Unter dem Namen Indian Knoll (Kuppe, Hügel) ist eine archäologische Fundstätte südlich von Rockport im Nordwesten des Bundesstaats Kentucky in den USA bekannt, die zu den National Historic Landmarks zählt. Sie liegt am Green River und stammt aus der archaischen Periode, wo sie auf etwa 3000 bis 2000 v. Chr. datiert wird.Nach dem Oxford Dictionary of Archaeology 2500 bis 2000 v. Chr. Die Stätte war fast drei Jahrtausende lang bewohnt. Darin wurden 55.000 Artefakte und die Überreste von 1178 Menschen entdeckt.

Sie erstreckt sich über eine Fläche von etwa einem Hektar und besteht aus einem als shell midden bezeichneten, langgestreckten, elliptischen Hügel von rund 8000 m² Fläche, der aus künstlich dort angesammelten Schalen von Meeresschnecken und Muscheln zusammengesetzt ist. Der Hügel war bis zu 1,5 m hoch, die Ablagerungen bis zu 2,5 m tief.

Die Fundstätte hat einer archäologischen Phase, der Indian Knoll phase den Namen gegeben, so dass auch andere Fundstätten unter diesem Namen subsumiert werden.

Kulturraum Außer Indian Knoll liegen am Oberlauf des Green River eine große Zahl weitere shell midden sites aus der mittleren und späten Archaischen Periode. Weitere Fundorte aus derselben Epoche, die wesentliche kulturelle Züge mit Indian Knoll und der Green River verbinden, wurden am Ohio River, dessen Zufluss Tennessee River und dem nördlicher gelegenen Illinois River gefunden. Sie alle haben die shell middens gemeinsam und insbesondere die Stile der Knochen-Nadeln lassen den nördlichen Südosten in der archaischen Periode als gemeinsamen Raum mit kulturellem Austausch erscheinen.Richard W. Jeffries: Regional Scale Interaction Networks and the Emergence of Cultural Complexity along the Northern Margins of the Southeast, in: Jon L. Gibson, Philip J. Carr (Hrsg.): Signs of Power – The Rise of Cultural Complexity in the Southeast, University of Alabama Press, 2004, S. 71–85.George M. Crothers: The Green River in Comparison to the Lower Mississippi Valley during the Archaic: To Build Mounds or not to Build Mounds?, in: Jon L. Gibson, Philip J. Carr (Hrsg.): Signs of Power – The Rise of Cultural Complexity in the Southeast, University of Alabama Press, 2004, S. 86–96.

Shell middens Shell middens entstanden aus Küchenabfall, den Kalkschalen, die bei der Zubereitung von Mollusken (Meeresschnecken, Muscheln) anfielen. Indian Knoll steht hier in einer Tradition, die über den gesamten Südosten der Vereinigten Staaten existiert und in kulturell eigenständiger Form auch an allen Küsten Nordamerikas in den gemäßigten Breiten vorkommt. Die gestalteten Formen, häufig sind ring- oder halbkreisförmige Anlagen, lassen aber eine systematische Ablagerung annehmen. Über ihren Zweck gibt es eine Vielzahl an Theorien. Sie könnten aus Wohnplätzen entstanden sein und von den Jägern und Sammlern immer wieder aufgesucht worden sein, wobei die Menschen auf dem Hügel ihr Lager errichteten. Diese Nutzung könnte aus der Notwendigkeit entstanden sein, erhöhte Lagerplätze zu schaffen, die vor Überflutungen am Flusslauf geschützt waren. Wenn diese Annahme zutrifft, könnten aus der Form der middens Annahmen über die Sozialstruktur der damaligen Menschen abgeleitet werden, die die vorherrschenden Annahmen über eine egalitäre Kultur ohne Führer in Frage stellen. Herausgehobene Stellen wie das Zentrum eines Rings oder die Mitte eines Halbkreises wären dann von herausgehobenen Personen bewohnt worden.Michael Russo: Measuring Shell Rings for Social Inequality, in: Jon L. Gibson, Philip J. Carr (Hrsg.): Signs of Power – The Rise of Cultural Complexity in the Southeast, University of Alabama Press, 2004, S. 26–70.

