Burano (italienisch), venetisch Buran, ist mit einer Fläche von mehr als 21 ha eine der größeren und mit über 2700 Einwohnern eine der am dichtesten besiedelten Inseln in der Lagune von Venedig. Burano liegt nordöstlich des historischen Zentrums von Venedig. Eigentlich handelt es sich um eine Gruppe von vier, früher fünf nahe beisammenliegenden und durch acht Brücken verbundenen Inseln.
Geographie mini|Burano und Torcello (links) mit Mündung des Flusses Dese in die Lagune von Venedig (2019) Burano ist 670 Meter lang und maximal 450 Meter breit. Die Insel umfasst eine Fläche von 21,1 Hektar, genauer 210.766 Quadratmeter., veniceinitaly.com, abgerufen am 20. September 2012 Burano besteht aus vier Einzelinseln, die durch die drei meist nur 10 Meter breiten Kanäle Rio Pontinello (Westen, mit vier Brücken), Rio Zuecca (Süden, zwei Brücken) und Rio Terranova (Osten, zwei Brücken) voneinander getrennt und durch Brücken miteinander verbunden sind. Ursprünglich waren es fünf Inseln, die durch einen weiteren Kanal, den Rio Terà del Pizzo, voneinander getrennt waren. Dieser wurde jedoch zugeschüttet und bildet heute die Via Baldassare Galuppi auf der (Teil-)Insel San Martino, die sich vor der Kirche San Martino zur Piazza Baldassare Galuppi weitet. Stadt Venedig, 30. September 2005, Seite 6
Ähnlich wie die Altstadt von Venedig ist auch Burano traditionell in Sestieri gegliedert, und zwar in fünf (das sechste Sestiere von Burano wird von der Nachbarinsel Mazzorbo gebildet). Diese entsprechen den fünf ursprünglichen Inseln:
Sestiere Flächeha Bevölkerung Dichte San Mauro 6,8 818 12.029 Giudecca 2,5 255 10.200 San Martino Sinistra 4,4 586 13.318 San Martino Destra 5,1 759 14.882 Terranova 2,3 359 15.609 Burano (Insel) 21,1 2777 13.176 Mazzorbo 22,7 329 1.449 mini|hochkant=1.2|Gliederung von Burano in sestieri
Seit der Zufüllung des Kanals rio Terà del Pizzo (heute die via Baldassare Galuppi) bilden die Sestieri San Martino Sinistra und San Martino Destra eine Insel, San Martino.
2010 lebten auf Burano 2.762 Einwohner. Zur Volkszählung 2001 wurden noch 3.267 Einwohner nachgewiesen, alle im gleichnamigen Hauptort.
Mit rechnerisch über 13.000 Einwohnern pro km² hat Burano eine sehr hohe Bevölkerungsdichte, eine vielfach höhere Dichte als die 50 Meter westlich gelegene Nachbarinsel Mazzorbo, mit der Burano über eine 60 Meter lange Holzbrücke verbunden ist. Burano ist fast vollständig bebaut, mit nur wenigen kleinen Grünflächen. Gut 150 Meter weiter nördlich liegt jenseits des Canale di Burano die Insel Torcello.
Geschichte mini|Der unter Napoleon 1812 entstandene Kataster war mit Karten ausgestattet, hier die Inseln Buranos Archäologische Grabungen haben seit 1961 belegen können, dass Burano bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. besiedelt war, während 5 km entfernt, auf dem Festland, die Stadt Altinum zum Zentrum der Region avanciert war.Dies und das Folgende nach: Ernesto Canal: Archeologia della laguna di Venezia, 1960–2010, Cierre, 2015, S. 271–288. So wurden am Nordufer des Canale di Burano hölzerne Strukturen entdeckt. Hinzu kamen Strukturen am Kanal zwischen Burano und Mazzorbo, dann an der „darsena della Giudecca“ genannten Stelle, die von hoher Kontinuität war. Die Baulichkeiten wurden, so Ernesto Canal, vom 1. bis 2. Jahrhundert, dann erneut, getrennt durch einen „Hiatus“, vom 9. bis 12. Jahrhundert genutzt. Etwas südlich von Burano, in den Palude di S. Caterina – S. Francesco, fand sich, ebenfalls im 1. Jahrhundert v. Chr. einsetzend und bis ins 2. Jahrhundert reichend, eine römische Siedlung, die aus etwa 40 Häusern bestand. Sie liegt heute etwa 2,5 m unter dem Meeresspiegel. In dieser Epoche zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 3./4. Jahrhundert n. Chr. lag der Meeresspiegel sehr viel tiefer, so dass Teile der Lagune zu Festland wurden, die heute als Palude oder Barene bezeichnet werden. Zahlreiche größere Villen reihten sich an einigen der Kanäle, während die meisten Gebäude eher bescheidene Maße hatten. Im 4. Jahrhundert machte das ansteigende Meerwasser eine Fortsetzung der Besiedlung unmöglich; der Anstieg blieb der stärkste des 1. und 2. Jahrtausends. Auf Burano selbst fand sich im Zuge einer Fundamentausbesserung eine Münze aus der Zeit Konstantins I. sowie unterhalb des Glockenturms in 7 m Tiefe eine Münze des Kaisers Commodus für Bruttia Crispina.Ernesto Canal: Archeologia della laguna di Venezia, 1960–2010, Cierre, 2015, S. 279. In den Salzmarschen südlich von Burano fanden sich Überreste von Wegen und Straßen, so auch ein 250 m langer und 4 m breiter Abschnitt in 1,8 m Tiefe in den Palude di Burano, aber auch große Mengen von Amphoren.Ernesto Canal: Archeologia della laguna di Venezia, 1960–2010, Cierre, 2015, S. 280. Am Ufer des Canale Pessaora di S. Erasmo, ebenfalls Teil der Vorgängersiedlung des heutigen Burano, fanden sich Fragmente attischer Keramik aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., aber auch eine wohl römische Bronzestatuette.Ernesto Canal: Archeologia della laguna di Venezia, 1960–2010, Cierre, 2015, S. 287.
