Der Kur- und Erholungsort Beuren ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen am Albtrauf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Beuren ist mit dem überwiegenden Teil seiner Gemarkung (95,2 %) Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.
Geographie Geographische Lage Beuren liegt im Neuffener Tal unmittelbar am Albtrauf unterhalb der Burgruine Hohenneuffen. Die Landeshauptstadt Stuttgart ist rund 28 km entfernt, Reutlingen liegt rund 16 Kilometer südwestlich von Beuren. Der tiefste Punkt der Beurener Gemarkung befindet sich im Tiefenbachtal bei 335 Meter über NN, der höchste Punkt auf der Albhochfläche am Burghörnle in der Nähe des Beurener Felsens bei 733 Meter. Die geschützte Lage im Talkessel zwischen Hohenneuffen und Beurener Fels wirkt sich auf das Klima und auch auf den Obst- und Weinanbau positiv aus.
Beuren liegt im Bereich des Schwäbischen Vulkans, auf Beurener Markung sind sechs ehemalige Vulkanschlote nachgewiesen.Geologische Karte von Baden-Württemberg 1:25000, Blatt 7422-Lenningen, herausgegeben vom Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Stuttgart Die Bergkegel von Engelberg, Spitzenberg und Hohbölle sind solche ehemaligen Vulkane. Die längst erloschenen Feuerberge haben einen Schatz besonderer Art zurückgelassen: heißes Thermal-Mineralwasser. Die geothermische Tiefenstufe in Beuren liegt bei elf Metern (Die Temperatur der Erdkruste nimmt alle elf Meter um ein Grad zu). Das ist dreimal so viel wie in Deutschland sonst üblich.
Gemeindegliederung Zu Beuren gehört das Dorf Beuren und der Ort Balzholz.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 215–216 Außerdem gehören die Wohnplätze Haldenhof (Markung Balzholz) und Sonnenhof im Tiefenbachtal zu Beuren. Der Sonnenhof ist mit Beuren durch eine Gemeindeverbindungsstraße verbunden. Die Wohngebäude des Sonnenhofs bilden insofern eine Ausnahme, als die Versorgung mit Energie, Telefon usw. komplett von Nürtingen aus erfolgt.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind Nürtingen im Norden, Dettingen unter Teck und Owen im Osten, Erkenbrechtsweiler im Süden, Neuffen und Frickenhausen im Westen.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Beuren.
Geschichte mini|Beuren 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch Beuren wurde 1304 erstmals urkundlich erwähnt, als die Habsburger gegenüber Graf Eberhard I. von Württemberg auf alle Ansprüche an dem Ort verzichteten. Seither gehört Beuren ununterbrochen zu Württemberg. Der Ort gehörte zunächst zum altwürttembergischen Amt Neuffen. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg wurde Beuren dem Oberamt Nürtingen zugeordnet. Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Nürtingen. 1945 bis 1952 gehörte der Ort zum Nachkriegsland Württemberg-Baden, das 1945 in der Amerikanischen Besatzungszone gegründet worden war, ab 1952 dann zum neuen Bundesland Baden-Württemberg. Nach der Auflösung des Landkreises Nürtingen im Zuge der Kreisreform kam der Ort 1973 zum Landkreis Esslingen.
Religionen Seit der Reformation ist Beuren evangelisch geprägt. Die evangelische Kirchengemeinde Beuren gehört zum Kirchenbezirk Nürtingen. Sie hält ihre Gottesdienste in der Nikolauskirche ab und hat ungefähr 1950 Mitglieder (Stand 2021).
Erst der Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg führte wieder zu einer nennenswerten Zahl römisch-katholischer Gläubiger, die mit St. Paulus auch eine eigene Kirche im Ort besitzen. Organisatorisch bilden sie mit Neuffen und Kohlberg die Katholische Kirchengemeinde St. Michael Fischer.
Die neuapostolischen Gemeinde hat sich mit Frickenhausen zusammengeschlossen, die Kirche lag früher in der Straße „An der Raise“.
Die Christengemeinde Beuren gehört organisatorisch zur Christengemeinde Wendlingen.
