Die ehemalige Priorats- und heutige Pfarrkirche Notre-Dame-St-Christophe liegt in der französischen Gemeinde Saint-Christol auf dem Plateau-d’Albion, etwa zehn Kilometer nördlich von Apt im Département Vaucluse in der Région Provence-Alpes-Côte d’Azur und in der Diözese Apt, an den Grenzen der Diözesen Sisteron und Carpentras.

Es verdankt sein Entstehen und seine Entwicklung den Benediktinermönchen der Abtei Saint-André de Villeneuve-lés-Avignon und dem Hause d’Agoul, vor allem dem bedeutenden Bischof Laugier d’Agoult.Guy Barruol: Romanik der Hoch-Provence. S. 285.

Die Kirche war ursprünglich allein Saint Christoph geweiht. Wann das Notre-Dame-Patronat hinzukam, geht aus den bekannten Quellen nicht hervor.

mini|hochkant=1.5|Ostseite

Geschichte

Bereits im Jahr 1118 bestätigte Papst Gelasius II. der Rhone-Abtei „die Kirche Saint-Christophe mit ihrem Dorf und ihrem Territorium“, wahrscheinlich die Vorgängerin der heutigen Kirche. Doch 1160 ergänzte Bischof Guillaume von Apt, bei der Aufzählung der Priorate dieser Abtei in seiner Diözese, dass die Schenkung von Saint-Christol durch seinen Vorgänger Laugier erfolgt sei. Laugier, einer der bedeutendsten Bischöfe von Apt, der diesen Bischofssitz von 1103 bis ungefähr 1130 innehatte, war ein berühmtes Mitglied der oben genannten Familie d’Agoult, die außer einem Teil des Tales von Apt, das gesamte Plateau d’Albion, den Mont Amaron, die Täler von Sault und von Banon besaß. Laugier d’Agoult überließ der Abtei Saint-André zwischen 1103 und 1118 ein Territorium, das seiner Familie gehörte und auf dem sich schon eine Kirche und eine kleine nicht befestigte Siedlung (villa) befanden. Diese bestanden wohl noch nicht lange, weil der Ort nach einem Heiligen benannt war, dessen Verehrung im Südosten Frankreichs im Allgemeinen nicht vor dem 11. Jahrhundert bekannt war. Das Dorf gab es um 1082 offensichtlich, als Ripert de Mévouillo der Abtei von Cluny alle Güter übertrug, die er auf dem Albion-Plateau besaß, noch nicht. Ansonsten hätte man es damals im Zusammenhang mit diesem umfangreichen Besitz erwähnt, der später den Namen Revest-du-Bion führte, der etwa acht Kilometer nordöstlich von Saint-Christol liegt.Guy Barruol: Romanik der Hoch-Provence. S. 285–286.

Der romanische Bau des heutigen Hauptschiffs wird auf die Zeit zwischen 1150 und 1175 datiert.Guy Barruol: Romanik der Hoch-Provence. S. 291.

Die Grenzen des Territoriums von Saint-André de Villeneuve-lés-Avignon in Saint-Christol sind durch einen Schiedsspruch von 1270 bekannt. Dieser nennt das eigentliche als castrum bezeichnete, offensichtlich befestigte Dorf mit seinen fruchtbaren Ländereien, mit Ausnahme der weiten unbebauten oder bewaldeten Flächen des Mont-Amaron und des im Besitz der d’Agoult verbliebenen Plateaus. Sie wurden im 13. Jahrhundert nach und nach von den Bauern urbar gemacht und bebaut. Ein Teil wurde der Abtei von Sénanque abgetreten.

Obgleich es bedeutender als das benachbarte Priorat von Saint-Trinit war, dem nur ein bescheidenes ländliches Territorium gehörte, blieb Saint-Christo auch während des Mittelalters und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nur eine bescheidene Filiale der Abtei von Villeneuve-lés-Avignon, mit einem Haus, in dem nur ein oder zwei Ordensleute lebten, die mit dem Dienst an der Ordenskirche betraut waren.Guy Barruol: Romanik der Hoch-Provence. S. 286.

Das Kirchenschiff wurde zwischen 1688 und 1690 wegen der Bevölkerungszunahme der Ortschaft um das nördliche Seitenschiff in nachgotischem Stil mit drei Jochen erweitert. In diesem Jahrhundert entstand auch der Glockenturm, der an die Südwand des romanischen Schiffs an dessen östlicher Kante angebaut wurde. Ferner wurden zu dieser Zeit im Hauptschiff die ehemaligen Tonnengewölbe in gotische Kreuzrippengewölbe umgebaut, die dann noch zusätzliche Strebepfeiler an der Südwand erforderlich machten.

