Groß Schauen () ist ein Ortsteil der Kleinstadt Storkow (Mark) im Landkreis Oder-Spree des Landes Brandenburg. Bis zur gesetzlich verordneten Eingliederung in die Stadt Storkow (Mark) zum 26. Oktober 2003 war Groß Schauen eine eigenständige Gemeinde.

Geografie Groß Schauen liegt an der gleichnamigen Seenkette im Naturpark Dahme-Heideseen, ca. 2,5 km Luftlinie südwestlich der Kernstadt Storkow (Mark). Als Groß Schauener See wird nur der unmittelbar südlich und südwestlich des Ortes gelegener Teil der Seenkette verstanden. Östlich davon liegt der Schaplowsee, der mit dem Groß Schauener See durch die Schmelde verbunden ist. Nicht deutlich abgegrenzt schließt sich südlich der Große Wochowsee und der Große Selchower See an. Der Groß Schauener See selber gehört jedoch nicht zur Gemarkung Groß Schauen, sondern zur Gemarkung Bugk.

Die Gemarkung Groß Schauen grenzt im Nordwesten und Norden an Philadelphia (Ortsteil der Stadt Storkow (Mark)), im Norden und Nordosten an die Kernstadt Storkow (Mark) selbst, im Südosten und Süden an Bugk, im Südwesten über eine sehr kurze Erstreckung an Selchow und im Westen an Görsdorf b. Storkow. Durch den Ort führt die B 246, von der im Ortskern die K6747 nach Philadelphia abzweigt.

Bei Fischerhaus Köllnitz verlässt das Köllnitzfließ den Groß Schauener See, das durch den Grunewaldsee zum Wolziger See fließt. Im westlichen Teil der Gemarkung fließen kleinere Gräben dem Grunewaldsee zu. Im Südwesten berührt die Gemarkung noch den Grunewaldsee. Der Dorfkern liegt auf 37 m über Meereshöhe, der Seespiegel des Groß Schauener Sees auf 35,7 m. Die gesamte Gemarkung ist sehr flach und weist kaum nennenswerte Erhebungen auf.

Zu Groß Schauen gehört der Wohnplatz Fischerhaus Köllnitz.

Bevölkerungsentwicklung von 1818 bis 2011 Jahr 1774 1801 1817 1837 1858 1895 1925 1939 1946 1964 1971 1981 1991 2002 2011 Einwohner 103 131 105 116 129 175 136 137 228 177 170 177 172 173 172 mini|Groß Schauen auf dem Urmesstischblatt 3749 Storkow von 1844. Geschichte Im Jahr 1376 wurde Groß Schauen das erste Mal als „Schawen“ urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vermutlich vom slawischen Wort „Scavn“ für „Sauerampfer“ ab. Es gibt auch die Auffassung, dass sich der Name vom Slawischen „Sowa“ ableitet, was auf die in der Gegend beheimatete Schleiereule hinweist. Das Dorf ist der Struktur nach ein Platzdorf oder Sackgassendorf mit Gut. In Groß Schauen war bereits bei der Erstnennung ein Adelswohnhof vorhanden.

1553 gab es in Groß Schauen neben dem Adelswohnhof ein Vorwerk und bereits eine Ziegelscheune. In diesem Jahr hatte die Herrschaft acht Pflugdienste und acht Gärtnerdienste in Groß Schauen und Klein Schauen zusammen, zwei Gärtnerhöfe waren wüst. 1573 hatte das Amt Storkow in Groß Schauen einen Winzer. Die Lage des Weinbergs ist aber nicht bekannt (etwa durch eine Lokalität Weinberg). 1576 lebten in Groß Schauen drei Bauern, sieben Kossäten und ein Häusler. Um 1590 wurde das Vorwerk des Amtes Storkow vermessen. Es hatte damals 282 Morgen und 52 Quadratruten. Dazu gehörten eine Schäferei und ein Weinberg, der zwei Morgen 54 Quadratruten groß war. Neben dem Setzschulzen wohnten drei weitere Hufenbauern und sieben Kossäten im Dorf, darunter auch ein Heidereiter (Oberförster). 1600 war die Gemarkung in 12 Hufen eingeteilt, die von vier Bauern bewirtschaftet wurden, außerdem lebten in Groß Schauen sieben Kossätenfamilien und ein Hirte. 1624 sind es vier Bauern und sieben Kossäten. Zu Ende des Dreißigjährigen Krieges 1641 waren von den elf Untertanen(stellen), die Getreidezins an das Amt Storkow zu entrichten hatten, zehn wüst, d. h. die Höfe verlassen. 1673 waren drei Bauernhöfe wieder besetzt, ein Bauernhof war zum Vorwerk gelegt worden. Im Dorf wohnten außerdem wieder sieben Kossätenfamilien. 1692 bewirtschafteten die drei Bauern je drei Hufen. Neben den sieben Kossätenfamilien wurde nun auch wieder ein Hirte genannt. Auf der Gemarkung konnte kein Brennholz gemacht werden. Für das Vieh war wenig Weide vorhanden. Sie Einwohner konnten jedoch im Groß Schauener See fischen, und Schafe halten. 1727 wird die Größe der bewirtschafteten Fläche mit 19 Hufen angegeben. 1735 betrug die Größe des Vorwerks 854 Morgen (zu 180 Quadratruten), davon waren 712 Morgen brauchbarer Acker. 10 Morgen Gärten und 132 Morgen Wiese. Die drei Bauern bewirtschafteten je zwei Hufen, die sieben Kossäten je eine Hufe, insgesamt damit 13 Hufen. Außerdem wohnte noch ein Hirte im Dorf. 1775 waren neben Bauern und Kossäten sieben Büdner nach Groß Schauen gekommen; der Ort war auf 16 Feuerstellen (Häuser) angewachsen. Es gab ein Vorwerk, eine Schäferei und den Hallestall.

