Sir William Compton (* um 1482; † Juni 1528Brief vom 30. Juni 1528 Wolsey an Heinrich VIII. "Has just heard of the death of William Compton" In: 'Henry VIII: June 1528, 21-30', Letters and Papers, Foreign and Domestic, Henry VIII. Volume 4: 1524-1530. 1875.) war ein englischer Höfling und Günstling von Heinrich VIII. und Vorfahr der adeligen Linie der Earls und Marquesses of Northampton.

Leben Kindheit und Jugend Geboren wurde William Compton um 1482 als Sohn von Edmund Compton, einem eher unbedeutenden Landbesitzer aus Compton in Warwickshire. Als Edmund am 21. April 1493 starb, wurde sein Sohn und Erbe, William, als „elf Jahre alt und mehr“ bezeichnet.Great Britain. Public Record Office (Hg): Calendar of inquisitions post mortem and other analogous documents preserved in the Public Record Office. Henry VII. London: Printed for H. M. Stationery Office by Eyre and Spottiswoode, 1898-1955, S. 377 Nach dem Tod des Vaters kam der Junge an den Hof Königs Heinrich VII. – durch wessen Vermittlung und wann ist nicht bekannt – und wurde laut dem Chronisten William Dugdale ein Page im Haushalt des 9 Jahre jüngeren Prinzen Heinrich.Bernard, G.W.: The Rise of Sir William Compton, Early Tudor Courtier, In: The English Historical Review, Band 96, Nr. 381 (Okt. 1981), Oxford University Press, S. 754 Über diese frühe Zeit in William Comptons Leben ist zwar wenig bekannt, doch ist klar, dass er bald zum engen Vertrautenkreis des Prinzen gehörte, mit dem ihn den Rest seines Lebens eine tiefe Freundschaft verbinden sollte. Wenn z. B. der Hof, wie damals üblich, alle paar Monate von einem Palast in den nächsten umzog, wurde ihm zusammen mit einem anderen Diener die vertrauliche Aufgabe zuteil, vorauszureiten und die Gemächer des Prinzen für dessen Ankunft vorzubereiten.Starkey, David: Henry: Virtuous Prince, Harper Perennial, London, 2009, S. 318

Kammerdiener des Königs mini|Der junge König, Heinrich VIII. um 1509 Wie hoch der Prinz ihn schätzte, wurde 1509 bei dessen Thronbesteigung als Heinrich VIII. sofort deutlich, denn Compton stieg nun rasch auf. Er war bereits bei der Krönung ein führendes Mitglied der Dienerschaft in der Privy Chamber, der Privatgemächer des neuen Königs und damit einer seiner engsten Diener und im April 1510 wurde er dann erstmals offiziell als Groom of the Stool (Kammerdiener des königlichen Toilettenstuhls) bezeichnet, ein Posten, den er 16 Jahre lange innehaben sollte. Der Groom of the Stool war einer der höchstrangigen Diener innerhalb der königlichen Gemächer, seine Aufgabe war es „nicht nur als Kammerdiener des königlichen Toilettenstuhls zu dienen, sondern auch in seinem Schlafgemach und an anderen privaten Orten, wenn der König es wünscht“. Compton diente dem König also, während dieser sich erleichterte und entleerte anschließend den Topf.

Auch wenn dies aus heutiger Sicht eine erniedrigende Arbeit ist, betrachtete man im 16. Jahrhundert jeglichen Dienst an der Person des Königs als große Ehre und viele hochrangige Ritter und Edelleute versuchten ihre Söhne in solche Positionen als Leibdiener des Königs zu bringen. In einer Zeit, in der jedes politische Vorankommen und das Erlangen von Ämtern nur durch persönlichen Kontakt zum Monarchen möglich war, befand sich ein Leibdiener des Königs nämlich in einer beneidenswert vorteilhaften Position von Vertraulichkeit, um Gefallen für sich und seine Familie von diesem zu erbitten oder ihn politisch zu beeinflussen.

