Die Großfrüchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon, Synonym: Oxycoccus macrocarpos) – niederdeutsch Kraanbeere oder Kranbeere (von kraan, Kranich, deswegen auch Kranichbeere) – ist vor allem unter der englischen Bezeichnung Cranberry bekannt. Sie ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Heidelbeeren (Vaccinium) in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Die englische Bezeichnung cranberry leitet sich aus crane berries („Kranichbeeren“) ab. Die Form der Blüten erinnert an einen Kranichschnabel.Bitte, was sind eigentlich Cranberrys? In: Welt Online. 7. August, 2008.

Vorkommen Moosbeeren sind in Europa, Asien und Nordamerika heimisch, wobei die in Amerika heimische Kranbeere (Vaccinium macrocarpon) robuster und weniger rund ist, als die eurasisch-nordamerikanische Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos).Britannica, 2004.

Die Amerikanische Kranbeere wird in den USA, vor allem in Neuengland, großflächig angebaut und vermarktet. Unter anderem gelten die Beeren als unverzichtbarer Bestandteil des Thanksgiving-Menüs. In Deutschland findet sich die Kranbeere häufig unter dem irreführenden Namen „Kulturpreiselbeere“ im Handel, schmeckt aber deutlich anders als Preiselbeeren. Sie ist herb und sehr sauer.

Ausbreitung in Dünentälern von Sylt und St. Peter-Ording Die Cranberry wächst seit über 100 Jahren in den Dünentälern von St. Peter-Ording und ist in den 1980er Jahren erstmals auch in Dünentälern bei Hörnum auf der Insel Sylt entdeckt worden, vermutlich ist sie schon früher auf die Insel gelangt, etwa durch Vögel oder verloren gegangene Schiffsfrachten. Genauere Aufzeichnungen gibt es nicht dazu. Sie breitet sich nur langsam aus. Ein Sylter Spitzenkoch verwendet die Moosbeere für die Bereitung von Desserts und Aperitifs. In St. Peter-Ording verschrieben Ärzte getrocknete Beeren gegen Harnwegsinfekte.

Ökologisch ist das Vorkommen dieser Pflanzenart in feuchten Dünentälern teilweise kritisch zu bewerten. Heimische Pflanzen können durch die Cranberrypflanzen teilweise verdrängt werden, weil Dünentäler von diesen dominiert werden können. Daher veranstaltet seit 2015 die Schutzstation Wattenmeer mehrmals im Jahr Aktionen, in denen Freiwillige die langen Cranberry-Ranken flächendeckend in den Dünen bei Hörnum händisch aus dem Boden rupfen. Ziel ist, die Ranken zu eliminieren, damit sie nicht von Dünental zu Dünental wandern. So erhalten heimische Pflanzen, die unter der wuchsfreudigen Cranberry wachsen, wieder Platz, um sich auszubreiten. Dadurch ist der Sonnentau zurück und auch für Zwergbinse und Sumpfbärlapp ist wieder Platz; alles stark gefährdete Pflanzen, die in den feuchten Dünentälern im Süden von Sylt wachsen.

Beschreibung mini|Kranbeere, blühend mini|Frucht Die Kranbeere ist ein immergrüner Zwergstrauch (Chamaephyt), der etwa 10 bis 20 cm hoch wächst und sich mit niederliegenden Zweigen etwa 0,5 bis 1,5 m am Boden kriechend ausbreitet. Die Wuchsform ist niederliegend-aufsteigend, das heißt: Die älteren Abschnitte der Zweige liegen dem Boden auf und bewurzeln sich auf ganzer Länge, die Enden der Zweige sind dagegen aufrecht gestellt. Die Zweige wachsen unbegrenzt weiter (bis zu 1 m pro Jahr), wobei die alten rückwärtigen Abschnitte nach einigen Jahren absterben, wenn sie von Nachbarpflanzen und (Torf-)Moosen überwachsen werden. Deshalb erscheint ein Bestand an Moosbeeren als eine rasenartige Struktur (Einzelpflanzen sind nicht erkennbar).

Die einfachen, ganzrandigen und kurz gestielten, fast kahlen, wechselständigen Laubblätter sind ledrig-dicklich, 0,9 bis 1,9 cm lang, eiförmig bis elliptisch, länglich und abgerundet. Die Blätter sind unterseits blassgrün und teils „bereift“, glauk, der Blattrand ist knapp umgebogen, der kurze Blattstiel ist teils rötlich.