1801 werden genannt: drei Ganzbauern, sieben Ganzkossäten, sechs Einlieger und Spinner, ein Krug, eine Ziegelei und das Amtsvorwerk. Die bewirtschaftete Fläche wird zu 19 Hufen angegeben. Die Zahl der Feuerstellen war auf 17 angewachsen. 1837 zählte zum Dorf das Vorwerk, das Fischerhaus Köllnitz und das Vorwerk Stutgarten. Insgesamt gab es 19 Wohnhäuser. 1854 wurde bei Groß Schauen auch Torf gestochen. 1858 wurden im Dorf ein öffentliches Gebäude, 15 Wohngebäude und 38 Wirtschaftsgebäude gezählt (ohne Köllnitz und Stutgarten).

1860 wurde der Bau der Chaussee von Prierosbrück über Storkow (Mark) nach Beeskow genehmigt. 1861 war die Chaussee dann tatsächlich auch im Bau. Bei Fischerhaus Köllnitz befand sich eine Chausseegeldhebestelle.

1874 wurde das eigentliche Gut in ca. 400 Parzellen aufgeteilt und verkauft. Im Wesentlichen wurden aber mehrere Flächen, der See, als nicht kreistgasfähiges Gut weiterbetrieben. 1900 gab es 24 Wohnhäuser, 1931 waren es 25 Wohnhäuser. Ende der 1920er Jahre bestanden im Dorf drei Landwirtschaftsbetriebe, zwei mit 25 ha, der größte mit 37 ha.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. 1929. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Selbstverlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 16. Die Freiwillige Feuerwehr Groß Schauen wurde 1933 gegründet. Das Feuerwehrhaus befindet sich direkt an der Bundesstraße 246. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Bodenreform 34,5 ha enteignet und verteilt an zwei Landarbeiter und einen landlosen Bauern (3,5 ha) und an 13 Landarme Bauern (27 ha). An die Behörden der Selbstverwaltung gingen vier Hektar. 1956 gründete sich die erste LPG vom Typ III, die 1960 bereits mit 6 Betrieben und 13 Mitgliedern 56 ha landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftete. Eine zweite LPG vom Typ I mit 9 Betrieben und 15 Mitgliedern bewirtschaftete 121 ha Nutzfläche. Bereits 1973 erfolgte der Zusammenschluss mit der LPG Philadelphia. 1977 bewirtschaftete die LPG Groß Schauen die landwirtschaftlich nutzbare Fläche der Gemarkung. In Fischerhaus Köllnitz saß die Produktionsgenossenschaft werktätiger Fischer Köllnitz.

Groß Schauen hat seit 1973 eine Kindertagesstätte, in der heute vorwiegend die Kinder aus den umliegenden Storkower Ortsteilen untergebracht sind. Das Kitagebäude wurde 2012–2013 um- und ausgebaut. Die offizielle Eröffnung des Neubaus fand am 8. Juni 2013 statt. mini|hochkant=0.6|Wappen der Familie v. Queis, geführt in den Herrschaften Beeskow und Storkow.

Das Gut Groß Schauen Historie der Begüterung Das Gut Groß Schauen, in frühen Urkunden Gut Schauen genannt, gehörte schon vor 1376 der Familie von Queis. Sie konnten diesen Besitz bis nachweislich 1490 behaupten. 1506 erschienen in Groß Schauen die von Quast. Wann das Gut nun genau den Besitzer wechselte, ist nicht bekannt. Verbunden mit diesem Gut waren eine ganze Reihe Besitzungen in der näheren Umgebung, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten und auch unterschiedlich lange.

