Johann von Ghogreff oder Gogreve (andere Schreibweisen: Ghogravius, Goichgreff u. ä.; * um 1499 in Düsseldorf im Herzogtum Berg (Montensi natus); † 17. Februar 1554 im Haus Hellenbroich bei Mettmann) war ein deutscher Humanist und Kanzler von Jülich-Kleve-Berg.

Leben Herkunft Johann Ghogreff entstammte dem im Herforder, Minden-Ravensberger und Osnabrücker Raum verbreiteten westfälischen Adelsgeschlecht Gogreve, das allerdings andere Wappen führte als er.Ein roter Querbalken in silbernem Feld; vgl. z. B. Urkunde von 1483; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Recke zu Obernfelde, Familie von der, Urkunde Nr. 71), wie es auch von Stadt und Stift Herford und den Familien Oldenhervorde und Quernheim geführt wurde, oder ein aufrechtstehender Adler (wohl verwechselt mit einem Krebs). Die Nebenlinie Gogreve genannt Crevet führte einen Krebs im Wappen.Vgl. Ernst Friedrich Mooyer: Miscellen zur Geschichte Herfords 2. Die Familie von Quernheim. In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 4 (1841), S. 55–78, bes. S. 55 Anm. 41 (Google-Books). Wahrscheinlich besteht keine Stammesverwandtschaft mit dem westfälisch-waldeckschen Adelsgeschlecht der Gaugreben.Wappen: In Silber drei schwarze Pfähle.

Johann Ghogreff gehörte zu einem Familienzweig, der in der Umgebung von Lübbecke, Stemwede und Ostercappeln begütert war. Mitglieder dieses Familienzweigs standen als Burgmannen und Richter der Hunteburg („Himteborck“) im Kirchspiel OstercappelnUrkunden vom 23. November 1377 und 1. Mai 1386 (beide: Gyzeke de Gogreve); Niedersächsisches Landesarchiv Osnabrück (Rep 3 Osnabrücker Hauptarchiv, Nr. 434; Dep 12 a Marienkirche zu Osnabrück, Nr. 5); Urkunden von 1418 und vom 1. Februar 1419 (Johan de Gogreven; „Johans Wyff des gogreven tor Hunteborch“; Dep 3 a 1 Stadt Osnabrück – Hauptarchiv IV, Nr. 109/2 und 111); Urkunden vom 27. Dezember 1421 (Heinrich und Johann Gogreve, Brüder) und 25. Mai 1459 (Heinrich Gogreve); Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Stift Levern, Urkunden 197 und 223). des Amtes Wittlage in Diensten des Bistums Osnabrück. Johann Ghogreffs Urgroßvater Giseke (Giso) Gogreve († nach 1418)1377, 1412 zusammen mit Brun von der Streithorst d. Ä. († vor 1439) als Inhaber von Burglehen-Häuser der Hunteburg erwähnt; vgl. Rudolf vom Bruch: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück. F. Schöningh, Osnabrück 1930. Nachdrucke: Wenner, Osnabrück 1965, S. 231f. (online UB Bielefeld); Wenner, Osnabrück 1982; Wenner, Osnabrück 2004, ISBN 3-87898-384-0. wurde vom Mindener Stift St. Mauritius und Simeon der Frundeshof in der Bauerschaft LintorpLeopold von Ledebur: Ueber die Grenzen des von Carl dem Großen der Osnabrückschen Kirche geschenkten Forstbannes. In: Archiv für Geschichte und Alterthumskunde Westphalens 1 (1825), S. 76–89, bes. S. 87f (Google-Books). bei Barkhausen (Bad Essen) verpfändet.Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Kloster St. Mauritz Und Simeon, Minden, U 227); Urkunde vom 3. August 1487: Giseke Gogreve, Knappe, Amtmann in Dusseldorpe, bekundet die Lösung des seinem Großvater Giseke Gogreve von St. Mauritz und Simeon versetzten Frundeshof in der Bauerschaft Lintorp; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Kloster St. Mauritz und Simeon, Minden, Nr. 244). Johann Ghogreffs Tochter Agnes brachte ihre Hälfte von sieben Höfen zu Hunteburg („Honteburgh“) in die Ehe mit Ludolf d. L. von Fürstenberg ein, ihre Erben besaßen noch 1605 Höfe im Osnabrücker Raum bei Ostercappeln.Vgl. Prozessakten, 1594–1614; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Az. 504 – B 1233/4299).

