Die Kattowitzer Zeitung (1869–1874: Allgemeiner Anzeiger für den oberschlesischen Industriebezirk) war eine regionale Tageszeitung aus Kattowitz von 1869 bis 1942.

Geschichte mini|Ehemaliges Buchdruckerei in Kattowitz; ab 1901 Sitz der Kattowitzer Zeitung 1869 bis 1921 Am 1. Mai 1868 kaufte Buchhändler Gottfried Siwinna die ein Jahr vorher in der Grundmannstraße, Haus Nr. 3, in Kattowitz eröffnete Troskasche Buchhandlung und gründete daraus den Verlag von G. Siwinna. 1870 erwarb er nach dem Ableben ihres Inhabers die Wernersche Buchdruckerei und damit auch die erste in Kattowitz erscheinende Zeitung Allgemeiner Anzeiger für den oberschlesischen Industriebezirk. Der Titel dieses anfänglich als Wochenblatt erscheinenden Quartformats wurde erst am 1. Juli 1874 in Kattowitzer Zeitung umgeändert. Die Zeitung erschien jetzt dreimal und bald darauf sechsmal wöchentlich. Ursprünglich wohnte die Familie Siwinna mit ihrer Zeitung zur Miete in dem Mokrauerschen Hause, Grundmannstraße 3, siedelte aber schon 1875 in das gegenüberliegende Haus Nr. 12 des Baumeisters Hirth über, das Siwinna bereits 1873 für diesen Zweck gekauft hatte. Im Jahre 1884 wurde die Druckerei durch ein neues Gebäude erweitert. Als 1892 der Gründer und Inhaber Gottfried Siwinna starb, war zunächst die Witwe Bertha Siwinna Inhaberin der Firma, während die beiden Söhne Fritz und Carl Siwinna zunächst als Prokuristen und später nach Ausscheiden von Frau Siwinna als Inhaber die Firma Siwinna gemeinsam führten. 1900 wurden die alten Gebäude auf der Grundmannstraße 12 (heute: ulica 3 Maja 12) abgebrochen und durch ein modernes Geschäftshaus mit Druckerei ersetzt. Einige Jahre später wurde das anstoßende Grundstück, Mühlstraße 9, zur Erweiterung von Druckerei u. Redaktionsbüro erworben, da sich inzwischen auch der Druckereibetrieb durch eine Reihe von Zeitungen wie Oberschlesische Morgenzeitung, Oberschlesisches Tageblatt, 6-Uhr-Abendblatt sowie durch Fachzeitschriften wie Der Eisenkonstrukteur, Eisen und Eisenbeton, Schlesien und Kohle und Erz erweitert hatte. Am 1. April 1915 schied Fritz Siwinna aus Gesundheitsgründen als Mitinhaber aus, so dass Carl Siwinna Alleininhaber der Firma bleib.Oberschlesischer Kurier, 27. Juli 1959, Nr. 7 – Schicksalsweg der „Kattowitzer Zeitung“

Am 18. Januar 1921 wurden die Kattowitzer Zeitung und das Königshütter Tageblatt von der Interalliierten Kommission für acht Tage verboten, da sie für deutsche Positionen kurz vor der entscheidenden Volksabstimmung über die künftige Zugehörigkeit des Gebietes Oberschlesien zu Polen oder dem Deutschen Reich eintraten.18. Januar 1921 chroniknet.de

1921 bis 1939 Nachdem der Verleger Carl Siwinna am 1. Dezember 1921 kurz vor der Teilung Oberschlesiens nach Berlin gezogen war, wurde die Kattowitzer Zeitung von der Kattowitzer Buchdruckerei- und Verlagsgesellschaft AG übernommen. 1922 wurde sie zum (offiziellen?) Organ der Deutschen Partei in Oberschlesien. In ihren Kommentaren bezeichnete sie immer wieder den Anschluss an Polen als Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes des Volkes.Bernhard Gröschel: Themen und Tendenzen in den Schlagzeilen der Kattowitzer Zeitung und des Oberschlesischen Kuriers 1925–1939. Münster 1993, S. 40. Die Errichtung einer polnischen Verwaltung nannte sie „Besetzung“.Kattowitzer Zeitung, 20. Juni 1922, S. 1.

Ab Mitte der dreißiger Jahre wurde die Kattowitzer Zeitung von Mitgliedern der Jungdeutschen Partei dominiert. Deshalb ließ sie der polnische Woiwode Michał Grażyński am 15. August 1939 einstellen, mit der Begründung, sie unterstütze die Positionen der NS-Führung in Berlin.

1939 bis 1945 mini|Kattowitzer Zeitung, 1941 Seit dem 9. September 1939 erschien die Kattowitzer Zeitung wieder, nur wenige Tage nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Kattowitz, mit einem Reichsadler und Hakenkreuz im Titel. Seit Oktober 1939 wurde sie zum Organ der NSDAP-Kreisleitung von Kattowitz nach dem Wiederanschluss Ostoberschlesiens an das Deutsche Reich.

Am 31. August 1942 erschien die letzte Ausgabe der Kattowitzer Zeitung. Danach wurde sie mit anderen Zeitungen zur Oberschlesischen Zeitung vereinigt.Daniela Pelka: Die "Oberschlesischen Nachrichten" und ihre Folgezeitungen aus linguistischer Perspektive Trafo, Berlin 2013. Deren letzte Ausgabe erschien am 23. Januar 1945,Ostatnia szarża Volkssturmu (polnisch) vier Tage vor der Besetzung der Stadt Kattowitz durch die Rote Armee. Die Druckerei und das sonstige Eigentum des Verlags wurden durch den polnischen Staat konfisziert und gingen in dessen Besitz über.

Literatur Bernhard Gröschel: Themen und Tendenzen in den Schlagzeilen der Kattowitzer Zeitung und des Oberschlesischen Kuriers 1925–1939, Analyse der Berichterstattung zur Lage der deutschen Minderheit in Ostoberschlesien. Münster, 1993, ISBN 3-7861-1719-5. Otto Heike: Das Deutschtum in Polen, 1918–1939. Verlag für ganzheitliche Forschung, 1995 Archiv für Buchgewerbe, Band 54, A. Waldow, 1917

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