In der täglichen Praxis hatte der Groom of the Stool außerdem einen weit umfangreicheren Aufgabenbereich. Er fungierte als Gesellschafter für den König, verteilte dessen Almosen, verwahrte seine Leinenhemden und trug die Verantwortung für die Sammlung an Besitztümern und Gegenständen, die der König von Residenz zu Residenz mitnahm. Vor allem aber verwaltete er die Privy Purse, die private Geldbörse des Königs, Gelder, die für dessen Privatausgaben gedacht waren, etwa für den „Kauf von Geschmeide“ oder für „Wetteinsätze beim Kartenspiel“. Der König nahm in den ersten Wochen seiner Regierungszeit diese Gelder für seine Privatbörse noch selbst entgegen, vertraute sie aber sehr schnell ausschließlich Compton an, der im Namen des Königs bald beträchtliche Summen an Geld und Geschmeide verwaltete, wesentlich mehr als jemals durch die Hände seines Vorgängers in diesem Amt gegangen waren.Starkey, David: Henry: Virtuous Prince, Harper Perennial, London, 2009, S. 319 Allein im Jahr 1514 verwahrte er beispielsweise 17.517 Pfund, was etwa 8 Millionen britischen Pfund im Jahr 2008 gleichkommt.Umrechnung anhand von Measuringworth.com "In 2008, £17517 from 1514 is worth £8,100,000.00 using the retail price index"

Der König übertrug Compton viele solcher vertraulichen Aufgaben, denn er schätzte seine „Weisheit und Treue“, er machte ihm Landgeschenke zu dessen Hochzeit und schlug ihn 1513 nach der Eroberung von Tournai in Frankreich zum Knight Bachelor.Bernard, G.W.: The Rise of Sir William Compton, Early Tudor Courtier, In: The English Historical Review, Band 96, Nr. 381 (Okt. 1981), Oxford University Press, S. 758William Arthur Shaw: The Knights of England. Band II. Sherratt and Hughes, London 1906, S. 39.

Vertrauter des Königs Compton diente dem König nicht nur als Kammerdiener, sondern auch als Freund. Heinrich betraute ihn oft mit Aufgaben privater und politischer Natur, wenn er jemanden brauchte, dem er vertraute. In den ersten Jahren seiner Regierungszeit war Compton zum Beispiel oft sein Komplize in Liebesangelegenheiten hinter dem Rücken der Königin Katharina, von der berichtet wurde, dass sie sich „keine Mühe gibt, ihren Missmut gegenüber Compton zu verbergen“.Starkey, David: Henry: Virtuous Prince, Harper Perennial, London, 2009, S. 339 Compton stellte z. B. sein Haus in der Londoner Thames Street für private Treffen zwischen Heinrich und „Mistress Amadas“ zur Verfügung und war in einen Liebesaffärenskandal bei Hofe verwickelt, der einen Streit zwischen dem Königspaar auslöste. Der spanische Botschafter Caroz berichtet, der König hätte im Mai 1510, als die Königin schwanger war, mit Anne Hastings, der Schwester des Duke of Buckingham und Ehrendame der Königin, eine Affäre beginnen wollen und Compton wurde als Mittler vorgeschickt. Als er die Gemächer von Lady Hastings betrat, um mit ihr zu sprechen, war aber ihr Bruder gerade anwesend und ein heftiger Streit zwischen Compton und Buckingham brach aus, bei dem Buckingham ihn „mit vielen harten Worten rügte“. Darüber erbost rügte wiederum der König Buckingham, der deswegen beleidigt den Hof verließ. Die Angelegenheit eskalierte noch weiter, als Lady Hastings von ihrem Ehemann in ein Kloster geschickt wurde und der König am Tag darauf deren Schwester und ihrem Ehemann ebenfalls befahl, den Hof zu verlassen.Starkey, David: Henry: Virtuous Prince, Harper Perennial, London, 2009, S. 337f

Es gibt jedoch auch Interpretationen dieser Episode, nach denen Compton nicht im Auftrag des Königs um Lady Hastings warb, sondern für sich selbst, zumal er sie in seinem Testament bedachte und Gebete für ihre Seele sprechen ließ. Sir William Comptons Testament vom 8. März 1522 In: 'Henry VIII: June 1528, 21-30', Letters and Papers, Foreign and Domestic, Henry VIII, Volume 4: 1524-1530 (1875) Zudem bezichtigte Lordkanzler Thomas Wolsey ihn, 1527 mit Anne Hastings Ehebruch begangen zu haben. Compton schwor jedoch auf das Sakrament, dass dies nicht wahr sei.