1430 und 1434 werden in Urkunden der Klöster Levern und Burlage der Knappe Heinrich Gogreve, Sohn des Geseke,Ghyseke de Ghogreve und seine Söhne Johann und Hinrik verkauften am 6. Dezember 1418 ihren Hof zu Lübbecke; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Stift Lübbecke, Urkunden, Nr. 62; vgl. Nr. 83). und seine Frau Lihse (Lize; Elisabeth) mit den – offenbar noch minderjährigen – Söhnen Gerlach, Gizeke, Pellike, und den Töchtern Alveke und Rikeza erwähnt.Urkunde vom 21. Dezember 1430; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Stift Levern – Urkunden, Nr. 205).Urkunde vom 12. September 1434; Niedersächsisches Landesarchiv Hannover (Celle Or. 100, Urkunden des Klosters Burlage, Nr. 46); Wilhelm von Hodenberg (Bearb.): Archiv des Klosters Burlage. In: Diepholzer Urkundenbuch. Hahn, Hannover 1842, Nr. 357, S. 161 (Google-Books). Der Knappe Gerlich (Gerlach) Gogreve und sein Bruder Giseke verkauften 1472 ein Drittel des Tutteshauses („Tutteshofs“) in LinneVerkaufsurkunde des Knappen Gerlich Gogreve und seines Bruders Giseke vom 28. April 1472 über des Tutteshaus in Linne im Kirchspiel Barkhausen; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Kloster St. Mauritz Und Simeon, Minden, U 227); vgl. Urkunde vom 15. Juni 1310: „ein hüsfrowe gisecken gogreuen is belent … in dem drüden parte in I hüse to lüne (lynne)“; Ernst Friedrich Mooyer: Miscellen zur Geschichte Herfords 9. Die Familie von Gogreve. In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 5 (1842), S. 60–85, bes. S. 82 (Google-Books).Heinrich Pladyse (Pladise) und seine Frau Gese verkauften einen weiteren Anteil am Tutteshus; vgl. Urkunde vom 2. März 1491; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Kloster St. Mauritz und Simeon, Minden, Urkunde Nr. 246). bei Barkhausen.Urkunden vom 28. April 1472 – vor dem Knappen und Richter Brun von der Streithorst d. J. († vor 1487) – und 5. Februar 1494; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Kloster St. Mauritz und Simeon, Minden, Urkunden Nr. 227 und 247). Sehr wahrscheinlich war Heinrich Gogreve der Großvater und Gerlach Gogreve ein Onkel des Johann Ghogreff.

Sohn des Amtmanns Giesbert Gogreve Johann Ghogreff war der Sohn des Düsseldorfer AmtmannsIn der Akte Nr. 11764 des Gesamtarchivs von Landsberg-Velen im Landesarchiv Münster wird Gieschgen Gogreve auch als „Kanzler“ bezeichnet. und Schlosshauptmanns Giesbert (Gisgen, Gysge, Gischgen) Ghogreff (Goegreffe; von Gogreve, Goegrebe) (* vor 1430; † 1504Vgl. Urkunde vom 28. Februar 1504; Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr (Bestand 1010 Herrschaft Broich / Amt Broich-Styrum, Urkunde 281)./05), Lehnsherren von Hellenbroich, und dessen dritter Frau (⚭ 1491)Vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1015 Binsfeld-Wachtendonk, Familienarchiv, Inventar Hellenbroich’scher Briefschaften). Margaretha von der Recke († 1515/25),Vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 2/15552). Tochter des Hermann von der Recke († 1474/84) und (⚭ vor 1462) der Katharina von Calcum gen. Leuchtmar († nach 1497).Sie war in erster Ehe (⚭ 1441) verheiratet mit Heinrich von Ossendorf († 1449/51).Vgl. Urkunde vom 6. Januar 1493; Vereinigte Adelsarchive im Rheinland e. V. Pulheim-Brauweiler (Archiv Schloss Schönstein, Urkunde 633).Vgl. Kurt Niederau: Zur Geschichte des bergischen Adels. Die von Kalkum genannt von Leuchtmar. In: Zeitschrift des bergischen Geschichtsvereins 86. 1973, S. 14–74, bes. S. 25–27.

