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Die Einkaufsgalerie Anger 1 ist ein Einkaufszentrum am nordöstlichen Ende des Angers im Zentrum von Erfurt und besteht aus einem Altbau im Jugendstil und einem modernen Neubau mit Parkhaus.
Entwicklung Bevor das Gebäude errichtet wurde, erwarb der in den 1830er Jahren in Gotha geborene Albert Blödner das Grundstück, auf dem später der „Römische Kaiser“ erbaut wurde, und betrieb dort ein Sägewerk. Da er um 1870 nach Schmiedefeld am Rennsteig zog, verkaufte er das Grundstück an die Stadt Erfurt.
Zwischen 1906 und 1908 wurde der Altbau nach Entwurf der Hallenser Architekten Albert Giese und Ernst Giese als Kaufhaus Römischer Kaiser (KRK) errichtet, dessen Finanzierung zu einem großen Teil bei der jüdischen Kaufmannsfamilie Tietz aus Berlin lag. Im Jahr 1927 erfolgte der Anbau zweier Seitenflügel. Zehn Jahre später wurden die jüdischen Eigentümer des Warenhauses durch die Nationalsozialisten enteignet.
Ab 1. Oktober 1948 gelangte das Kaufhaus Römischer Kaiser (KRK) auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) in Volkseigentum und entwickelte sich in den 1950er Jahren zu einem der größten Warenhäuser innerhalb der DDR. Nach der Wende 1990 kam das Gebäude in den Besitz der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH, die schließlich 1999 mit der Karstadt Warenhaus AG verschmolzen wurde. Zwischen 1999 und 2000 ließ die Karstadt Warenhaus AG einen modernen Anbau mit Parkhaus errichten und komplexe Rekonstruktionsarbeiten durchführen. Seither bietet die Einkaufsgalerie Anger 1 auf einer Fläche von ca. 23.000 Quadratmetern etwa 50 Fachgeschäften und einer Karstadt-Filiale Platz und zählt damit zu den größten Einkaufszentren im Freistaat Thüringen. Betrieben wird es vom Hamburger Unternehmen ECE Projektmanagement.
Geschichte Vom Hotel zum Kaufhaus Römischer Kaiser (1905–1945) mini|Östliches Ende des Angers im Jahr 1899 mini|Logo des Kaufhauses Römischer Kaiser (KRK) mini|Kaufhaus Römischer Kaiser in den 1920er Jahren mini|Kaufhaus Römischer Kaiser in den 1930er Jahren
Ende des 19. Jahrhunderts bildeten das Hotel Römischer Kaiser, ein Wiener Café und eine Holzhandlung des gebürtigen Gothaers Albert Blödner, der in den 1870er Jahren nach Schmiedefeld am Rennsteig zog, die östliche Stirnseite des Angers, die jedoch vollständig am 12. Dezember 1905 einer Brandkatastrophe zum Opfer fiel. Dadurch entstand zwischen der Krämpferstraße (heutiges Krämpfertor) und der Langen Gasse (heutige Meyfartstraße) eine Baulücke von ca. 2200 Quadratmetern. Daraufhin plante der jüdische Kaufmann Siegfried Pinthus, der einen Kaufladen am Friedrich-Wilhelm-Platz (heutiger Domplatz) besaß, an dieser Stelle ein Geschäftshaus zu bauen. Hilfe für dieses Vorhaben bekam er von seinem Schwager Arthur Arndtheim und von der Familie Tietz, die ein großes Berliner Warenhaus-Unternehmen führte und mit der Ehefrau von Arthur Arndtheim verwandt war. Am 17. März 1906 erwarb die Berliner Grundstückserwerbsgesellschaft der Familie Tietz die Grundstücke für einen in Erfurt noch nie zuvor bezahlten Kaufpreis und ließ ab dem 1. Oktober 1906 die Brandruinen abreißen.
Wenig später begann der Neubau eines Warenhauses im Jugendstil nach Entwürfen der Architekten Albert und Ernst Giese aus Halle an der Saale. Die örtliche Bauleitung übte Hans Wolf aus. Mit der Bauausführung wurden der Erfurter Maurermeister Rudolf Walther und die Zementbaugesellschaft Alban Vetterlein & Co. (Leipzig) beauftragt. Dabei entschied man sich für ein viergeschossiges Stahlbetonskelett als tragende Konstruktion, die Fassade wurde mit Sandstein verblendet und das Dach mit zwei Ecktürmen flankiert. Zwischen beiden Türmen wurde eine drehbare, auf acht Säulen gestützte Weltkugel angebracht, die in der Nacht beleuchtet werden konnte und einen Durchmesser von ca. 4 Meter besaß. Auf der Weltkugel befand sich der Schriftzug Römischer Kaiser, er sollte die Verbindung zu den Hermann-Tietz-Warenhäusern symbolisieren, die alle eine ähnliche Dekoration aufwiesen. Im Inneren des Warenhauses gab es einen 20 Meter hohen Lichthof, der sich vom Erdgeschoss bis zum dritten Obergeschoss zog und von einem gewölbten Glasdach abgeschlossen wurde. Um den Lichthof herum führten Galerien, deren Pfeiler mit Bronze und Stuck verziert wurden. Trotz Problemen bei der Vergabe der Baugenehmigung und Verzögerungen durch Streiks konnten im Winter 1907/1908 der Rohbau und der Innenputz fertiggestellt werden. Am 30. Oktober 1907 erfolgte die Gründung der Kaufhaus Römischer Kaiser GmbH; als Gesellschafter fungierten Siegfried Pinthus, Arthur Arndtheim, Oscar Tietz und Leonhard Tietz. Nach dem Tod von Oscar Tietz 1926 übernahmen seine beiden Söhne Martin und Georg die Vertretung der Familie Tietz in der GmbH.