Eingemeindungen
60px|links|Balzholz Im Jahr 1938 wurde die Gemeinde Balzholz nach Beuren eingemeindet. Der Ortsname bedeutet eine Siedlung im Wald des Bald. Erstmals erwähnt wird der Ort 1298.Wirttemberisches Urkundenbuch, Stuttgart, XI, Nr. 5190, Seite 181 1521 bestand Balzholz aus sechs Häusern. Im Dreißigjährigen Krieg war Balzholz mehrere Jahre unbewohnt. 1938 bei der Eingemeindung hatte Balzholz 319 Einwohner. Das Wappen wurde 1930 angenommen. Es geht auf einen alten Siegelstock zurück, der eine Angel zeigte. Auf goldenem Schild über grünem Boden einen aufgerichteten schwarzen Angelhaken zwischen grünen Buchenstauden. Die Angel soll angeblich an die ehemals zum Schutz der Festung Hohenneuffen auf Balzholzer Markung ausgelegten Fußangeln erinnern.
Einwohnerentwicklung mini|Beuren und die Burg Hohenneuffen mini|Blick auf Beuren vom Beurener Fels. Im Hintergrund die Burg Hohenneuffen mini|Blick auf Beuren von der Burg Hohenneuffen Die Einwohnerzahlen sind dem Ortssippenbuch entnommen; es sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohnerzahlen 1625 652 1645 307 1700 687 1810 1.555 3. Dezember 1834¹ 1.801 3. Dezember 1861¹ 1.795 1. Dezember 1900¹ 1.571 17. Mai 1939¹ 1.582 29. Oktober 1946¹ 2.240 13. September 1950¹ 2.243 6. Juni 1961¹ 2.569 Jahr Einwohnerzahlen 27. Mai 1970¹ 2.864 25. Mai 1987¹ 3.233 31. Dezember 1990 3.438 31. Dezember 1995 3.449 31. Dezember 2000 3.331 31. Dezember 2005 3.401 31. Dezember 2010 3.359 9. Mai 2011¹ 3.341 31. Dezember 2015 3.549 31. Dezember 2020 3.679
Politik Wappen Das nach 1930 angenommene Ortswappen zeigt einen nach rechts gerichteten, schwarzen Bockskopf in goldenem Schild. Es knüpft an den im Volksmund früher gebrauchten zweiten Ortsnamen Geißbeuren an. Dieser ist seit 1640 nachweisbar und soll auf die früher hier besonders verbreitete Ziegenhaltung zurückgehen.
Um eine Überschneidung mit den Farben der Landesflagge zu vermeiden, wurden die Wappenfarben nicht in die Gemeindeflagge übernommen. Die 1973 vom Innenministerium verliehene Flagge hat deshalb die Farben Blau-Gelb (Blau-Gold).
Bürgermeister 1804–1839: Christian Friedrich Löw 1839: Nicolaus Klaß 1840–1853: Ludwig Friedrich Brotbeck 1853–1879: Nicolaus Klaß 1879–1888: Jacob Klaß 1888–1890: Philipp Friedrich Nestel 1890–1927: Wilhelm Eugen Schraft 1927–1934: Karl Friedrich Schminke 1934: Wilhelm König (Amtsverweser) 1934–1945: Wilhelm SpanagelOrtschronik Beuren und Balzholz, Seite 195 1945–1946: August Reuß (Amtsverweser) 1946–1948: Helmut Link 1948–1983: Willi Gras 1983–2015: Erich Hartmann seit 2016: Daniel Gluiber
Daniel Gluiber wurde bei der Bürgermeisterwahl am 25. Oktober 2015 mit 59,2 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er trat das Amt am 1. Januar 2016 an. Am 15. Oktober 2023 wurde er mit 96,3 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.
Gemeinderat Der Gemeinderat in Beuren besteht aus den gewählten 14 ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem EndergebnisWahlinformationen auf komm.one. Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWFreie Wähler Beuren-Balzholz55,08851,57CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands34,47539,66SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands10,4618,91gesamt100,014100,014Wahlbeteiligung65,11 %63,6 %
Patenschaft Um den ehemaligen Einwohnern des donauschwäbischen Dorfes Jarek nach ihrer Flucht im Jahr 1944 wieder einen Ort zu geben, an dem sie sich treffen können, übernahm die Gemeinde Beuren am 25. September 1987 die Patenschaft für die ehemalige Gemeinde Jarek. Am Eingang zum neuen Friedhof wurde ein „Jareker Platz“ mit Brunnen und Gedenkstein angelegt, einmal im Jahr findet in Beuren ein Jareker-Treffen statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Beuren und Balzholz sind Weinbauorte, deren Lagen zur Großlage Hohenneuffen im Bereich Remstal-Stuttgart gehören. Heute werden auf der Gemarkung Beuren noch ca. acht Hektar und auf der Gemarkung Balzholz ca. zwei Hektar bewirtschaftet.
