Vlora (; ; ; oder Avlona) ist eine Hafenstadt in Südalbanien an der Straße von Otranto, der Meerenge am Übergang zwischen Adria und Ionischem Meer. Mit 66.000 Einwohnern (Volkszählung 2023) ist sie die fünftgrößte Stadt des Landes. Die Bucht von Vlora und die Strände in Stadtnähe sind beliebte Ziele von Touristen. Die Küstenstadt ist Sitz der Behörden des gleichnamigen Qark, der das nähere Umland und die Albanische Riviera sowie die Regionen von Saranda und Delvina umfasst. Zudem ist die Stadt Amtssitz einer Bashkia.

Am 28. November 1912 erklärte sich Albanien in Vlora vom Osmanischen Reich für unabhängig und für eine kurze Zeit war Vlora die Hauptstadt des neuen Staats.

Geographie mini|links|Luftaufnahme von Vlora und Bucht (2014) Lage Vlora liegt am Ufer der Adria, die hier die Bucht von Vlora bildet. An deren Ausgang, rund 15 Kilometer westlich der Stadt, liegt Sazan, die einzige große Insel Albaniens. Bis nach Italien sind es nur etwa 90 Kilometer.

Das Stadtzentrum liegt etwa einen Kilometer vom Ufer des Meeres entfernt. Innenstadt und das Hafengebiet Skela sind aber schon seit Jahrzehnten zusammengewachsen. In Skela befinden sich auch wichtige Einrichtungen wie die Universität und das Fußballstadion. Der Siedlungsbereich reicht auch weiter nach Süden am Ufer der Bucht entlang bis nach Ujë i ftohtë. Im Westen der Stadt befinden sich größere Industrie- und Hafenanlagen.

Das Stadtgebiet ist eingebettet zwischen dem Meer, der Lagune von Narta und Hügeln, den Ausläufern des Küstengebirges. Die Shushica (auch Lumi i Vlorës genannt) fließt nur wenige Kilometer östlich an Vlora vorbei und mündet beim Dorf Armen in die Vjosa. In der Stadt selber gibt es keine nennenswerten Gewässer. Ab Vlora nach Norden erstreckt sich die etwa 150 Kilometer lange Küstenebene Albaniens. Im Süden auf der anderen Seite der Bucht erhebt sich die Halbinsel Karaburun auf über 800 Meter Meereshöhe. Die Hügel im Osten der Stadt sind Ausläufer des Ceraunisches Gebirges, das südlich von Vlora Höhen von mehr als 2000 Metern erreicht.

Die nächsten größeren Städte sind im Norden Fier, im Nordosten Ballsh, im Osten Tepelena und im Südosten am Ionischen Meer die Kleinstadt Himara.

Gemeinde Seit 2015 gehören auch die umliegenden Gemeinden Orikum (südlich), Novosela (nördlich), Qënder (Umland, darunter die Dörfer Narta und Zvërnec) und Shushica (nordöstlich) zur Bashkia Vlora – Küsten-, Hügel- und Berggebiete nördlich und südlich der Stadt. Seither sind dies Njësitë administrative (Verwaltungseinheiten) der Bashkia Vlora. +Njësitë administrative der Bashkia Vlora (ehemalige Gemeinden)NameEinwohner 2023Einwohner 2011Novosela5.0038.209Orikum4.2975.503Qënder5.0247.621Shushica3.0393.981Vlora66.32079.513Total83.683104.827 Die ganze Gemeinde hat 83.683 Einwohner (Volkszählung 2023). Das sind über 10 % weniger als im Jahr 2011. In einzelnen, eher strukturschwachen Gebieten der Gemeinde betrug der Bevölkerungsschwund aber fast 40 %.

Klima In Vlora herrscht wie in Küstenstädten üblich ein mediterranes Klima. Die durchschnittliche Höchsttemperatur im Sommer beträgt 32 °C, im Winter liegt die durchschnittliche Tiefsttemperatur bei 2 °C. Am meisten Niederschlag fällt im November mit 152 Millimeter, im August sind es lediglich 13 Millimeter (Durchschnittswerte).

Bevölkerung Vlora ist nach Tirana und Durrës die drittgrößte Stadt in Albanien. Zu Ende der kommunistischen Ära im Jahr 1989 zählte sie 71.662 Einwohner. 2001 wohnten 77.691 Personen in der Stadt. Doch bis 2007 stieg die Zahl drastisch an: 91.711 Einwohner wurden gezählt. Der Trend hält bis heute an, im Jahr 2010 ergab eine Schätzung für Vlora rund 110.000 Einwohner. Die Volkszählung 2011 ergab aber lediglich 79.513 Einwohner. Die Gründe für das Bevölkerungswachstum trotz gleichzeitiger Emigration und die sich daraus ergebende Erweiterung des Stadtgebiets sind verschieden. Maßgeblich ist es jedoch die Arbeitslosigkeit und die Armut aus den ländlichen Gebieten, vor allem im Osten, die die Menschen nach Vlora treibt, in der Hoffnung hier ihre Lebensqualität zu verbessern. Aber auch das Wirtschaftswachstum, vor allem im Tourismus-Gewerbe, zog viele Arbeitskräfte, Unternehmer und Händler an.

