Die Mimuse (Eigenschreibweise: MIMUSE) ist ein jährlich stattfindendes Festival für Kleinkunst, Kabarett und Comedy in der niedersächsischen Stadt Langenhagen, im Norden von Hannover: Die Mimuse wurde 1981 von Udo Püschel als ein „Kleines Festival für Pantomime, Kabarett, alternatives Theater und etwas Musik“ ins Leben gerufen. Organisiert wird die Mimuse durch den Verein Klangbüchse mit Unterstützung der Stadt Langenhagen. Spielorte für die Veranstaltungen sind der Theatersaal der Stadt Langenhagen und die Kleinkunstbühne daunstärs. Zu den beiden Festivalreihen im Frühjahr und Herbst kommen durchschnittlich ca. 16.000 Besucher. mini|Aktuelles Logo der Mimuse
Entwicklung der Mimuse Die Veranstaltungsreihe mit den Schwerpunkten Kabarett, Musik, Comedy und Varietè, die bis heute Bestand hat, wurde im Jahr 1981 von Udo Püschel, seinerzeit Bauingenieur im Langenhagener Stadtplanungsamt, ins Leben gerufen, nachdem der Rat der Stadt Langenhagen dafür im Rahmen der Kulturförderung 13.000 DM für ein alternatives Straßentheater-Festival im Haushalt bereitgestellt hatte. mini|Mimusegründer Udo Püschel Im Schul- und Kulturamt der Stadt gab es dafür allerdings kein Personal. Daher wurde Püschel mit der Planung und Durchführung der Mimuse beauftragt und dafür von seinen Bebauungsplänen freigestellt. Püschel war Vorsitzender des Stadtjugendringes und hatte mit der von ihm gegründeten Arbeitsgruppe Klangbüchse bereits Erfahrung in der Organisation von Folklore-Festivals. Außerdem hatte er 1979 aus Anlass des 20-jährigen Stadtjubiläums und im Auftrag des damaligen Stadtdirektors Karl-Heinz Brandt, zusammen mit dem Stadtsprecher Ernst-August Nebig das erste Stadtfest im Langenhagener Flughafen gestaltet.
Entstehung und Charakter des Festivals So wie die Folklore-Festivals organisierte Udo Püschel mit den Mitgliedern der Klangbüchse auch das erste Langenhagener Kleinkunstfestival, das er „MIMUSE“ nannte, benannt nach der Figur des Komödianten Mimos (griechisch) oder Mimus (lateinisch) im Theater der griechischen und römischen Antike, der das ernste Spiel der Dramen amüsant und satirisch kommentieren und dabei durchaus auch Seitenhiebe auf die Obrigkeiten austeilen durfte. mini|Mathias Richling bei der Mimuse 1990 Das Programm bestand, angelehnt an das bewährte Muster der bereits erfolgreichen Folkfestivals, aus drei Hauptveranstaltungen, begleitet von Workshops der teilnehmenden Künstler und repräsentierte einen kleinen Querschnitt durch die alternative Kleinkunstszene jener Tage. Unter anderem mit dabei ein im Norden noch unbekannter, junger Kabarettist aus Stuttgart namens Mathias Richling.
Anfangs war der Etat klein und große Namen damit außer Reichweite; also machte Püschel aus der Not eine Tugend und verkündete: „Wir zeigen Ihnen die Künstler, die in drei Jahren berühmt sein werden“. Damit war die Mimuseauch ein Festival für erfolgversprechende Newcomer, was nicht mit Anfänger zu verwechseln ist, denn mitunter sind die Künstler in ihrer Heimat bereits sehr erfolgreich, über ihre originäre Region hinaus dagegen aber noch unbekannt. mini|Matthias Deutschmann bei der Mimuse Beispiele hierfür sind 1983 Gerhard Polt und die Biermösl Blosn, Richard Rogler, Mathias Richling, Konrad Beikircher oder Gerd Dudenhöffer oder 1986 Matthias Deutschmann oder auch Nickelodeon, für letztere war es 1987 ihre Deutschlandpremiere.
Da die Qualität aus Püschels Sicht immer mit der Elle der Großstadt Hannover gemessen wurde, wuchs im Laufe der Zeit auch der Anspruch, denn für die meisten Hannoveraner war es zunächst ungewöhnlich, zu kulturellen Veranstaltungen nach Langenhagen zu fahren. Das sollte sich ändern, denn außer dem kleinen Theater an der Bult des Kabarettisten Dietrich Kittner gab es in Hannover zu der Zeit keine Gastspielbühnen für Kleinkunst und Kabarett.
