mini|Benjamin List im Rathaus Köln, 2021 mini|Benjamin List bei der Leibniz-Preis-Verleihung, 2016 Benjamin „Ben“ List (* 11. Januar 1968 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Chemiker und Direktor der Abteilung für homogene Katalyse am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr.Homepage der Arbeitsgruppe von Benjamin List am MPI für Kohlenforschung 2021 wurde ihm und David MacMillan für ihre unabhängig voneinander durchgeführten Arbeiten zur asymmetrischen Organokatalyse der Nobelpreis für Chemie zuerkannt.Chemie-Nobelpreis an Deutschen und US-Forscher. In: Deutsches Ärzteblatt online (aerzteblatt.de) vom 6. Oktober 2021. Quelle dpa.An Deutschen und US-Forscher – Chemie-Nobelpreis für Beschleunigung von Reaktionen. In: Ärzte-Zeitung online, 6. Oktober 2021.Manfred Lindinger: Die Natur als Vorbild – Chemie-Nobelpreis für die organische Katalyse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung für Deutschland, Nummer 233 vom 7. Oktober 2021, S. 11. und Joachim Müller-Jung: Respektlos zum Nobelpreis., S. 10 (nicht auf Seite 8, wie es auf Seite 1 in einer Kurzmeldung heißt).
Familie Benjamin „Ben“ List entstammt einer großbürgerlichen Frankfurter Familie. Er ist ein Urenkel des Nephrologen Franz Volhard und ein Ururenkel des Chemikers Jacob Volhard. Er ist ein Neffe der deutschen Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard, die 1995 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin bekam. Sie ist die Schwester seiner Mutter.
List ist verheiratet und hat zwei Söhne. Mit seiner Familie überlebte er den Tsunami vom 26. Dezember 2004 in Khao Lak in Thailand.
List ist Fan der Fußballmannschaft von Eintracht Frankfurt.https://profis.eintracht.de/news/preis-im-namen-der-wissenschaft-ehrung-durch-die-eintracht-137619
Leben Das Studium der Chemie an der Freien Universität Berlin schloss List 1993 mit dem Diplom ab. Die Promotion erfolgte 1997 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main bei Johann Mulzer mit dem Thema Synthese eines Vitamin-B12-Semicorrins. Auf einen Postdoc-Aufenthalt am Scripps Research Institute in La Jolla, Vereinigte Staaten, mit Arbeiten über katalytische Antikörper folgte von 1999 bis 2003 seine Berufung als Assistant Professor am Scripps Research Institute in La Jolla im Department für molekulare Biologie. Im Jahr 2003 wurde er zunächst Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, an dem er im Juli 2005 Direktor wurde.
Wirken mini|150px|L-Prolin ist eine Aminosäure, die in der asymmetrischen Organokatalyse bei Aldolreaktionen eingesetzt werden kann
Er gilt als einer der Begründer der asymmetrischen Organokatalyse, die ohne potentiell gesundheits- und umweltschädliche sowie teure Metallverbindungen auskommt. Im Gegensatz zur Enzymkatalyse werden dabei kleine organische Moleküle eingesetzt. Insbesondere entdeckte er die Möglichkeit, die Aminosäure Prolin, und damit eine natürlich vorkommende organische Substanz, als effizienten Katalysator für die Herstellung von optisch aktiven Produkten bei Reaktionen wie der Aldolreaktion einzusetzen. Er fand auch neue Methoden der textilorganischen Katalyse, bei der lösliche organische Katalysatoren an Textilien gebunden werden (zum Beispiel für die lokale Wasserversorgung in abgelegenen Gebieten), und der asymmetrischen Katalyse (speziell Asymmetric Counteranion-Directed Catalysis, ACDC). Asymmetrische Organokatalyse ist besonders wichtig bei bioaktiven organischen Verbindungen, bei denen die Chiralität der Moleküle entscheidend ist, etwa bei der Medikamentenherstellung.
2005 bis 2014 war er Sprecher des DFG-Schwerpunktprogramms 1179 Organokatalyse.
Seit 2015 ist er Chefherausgeber von Synlett, bei der er schon 2011 Herausgeber war. Seit 2005 ist er außerdem einer der Herausgeber von Synfacts.
Seit 2018 ist List einer von 15 Forschungsleitenden des Institute for Chemical Reaction Design and Discovery an der Hokkaido University in Sapporo, Japan.