Die Blüten sind meist vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Sie stehen in „erst endständigen“ und traubigen, wenigblütigen (bis 10) Blütenständen an der Basis der Triebe des laufenden Jahres. Oberhalb wächst der dann wieder beblätterte Trieb weiter. Die nickenden, langstieligen Blüten sind weiß bis leicht rosarötlich mit stark zurückgeschlagenen, eilanzettlichen Kronblättern. Der Kelch, am becherförmigen Blütenbecher, besitzt nur sehr kleine Lappen. Die Blüten stehen jeweils an einem Tragblatt (oder reduziertes Blatt); auch sind zwei Vorblätter vorhanden. Die rötlichen, leicht haarigen Blütenstiele sind 1,5–3 Zentimeter lang. Die röhrig stehenden 5–8 Staubblätter mit priemlichen, gehörnten (Tubules) Antheren besitzen kürzere und rötliche, flache Staubfäden. Der mehrkammerige Fruchtknoten ist unterständig, mit einem langen Griffel mit kleiner, kopfiger Narbe. Es ist ein Diskus vorhanden.Cranberry auf apiservices.biz, abgerufen am 14. September 2019.

Die glatten vielsamigen und eiförmigen bis rundlichen oder ellipsoiden Früchte (Scheinfrucht), Beeren mit Kelchresten an der Spitze, sind in der Größe vergleichbar mit kleineren Kirschen. Sie sind etwa 10 bis über 25 Millimeter groß (kultivierte Sorten sind größer).A. Narwojsz, M. Tańska, B. Mazur et al.: Fruit Physical Features, Phenolic Compounds Profile and Inhibition Activities of Cranberry Cultivars (Vaccinium macrocarpon) Compared to Wild-Grown Cranberry (Vaccinium oxycoccus). In: Plant Foods Hum. Nutr. 74(3), 2019, S. 300–306, .Marianne E. Meyer: Cranberry Power Fruit. 2017, ISBN 978-3-7431-8159-5, S. 21. Die reifen Früchte sind leuchtend rot gefärbt und haben vier Luftkammern im Inneren. Dadurch sind sie wesentlich leichter als Wasser. Die vielen (etwa 30), orange-bräunlichen, leicht furchigen Samen sind eiförmig bis rundlich, abgeflacht und etwa 1,8–2,5 mm groß.Paul Smith: The Book of Seeds. Ivy Press, 2018, ISBN 978-1-78240-520-7, S. 532.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.

Verbreitung Die natürliche Heimat von Vaccinium macrocarpon liegt in Hochmooren im östlichen Nordamerika. Das Verbreitungsgebiet reicht von New Brunswick und Neufundland in Kanada bis zu den US-Bundesstaaten North Carolina, Tennessee und Virginia. Die Art kommt dort in Gesellschaften der Klasse Eriophoro-Kalmietea vor.

Vaccinium macrocarpon wurde in mehreren Mooren Deutschlands sowie auf den niederländischen Inseln Terschelling und Vlieland als Neophyt eingebürgert. Sie kommt hier in Gesellschaften der Ordnung Sphagnetalia vor. Weitere Einbürgerungen durch Kulturflüchtlinge erfolgten im Westen der USA (Kalifornien und Washington) und in England.Online Atlas of the British and Irish Flora bei Biological Records Centre.

Ernte mini|Cranberry-Ernte in New Jersey mini|Früchte der Cranberry (Vaccinium macrocarpon) – unten in der Mitte die Samenkörner (das Quadrat hat eine Kantenlänge von 1 cm) Die Früchte sind wesentlich leichter als Wasser, was das heutige hochmechanisierte Ernteverfahren möglich macht. Größter europäischer Produzent von Früchten kultivierter Pflanzen ist Lettland mit etwa 100 Hektar Anbaufläche.Mintauts Abolins, Rudite Sausserde, Marta Liepniece, Dace Sterne: Cranberry and blueberry production in Latvia. In: Agronomijas Vestis. 12, 2009, S. 7–13.

Im kommerziellen Anbau ist eine besondere Erntemethode üblich: Zunächst werden die Felder mit Wasser geflutet, danach werden die Kranbeeren mit Hilfe spezieller Maschinen vom Busch durch einen Strudelsog abgetrennt. Anschließend werden die reifen, obenauf schwimmenden Früchte eingesammelt (siehe Bild).

Die vier Luftkammern in der Beere haben neben dem Auftrieb bei der Ernte noch einen weiteren Nutzen: Die intakten Luftkammern hochwertiger Beeren lassen diese wie einen Ball hüpfen. Minderwertige Früchte tun dies nicht, sodass bereits im Jahr 1881 Maschinen entwickelt wurden, die dafür sorgen, dass hochwertige Früchte über eine Barriere springen. Diese werden als ganze Früchte verkauft.

Wirtschaftliche Bedeutung 2021 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) weltweit etwa 495.173 t Cranberries geerntet. Die größten Produzenten waren die USA (64,8 % der Welternte), Kanada (31,6 %) und die Türkei (2,8 %).

