mini|Das Affiche Rouge

Affiche Rouge () ist ein Poster der NS-Propaganda, das vom Vichy-Regime und den deutschen Besatzungsbehörden im Zweiten Weltkrieg, im besetzten Frankreich im Frühling 1944, tausendfach plakatiert wurde. Es zeigt auf rotem Hintergrund einige der zuvor verhafteten und hingerichteten Résistance-Kämpfer der Gruppe Manouchian sowie Fotos einiger Anschläge. Der Plakattext bezeichnet die Freiheitskämpfer als Kriminelle.

Zweck des Plakats Das Plakat war mit der rhetorischen Frage Libérateurs? („Befreier?“) überschrieben. Es stellte die Freiheitskämpfer der FTP-MOI (Francs-tireurs et partisans – main d’œuvre immigrée), deren wichtigste Untergruppe die Gruppe Manouchian war, als Terroristen beziehungsweise Kriminelle dar, listete ihre Beteiligung an Anschlägen gegen die deutsche Besatzungsmacht auf und sollte französische Bürger davor abschrecken, im Widerstand tätig zu werden. Da die Mitglieder der FTP-MOI und der Gruppe Manouchian mehrheitlich Immigranten waren, sollten die Freiheitskämpfer zudem als Fremde – als „un-französisch“ – dargestellt werden, um eine Identifikation mit ihren Zielen zu erschweren.

Verbreitung Manche Autoren sprechen von einer Verbreitung in ganz Frankreich. Philippe Ganier-Raymond schreibt 1975, Claude Lévy schreibt 1979, und eine Tafel in der Manouchian-Ausstellung 2004 in Ivry behauptete, Ein Flugblatt der Union des Juifs pour la Résistance et l’Entraide vom März 1944 spricht von Nähme man diese Aussagen wörtlich, so käme man auf eine deutlich höhere Auflage als 15.000 Stück.

Tatsache ist, dass das Affiche rouge in Paris,Das Affiches dans Paris occupé betitelte Foto von André Zucca (37042-6) auf . NantesPaul Virilio: J’ai vu « L’Affiche rouge », placardée sur les murs de Nantes. In: Elle. Juli 2000 und in LyonCharles Tillon: Les FTP. Julliard, 1962, S. 259, In: Claude Lévy, L’Affiche rouge In: L’Histoire Nr. 18, September 1979. gesehen wurde.

Inhalt des Plakats Beschriftung des Plakats:

Fotos mit den (teilweise fehlerhaft) beschrifteten Porträts einiger der Gruppenmitglieder (von links nach rechts und von oben nach unten): Grzywacz: Juif polonais, 2 attentats (Polnischer Jude, 2 Attentate) Elek: Juif hongrois, 5 déraillements (Ungarischer Jude, 5 Zug-Entgleisungen) Wajsbrot: Juif polonais, 1 attentat, 1 déraillement (Polnischer Jude, 1 Attentat, 1 Zug-Entgleisung) Witchitz: Juif polonais, 15 attentats (Polnischer Jude, 15 Attentate) Fingercwajg: Juif polonais, 3 attentats, 5 déraillements (Polnischer Jude, 3 Attentate, 5 Zug-Entgleisungen) Boczov: Juif hongrois, chef dérailleur, 20 attentats (Ungarischer Jude, Chef der Zug-Entgleisungs-Operationen, 20 Anschläge) Fontano: Communiste italien, 12 attentats (Italienischer Kommunist, 12 Attentate. (Sein korrekter Name war Fontano)) Alfonso: Espagnol rouge, 2 attentats (Rotspanier, 2 Attentate) Rayman: Juif polonais, 13 attentats (Polnischer Jude, 13 Attentate) Manouchian: Arménien, chef de bande, 56 attentats, 150 morts, 600 blessés (Armenier, Anführer der Bande, 56 Attentate, 150 Tote, 600 Verwundete)

Der untere Bereich des Plakats zeigt folgende Fotos: die von Kugeln durchbohrte rechte Schulter und Brust einer Leiche eine auf dem Boden liegende Leiche eine entgleiste Lokomotive einen entgleisten Zug eine auf einem Tisch angeordnete Sammlung von Handfeuerwaffen, Handgranaten, Teile von Sprengsätzen einen weiteren entgleisten Zug

Die Französische Nationalbibliothek bewahrt drei Exemplare des Roten Plakats in drei verschiedenen Formaten; zwei der Formate haben die Maße 152 × 130 cm und 118 × 75 cm.Katalog Opale plus, abgerufen am 16. Dezember 2008, nicht mehr abrufbar am 11. Oktober 2010.

Begleitendes Flugblatt Die Plakatierung in ganz Paris war begleitet von der Verbreitung zahlreicher Flugblätter, die auf der Vorderseite das verkleinerte Affiche rouge zeigten, auf der Rückseite den Schriftzug: „l’Armée du crime, contre la France“ („Die Armee des Verbrechens, gegen Frankreich“).Website der

Die Abmessungen des Flugblatts sind 22 × 26 cm.Archives Nationales, , 1re édition électronique, 2006, cote 72AJ/1008, abgerufen am 16. Dezember 2008.