Das Interesse der Zuschauer wuchs stetig und damit auch die Zahl der Veranstaltungen. Damit etablierte sich das Mimuse-Festival im Zusammenspiel von Stadtverwaltung, die das Geld und die Räumlichkeiten gab, sowie der AG Klangbüchse, die das Personal stellte und sich 1983 die Rechtsform eines gemeinnützigen Verein gab und überhaupt „die treibende Kraft war hinter allem, was in Langenhagen in Sachen Kleinkunst geschah und ohne die das Festival nicht möglich gewesen wäre.“ schrieb die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ).
In den ersten Jahren wurden die Veranstaltungen im Auftrag des Schul- und Kulturamtes der Stadt geplant und durchgeführt, von 1984 bis 1988 zeitweilig unterstützt von der Jugendpflege und dessen Mitarbeiter Frank Grunwald, der als Partner von Udo Püschel eine etwas andere Sichtweise hatte und der MIMUSE mit seinen Ideen eine neue Farbe hinzufügte. Als die Jugendpflege sich aus der Planung zurückzog, führte die Klangbüchse zunehmend mehr eigene Veranstaltungen im Rahmen der Mimuse durch. So dehnte sich das Festival auf 14 Tage aus mit 13 Shows jeweils im Frühjahr und wurde zu einem Comedy- und Kleinkunstfestival mit überregionaler Bedeutung.
Von ihrem ursprünglichen Termin im Frühjahr wechselte die Mimusevon 1994 bis zum Jahr 1999 in den Herbst des Jahres und als Reaktion auf ein sich veränderndes Publikumsverhalten verzichtete die Mimuse ab dem Jahr 2000 auf einen kompakten Festivalablauf mit damals 14 Veranstaltungen in 16 Tagen. Es hatte sich gezeigt, dass die Zuschauer sich mehr auf die Höhepunkte im Theatersaal konzentrierten, was zu Lasten der Kleinkunstbühne daunstärs ging, wo die Besucherzahlen stetig rückläufig waren. Dank der zeitlichen Ausweitung und damit einer Entzerrung der Programmfolge von Mitte Oktober bis Mitte Dezember hatten die Fans jetzt wieder mehr Zeit und Muße für die neuen und noch unbekannten Künstler, was ja ohnehin seit Anbeginn zum Konzept der Mimuse gehörte.
Im Jahr 1991 eröffnete sich mit Einführung des „Mimuse MaxiMix“ die Möglichkeit, relativ unbekannte neue Künstler jeweils von namhaften Künstlern in einem größeren Rahmen vorzustellen. So etablierten sich in den folgenden Jahren nach diesem Vorbild weitere Mixed-Show-Formate. Dazu zählt das Weihnachts-Special „Oh, du fröhliche!“ am Nikolausabend (erstmals 2003), ferner NightWash LIVE (seit 2008), das Erfolgsprogramm der Stand-up-Comedy aus dem TV-Waschsalon in Köln, zugeschnitten auf die Nachwuchstalente dieses Genres, welches immer mehr Anhänger gefunden hatte.
Nicht umsonst schaffen es, wie die heutigen Stars Carolin Kebekus, Mario Barth, Oliver Pocher oder Lisa Feller zeigen, auch die Nachwuchs-Comedians auf die große Bühne des Fernsehens. Mittlerweile hat die Mimuse einmal mehr bewiesen, dass sie ihren Ruf als Karriere-Sprungbrett zurecht genießt.
Die Mimuse aus der Sicht der Presse Schon früh wurde die Presse auf das Langenhagener Kleinkunstfestival aufmerksam:
Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) titelte nach der dritten Ausgabe „Mekka der Kleinkunst“ und die Neue Presse schrieb 1986, mit der Mimuse habe Langenhagen „ein Kleinkunstfestival auf die Beine gestellte, dass erst beim Amsterdamer oder Londoner Fools-Festival wieder seinesgleichen findet.“
Matthias Brodowy, Inhaber des Kabarettpreises „Das schwarze Schaf“ und des Deutschen Kleinkunstpreises Kabarett, der wie so manch anderer, heute fernsehbekannte Kollege, seine Karriere als Kabarettist auch im Langenhagener daunstärs begann, sprach in diesem Zusammenhang von Langenhagen als „dem humoristischen Epizentrum Niedersachsens“.