Medizinische Bedeutung Harnwegsinfekte Die Wirkung der Inhaltsstoffe von Kranbeeren auf Harnwegsinfekte wurde vielfach untersucht. Untersuchungen fanden keine bakteriostatischen Wirkungen von Kranbeerensaft oder Urin von Personen, die Kranbeerensaft zu sich genommen hatten.R. Monroy-Torres, A. E. Macias: Does cranberry juice have bacteriostatic activity? In: Revista de investigación clínica. (Rev Invest Clin.) 57, 2005, S. 442–446, PMID 16187705 (Englische Zusammenfassung, Artikel in Spanisch).

Wirkstoffe der Kranbeeren, speziell Proanthocyanidine (PACs), können verhindern, dass sich Bakterien an die Oberflächen der Harnwege anheften. Die Erreger finden so keinen Halt und können mit dem Harn ausgeschwemmt werden. Eine entsprechende anti-adhäsive Wirkung ist belegt.A. E. Sobota: Inhibition of bacterial adherence by cranberry juice: potential use for the treatment of urinary tract infections. In: The Journal of urology. Band 131, Nummer 5, Mai 1984, S. 1013–1016, PMID 6368872.K. Gupta, M. Y. Chou, A. Howell, C. Wobbe, R. Grady, A. E. Stapleton: Cranberry products inhibit adherence of p-fimbriated Escherichia coli to primary cultured bladder and vaginal epithelial cells. In: The Journal of urology. Band 177, Nummer 6, Juni 2007, S. 2357–2360, , PMID 17509358, .J. A. Silverman, H. L. Schreiber, T. M. Hooton, S. J. Hultgren: From physiology to pharmacy: developments in the pathogenesis and treatment of recurrent urinary tract infections. In: Current urology reports. Band 14, Nummer 5, Oktober 2013, S. 448–456, , PMID 23832844, (Review). Ungeklärt ist jedoch, ob die Erreger, die durch Pili die Fähigkeit haben, sich auf Oberflächen anzuheften, die bedeutendsten Erreger von Harnwegsinfekten sind. So sind nicht alle Erreger, die Infekte verursachen, mit Fimbrien ausgestattet. Diese scheinen weniger bedeutend für Blaseninfekte als für Nierenentzündungen zu sein.R. H. Latham, W. E. Stamm: Role of fimbriated Escherichia coli in urinary tract infections in adult women, correlation with localization studies. In: The Journal of Infectious Diseases. 149(6), 1984, S. 835–840, . Andererseits ist belegt, dass sich durch den Genuss von Kranbeeren der Gehalt an entzündungshemmender Salicylsäure im Urin und Plasma erhöht,G. G. Duthie: Increased salicylate concentrations in urine of human volunteers after consumption of cranberry juice. In: Journal of agricultural and food chemistry. (J. Agric. Food Chem.) 53(8), 2005, S. 2897–2900, . zugleich wird durch die Salicylsäure und andere wieder ausgeschiedene organische Säuren der Harn angesäuert, was die Vermehrung von Keimen hemmen kann. Erhöhte Flüssigkeitszufuhr oder ein diuretischer Effekt führen gleichzeitig zur raschen Ausschwemmung bzw. Verdünnung der Keimkonzentration.

Auch über den Wirkmechanismus und die Wirkstoffe von Kranbeerensaft besteht Uneinigkeit. Kranbeeren enthalten starke AntioxidantienY. F. Chu, R. H. Liu: Cranberries inhibit LDL oxidation and induce LDL receptor expression in hepatocytes. In: Life Sciences. 77, 2005, S. 1892–1901, . wie PAC. Als wirksamer Bestandteil kommen neben Proanthocyanidinen auch 1-O-Methylgalactose, Prunin und Phlorizin infrage. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass für die Wirkung auf p-Fimbrien tragende E. coli höhermolekulare Inhaltsstoffe aus der Substanzklasse der Proanthocyanidine verantwortlich sind. Diese Proanthocyanidine gehören zur polyphenolischen Gruppe der Flavanole. Speziell handelt es sich in Kranbeeren hauptsächlich um Oligomere des Catechins und Epicatechins, die wegen ihrer eiweißdenaturierenden Eigenschaften auch als kondensierte Tannine bezeichnet werden. Es wurde gezeigt, dass die A-förmigen Kranbeeren-Proanthocyanidine für die Anti-Adhäsions-Wirkungen verantwortlich sind, während B-förmige Proanthocyanidine in anderen Nahrungsmitteln nur geringfügige oder keine Aktivität aufzeigen.I. Ofek u. a.: Anti-Escherichia adhesion activity of cranberry and blueberry juices. In: Advances in Experimental Medicine and Biology. 408, 1996, S. 179–183.