Erst 1763 stellte man nach einer Visitation des Bischofs von Apt den Hauptaltar, der bislang „in einem sehr schmalen und unschönen Altarraum der Kirche stand“ – gemeint war der Chorraum der romanischen Kirche – an die Westwand des Schiffs.Guy Barruol: Romanik der Hoch-Provence. S. 299. Um besser vom Dorf aus in die Kirche zu gelangen, verlegte man zur gleichen Zeit das bei der Kirchenerweiterung angelegte klassizistische Hauptportal von deren Westwand auf ihre Ostwand.Guy Barruol: Romanik der Hoch-Provence. S. 287.

Seit dem 14. Juni 1909 steht die Kirche unter Denkmalschutz.

Im Jahr 1975 brachte man den ursprünglichen Hauptaltar wieder an seinen ehemaligen Standort in der östlichen Chorapsis des romanischen Schiffs.Guy Barruol: Romanik der Hoch-Provence. S. 299.

Das Kirchengebäude

Form und Abmessungen mini|hochkant=1.5|Grundriss der Kirche Ungefähre Maße, aus der Zeichnung entnommen und hochgerechnet:

Außen Gesamtlänge Hauptschiff mit Chor: 25,00 m Gesamtbreite beider Schiffe (ohne Pfeilervorlagen): 16,25 m Breite Hauptschiff (ohne Pfeilervorlagen): 9,25 m Breite nördliches Seitenschiff (ohne Pfeilervorlagen): 6,90 m Breite Chorapsis: 6,90 m Tiefe Chorapsis: 4,00 m Breite Glockenturm: 3,35 m Ausladung Glockenturm: 2,75 m

Innen mini|hochkant|Hauptschiff zum Chor Gesamtlänge Hauptschiff mit Chor: 22,90 m Gesamtlänge nördliches Seitenschiff: 16,00 m Breite Hauptschiff inklusive Arkadennischen: 7,20 m Breite nördliches Seitenschiff: 6,00 m Breite der Chorapsis (zwischen Pfeilervorlagen): 4,40 m Tiefe der Apsis: 3,70 m Höhe Brüstung der Arkatur: 1,60 m Höhe Arkatur: 2,70 m

Bauwerk mini|hochkant|Hauptschiff nach Westen Die heutige Pfarrkirche im Oberdorf von Saint-Christol besteht aus zwei deutlich unterscheidbaren Bauabschnitten, einem romanischen aus dem 12. Jahrhundert und einem zweiten aus dem 17. Jahrhundert, im Stil der Nachgotik.

Der romanische südliche Abschnitt umfasst das dreijochige Hauptschiff, das von einem Tonnengewölbe überdeckt war, mit einer innenseitig halbrunden Chorapsis auf der Ostseite, die außen aus fünf geraden Seiten polygonal umschlossen wird. Wo sich das ursprüngliche Hauptportal befand, darüber geben die bekannten Quellen keine Auskunft.

Im dritten Joch der Südwand des romanischen Baus gab es ursprünglich einen rundbogigen Nebeneingang, etwa dort, wo sich heute der Zugang zum Glockenturm befindet. Von diesem kann man heute noch Spuren an der östlichen Laibung der Tür und auch außen erkennen. Dieser Eingang dürfte damals zu einem rechteckigen Garten mit einer Zisterne geführt haben, dem Mittelpunkt eines schon lange verschwundenen Kreuzgang Möglicherweise war dieser Eingang auch das Hauptportal für die Gläubigen. Im ersten Joch der Südwand gibt es heute noch eine rundbogige Tür, die zu Räumlichkeiten führt, die dort an das romanische Schiff angebaut sind. Vermutlich sind das Nachfolger älterer Konventsgebäude.

Das ehemalige Tonnengewölbe des Hauptschiffs wurde im Zuge des zweiten Bauabschnitts im nachgotischen Stil des nördlichen Schiffs verändert.

