Die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin in der 17. Wahlperiode fand am 18. September 2011 statt.Politik aktuell – 2011 wählt Berlin: Senat legt Termin fest. Bei: berlin.de vom 19. Oktober 2010 Dabei wurden in Berlin das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen neu gewählt. Wahlberechtigt bei der Abgeordnetenhauswahl waren alle Deutschen, die am Tag der Wahl mindestens 18 Jahre alt waren und seit mindestens drei Monaten ununterbrochen ihren Wohnsitz in Berlin hatten. Für die Wahl zu den Bezirksverordnetenversammlungen waren diejenigen Deutschen und EU-Bürger wahlberechtigt, die das 16. Lebensjahr vollendet und seit mindestens drei Monaten ununterbrochen ihren Wohnsitz in Berlin hatten.Wahlaufruf der Landeswahlleiterin zur Wahl 2011 (PDF; 48 kB)
Die SPD unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit behauptete sich trotz Verlusten als stärkste Partei. Da Die Linke ebenfalls an Stimmen verlor, konnte das Regierungsbündnis dieser beiden Parteien, das seit 2002 bestanden hatte, nicht fortgesetzt werden. Die CDU konnte ihr Ergebnis leicht ausbauen und sich vor den erstarkten Grünen als zweitstärkste Partei behaupten. Die FDP blieb mit 1,8 Prozent deutlich unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde und verpasste damit den Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus. Den größten Stimmenzugewinn erreichte die erstmals angetretene Piratenpartei mit 8,9 Prozent, was ihr den erstmaligen Einzug in ein deutsches Landesparlament ermöglichte.
Wahlvorschläge
22 Parteien hatten Wahlvorschläge eingereicht und wurden zur Wahl zugelassen.Pressemitteilung der Landeswahlleiterin vom 13. Juli 2011 (PDF; 29 kB) Die Entscheidung über die Zulassung der Wahlvorschläge fällte der Landeswahlausschuss am 22. Juli 2011. Zur Zulassung der Wahlvorschläge waren für Landeslisten 2200 Unterstützerunterschriften vorzulegen; die Bundestagsparteien CDU, SPD, FDP, Linke, Grüne waren davon ausgenommen, da sie bereits im Berliner Parlament vertreten waren. Landesweit traten 18 Parteien an, davon SPD, CDU und FDP mit landesweiten Bezirkslisten; vier Parteien traten nur in einzelnen Bezirken an: (PDF; 54 kB)
Erklärung der Liste: Die Zahl in Klammern ist die einheitliche Nummernfolge der Wahlvorschläge auf den Stimmzetteln. Die nachstehenden Personen in Klammern stellen deren Spitzenkandidaten dar.
(1.) SPD – Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Klaus Wowereit)Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin 2011. Spiegel Online (2.) CDU – Christlich Demokratische Union Deutschlands (Frank Henkel) (3.) GRÜNE – Bündnis 90/Die Grünen (Renate Künast) (4.) DIE LINKE – Die Linke (Harald Wolf) (5.) FDP – Freie Demokratische Partei (Christoph Meyer) (6.) NPD – Nationaldemokratische Partei Deutschlands (Udo Voigt) (7.) Tierschutzpartei – Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Sabrina Bacholke) (9.) BüSo – Bürgerrechtsbewegung Solidarität (Stefan Tolksdorf) (10.) ödp – Ökologisch-Demokratische Partei (Christian Schantz) (11.) PSG – Partei für Soziale Gleichheit (Ulrich Rippert)Die Partei für Soziale Gleichheit tritt zur Berliner Abgeordnetenhauswahl an. (13.) Die PARTEI – Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Martin Sonneborn) beim Landesverband Berlin der Partei Die Partei (15.) BIG – Bündnis für Innovation und GerechtigkeitWebauftritt der BIG Berlin (Ismet Mısırlıoğlu) (17.) pro Deutschland – Bürgerbewegung pro Deutschland (Manfred Rouhs)pro-berlin.net (18.) DIE FREIHEIT – Bürgerrechtspartei für mehr Freiheit und Demokratie – Die Freiheit (René Stadtkewitz)Ankündigung der Wahlteilnahme der Partei Die Freiheit (19.) ddp – Deutsche Demokratische ParteiWebauftritt der ddp Berlin (Wolfgang Rogalski)Spitzenkandidat Rogalski (20.) DKP – Deutsche Kommunistische Partei (Rainer Perschewski) (21.) Deutsche Konservative – Deutsche Konservative Partei (Andreas Corinth)Unsere Kompetenten Kandidaten für das Berliner Abgeordnetenhaus. Homepage der Die Konservativen (26.) PIRATEN – Piratenpartei Deutschland (Andreas Baum)Piraten losen Spitzenplatz für die Landesliste
Vier Parteien traten nur in einzelnen Bezirken an: (8.) APPD – Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands (14.) B – Bergpartei, die Überpartei (22.) FAMILIE – Familien-Partei Deutschlands (27) UNABHÄNGIGE – Unabhängige für bürgernahe Demokratie
Wahlvorschläge für einzelne Wahlkreise kamen von den Parteien (12.) Demokratische Linke, (16.) Bürgerbestimmtes Berlin, (23.) Freie Union, (24.) Freie Wähler, (25.) Freie Wähler Deutschland und der (42.) Partei soziale Mitte Deutschland. Des Weiteren traten sieben (28.–34.) Einzelbewerber an. Die Nummern 35.–41. entfielen auf Wahlvorschläge für die gleichzeitig stattfindenden Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen.
