ein Lern- und Lesebuch für den Dienstunterricht des deutschen Infanteristen. Ausgabe für Bayern, 20. Auflage, Berlin 1915

Rezeption Berühmt geworden ist die Funktion des Burschen im k.u.k.-Heer des Ersten Weltkriegs durch die Titelfigur in Jaroslav Hašeks Kriegsroman Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk (1920–1923) und die darauf basierenden Theaterstücke und Verfilmungen. Im Film Kaisermanöver von 1954 spielte Josef Meinrad einen „Pfeifendeckel“ genannten Offiziersdiener.

Einzelnachweise

Kategorie:Dienststellung (Militär) Kategorie:Fachbegriff (Militärwesen)