Kontroverse

In den 1980er Jahren behaupteten einige französische politische Gruppierungen, dass es bei der Verhaftung des Kerns der Gruppe Manouchian eine Komplizität mancher Mitglieder der Résistance gegeben habe. Grund dafür seien interne politische Grabenkämpfe gewesen.

Ein Dokumentarfilm von Stéphane Courtois und Mosco Boucault, Des terroristes à la retraite, 1983 von Antenne 2 ausgestrahlt, enthielt Interviews mit überlebenden FTP-MOI-Mitgliedern und Hinterbliebenen der Affiche-rouge-Opfer. Mosco beschuldigt im Film die PCF (Parti communiste français), die Kämpfer im Machtkampf mit den Gaullisten um die Kontrolle des CNR (Conseil national de la Résistance) willentlich geopfert zu haben. Er behauptete, dies sei auch geschehen, weil die ausländische Herkunft der FTP-MOI-Mitglieder das Bild der Résistance als einer nativ französischen, patriotischen Widerstandsbewegung untergruben. Der Film wurde 2001 in einer um 12 Minuten gekürzten Fassung erneut gesendet. Die Kürzung erfolgte, um neueste Forschungsergebnisse zu berücksichtigen.

Ein Dokumentarfilm von Denis Peschanski und Jorge Amat, am 15. März 2007 von France 2 ausgestrahlt, widerspricht Courtois and Boucaults Behauptungen. Den Historiker Denis Peschaski zitierend, der auf neue Dokumente aus russischen, französischen und deutschen Archiven zugreifen konnte, behauptet der neuere Dokumentarfilm, die Zerschlagung der Gruppe Manouchian beruhe ausschließlich auf der Ermittlungsarbeit der französischen Polizei. Die seinerzeit neu gegründeten Abteilungen des Nachrichtendienstes Renseignements généraux (RG), die Brigades spéciales n°1 und n°2, hatten einige der FTP-MOI-Aktivisten monatelang unter Beobachtung. Zum Zeitpunkt des tödlichen Anschlags auf Julius Ritter am 28. September 1943 stand der Anführer der Attentätergruppe Marcel Rayman schon seit zwei Monaten unter Beobachtung. Danach verhaftete die französische Miliz die meisten Mitglieder der Manouchian-Gruppe, wobei sie auch Informationen nutzten, die einige der zuerst Verhafteten unter Folter preisgegeben hatten.

Im September 2009 äußerte sich der letzte Überlebende der FTP-MOI, Arsène Tchakarian, und verneinte entschieden, dass die PCF die Manouchian-Gruppe verraten habe. Zu anderer Gelegenheit sagte er, er sei immer noch Kommunist, und wenn es stimmen würde, dass die PCF Kameraden verraten hätte, wäre er sofort aus der PCF ausgetreten. Tchakarian wandte sich auch gegen die Argumente, dass nationalistische Gründe eine Rolle gespielt haben sollen.

Die PCF bestreitet die Behauptungen, sie habe die verhafteten FTP-MOI-Mitglieder verraten, ebenfalls. Arsène Tchakarian sagte in einem Interview mit L’Humanité, 35 der 40 Mitglieder der Gruppe Manouchian seien selbst Kommunisten gewesen.

Filme Fiktion Frank Cassenti, L’Affiche Rouge (1976). Siehe: Robert Guédiguian, L’Armée du crime (2009). Siehe: Dokumentarfilme Stéphane Courtois und Mosco Boucault, Des terroristes à la retraite (1983). Siehe: Pascal Convert, Mont-Valérien, aux noms des fusillés. Denis Peschanski – Jorge Amat, La traque de l’Affiche rouge (2007). Video auf Dailymotion Gerd Dietrich, Helmut Dietrich, Ahlrich Meyer: L’affiche rouge – Das rote Plakat. Eine Reise von Paris nach Berlin 1944–1994, BRD 1994

Siehe auch Francs-tireurs et partisans – Main d’œvre immigrée (FTP-MOI) Missak Manouchian Boris Holban

Literatur Benoît Raisky: L’Affiche rouge 21 février 1944, Ils n’étaient que des enfants. Éditions du Félin, 2004 (Buchbesprechung in L’Humanité) Stéphane Courtois, Denis Peschanski, Adam Rayski: L’affiche rouge. Immigranten und Juden in der französischen Résistance. Schwarze Risse, Berlin 1994 (Katalog der Deutschen Nationalbibliothek). Simon Cukier, Dominique Decèze, David Diamant, Michel Grojnowski: Juifs révolutionnaires. Paris : Messidor, 1987, ISBN 2-209-05817-1

Einzelnachweise , L’Humanité, 18. Februar 2004 (französisch) Les héros de l’Affiche rouge, L’Humanité, 13. Februar 2007 (französisch) Denis Peschanski – Jorge Amat, La traque de l’Affiche rouge, 72 minutes, compagnie des Phares et Balises en collaboration avec la Fondation Gabriel Péri et L’Humanité, 2006. Resumé des Films (französisch) Aucun groupe de résistants n’a fait trembler les Nazis comme nous !, leJSD.com, 6. März 2009 (abgerufen am 11. Oktober 2010) , Englische Onlineausgabe der L’Humanité, 8. Oktober 2009 (englisch, abgerufen am 11. Oktober 2010)

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