Verkehr Der Anschluss an das überregionale Schienennetz erfolgt bis Neuffen mit dem Bus und ab dort mit der Tälesbahn nach Nürtingen. Nürtingen liegt etwa neun Kilometer entfernt. Die nächste Anschlussstelle der A 8 ist rund zehn Kilometer entfernt in Kirchheim unter Teck-Ost. Es bestehen Busverbindungen nach Erkenbrechtsweiler sowie über Neuffen nach Metzingen.
Durch Beuren verläuft die Landesstraße L 1210 von Neuffen nach Owen. Um die enge und steile Ortsdurchfahrt vom Verkehr zu entlasten, hat das Land Baden-Württemberg mit einem Kostenaufwand von 15 Millionen Euro eine 1,2 Kilometer lange Ortsumgehung gebaut. Im Zuge dieser Umgehung entstand der innerörtliche Beurener Tunnel mit einer Länge von 399 Metern. Die Verkehrsfreigabe erfolgte am 25. Februar 2005.
Bildungseinrichtungen Beuren verfügt über eine eigene Grundschule. Weiterführende Schulen können in Neuffen (Hauptschule, Realschule) und Nürtingen (Realschulen, Gymnasien) besucht werden. Außerdem gibt es drei Kindergärten im Ort.
Ver- und Entsorgung Beuren wird mit Strom und Gas durch die Stadtwerke Neuffen versorgt. Gas gibt es seit 1907, als in Neuffen das neue Gaswerk in Betrieb genommen wurde. Der Anschluss an das Elektrizitätsnetz erfolgte 1912/14. Wasser erhält Beuren vom Zweckverband Landeswasserversorgung, der 1994 mit dem Zweckverband Blau-Lauter-Gruppe fusioniert hat. Daneben betreibt Beuren noch eigene Quellen, die vom Karstgrundwasser der Schwäbischen Alb gespeist werden. Die Abwasserentsorgung erfolgt im Klärwerk des Abwasserverbands Neuffener Tal in Frickenhausen.
Abfallentsorgung Für die Abfallentsorgung ist der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen zuständig. Es bestehen getrennte Sammlungen für Biomüll, Hausmüll und Papier. Verpackungen werden im Rahmen des Grünen Punktes in sogenannten gelben Säcken gesammelt. Sperrmüll wird gegen Abgabe eines von zwei Gutscheinen jährlich kostenlos abgeholt oder kann zu einer Entsorgungsstation gebracht werden. Bei den Entsorgungsstationen können auch Elektro- und Metallschrott sowie andere wiederverwertbare Stoffe abgegeben werden. Für Sondermüll wie Leuchtstofflampen und Lacke gibt es besondere Problemstoffsammlungen.
Freizeit- und Sportanlagen Panorama Therme Beuren mit Saunalandschaft und Kleinschwimmhalle Sportgelände Lettenwälde (an der Straße nach Linsenhofen), zwei Fußballfelder des TSV Beuren (Rasen, Kunstrasen), Tennisanlage des TC Beuren Sportplatz Stelle (an der Straße nach Erkenbrechtsweiler), ein Fußballfeld und Stockbahn des Vereins Rot-Weiss Austria
Wander- und Radwege Beuren liegt am Fernradweg Alb-Crossing sowie am Fernwanderweg Albsteig (auch Schwäbische-Alb-Nordrandweg). Rund um den Ort befinden sich zudem die drei zertifizierten Rundwanderwege hochgehfestigtwww.schwaebischealb.de, hochgenießenwww.schwaebischealb.de und hochgehlegenwww.schwaebischealb.de.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Beuren liegt an der Württemberger Weinstraße, die durch alle württembergische Weinregionen an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.
Freilichtmuseum Das Freilichtmuseum Beuren ist eines von sieben regionalen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg. Es wurde 1995 eröffnet und befindet sich noch im Aufbau. Präsentiert werden hierher versetzte alte Gebäude aus den Räumen Mittlerer Neckar und Schwäbische Alb. Das Museum liegt nordöstlich von Beuren im Gewand Herbstwiesen und zeigt 22 historische Gebäude (Stand 2008). Träger des Freilichtmuseums Beuren ist der Landkreis Esslingen.
Bauwerke