Besitzer des Gutes Groß Schauen war 1418 Nickel Qwyz. 1425 saß ein Dyprand Qwyes in Schauwen (Groß Schauen), der auch noch 1436 dort nachgewiesen ist. Er war sicher ein Nachkomme des bereits 1372 in Storkow genannten Dyprand. 1485 mussten der brandenburgische Kurfürst Johann Cicero und der brandenburgische Bischof Joachim I. v. Bredow einen Erbschaftsstreit zwischen der Geschwistern Christoff, Nickel, und Bernd Queis und Anne, Agnes und Hedwig ihren Schwestern, auf Groß Schauen sowie Paul und Heinrich Luckau (Luckow) und Hans Bernfeld zu Collen, Margarethe, die Ehefrau Michael Hildebrands von Dresden, Hedwig, der Ehefrau Georg Zichows zu Beskow, Dorothea, der Ehefrau von Heinz Peschel zu Guben, Anna, der Ehefrau von Balzer Hochaus zu Düben und Regina, der Ehefrau Kilian Werbings zu Brietzen auf der einen Seite und Moritz Schönow, Doktor und Domherr in Magdeburg und Albrecht Schönow auf Gollin auf der anderen Seite schlichten. 1489 wurden die Brüder Christoph, Georg, Nickel, Typrand und Bernd v. Queis gemeinsam mit Groß und Klein Schauen belehnt. Doch bereits 1487 gehörten die beiden Dörfer den Brüdern Heinrich und Kaspar von Hobeck.

1506 sind die v. Quast im Besitz des Dorfes und des Gutes. Aber schon 1509 hatte es erneut den Besitzer gewechselt. Bis 1525 gehörte es der Familie v. Bethin. Von 1525 bis 1539 war der Ort im Besitz der v. Luckowen. 1546 gehörte der Ort wieder den v. Quast und 1553 den v. Bardeleben. Am 9. September 1553 verkaufte Kuno von Bardeleben zu Schauen die beiden Dörfer Schauen samt allen Zubehörungen für 3500 Gulden an Asmus von der Liepe zu Waltersdorf. 1573 wurde der Ort schließlich vom Amt Storkow erworben; dabei blieb es bis 1872. Berets im Jahr 1713 ist am Storkower Kanal ein Hammelstall nachgewiesen. In der Schmettauschen Karte on 1767/87 ist er als Neuwunder Hammelstall verzeichnet. 1768 wurde hier 8 Kolonistenfamilien angesetzt. Daraus entstand der heutige Ortsteil Philadelphia. Wahrscheinlich noch vor 1775 wurde das Vorwerk Stutgarten an Stelle einer Ablage und einer Schleuse nördlich des Storkower Kanal, gegenüber dem Hammelstall angelegt. 1811 wurde allerdings das Amtsvorwerk Stutgarten vererbpachtet und schließlich 1837 zu freiem Eigentum verkauft. Vor 1914 kam der bürgerliche Gutsbesitzer Rittmeister z. D. Hans Schwerin aus Bugk nach Groß Schauen. Ihm gehörten 1033 ha am Ort, eine Fläche im Dorf, vor allem der See und u. a. der Besitz Kurtmühle.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. 1914. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 16 f. mini|hochkant|Wappen der letzten Gutsherren, d. Grafen v. Hacke. Stutgarten gehörte bis 1928/29 zum Gutsbezirk Groß Schauen, der dann allerdings aufgeteilt wurde, teils zur Gemeinde Bugk. Das Gutsareal Stutgarten kam zur Gemeinde Philadelphia. Als letzte Eigentümer ehemaliger Gutsflächen in Groß Schauen, in erster Linie der See als Teil des 1918 umbenannten, gesamten Bugker Sees mit kommunalpolitischer Zugehörigkeit zu Groß Schauen, bis zur Bodenreform gelten die Grafen von Hacke. Deren Wohnsitz war wie beim Vorgänger das neue Gutshaus in Bugk. Dessen Vertreter und Betreiber eines großen örtlichen Firschereibetriebes, Egon Graf von Hacke, lebte zuletzt 1966 in den USA.Walter von Hueck, Erik Amburger, Friedrich Wilhelm Euler, Johann Georg von Rappard: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel). 1973. Band VII, Band 56 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1973, , S. 212 f.

Mit dem Gut Groß Schauen verbunden, auch noch unter den folgenden Besitzer des Gutes Groß Schauen, war Klein Schauen, das als Dorf früh 1559 in den Besitz des Amtes Storkow überging.

Einstige Zubehörungen zu Gut Groß Schauen