Zu erneuten Ansiedlungen kam es erst wieder im 7. und 8. Jahrhundert, als der absinkende Meeresspiegel dies wieder zuließ. Dabei wurden nunmehr die in der Antike ab dem 2. Jahrhundert, bei bereits angestiegenem Meeresspiegel, weiterhin landwirtschaftlich genutzten Gebiete besiedelt, während die römischen Siedlungsgebiete gemieden wurden. Mit jeder Phase steigenden Meeresspiegels wanderten die Lagunenbewohner des Nordens aufs Festland ab, bei sinkendem Spiegel setzte die Siedlungstätigkeit auf den Inseln von dort her wieder ein. Die legendenhafte Überlieferung, nach der die Buranesen ihre Siedlung, die Burano da Terra genannt wurde, und die sich in den heutigen Paludi, vor allem im Palude di S. Erasmo befand, im Jahr 959 verlassen mussten, erhält vor diesem Hintergrund ihre historische Berechtigung. Die Buranesen mussten ihre Siedlung aufgeben, um vor dem ansteigenden Meer zurückzuweichen, und sich an nördlicherer Stelle wieder anzusiedeln, dort, wo sich heute Burano befindet. Zugleich ließ sich für diese Zeit eine 958 wiederhergestellte Saline nachweisen, die wohl aus dem 8. oder 9. Jahrhundert stammte. Damit ist Arcones, auch Vetere genannt, die älteste nachweisbare Saline in der Lagune. mini|Blick von Torcellos Campanile ostwärts auf Burano mini|Am Rio di Mezzo, Fotografie (Pompeo Molmenti, Dino Mantovani: Le isole della laguna veneta, Venedig 1904, S. 113) Burano, erstmals in einer Quelle im Jahr 840 erwähnt, nämlich im Pactum Lotharii, war, folgt man den Schriftquellen, bis in das Spätmittelalter eine eher wenig bedeutende Fischerinsel. Ihre Verwaltung erfolgte lange Zeit durch den Podestà von Torcello. Dabei war die Insel eine Contrada, eine Gemeinde Venedigs. Der erste Podestà war Martino Cappello (1247). Burano war zu dieser Zeit nicht nur von geringerer Bedeutung als Torcello, sondern auch als Mazzorbo, wenn man die Zahl der Osterie betrachtet, von denen dort fünf bestanden, auf Burano hingegen nur eine einzige.Dies und das Folgende nach: Ernesto Canal: Archeologia della laguna di Venezia, 1960–2010, Cierre, 2015, S. 266ff.
Bereits im 13. Jahrhundert bestand immerhin der 40-köpfige Consiglio della Magnifica Comunità di Burano, in dem die einflussreichsten Männer versammelt waren, die mindestens 25 Jahre alt sein mussten. 1256 wurde zur Kontrolle über die kommunalen Einnahmen ein Gremium eingesetzt, die Governatori alle Entrate. 1342 wurde die Podesteria von Torcello in fünf Teile aufgeteilt, von denen zwei Torcello umfassten, zwei weitere Mazzorbo sowie eine Burano. 1378 unterstützte die Insel, wie ihre Nachbarn, Vettor Pisani im Kampf gegen die Genuesen, die in die Lagune eingedrungen waren.