Andere Stimmen nehmen eine überwiegend oder ausschließlich rituelle Nutzung der middens an, wobei eine scharfe Trennung zwischen Ritual und profanen Handlungen in der achaischen Periode kaum sinnvoll ist. Shell middens wären dann Orte für wiederholte oder regelmäßige spezielle Ereignisse, die mit dem Verzehr großer Mengen von Schnecken und Muscheln begangen wurden. Dabei müssen die Beteiligten an den einzelnen Festen auch nicht identisch sein. Weil middens aus Küchenabfällen entstanden und die Formen zwar eine bewusste Gestaltung, nicht aber einen zentralen Plan verlangen, könnten sie über längere Zeiträume von verschiedenen nomadischen Gruppen weitergebaut worden sein. Sie symbolisieren dann die lockeren und instabilen Strukturen einer Bevölkerung in der Gründungsphase von Gesellschaften.George M. Crothers: The Green River in Comparison to the Lower Mississippi Valley during the Archaic: To Build Mounds or not to Build Mounds?, in: Jon L. Gibson, Philip J. Carr (Hrsg.): Signs of Power – The Rise of Cultural Complexity in the Southeast, University of Alabama Press, 2004, S. 86–96.

Der Indian Knoll midden und andere große middens werden in der Literatur gelegentlich als shell mounds bezeichnet, was eine Parallelität zu den Erdwerken herstellt, die Mound genannt werden, und die in der archaischen Periode am Unterlauf des Mississippi Rivers aufkamen. Andere Autoren kritisieren dieses Sprachgebrauch und verweisen darauf, dass Mounds mit der Absicht errichtet wurden, das Landschaftsbild zu gestalten und sich einen Ort dadurch kulturell anzueignen. Die Entstehung von middens ist hingegen ungeklärt. Die ersten Ausgräber sprachen bewusst neutral von shell heaps, Molluskenschalen-Haufen. Wenn shell middens ohne Plan, Leitung oder Kontrolle durch das Zusammenwirken über längere Zeit entstanden, dann wäre der Begriff Mound erst den einige hundert Jahre später begonnenen Anlagen wie Watson Brake und schließlich der Höhepunkt mit Poverty Point weiter südlich vorbehalten. Diese setzen wenn schon nicht eine geschichtete Gesellschaft so doch eine Form von Führung voraus, auch wenn die ersten Ansätze möglicherweise ähnlich wie die shell middens begonnen wurden.George M. Crothers: The Green River in Comparison to the Lower Mississippi Valley during the Archaic: To Build Mounds or not to Build Mounds? In: Jon L. Gibson, Philip J. Carr (Hrsg.): Signs of Power – The Rise of Cultural Complexity in the Southeast, University of Alabama Press, 2004, ISBN 0-8173-1391-5, Seiten 86–96, hier: S. 94.

Artefakte und Fundobjekte Indian Knoll barg über 55.000 Artefakte und die Überreste von 1178 menschlichen Individuen jeden Alters. Die Grabbeigaben legen eine gewisse gesellschaftliche Differenzierung nahe, doch richteten sich die beigegebenen Objekte eher nach Geschlecht und Alter. Daher wird angenommen, dass es sich eher um persönliches Eigentum der Verstorbenen handelt, eine ausgeprägte gesellschaftliche Differenzierung noch nicht bestand. Den Männern wurden dabei Beile und Werkzeuge zur Holzbearbeitung beigegeben, dazu Angelhaken, Werkzeuge aus Geweih für die Feuersteinbearbeitung, Äxte, schließlich Dinge, die möglicherweise Medizinbeuteln zuzuordnen sind. Ausschließlich Frauen wurden Steine zum Knacken von Nüssen, Perlen aus Knochen, Mörser und Steinkratzer beigegeben. Nur etwa ein Drittel der Gräber wies Grabbeigaben auf, etwa 4 % der Gräber enthielten Beigaben, die aus weit entfernten Gegenden stammten, wie etwa Schmuck aus Kupfer oder Meeresschnecken und Muscheln vom Golf von Mexiko.