Giesbert Ghogreff war als Gefolgsmann des Herzogs Gerhard von Jülich-Berg und Ravensberg aus Westfalen in das Rheinland gekommen.Gijse Goegreve wird in einer Kölner Urkunde vom 4. Juli 1453 zusammen mit Wernher von dem Bussche (von Beuessen), Burgmann auf Limberg, Wilhelm Topp (* um 1392; † 1470/72) zu Bielefeld, Rutger (von Neuhof genannt) von Leyen, Jelis (Gilles; Egidius) Sohn, Herzog Gerhard von Jülich-Berg und Ravensberg u. a. erwähnt; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 3/12492; vgl. U 3/12488; Bestand 1037 Raitz von Frentz, U 1791). Er war in erster Ehe mit Hilla (Hildegard) N. und in zweiter Ehe (⚭ vor 1478) mit Sophia (Fya) von Hammerstein († nach 1482)Tochter von Johann d. J. von Hammerstein (* vor 1409; † 1472) auf Stockum, 1465 Zöllner zu Düsseldorf, und Christine Kellner († vor 1454). Sophia ⚭ I. 1454 Peter von Lennep († 1463/69), vor 1436 bis 1443 Schreiber des Herzogs von Jülich-Berg (auch: Peter Schryver), Zöllner zu Düsseldorf (dieser ⚭ I. vor 1436 Else van Bockum († nach 1451)).Emil von Hammerstein-Gesmold: Regesten aus dem Geschlechte der Freiherren von Hammerstein In: Zeitschrift des bergischen Geschichtsverein 15 (1879), S. 143–177, bes. S. 159 Anm. 2, 161–164, 167f (Google-Books).Urkunde vom 4. Dezember 1478; Emil Hammerstein-Gesmold (Bearb.): Urkunden und Regesten zur Geschichte der Burggrafen und Freiherren von Hammerstein. Hahn, Hannover 1891, Nr. 427, S. 457f (Digitalisat der Landes- und Universitätsbibliothek Düsseldorf).Cornelia M. Ridderikhoff, Detlef Illmer: Les livres des procurateurs de la nation germanique de l'ancienne Université d'Orléans: 1444–1602. Band I/1, Brill, Leiden 1971, S. 336 (Google-Books); etwas anders Joseph Stange: Der Rittersitz Griffgenstein. In: Nachrichten über adelige Familien und Güter. Heft I. Hergt, Koblenz 1879, S. 53 (Digitalisat des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz Koblenz). verheiratet. Sein Stiefsohn („Schwager“) aus der Ehe mit Sophia von Hammerstein war Christian von Lennep († nach 1498).Verheiratet mit Agnes N.; vgl. Urkunden von 1478, vom 21. Februar 1491, 11. und 15. Mai 1495; Emil Hammerstein-Gesmold (Bearb.): Urkunden und Regesten zur Geschichte der Burggrafen und Freiherren von Hammerstein. Hahn, Hannover 1891, Nr. 872, S. 489 Anm. 2, Nr. 877, S. 491, Nr. 902, S. 505–507. Gisge Gogreve wurde 1485 in Soest gefangen gehalten,Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (Bestand Jülich-Berg I, Nr. 144) „Gefangennahme des Düsseldorfer Amtmanns Gisge Gogreve … 1485“ (vgl. auch Nr. 680, 1041, 1120, 1121, 1125 und 1126). Bereits 1470 war ein Johann Gogreve in Soest gefangen gesetzt und 1479 gegen Bürgschaften auf Zeit, 1484 nochmals (endgültig?) freigelassen worden (Stadtarchiv Soest, A 2840). hielt sich 1487 – wahrscheinlich gegen Bürgschaft – wieder im Rheinland aufSiegelzeuge der Eheberedung von Johann von Eller d. J. und Margarete vom Haus; Regest vom 7. April 1487; In: Kurt Niederau: Urkunden als Belege zu Ahnenproben, dargestellt am Beispiel der Herren von und zum Haus. In: Hanns Peter Neuheuser (Hrsg.): Archiv und Geschichte. Festschrift Rudolf Brandts. (Landschaftsverband Rheinland Archivberatungsstelle. Archivheft 11). Habelt, Bonn 1978, S. 89–99, bes. Nr. 20, S. 95 (PDF) des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. und kam offenbar erst um 1489/90 nach Intervention der neuen Herzogin Mechthild (1473–1505), Tochter des Landgrafen Heinrich III. von Hessen (1440–1483), bei ihrer Hochzeit in Soest am 3. November 1489 mit Herzog Johann von Kleve-Mark (1458–1521) endgültig wieder frei.Vgl. Karl Lamprecht, Joseph Hansen, Johannes Franck (Hrsg.): Die Chroniken der Westfälischen und Niederrheinischen Städte III. Soest und Duisburg, Leipzig, S. Hirzel, 1895, S. 63, 72 und 78. Er war begütert unter anderem in Kalkum,Emil von Hammerstein-Gesmold (Bearb.): Urkunden und Regesten zur Geschichte der Burggrafen und Freiherren von Hammerstein. Hahn, Hannover 1891, Nr. 807 und 827, S. 444 und 457f. Zeppenheim, Lichtenbroich,Urkunde vom 17. März 1497; Vereinigte Adelsarchive im Rheinland e. V. Pulheim-Brauweiler (Archiv Schloss Schönstein, Urkunde 671).Urkunden vom 17. März 1498; Emil Hammerstein-Gesmold (Bearb.): Urkunden und Regesten zur Geschichte der Burggrafen und Freiherren von Hammerstein. Hahn, Hannover 1891, Nr. 905 und 906, S. 508f. Himmelgeist und belehnt mit der Bannmühle zu Hellenbroich.Belehnungsurkunde vom 12. September 1488 im Stadtarchiv Mettmann; Gertrud Middell: Quellen zur Mettmanner Stadtgeschichte, Bd. I Von 904-1519. Stadtdirektor, Mettmann 1985.

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