Künstler bei der Mimuse: Bekannte Namen und erfolgreiche Newcomer mini|Götz Alsmann bei der MIMUSE Im August 2010 ging das 30-jährige Mimuse-Jubiläum mit einem internationalen Dinner-Spektakel, ähnlich wie im Jahr 1991, in einem historischen Spiegelzelt mit Kabarett, Zauberei, Comedy und Artistik über die Bühne. mini|Hagen Rether bei der Mimuse In den folgenden zehn Jahren standen bei der MIMUSE viele alte Bekannte wie Heinrich Pachl, Erwin Grosche oder Thomas Freitag, aber auch Hannes Wader, Götz Alsmann oder Chris Barber auf der Bühne, aber auch Neuentdeckungen wie das Trio Wildes Holz, das die Blockflöte aus ihrer angestaubten Ecke holte und ihr mit Folk, Klassik und Rock`n Roll à la AC/DC zu ganz neuen Höhenflügen verhalf. Oder der Österreicher Stefan Waghubinger, 2012 Gewinner des „Schwarzen Schafs vom Niederrhein“ der „österreichisches Jammern und Nörgeln mit deutscher Gründlichkeit“ betreibt. Nicht zu vergessen das Duo „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“, junge Kleinkunst mit Wiebke Eymess und Friedolin Müller. Ein Wiedersehen gab es 2012 mit Hans Scheibner, der als Liedermacher bereits 1979 beim 2. Klangbüchsen-Folkfestival mit dabei war und seitdem etliche Male, besonders in den achtziger Jahren zu Gast in Langenhagen war. Hagen Rether füllte mittlerweile den Theatersaal, der für Bodo Wartke dagegen schon zu klein geworden war und der deshalb von der MIMUSE im großen Theater am Aegi in Hannover präsentiert wird.
Zurück zu den Wurzeln ging es nicht ganz freiwillig, sondern eher dem Umstand geschuldet, dass der Theatersaal im Jahr 2015 von Grund auf saniert werden sollte. Dem damaligen Programmchef der Mimuse, Franz Gottwald und dem Team der Klangbüchse gelang es, als Ausweichstätte die Aula des Schulzentrums zu nutzen, dem Ort, an dem im Juni 1981 die allererste Mimuse über die Bühne ging. Die Aula stand im Herbst 2015 allerdings nur an zwei Wochenenden zur Verfügung, deshalb reduzierte sich das Programmangebot auf der großen Bühne auf gerade mal vier Tage. Dazu aber musste die Technik und alles andere am Freitag erst einmal dorthin und nach der Show am Sonntag wieder zurückgeschafft werden, denn ab Montag war ja wieder Schule. Die altgedienten Klangbüchsenmitglieder kennen es noch und auch jetzt hieß es wieder: Erst schleppen, dann lachen. Alle anderen Veranstaltungen wurden, soweit möglich, ins daunstärs verlegt. Nach einer Vorpremiere am 7. Oktober wurde der Saal am 15. Oktober 2016 mit dem offiziellen Mimuse-Start wiedereröffnet.
Mimuse Open Air, ein Kulturzelt und Corona Die Folgen der Coronapandemie, die im Frühjahr 2020 in Europa ihren Anfang nahm, waren erheblich und brachten fast das gesamte öffentliche Leben praktisch zum Erliegen, mit dramatischen Auswirkungen nicht nur auf den Kulturbetrieb. Das erste Jahr der Pandemie war geprägt von teils drastischen Zugangs- und Kontaktbeschränkungen und einem in der Folge fast völligen Zusammenbruchs der Kulturszene. Und wenn doch einmal gespielt werden durfte, dann nur unter strengen Auflagen und mit sehr detaillierten Hygienekonzepten, deren Umsetzung einen hohen zeitlichen und personellen Aufwand zur Folge hatte. Und dies bei coronabedingt drastisch reduzierten Zuschauerzahlen. mini|Open Air während der Corona-Pandemie Um weiterhin ein kulturelles Angebot anzubieten und für die Langenhagener Bevölkerung sichtbar zu sein, ging die Mimuseim Sommer 2021, inzwischen unter neuer Leitung von Inga Herrmann nach draußen an die frische Luft. Auf dem Gelände des Jugendtreffs im Stadtteil Wiesenau ging an zwei Tagen im Juli das „MIMUSE-Open Air“ über die Bühne. Zwei weitere, diesmal Umsonst & Draußen-Abende im Juli, fanden im Innenhof des Langenhagener Rathauses statt. Coronabedingt mussten indes die meisten anderen Veranstaltungen abgesagt bzw. in das kommende Jahr verschoben werden, mit ungewissem Ausgang.
Die Skepsis war berechtigt, denn im Herbst 2021 kam die nächste Hiobsbotschaft: Wegen eines schwerwiegenden Wasserschadens wurde der Theatersaal in Langenhagen für zunächst unbekannte Dauer für eine umfangreiche Dachsanierung geschlossen. mini|Kulturzelt Langenhagen Als Reaktion auf die Sperrung setzte eine intensive Suche nach einem adäquaten Ersatz ein, der in Form des Kulturzelts auch gefunden wurde, welches im Januar 2022 für ein halbes Jahr im Zentrum Langenhagens errichtet wurde. Die Corona-Pandemie und ihre Folgen beherrschten jedoch weiterhin das Geschehen, mit der Folge, dass das Kulturzelt trotz seines einzigartigen Ambientes oft nur halb gefüllt war.