Bannersteine miniatur|Bannerstein aus Ohio, ca. 2000 v. Chr., Schiefer, Höhe: 5,9 cm. Diese Form wird als double-notched butterfly bezeichnet. The Michael C. Rockefeller Memorial Collection. Ein Typ archäologischer Objekte, der in Indian Knoll erstmals entdeckt wurde, löste einen langwierigen wissenschaftlichen Streit aus, der als bannerstone controversy in die Wissenschaftsgeschichte einging.Robert L. Hall: An Archaeology of the Soul: North American Indian Belief and Ritual. University of Illinois, 1997, S. 110f. Die ersten Funde von durchbohrten, polierten Steinobjekten in Gräbern wurden ab Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Namen Banner stones als Zeremonialobjekte, insbesondere rituelle Äxte interpretiert. 1916 veröffentlichte Moore seine Funde hakenförmiger Stücke von Geweihen zusammen mit banner stones unterschiedlicher Formen. Er interpretierte sie als Werkzeuge für die Herstellung von Fischernetzen, insbesondere zum Knüpfen regelmäßiger Maschen. Im Rahmen der New Deal fanden weitere Ausgrabungen in Indian Knoll, am Green River und in der weiteren Region statt. Byron Knoblock stellte daraus eine Übersicht über die verschiedenen Typen zusammen, Byron William Knoblock: Banner-stones of the North American Indian – A specialized illustrated volume prepared for the primary purpose of putting forth conclusions regarding distribution, possible uses, methods of manufacture, evolution of types, adoption of special materials for particular types, and to establish a system for classifying the diversity of shapes of banner-stones by their lines and planes. With articles by Prof. Charles E. Brown, Dr. Fay-Cooper Cole ... [and others], La Grange, Ill., 1939 die bis heute als maßgeblich gilt.Samuel O. Brookes: Cultural Complexity in the Middle Archaic of Mississippi, in: Jon L. Gibson, Philip J. Carr (Hrsg.): Signs of Power – The Rise of Cultural Complexity in the Southeast, University of Alabama Press, 2004, S. 97–113. William Webb widersprach den Thesen. Er deutete die Haken als Speerschleuder, in Nordamerika als Atlatl bekannt. Die Steinobjekte interpretierte er – als Professor für Physik – als Gewichte, die nahe dem hinteren Ende des Atlatls befestigt, den Impuls des Wurfes verstärken sollten. In der Folge veröffentlichte Webb 1957 ein Buch über die Technik des Atlatl-Wurfs und entwickelte darin Theorien, wie auch die flachen, flügelförmigen Bannersteine diesen Zwecke gedient haben können, weil sie die Masse des Steins ins Zentrum der beim Wurf entstehenden Schwingungen verlegen. Moderne Untersuchungen widersprechen jedoch dieser These. Ein Atlatl verstärkt beim geübten Benutzer die Wurfkraft und -weite, aber er muss gleichzeitig leicht und steif sein, um nicht beim Wurf durch Biegung in der Schleuder Energie zu verlieren. Ein Gewicht an der Sperrschleuder ist daher schädlich.Soweit nicht anders angegeben, stützt sich dieses Kapitel auf: Kenneth E. Sassaman: Technological Innovations in Economic and Social Contexts. In: Kenneth E. Sassaman, David G. Anderson (Hrsg.): Archaeology of the Mid-Holocene Southeast. University Press of Florida, 1996, ISBN 0-8130-1434-4, Seiten 57–74.

Die Fundsituation der Bannersteine erlaubt keine Entscheidung der Kontroverse. Über die Hälfte der Funde wurden in Gräbern gemacht, wobei Bannerstones sich als Grabbeigaben nahezu gleichmäßig auf Gräber von Männern, Frauen und Kindern verteilen. Ein signifikanter Teil der in Gräbern gefundenen Bannerstones ist zerbrochen, wobei es starke Hinweise darauf gibt, dass sie absichtlich zu zeremoniellen Zwecken zerstört wurden.George M. Crothers: The Green River in Comparison to the Lower Mississippi Valley during the Archaic: To Build Mounds or not to Build Mounds?, in: Jon L. Gibson, Philip J. Carr (Hrsg.): Signs of Power – The Rise of Cultural Complexity in the Southeast, University of Alabama Press, 2004, S. 86–96. Die Qualität vieler Formen und der Aufwand beim Polieren der Steine spricht gegen reine Gebrauchsobjekte und lässt eine kulturelle Nutzung annehmen. Der zweiflügelige Typ Bannersteine ist bei fast allen Fundobjekten aus besonders ausgesuchtem Gestein mit feiner Maserung und einer Form, die parallel zur Maserung läuft, gefertigt.

Gegen eine Nutzung als Atlatl-Gewicht spricht schließlich die Verteilung der Funde. Bannerstones wurden nur im Südosten der USA gefunden, während Speerschleudern von Kulturen auf der ganzen Welt verwendet wurden.

Perlen, Kupfer, Gehäuse von Meeresschnecken