Am 23. März 1908 erfolgte die Eröffnung des Warenhauses unter dem Namen Kaufhaus Römischer Kaiser (KRK) in Anlehnung an den Vorgängerbau. Damit entstand zusammen mit dem Kaufhaus Reibstein am Junkersand und dem Kaufhaus Germania in der Löberstraße ein neuer Typus an Einzelhandelsgeschäft, der durch ein breit gefächertes Warenangebot und hallenartige Verkaufsflächen charakterisiert war. Des Weiteren konnten die Waren durch gemeinsame Großeinkäufe mit anderen Kaufhäusern des Hermann-Tietz-Konzerns zu niedrigeren Preisen angeboten werden. Diese fanden vor allem bei der unteren sozialen Schicht großen Zulauf. Am 8. Oktober 1908 wurden die beiden Kaufleute Siegfried Pinthus und Arthur Arndtheim zu den Geschäftsführern der Kaufhaus Römischer Kaiser GmbH ernannt.
Mitte der 1920er Jahre kam es zu einer Stabilisierung der Wirtschaftslage in Deutschland, so dass die Kaufbereitschaft und der Besucherandrang im Kaufhaus Römischer Kaiser stark zunahmen. Daraufhin beschloss man, die benachbarten Grundstücke in der Krämpferstraße (heutiges Krämpfertor) und Meyfartstraße aufzukaufen. Im Jahr 1926 übernahm Max Arenstein die Stellung als Geschäftsführer von Siegfried Pinthus und Dr. Louis Herzberg wurde zum Personalchef ernannt. Zwischen Mitte Mai und dem 30. September 1927 wurde unter Leitung des Erfurter Regierungsbaumeisters Wilhelm Holzinger das Warenhaus durch ein großes viergeschossiges Gebäude in Richtung der Krämpferstraße (heutiges Krämpfertor) erweitert. Des Weiteren entstand gegenüber in der Meyfartstraße ein kleinerer Anbau mit drei Etagen, in den später die Verwaltung einzog. Während der Bauarbeiten ging der Verkaufsbetrieb problemlos weiter, lediglich kurz vor der Neueröffnung des Anbaus am 17. November 1927 musste das Kaufhaus Römischer Kaiser für wenige Tage geschlossen werden. Durch den Umbau vergrößerte sich die Versandabteilung, und die allgemeine Verkaufsfläche wuchs um die Hälfte. Des Weiteren war im dritten Obergeschoss des Anbaus ein sogenannter Erfrischungsraum mit 300 Plätzen und im vierten Stockwerk eine Lebensmittelabteilung entstanden. Der Erfrischungsraum bot täglich verschiedene Speisen sowie Kuchen aus der hauseigenen Konditorei zusammen mit musikalischer Unterhaltung an. Außerdem wurde im Keller des Gebäudes eine Kühlanlage installiert, die eine 135 Quadratmeter große Kühlzelle für Nahrungsmittel versorgte und die Kühlung der Fleischtheke in der Lebensmittelabteilung sicherstellte. Anfang der 1920er Jahre wurden im zweiten Obergeschoss des Warenhauses eine Leihbibliothek mit 5.000 Büchern und Zeitschriften sowie ein firmeneigner Kindergarten eingerichtet.
