Die umgangssprachliche Redewendung bis zur Vergasung kam kurz nach dem Gaskrieg während des Ersten Weltkrieges auf und wurde zunächst vor allem von Soldaten, Schülern und Studenten verwendet.Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. 1997, S. 876.
Im Hinblick auf den Holocaust ist der Gebrauch der Redewendung in heutiger Zeit für viele Menschen ein Tabu. Verwendet wird sie trotzdem. Neutraler Ersatz in der heutigen Umgangssprache dafür sind die Redewendungen bis zum Abwinken, bis der Arzt kommt oder bis zum Geht-nicht-mehr.
Herkunft und Begriffsgeschichte Ursprünglich bezieht sich die Wendung auf den physikalischen Begriff des Vergasens und beschreibt den Übergang eines Stoffes vom flüssigen in einen flüchtigen Aggregatzustand bei Erhitzung.duden.de: »bis zur Vergasung«
Nachdem im Gaskrieg während des Ersten Weltkrieges vor allem an der Westfront von beiden Seiten Giftgas eingesetzt worden war, soll die Redewendung bei deutschen Soldaten erstmals gebräuchlich gewesen sein.Vom moralischen Reden bei zeit.de, abgerufen am 15. August 2011. In der Soldatensprache ausgedrückt blieb man „bis zur Vergasung“ auf seinem Posten.Bis zur Vergasung, auf redensarten-index.de, abgerufen am 15. August 2011. In gedruckter Form fand der Ausspruch unter anderem auf sarkastischen Feldpostkarten Verwendung.
Anlässlich einer Kritik von Heinz Küppers Wörterbuch der deutschen Umgangssprache, Band IIEnzensbergers April-Lektüre: Heinz Küpper Wörterbuch der deutschen Sprache II in Der Spiegel 14/1963, abgerufen am 15. September 2011. stellte der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger 1963 fest:
Der Sprachwissenschaftler Peter von Polenz stellte sich gegen diese Behauptung und vertrat bei einem Vortrag am Institut für Deutsche Sprache 1968 die Auffassung, der Nationalsozialismus hätte keine Auswirkungen auf den modernen Sprachgebrauch gehabt. Von Polenz nannte Enzensbergers Methoden „dilettantisch“Siegfried Jäger: Wie die Rechten reden. DISS, 1996, ISBN 3-927388-50-5. und wies nach, dass die Redewendung bereits vor dem Völkermord an den Juden im deutschen Sprachgebrauch auftrat.Wirkendes Wort; deutsches Sprachschaffen in Lehre und Leben, Band 21. Pädagogischer Verlag Schwann, 1971. Anlässlich eines Interviews mit dem Germanisten Hans Jürgen Heringer im Jahr 1982 bekräftigte von Polenz dies noch einmal. Heringer teilte dessen Einschätzung aber nur zum Teil.
Einzelnachweise
Kategorie:Deutsche Geschichte (20. Jahrhundert) Kategorie:Redewendung