Ursprünglich hatten 37 Vereinigungen die Teilnahme an der Wahl angezeigt. 34 wurden als Parteien anerkannt. Von diesen verzichteten zwölf auf die Einreichung von Wahlvorschlägen für eine Landesliste oder Bezirksliste.
Wahlkreiseinteilung
Zur Wahl am 18. September 2011 konnten in 100 Urnenstimmbezirken sowie 27 Briefwahlbezirken die Stimmen abgegeben werden.
78 der 130 Abgeordneten wurden mit der Erststimme direkt gewählt. Gegenüber der alten Wahlkreiseinteilung aus dem Jahre 2006 verlor der Bezirk Marzahn-Hellersdorf einen Wahlkreis, während der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg einen Wahlkreis hinzugewann. Grenzänderungen gab es außerdem bei den acht Wahlkreisen von Tempelhof-Schöneberg und bei den Wahlkreisen 2, 3 und 4 von Treptow-Köpenick.
Ausgangssituation
Seit 2002 regierte in Berlin eine rot-rote Koalition unter Klaus Wowereit. Die SPD verfügte über 53 Mandate, der Koalitionspartner Die Linke.PDS über 23 Mandate. Die Linke.PDS fusionierte während der Legislaturperiode mit der WASG zur Partei Die Linke. Daneben waren im Abgeordnetenhaus die CDU mit 37 Mandaten, die Grünen mit 23 Mandaten und die FDP mit 13 Mandaten vertreten.
Vor der Abgeordnetenhauswahl im September 2011 fanden eine Reihe von Landtagswahlen statt: die Bürgerschaftswahl in Hamburg (20. Februar), die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (20. März), in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz (27. März), die Bürgerschaftswahl in Bremen (22. Mai) sowie nur zwei Wochen vor der Wahl die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September.
Wahlergebnisse in Berlin seit 2006 Aufgeführt sind alle Parteien, die bei einer der letzten Wahlen seit 2006 mindestens 1,0 % auf Landesebene erreichten und zur Wahl 2011 landesweit antraten.