mini|hochkant=5.0|rechts| Heinrich VIII. bricht beim Westminster-Turnier 1512 seine Lanze am Helm des Gegners Etwas früher im selben Jahr war Compton Teilhaber und Mitwisser gewesen, als der König heimlich an einem Turnier teilgenommen hatte. Da der königliche Rat nicht wollte, dass der junge, gerade 18-jährige König, der noch keinen Erben hatte, sich einer so gefährlichen Sportart wie dem Tjosten widmete, entschied Heinrich sich inkognito, als fremder Ritter verkleidet, an dem Turnier teilzunehmen. Er und Compton ließen sich „heimlich in dem kleinen Park von Richmond bewaffnen“ und ritten dann mit heruntergeklappten Visieren und ohne Wappen auf dem Turnierplatz ein. „Es wurden viele Lanzen gebrochen,“ berichtet der Chronist Edward Hall, „und großes Lob wurde den beiden Fremden zuteil.“ Als Compton dann allerdings gegen Edward Neville, einen hervorragenden Tjoster antrat, wurde er „so schwer verletzt, dass er dem Tode nahe war“. Ein in den Plan Eingeweihter im Publikum hielt den gestürzten Compton für den König und rief laut „Gott rette den König!“, woraufhin Heinrich sich enttarnen musste, um die erschrockene Menge zu beruhigen.Starkey, David: Henry: Virtuous Prince. Harper Perennial, London 2009, S. 321 f. Compton war mit dem Schrecken davongekommen und erholte sich von seinen Verletzungen.

Auch in Staatsangelegenheiten vertraute der König seinem Kammerdiener wichtige Aufgaben an. Er wurde 1516 vorgeschickt, um den Earl of Northumberland über seine Pläne einer Eheallianz für seinen Sohn auszuhorchen, die zwischen ihm und dem Earl of Shrewsbury offenbar im Gange waren und die den König beunruhigten. 1522 wurde er als Bote zu Kaiser Karl V. geschickt, als dieser in England zu Besuch war, um ihn über Neuigkeiten aus Frankreich zu informieren. Und als der König 1521 Verrat fürchtete und sich entschied, den Duke of Buckingham verhaften zu lassen, waren es Compton und zwei andere Höflinge, denen er befahl „mit sich geheime Kräfte und Wachen zu nehmen und zu verhindern, dass der Duke flieht, wenn er die Briefe des Königs empfängt, welches sie geschickt ausführten.“

Politischer Einfluss Die offensichtliche Gunst, die Compton genoss, zog rasch Aufmerksamkeit auf sich. „Ich habe Euch geschrieben, welche Stellung einer namens Compton beim König von England einnimmt,“ schrieb der französische Botschafter in England an seinen König. „Er ist es, der im Moment das höchste Ansehen genießt und zu dem [der König] am meisten über seine Angelegenheiten spricht.“Starkey, David: Henry: Virtuous Prince, Harper Perennial, London, 2009, S. 324 Compton hätte seine Nähe zum König leicht nutzen können, um ihn politisch zu beeinflussen und der französische Botschafter schätzte Comptons Einfluss auf den König so bedeutend ein, dass er dem französischen König vorschlug, ihm eine 'Pension' zu zahlen, um bei Heinrich französische Interessen durchzusetzen.

Auch in den nach und nach immer ehrenvoller klingenden Bezeichnungen, die für Comptons Amt des Groom of the Stool verwendet wurden, spiegelt sich sein steigender Einfluss bei Hofe wider. Er wurde zunächst nur Gentleman genannt, dann Erster Gentleman der Königlichen Schlafkammer und schließlich bezeichnete Polydor Vergil ihn als Erster Minister der königlichen Gemächer (primus minister in regis cubiculo).

Um Comptons Gunst bemühten sich selbst Adelige wie Lord Darcy, dem Compton für seine „mannigfaltigen Höflichkeiten und Freundlichkeiten, die ihr mir verschiedentlich gezeigt habt“ dankte oder der Earl of Surrey, der antwortete, er fühle sich „verpflichtet all jene zu lieben […] von denen ich weiß, dass sie in Euer Gnaden Gunst stehen“ nachdem der König ihm dafür dankte, Compton „liebevoll unterhalten“ zu haben.Bernard, G.W.: The Rise of Sir William Compton, Early Tudor Courtier, In: The English Historical Review, Band 96, Nr. 381 (Okt. 1981), Oxford University Press, S. 774f Dienst an Compton wurde als ein Ersatz für direkten Dienst am König betrachtet und Compton wurde regelmäßig um Gefallen angegangen, die er beim König durchsetzen sollte. So schickte Bischof Fox ihm z. B. 1513 mehrere Briefe, damit Compton diese vom König unterschreiben ließe.

William Compton hegte aber kein Interesse an Politik, sondern widmete sich lieber seinem eigenen privaten Fortkommen.Bernard, G.W.: The Rise of Sir William Compton, Early Tudor Courtier, In: The English Historical Review, Band 96, Nr. 381 (Okt. 1981), Oxford University Press, S. 777Starkey, David: Henry: Virtuous Prince, Harper Perennial, London, 2009, S. 335

Landbesitzer und Lokalmagnat