Der zweite nördliche Abschnitt, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts an das romanische Hauptschiff angebaut wurde, umfasst ebenfalls drei Joche, das zweite und dritte in gleicher Länge, das erste und westliche Joch ist fast halb so lang, wie die übrigen. Die Breite des Seitenschiffs ist gut einen Meter kleiner als die des Hauptschiffs. Die Westwand des Seitenschiffs tritt gegenüber der des romanischen Abschnitts deutlich zurück und besaß dort ursprünglich eine offene Vorhalle in Ausdehnung des Wandversatzes. In der Achse dieser Wand öffnete sich im Zuge der Erbauung des zweiten Schiffs das Hauptportal der Kirche, das allerdings kaum ein Jahrhundert später wieder zugemauert und in die Ostwand verlegt wurde, wo es sich heute noch befindet. Dies geschah möglicherweise aus Gründen des besseren Wetterschutzes, da die Westfassade sich nach Westen zum nahen Berg Amaron orientierte, von wo aus häufig die kühlen Winde einfielen. Es ist jedenfalls vom Dorf aus leichter erreichbar als von der Westseite. mini|hochkant|Hauptschiff, Gewölbe Joch 1 Die recht schlichte romanische Kirche St-Christophe war ursprünglich mit einem Tonnengewölbe überdeckt, von dem noch Verzahnungen an den Innen- und Außenseiten der Giebelwände erkennbar sein sollen. Dieses Gewölbe wurde an den Längswänden von rundbogigen Blendarkaturen aus doppelt gestuften kantigen Bögen getragen die auf ebenso gestuften Wandpfeilern ruhen und heute noch so erhalten sind. Vermutlich wurde auch das Tonnengewölbe durch im Querschnitt rechteckige Gurtbögen in die Joche unterteilt, die auf gleich breiten Pfeilervorlagen standen, wie sie etwa heute noch als Unterteilung der nachgotischen Kreuzrippengewölbe zu sehen sind. Die Höhe der Bögen der Blendarkaturen blieben aber deutlich unter denen der Gurtbögen.

Die im Grundriss halbrunde Chorapsis ist mit einer sauber gemauerten halbkuppelförmigen Kalotte eingewölbt, deren Arkade eingangs der Apsis durch einen im Querschnitt rechteckigen Gurtbogen abschließt, der schiffseitig einen deutlichen Rückversatz seiner Vorderkante aufweist und der beidseitig auf entsprechenden Pfeilervorlagen mit dem gleichen Rückversatz steht. Die Apsisarkade ist etwa so hoch wie die Arkaden und Blendarkaden der Längsseiten des Schiffs. Die Höhe der Bogenansätze des Gurtbogens und Rückversatzes werden durch kurze Kapitellfriese mit Akanthusblättern und Weinlaub markiert. Das Kämpferprofil der Kapitellfriese setzt sich um die ganze Apsis herum als zart verziertes Kranzgesims fort.Guy Barruol: Romanik der Hoch-Provence. S. 292.

Die halbrund gebogene Apsiswand wird von einer unter Kunstkennern berühmten recht hohen Blendarkatur auf einer gut eineinhalb Meter hohen Brüstung umgeben, aus fünf rundbogigen Arkadennischen und sechs freistehenden Säulen, aus fein ziselierten Schäften, die mit skulptierten Kapitellen, profilierten Kämpferplatten, skulptierten teils auch profilierten Basen auf kantigen Plinthen ausgestattet sind. Näheres siehe Abschnitt „Dekor“. mini|hochkant|Seitenschiff zum Eingang Das Tonnengewölbe des Schiffs drohte zu Beginn des 17. Jahrhunderts einzustürzen. Damals stellte man die oberen Teile des romanischen Schiffs in zwei Abschnitten wieder her, jedoch ohne Steinwölbung. Eine 1644 von Notar Montjallard in Saint-Christol ausgestellte Akte zeigt, dass man zunächst den Maurermeister Antonin Jouffraiy aus Saint-Michel beauftragte, „das Gewölbe der Empore niederzulegen[…], über den Pfeilern der erwähnten Kirche drei Querbögen einzuziehen, um das Gewölbe zu stützen, sechs Fenster einzubauen und einen Turm aus behauenem Stein für drei Glocken aufzustellen“. Diese Doppelbögen – nicht die heutigen – trugen lediglich einen hölzernen Dachstuhl, dessen relativ geringes Gewicht keine Gefahr mehr für den Einsturz der Kirche bedeutete. Die früher fensterlose Nordwand erhielt auch in jedem der drei Joche ein Fenster und die ursprünglich kleineren Fenster der Südwand wurden entsprechend denen der Gegenseite vergrößert, so wie sie heute noch erhalten sind.