Partei Abgeordnetenhauswahl17. Sept. 2006 Europawahl7. Juni 2009 Bundestagswahl27. Sept. 2009 SPD 30,8 % 18,8 % 20,2 % CDU 21,3 % 24,3 % 22,8 % GRÜNE 13,1 % 23,6 % 17,4 % Die Linke PDS 13,4 %, WASG 2,9 % 14,7 % 20,2 % FDP 7,6 % 8,7 % 11,5 % PIRATEN — 1,4 % 3,4 % NPD 2,6 % — 1,6 % Tierschutzpartei 0,8 % 1,4 % 1,4 %
Stimmzettel Für jeden der 78 Wahlkreise gibt es einen weißen Stimmzettel für die Erststimmen. Für die Zweitstimmen gibt es zwölf Stimmzettel mit blauem Rand, einen für jeden Bezirk. Die ehemals farbigen Stimmzettel wurden neu gestaltet, damit Menschen mit Sehbehinderung diese besser erkennen können und so ohne fremde Hilfe ihre Stimme abgeben können. Jetzt ist der Hintergrund weiß und der Zettel hat einen farbigen Rand. Blinde und Menschen mit starker Sehbehinderung können eine Stimmzettelschablone nutzen und so auch ohne fremde Hilfe wählen.Presseerklärung vom 3. August 2011 (PDF; 21 kB)
Wahlumfragen Die sogenannte „Sonntagsfrage“, welche Partei die Berliner bei einer Abgeordnetenhauswahl am kommenden Sonntag wählen würden, wurden den entsprechenden Umfrageinstituten wie folgt beantwortet:
Institut Datum SPD CDU LINKE GRÜNE FDP PIRATEN Andere „Rechte“ Info GmbH beim Berliner Rundfunk 15.09.2011 31 % 22 % 12 % 18 % 2 % 9 % 3 % NPD 3 % Forschungsgruppe Wahlen 09.09.2011 32 % 21 % 11 % 19,5 % 3 % 5,5 %8 % Infratest dimap 08.09.2011 29,5 % 22 % 11 % 20 % 3 % 6,5 %8 % Emnid 04.09.2011 32 % 23 % 11 % 20 % 4 % 4 %6 % Forsa 02.09.2011 32 % 21 % 11 % 19 % 4 % 5 % 8 % Infratest dimap 30.08.2011 30 % 22 % 11 % 22 % 3 % 4,5 % 7,5 % Emnid 30.08.2011 33 % 24 % 11 % 19 % 5 % 4 % 4 % NPD 1 % Forschungsgruppe Wahlen 26.08.2011 33 % 20,5 % 10,5 % 20,5 % 3,5 % 4,5 % 4,5 % NPD 3 % Info GmbH 18.08.2011 36 % 23 % 8 % 22 % 2 % 4,5 % 4 % 1 % Infratest dimap 10.08.2011 31 % 22 % 12 % 22 % 4 % 3 % 9 % Forsa 31.07.2011 30 % 19 % 13 % 24 % 3 % 11 % Info GmbH 21.07.2011 29 % 21 % 13 % 26 % 2 % 7 % 2 % Emnid 17.07.2011 32 % 21 % 14 % 22 % 3 % 8 % Infratest dimap 06.07.2011 29 % 23 % 14 % 23 % 3 % 7 % Forsa 04.07.2011 31 % 18 % 11 % 27 % 3 % 10 % Info GmbH 18.06.2011 33 % 17 % 12 % 29 % 3 % 5 % 1 % Infratest dimap 08.06.2011 30 % 21 % 12 % 25 % 4 % 8 % Forsa 29.05.2011 31 % 17 % 10 % 27 % 3 % 12 % Info GmbH 21.05.2011 28 % 20 % 11 % 31 % 2 % 7 % 3 % Infratest dimap 11.05.2011 29 % 21 % 13 % 26 % 3 % 8 % Forsa 01.05.2011 29 % 18 % 10 % 29 % 2 % 12 % Info GmbH 24.04.2011 27 % 20 % 13 % 30 % 3 % 7 % EmnidOhne „Bussi-Bussi“ gegen Wowi. In: stern.de 10.04.2011 27 % 20 % 14 % 29 % 3 % 7 % Infratest dimap 06.04.2011 26 % 21 % 15 % 28 % 3 % 7 % Info GmbH 31.03.2011 32 % 19 % 11 % 29 % 3 % 6 % Forsa 26.03.2011 29 % 19 % 13 % 24 % 3 % 12 % Info GmbH 06.03.2011 30 % 20 % 12 % 22 % 4 % 9,3 % 2,4 % Forsa 25.02.2011 30 % 18 % 13 % 23 % 4 % 12 % Infratest dimap 16.02.2011 28 % 23 % 16 % 23 % 3 % 7 % Forsa 15.01.2011 28 % 19 % 14 % 24 % 3 % 12 % Infratest dimap 10.01.2011 29 % 20 % 17 % 25 % 4 % 5 % ForsaSPD beschert sich Umfragesieg. In: Berliner Zeitung, 18./19. Dezember 2010, S. 23. 