Ende 1927 plante man, das Warenhaus durch Wilhelm Holzinger erneut erweitern zu lassen. Dabei sollte das Gebäude auf insgesamt sieben Geschosse erhöht und die Fassade zum Anger neu gestaltet werden. Jedoch ließ sich dieses Vorhaben durch den entstandenen Antisemitismus in Erfurt und ab 1933 durch die Machtübernahme Hitlers auch Jahre später nicht verwirklichen. Ende der 1930er Jahre wurde die Lage für das unter jüdischer Führung und Eigentum stehende Warenhaus immer bedrohlicher. Zunächst musste 1934 das Einheitspreisgeschäft, eine Filiale des Warenhauses in der Johannesstraße, geschlossen werden. Im Jahr 1935 folgte die Zwangsschließung des Erfrischungsraums und ein Jahr darauf die der betriebseigenen Fortbildungsschule. Unter der antisemitischen Propaganda verschlechterte sich auch der Umsatz des Warenhauses, so betrug er im Jahr 1930 noch ca. 8.000 Reichsmark pro Tag und sank innerhalb von vier Jahren fast auf die Hälfte. Am 25. September 1937 erfolgte die Überführung der Kaufhaus Römischer Kaiser GmbH in eine offene Handelsgesellschaft entsprechend einem Gesetz vom Juli 1934. Eine Woche später wurde das Warenhaus unter Zwang und unter Wert an den Leipziger Hans Quehl verkauft und in dessen Unternehmen Hans Quehl & Co. eingegliedert. Schließlich wurden am 19. November 1937 die beiden Kaufleute Arthur Arndtheim und Siegfried Pinthus als Gesellschafter offiziell aus dem Handelsregister ausgetragen. Wenige Tage darauf verstarb Siegfried Pinthus, der sein Lebenswerk durch die Enteignung verloren hatte, im Alter von 67 Jahren an einem Herzinfarkt in Friedrichroda. Noch bis zu seinem Tode besaß Siegfried Pinthus neben seiner Stellung als Gesellschafter des KRK den Vorsitz der jüdischen Gemeinde Erfurt, den er im Jahr 1926 übernommen hatte. Arthur Arndtheim emigrierte im April 1939 zusammen mit seiner Frau Erna und seinem Sohn Karl Heinz nach Ramat Gan in Palästina (heute Israel) und verstarb dort am 20. November 1945.
Der neue Eigentümer Hans Quehl, ein überzeugter Nationalsozialist, plante, das Kaufhaus Römischer Kaiser in ein Arisches Warenhaus umzuwandeln. Daraufhin ließ er die gläserne Weltkugel unter Leitung von Erich Herrmann entfernen. Große Teile des Personals wurden aufgrund ihres jüdischen Glaubens oder ihrer politischen Gesinnung entlassen. Des Weiteren veröffentlichte er Anzeigen in Zeitungen, die auf den Eigentümerwechsel aufmerksam machten und um neue Kunden warben. Während des Zweiten Weltkriegs wurden bis auf das vierte Stockwerk und das Erdgeschoss des Neubauflügels alle Abteilungen des Warenhauses sukzessive geschlossen. Ab 1939 wurde das Erfurter Hauptpostamt zum Schutz vor Luftangriffen in die ehemalige Lebensmittelabteilung des Warenhauses verlegt. Im Jahr 1944 kam es durch Brandbomben und Druckwellen von detonierenden Luftminen zu Schäden am Gebäude. Am 12. April 1945 wurde die Stadt Erfurt durch US-amerikanische Truppen eingenommen und durch Artilleriebeschuss das vierte Obergeschoss zerstört. Ab dem 17. Mai 1945 gelangte das Kaufhaus Römischer Kaiser unter die Verwaltung einer Treuhandgesellschaft und der bisherige Geschäftsinhaber Hans Quehl wurde entlassen. Seit dem 2. Juli 1945 gehörte die Stadt Erfurt und das Land Thüringen zur sowjetischen Besatzungszone (SBZ).
Vom KRK zum Centrum Warenhaus (1945–1990) mini|HO-Warenhaus im Jahr 1960 Ab August 1945 diente die erste Etage des Warenhauses für einige Monate als Magazin für die in der Stadt stationierten sowjetischen Offiziere, Soldaten und deren Familien. Nach notdürftiger Reparatur von gröberen Schäden, eröffnete die Stadtverwaltung im Dezember 1945 einen Teil des vierten Stockwerks für Nahrungsmitteleinkäufe der Erfurter Bevölkerung. Wenige Monate darauf war das gesamte vierte Stockwerk und ab Juni 1946 auch der Erfrischungsraum wieder zugänglich. Des Weiteren wurde in der ersten Etage eine Tauschzentrale für Lebensmittel eingerichtet und bestimmte Bereiche des Kaufhauses Römischer Kaiser als Obdach für Kriegsflüchtlinge aus den Ostgebieten und Kriegsheimkehrer genutzt. Im Dezember 1946 konnte das Erdgeschoss und im Jahr 1947 die erste Etage des Neubauflügels wieder eröffnet werden. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs versuchte Erna Arndtheim mit dem Sonderbeauftragten für die Verwaltung jüdischen Vermögens Georg Chaim das Warenhaus wieder als Eigentum übertragen zu bekommen. Mit dem Übergang des Warenhauses in Volkseigentum auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) am 5. März 1948 mussten diese Bemühungen jedoch endgültig eingestellt werden.