Im Dorf Narta wohnt eine griechischsprachige Minderheit.

Religion Zu den größten Religionen in Vlora zählen der Islam und das orthodoxe Christentum.

Über der Stadt liegt eine Bektaschi-Tekke.

Die Minderheit der Albanischen griechisch-katholischen Kirche praktiziert seit den 1920er Jahren den byzantinischen Ritus in der St. Aloysius- und Marienkirche. Die Apostolische Administratur Südalbanien hat ihren Sitz in Vlora.

Ab dem 16. Jahrhundert gab es Albaniens größte jüdische Gemeinschaft in der Hafenstadt, die jedoch seit den 1990er Jahren mehrheitlich nach Israel oder in die Vereinigten Staaten ausgewandert ist.

Geschichte Antike mini|Antike Mauern Dank ihrer strategischen Lage am Eingang zur Adria war die Bucht von Vlora, die einen natürlichen Hafen bildet, ein von vielen Völkern begehrter Handelsplatz. Für die Entwicklung der Stadt in der Antike ergibt sich mittlerweile diese Abfolge: ein Ortswechsel von Treport nach Vlora um das 1. Jahrhundert v. Chr. und eine Zuwanderung im 6. Jahrhundert n. Chr.

Zunächst bestand eine Siedlung sieben Kilometer nordwestlich nahe der Spitze der Halbinsel Treport. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier bereits gegraben, aber erst seit den Ausgrabungen durch Vasil Bereti um 1990 lassen sich verschiedene Phasen der Besiedlung vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert v. Chr. nachweisen. Reste einer 600 Meter langen, parallel zur Küste verlaufenden Befestigungsmauer wurden freigelegt. Die Stadt, als deren Name Daulia vermutet wird, erlebte ihre Blüte zwischen dem 4. und 2. Jahrhundert v. Chr. Das zur selben Zeit zur Hauptstadt eines wenige Kilometer entfernt im Inland siedelnden Illyrerstammes ausgebaute Byllis hatte mit Daulia seinen nächsten Hafen. Der Ort war im 1. Jahrhundert v. Chr. aufgegeben.

Römische Quellen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. erwähnen eine Zwischenstation auf der Handelsroute entlang der Küste zwischen Dyrrhachium und Buthrotum. Seit 1988 in der Nähe der Muradie-Moschee in der Altstadt Teile einer Stadtbefestigung aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. ausgegraben wurden, wird dieses römische Aulon an der Stelle der heutigen Stadt vermutet. Im 5. Jahrhundert wurde Aulon innerhalb dieser Festungsmauern Bischofssitz. Unter Kaiser Justinian (527–565) wurden die Mauern verstärkt. Eine Zuwanderung erfolgte aus dem im 6. Jahrhundert aufgegebenen Apollonia.

Umkämpfte Stadt im Mittelalter Ende des 6. Jahrhunderts verwüsteten Slawen die Stadt, viele Einwohner flohen auf die Insel Sazan. 1081 plünderten von Apulien aus Normannen im Kampf gegen Byzantiner die Stadt. Von Vlora aus marschierten sie über die Via Egnatia bis nach Konstantinopel. 1204 gelangte Valona zum Despotat Epirus und 1258 fiel der Stauferkönig von Sizilien in Epirus ein und besetzte Korfu und einige Küstenorte Dyrrachium, Valona, Kanina, Buthroton. Michael II. Komnenos Dukas Angelos, Despot von Epirus, gelang es jedoch, Manfred zu einem Bündnis zu bewegen, indem er ihm eine seiner Töchter, Helena, zur Frau gab und als Mitgift das gab, was Manfred ohnehin schon erobert hatte. Die Stauferherrschaft in Albanien sollte allerdings von kurzer Dauer sein. Nach dem Tod Manfreds am 26. Februar 1266 in der Schlacht bei Benevent und der Einkerkerung seiner Frau Helena vonseiten Karls von Anjou beanspruchte Letzterer das Erbe Manfreds (Korfu und die Küstenorte Dyrrachium, Valona, Kanina, Buthroton).

Im Einvernehmen mit Papst Clemens IV. schloss Karl von Anjou in der Residenz des Papstes in Viterbo am 24. Mai 1267 und am 27. Mai mit Wilhelm II. von Villehardouin, dem Fürsten von Achaia (Morea) und mit dem aus Konstantinopel vertriebenen lateinischen Kaiser Balduin II. von Courtenay ein Freundschaftsbündnis und ein Abkommen, das Abkommen von Viterbo, in dem Karl zu guter die Mitgift Helenas, die Ländereien zwischen Korfu und Dyrrachium, erhielt, was er als legitimen Rechtsanspruch ansah.