Im 15. Jahrhundert weist eine Reihe von Beschlüssen zum Lebensmittelhandel auf eine Zeit wachsenden Handels hin. Doch noch 1419 wurden die Kosten für Bau und Erhaltung von Wegen und Brücken zwischen Torcello, Mazzorbo und Burano im Verhältnis 6 zu 3 zu 1 aufgeteilt. Zwischen 1427 und 1474 verfügte Burano über Armbrustschützen (balestrieri) und eine Art Miliz. 50 Buranesen wurden 1479 für die Verteidigung des albanischen Scutari gegen die Osmanen einberufen.
Ende des 15. Jahrhunderts war Burano eine erstarkende Konkurrenz für das privilegierte Torcello, das zudem zunehmend mit Versumpfung zu kämpfen hatte. Mazzorbo und Burano forderten die gleichen Rechte wie Torcello, dessen Podestà bald nach Burano umzog. Dabei achtete man in Venedig sorgsam auf die natürlichen Ressourcen. So sollten die Fischer Buranos darauf achten, dass sie nicht die Ausrottung der Fischbestände riskierten (S. 266). Auch auf dem Gebiet von Bildung und Wohlfahrt entwickelte sich die Insel, worauf die Gründung der Accademia letteraria degli Assicurati ebenso hinweist, wie die der Fraterna dei Poveri, die Bruderschaft der Armen, oder die Opera Pia delle Donzelle Periclitanti. mini|Das Luftbild von 2003 zeigt die extrem unterschiedliche Bebauung von Burano und Mazzorbo, erst recht der Nachbarinseln, wie Madonna del Monte, Mazzorbetto oder die Isola dei Laghi (Blick nach Westen) Die wachsende Einwohnerzahl schlug sich darin nieder, dass immer mehr Buranesen für die Kriegseinsätze angefordert wurden. Waren es 1537 noch 79 Männer, so stieg deren Zahl 1570 auf 230 an. Torcello hingegen musste nur noch 15 Männer stellen, Mazzorbo gar 12. Dabei wurden bald auch Gefangene zum Galeerendienst gepresst, was zunächst nur in Kriegszeiten Anwendung fand, bald aber zur Dauereinrichtung wurde. Inzwischen weigerte sich der Podestà unter einer Vielzahl von Vorwänden, in das immer unbewohnbarer werdende Torcello zurückzukehren. Zugleich wurde das benachbarte Mazzorbo nach und nach ausgeplündert, so dass 1550 Überlegungen angestellt wurden, ob es nicht sinnvoller sei, das für den Wiederaufbau Mazzorbos vorgesehene Geld anderweitig einzusetzen. 1615 erklärte ein Dekret Torcello für unbewohnbar, die Nonnen auf Mazzorbo lebten unter erbärmlichen Bedingungen. Dennoch bestand Venedig als Residenzort des Podestà noch bis Ende des 17. Jahrhunderts auf Torcello, dessen Bewohner derweil zunehmend nach Burano abwanderten. Dessen Haupteinnahmequelle, der Fischfang, wurde zunehmend im Interesse der Kernstadt reguliert. So durften die Buranesen im 16. Jahrhundert ihren Fisch ausschließlich auf der Insel selbst oder dem Rialtomarkt zum Verkauf anbieten; auf das Festland durfte nichts mehr verkauft werden. Dabei blühte der Schmuggel, insbesondere mit Wein. mini|Fondamenta di Calo Moleca, Rio San Mauro und Fondamenta Cavanella. mini|Corte Bortoloni (typischer kleiner Innenhof) in Burano. Inzwischen lebten 2500 bis 3000 Menschen auf Burano, verteilt auf etwa 700 Häuser. Dabei ragte wirtschaftlich nur die Familie Michiel mit ihren Weingärten aus den eher armen Familien heraus, daneben ein Zuanne dei Rossi mit seinen zehn Häusern. Die Bewohner waren allesamt arme Fischer, abgesehen vom Priester, dem Organisten und dem Gastalden der Fischer. Daneben taucht 1553 in den Quellen ein „Medicus“ auf. Venedig betrachtete die Sicherheitslage als so kritisch, dass Burano in vier Quartiere aufgeteilt wurde, die bei Todesstrafe nachts nicht per Boot verlassen werden durften. Der weitere Anstieg der Bevölkerung zeigt sich darin, dass mindestens fünf Feilbäckereien (pistorie) vorgesehen waren, da die bisher bestehenden zwei Bäckereien nicht mehr ausreichten. 1663 bestand auf Burano neben diesen Bäckereien ein Mehlspeicher, aber auch Reserven für Öl, Wein und Trinkwasser. Zugleich stieg die Nachfrage nach Seemännern und Arbeitern für das Arsenal, wo die Schiffe gebaut wurden.