Ehrungen und Auszeichnungen 2003 – Carl-Duisberg-Gedächtnispreis, Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) 2004 – Dozentenstipendium, Fonds der Chemischen Industrie seit 2004 – Honorarprofessor, Universität zu Köln (Institut für Organische Chemie) 2005 – Gastprofessor, Gakushūin-Universität, Tokio, Japan 2008 – Gastprofessor, Sungkyunkwan-Universität, Republik Korea 2012 – Otto-Bayer-Preis (dotiert mit 75.000 Euro) 2013 – Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft 2013 – Horst-Pracejus-Preis, Gesellschaft Deutscher Chemiker 2016 – Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis 2018 – Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina 2019 – Plenarvortrag beim Wissenschaftsforum Chemie der GDCh (Very Strong and Confined Chiral Acids: Universal Catalysts for Asymmetric Synthesis?) 2021 – Nobelpreis für Chemie für die Entwicklung der asymmetrischen Organokatalyse (gemeinsam mit David MacMillan) 2022 – Mitglied der 17. Bundesversammlung für Nordrhein-Westfalen (auf Vorschlag der CDU) 2022 – Mitglied der Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste 2022 – Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur 2022 – Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland, verliehen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. In: bundespraesident.de. 2. September 2022, abgerufen am 2. September 2022. 2023 – Ehrenbürger der Stadt Mülheim an der Ruhr 2024 – 16. Criegee-Vorlesung am Karlsruher Institut für Technologie
Schriften
Benjamin List, Keiji Maruoka (Hrsg.): Science of Synthesis : Asymmetric Organocatalysis 1-2, Thieme Medical Pub, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-13-170591-4 Manfred T. Reetz, Benjamin List, Stefan Jaroch, Hilmar Weinmann (Hrsg.): Ernst Schering Research Foundation: Organocatalysis, Springer-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-540-73495-6 Benjamin List, Richard A. Lerner, Carlos F. Barbas: Proline-Catalyzed Direct Asymmetric Aldol Reactions. In: Journal of the American Chemical Society, 26. Februar 2000, Band 122, Nummer 10, S. 2395 f. doi:10.1021/ja994280y Sonja Mayer, Benjamin List: Asymmetric Counteranion-Directed Catalysis. In: Angewandte Chemie International Edition, 19. Juni 2006, Band 45, Nummer 25, S. 4193–4195. PMID 16721891, doi:10.1002/anie.200600512 Ilija Čorić, Benjamin List: Asymmetric spiroacetalization catalysed by confined Brønsted acids. In: Nature, März 2012, Ausgabe 483, Nummer 7389, S. 315–319. PMID 22422266, , doi:10.1038/nature10932 Philip S. J. Kaib, Lucas Schreyer, Sunggi Lee, Roberta Properzi, Benjamin List: Extremely Active Organocatalysts Enable a Highly Enantioselective Addition of Allyltrimethylsilane to Aldehydes. In: Angewandte Chemie International Edition, 10. Oktober 2016, Band 55, Nummer 42, S. 13200–13203. PMID 27653018, doi:10.1002/anie.201607828 Nobuya Tsuji, Jennifer L. Kennemur, Thomas Buyck, Sunggi Lee, Sébastien Prévost, Philip S. J. Kaib, Dmytro Bykov, Christophe Farès, Benjamin List: Activation of olefins via asymmetric Brønsted acid catalysis. In: Science, 30. März 2018, Band 359, Nummer 6383, S. 1501–1505. , PMID 29599238, doi:10.1126/science.aaq0445 Gavin Chit Tsui, Luping Liu, Benjamin List: The organocatalytic asymmetric Prins cyclization. In: Angewandte Chemie International Edition Englisch, 2015 Jun 22;54(26):7703-6, PMID 26015083. Diana Yepes, Frank Neese, Benjamin List, Giovanni Bistoni: Unveiling the Delicate Balance of Steric and Dispersion Interactions in Organocatalysis Using High-Level Computational Methods. In: Journal of the American Chemical Society. 2020 Feb 19;142(7):3613-3625, PMID 31984734.
Literatur Eintrag zu Benjamin List in Leopoldina Neugewählte Mitglieder 2018 Halle (Saale) 2019, S. 36 (PDF; 4,6 MB)
Weblinks Mitgliedseintrag von Benjamin List (mit Bild und Curriculum Vitae) bei der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina Homepage von Benjamin List am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung Homepage von Benjamin List am Institute for Chemical Reaction Design and Discovery der Hokkaido University Eintrag in der Bochumer Hochschulbibliographie Audios Deutschlandfunk Zwischentöne. Musik und Fragen zur Person vom 15. Februar 2026: Der Chemiker Benjamin List im Gespräch mit Paulus Müller. „Dieser Konkurrenzkampf motiviert zu Höchstleistungen“
Einzelnachweise
Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Chemiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität zu Köln) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste Kategorie:Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Kategorie:Ehrenbürger von Mülheim an der Ruhr Kategorie:Leibnizpreisträger Kategorie:Nobelpreisträger für Chemie Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1968 Kategorie:Mann