18.12.2010 27 % 19 % 15 % 25 % 4 % 10 % Infratest dimap 08.12.2010 27 % 21 % 17 % 27 % 3 % 5 % Forsa 27.11.2010 26 % 18 % 16 % 28 % 3 % 9 % ForsaDie Grünen stagnieren – auf hohem Niveau. In: Berliner Zeitung, 1. November 2010. 01.11.2010 27 % 17 % 14 % 29 % 3 % 10 % Infratest dimapBerlinTrend Oktober 2010. In: Abendschau (RBB) vom 27. Oktober 2010 27.10.2010 22 % 20 % 17 % 30 % 3 % 8 % ForsaWahlumfragen zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin. 01.10.2010 26 % 16 % 15 % 30 % 3 % 10 % Emnid 13.09.2010 28 % 19 % 15 % 25 % 4 % 9 % Infratest dimap 08.09.2010 24 % 22 % 16 % 28 % 4 % 6 %
Wahlergebnis
Wegen einer Zählpanne im Bezirk Lichtenberg (Wahlkreis 1) mussten die Stimmen dort neu ausgezählt werden;Wieso? Weshalb? Warum? In: Berliner Zeitung, 22. September 2011 dadurch verloren SPD, Grüne und Linke je ein Mandat.Zähl-Chaos in Berlin – SPD verliert Direktmandat. Welt Online, abgerufen am 28. September 2011 Die Tabellen zeigen das endgültige Wahlergebnis. Dem Wahlergebnis ist neben den Gewinnen und Verlusten der einzelnen Parteien hinzuzufügen, dass sich die Unterschiede der Wahlergebnisse in den ehemaligen Stadthälften West und Ost wie bereits bei der vorherigen Wahl weiter verringert haben, auch wenn sie immer noch deutlich vorhanden sind.
+ Endgültiges Wahlergebnis der Zweitstimmenanteile nach Regionen Nr. Region/Bezirk Wahl-beteiligung SPD CDU GRÜNE LINKE PIRATEN Parteienunter 5 % NPD FDP -2 20px|Wappen Berlin Berlin (insgesamt) 60,2 % 28,3 % 23,3 % 17,6 % 11,7 % 8,9 % 10,2 % 2,1 % 1,8 % 0 20px|Wappen Berlin Berlin – West 62,0 % 27,9 % 29,5 % 20,3 % 4,3 % 8,1 % 9,9 % 1,6 % 2,3 % -1 20px|Wappen Berlin Berlin – Ost 57,8 % 28,8 % 14,2 % 13,5 % 22,7 % 10,1 % 10,7 % 2,9 % 1,2 % 1 55,9 % 28,7 % 17,9 % 22,5 % 11,0 % 10,5 % 9,4 % 1,4 % 1,7 % 2 62,2 % 23,9 % 8,4 % 30,3 % 13,0 % 14,7 % 9,7 % 1,0 % 1,0 % 3 60,8 % 29,1 % 13,8 % 19,1 % 17,9 % 10,5 % 9,6 % 2,0 % 1,3 % 4 65,1 % 31,2 % 28,2 % 21,7 % 3,6 % 7,0 % 8,3 % 0,8 % 3,0 % 5 58,0 % 31,7 % 34,2 % 12,5 % 3,7 % 7,3 % 10,6 % 2,2 % 2,1 % 6 70,0 % 25,1 % 36,2 % 21,1 % 3,0 % 6,4 % 8,2 % 1,0 % 3,0 % 7 64,1 % 27,1 % 28,9 % 23,0 % 4,0 % 7,8 % 9,2 % 1,5 % 2,0 % 8 57,2 % 27,4 % 26,7 % 17,9 % 5,6 % 9,6 % 12,8 % 3,1 % 1,8 % 9 60,9 % 28,9 % 15,9 % 10,7 % 23,0 % 9,3 % 12,2 % 4,1 % 1,2 % 10 51,0 % 28,2 % 17,5 % 5,6 % 27,4 % 8,8 % 12,5 % 4,0 % 1,3 % 11 53,5 % 30,9 % 12,3 % 7,6 % 29,0 % 9,3 % 10,9 % 3,5 % 0,9 % 12 62,1 % 28,1 % 38,4 % 13,6 % 3,3 % 6,7 % 9,9 % 1,9 % 2,3 % Farben der Bezirksnummern: ehem. West-, ehem. Ost-, West/Ost-Fusionsbezirke, Gesamt-Berlin