mini|Situation an der Ausgrabungsstelle im Jahre 2011 Der Königshof Zizers ist eine archäologische Fundstelle in Zizers im Churer Rheintal im Kanton Graubünden.

Entdeckung Die Ruinen kamen im Jahr 2003 bei Sondierbohrungen für ein Bauprojekt auf der Wiese Schlossbungert südlich der reformierten Dorfkirche zum Vorschein.

Bedeutung und Geschichte Es handelt sich nach dem Zürcher Lindenhof um einen der wenigen historisch wie archäologisch nachgewiesenen Profanbauten aus karolingisch-ottonischer Zeit auf Schweizer Boden.B. Heinzle, Der Königshof von Zizers. Historische Untersuchung und interdisziplinäre Überlegungen zu einer curtis in Graubünden vom frühen bis ins hohe Mittelalter. Unpublizierte Diplomarbeit (Innsbruck 2014), S. 44f. Aufgrund seiner Lage und Dimension diente der Königshof in Zizers in karolingisch-ottonischer Zeit wohl nur als Wirtschaftshof und gelegentliche Durchreisestation in den Zeiten der Reiseherrschaft, zumal er an einer der Routen für die Italienzüge der römisch-deutschen Könige lag. Die Königspfalz in Zürich war weitaus grösser und diente längeren Aufenthalten.

Zum Zweck der Personenbindung dürfte Otto I. den Königshof Zizers 955 dem Bischof Hartpert von Chur geschenkt haben, wobei er zum ersten Mal urkundlich erscheint.B. Heinzle, Der Königshof von Zizers (s. o.), S. 52–55 Die Ruinen erstrecken sich bis zur reformierten Kirche. Sie sind rund 25 Meter lang und 13 Meter breit. Der vermutlich zweistöckige Bau wurde in mehreren Etappen zu einem mehrräumigen Wohn- und Arbeitsgebäude umgebaut.

Verkohlte Balken zeugen von mehreren Brandereignissen. Irgendwann war der grosse Bau nicht mehr zu unterhalten und zerfiel. Teile des Gebäudeinneren wurden anschliessend als Friedhof benutzt, aus den Aussenmauern wurden Umfassungsmauern.

Kleinfunde aus römischer Zeit weisen darauf hin, dass an dieser Stelle bereits früher ein Dorf (Vicus) oder ein Römischer Gutshof stand.

Heutige Nutzung Die Ausgrabungsstätte wurde überdacht und vom Archäologischen Dienst Graubünden erforscht und rekonstruiert. Erster Ausgrabungsleiter war Mathias Seifert; ihm folgte von 2009 bis 2013 Jürg Spadin. Die Grabungen wurden 2013 beendet. Das Areal ist heute als Park angelegt und frei zugänglich. Die Ruinen wurden zum Schutz zugedeckt. Der Mauerverlauf ist gut markiert und diverse Infotafeln liefern Wissenswertes über die Nutzung der Anlage.B. Heinzle/Th. Reimaier: Zeitschichten lesen – die mittelalterliche curtis von Zizers als Palimpsest. Bündner Monatsblatt; in Druck; S. 58–72

Denkmalschutz Die Eidgenossenschaft erklärte die Grabungsstelle zu einem Fund von nationaler Bedeutung, als im Mai 2010 der Befund zum historischen Ausmass der Entdeckung feststand.

Weblinks Tausendjähriger Königshof im Rheintal entdeckt. In: Tages-Anzeiger. 2. Juni 2010. Königshof aus dem 10. Jahrhundert in Graubünden entdeckt. auf: archaeologie-online.de, 4. Juni 2010. Der Zizerser Königshof auf der Webseite des Archäologischen Dienstes Graubünden (pdf)

Einzelnachweise

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