Ab dem 21. Februar 1272 gehörte Valona zu dem von Karl von Anjou gegründeten Regnum Albaniae. Kastellan war Giacomo Baliniano

1343 wurde Valona von SerbenMiranda Vickers, S. 17 erobert und 1417 als erster adriatischer Hafen von Osmanen geplündert.Miranda Vickers, S. 19 Anschließend wurde Valona von der adligen albanischen Familie Arianiti zurückerobert und 1478, zehn Jahre nach dem Tod des Nationalhelden Skanderbeg, eroberten osmanische Truppen ein zweites Mal die Stadt.

Osmanische Periode Dies dürfte auch der Grund sein, warum gerade nach Vlora ab 1492 aus Spanien sephardische Juden flüchteten und eine größere Gemeinschaft in der Stadt bildeten. Im Jahre 1520 wurden unter türkischer Herrschaft 701 einheimische und 531 jüdische Familien gezählt. mini|Karte von 1573, erkennbar ist die Stadtbefestigung 1537 wurde die Stadt unter Süleyman I. durch Festungsmauern in Form eines Achtecks mit 90 Meter Kantenlänge gesichert, teilweise mit Baumaterial aus dem antiken Daulia. Im Innern befand sich auch ein mächtiger Rundturm; bis 1906 alle Befestigungen abgerissen und das Material für den Bau der Hauptstraße zum Hafen verwendet.

Von den Türken wurde die Stadt nunmehr Avlonya genannt. Der französische Adelige Jean Carlier de Pinon beschreibt in seinem Werk Mon voyaige en Levant, faict l’an 1579 (Meine Reise in die Levante, gemacht im Jahr 1579) die Stadt Vallona (Vlora), die von muslimischen, christlichen und jüdischen Familien bewohnt ist. Laut seinen Angaben hatte Vlora zu dieser Zeit fünf Moscheen mit weißen Minaretten. Der Hafen wurde von vielen Piraten aus der Umgebung genutzt. 1638 drang eine tunesisch-algerische Korsarenflotte in die Adria ein und zog sich in den osmanischen Hafen von Vlora zurück. Eine venezianische Flotte beschoss die Stadt, kaperte die Piratenflotte und befreite 3600 Gefangene.

Evliya Çelebi beschrieb Vlora und die nähere Umgebung im November 1670 ausführlich. Innerhalb der befestigten Stadtmauern gab es rund 300 Lehmhäuser und einen Marktplatz. Außerhalb der Stadtfestung verteilten sich rund 1000 weitere Steinhäuser – zum Teil mehrstöckig – auf eine begrünte Ebene. Es wurden dort zahlreiche verschiedene Früchte und Pflanzen großflächig angebaut.

Im September 1690 ging Vlora an die Republik Venedig und 1691 wieder an die Osmanen. Unter osmanischer Herrschaft entwickelte sich Vlora – nunmehr türkisch Avlona – zur wichtigsten Hafenstadt im Bereich Albaniens und profitierte vor allem vom Handel mit Ragusa.

1810 konnte Tepedelenli Ali Pascha die Stadt für kurze Zeit seinem Herrschaftsgebiet angliedern, bis der osmanische Sultan 1822 Vlora wieder zurückeroberte, als Ali Pascha einem Mordanschlag zum Opfer fiel.Miranda Vickers, S. 43

Politisches Zentrum und militärischer Stützpunkt im 20. Jahrhundert mini|Ismail Qemali rief in Vlora die Unabhängigkeit der Republik Albanien aus. Abgebildet sind die Feierlichkeiten in Vlora zum ersten Jahrestag der Unabhängigkeit Die neuere Geschichte der Stadt war wiederholt von großer Bedeutung für ganz Albanien. Während der Balkankriege wurde Vlora am 3. Dezember 1912 von der griechischen Flotte beschossen. Österreich-Ungarn und Italien forderten Griechenland auf, sich nicht im strategisch wichtigen Vlora einzumischen; ab dann fanden dort keine Kriegshandlungen mehr statt.Miranda Vickers, S. 114 In Vlora rief am 28. November 1912 Ismail Qemali die Unabhängigkeit Albaniens aus. Bis Anfang 1914 war Vlora Sitz der ersten provisorischen Regierung des Landes. Im Dezember 1914 besetzten italienische Truppen die Hafenstadt. Mit Hilfe dieses Stützpunkts kontrollierte Italien den südlichen Ausgang der Adria. 1920 wurden die italienischen Truppen durch einen Aufstand der Albaner zum Rückzug gezwungen.